DSM-5

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DSM-5 ist die Abkürzung für die fünfte Auflage des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM; englisch für „Diagnostischer und statistischer Leitfaden psychischer Störungen“). Es handelt sich dabei um das nationale psychiatrische Klassifikationssystem der USA. Das DSM spielt eine zentrale Rolle bei der Definition und Diagnostik von psychischen Erkrankungen und wird seit 1952 von der Amerikanischen Psychiatrischen Gesellschaft (APA) herausgegeben.[1]

Das DSM-5 wurde am 18. Mai 2013 veröffentlicht und löste damit das DSM-IV von 1994 ab.[2] Es stellt die aktuell gültige und für die Diagnostik verbindliche Ausgabe dar.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Arbeit am DSM-5 begann 1999. Ab 2000 war Darrel Regier als Forschungsdirektor der APA verantwortlich für die Koordination der Vorbereitungsarbeiten. Seit 2004 gibt es eine eigene Website. Seit 2006 steht die DSM-5-Arbeitsgruppe unter Leitung von David Kupfer, Stellvertreter ist Darrel Regier.[1] Seit 2007 trafen sich regelmäßig Arbeitsgruppen (sog. Task Forces) zu den verschiedenen diagnostischen Kategorien. Außerdem wurden die Forschungsergebnisse zahlreicher Konferenzen und Kongresse eingearbeitet.

Veränderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veränderungen im DSM-5 betreffen z. B. strengere Kriterien für eine ADHS-Diagnose, eine Überarbeitung des Suchtkapitels (Integration von Süchten unter die Abhängigkeitserkrankungen), sowie eine Einstufung der Diagnosen in „mild“, „mittel“ oder „schwer“. Als neue Diagnose kommt u. a. das Binge Eating hinzu. Nach wie vor keine Diagnosen sind: Burnout-Syndrom, komplexe posttraumatische Belastungsstörung und Internetabhängigkeit. Das Asperger-Syndrom wird als eigenständige Diagnose gestrichen und fällt nun unter Autismus-Spektrum-Störungen.

Die seit Jahrzehnten übliche Einteilung der Schizophrenie in verschiedene Unterformen wurde gestrichen.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anzahl der im DSM aufgeführten Krankheiten und Störungen ist stetig von 106 (DSM-I) auf 374 (DSM-5) angestiegen.[3]

Dies könnte u.a. daran liegen, dass viele der ins DSM-5 neu aufgenommen Diagnosen möglicherweise wissenschaftlich nicht genug überprüft und die Schwellwerte für ältere Diagnosen gesenkt wurden.[4] Eine Studie der University of Massachusetts Boston fand heraus, dass 69 % der DSM-5-Mitarbeiter Verbindungen zur Pharmaindustrie hatten; bei der Arbeitsgruppe zu affektiven Störungen waren es 83 % und bei den für Schlafstörungen zuständigen Autoren waren es 100 %.[5]

Durch die Möglichkeit, jede Verhaltensauffälligkeit als „milde“ Störung zu diagnostizieren, befürchten Kritiker eine Inflation von Diagnosen, die den Betroffenen dann lebenslang anhängen können.[6][7] Prominentester Kritiker ist der US-amerikanische Psychiater Allen Frances, der ehemalige Vorsitzende der DSM-IV-Kommission.[8] Auch das National Institute of Mental Health (NIMH) mit ihrem Leiter Thomas Insel kritisiert das DSM-5 für einen Mangel an Validität.[9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Falkai, Hans-Ulrich Wittchen (Hrsg.): Diagnostisches und statistisches Manual psychischer Störungen DSM-5. 1. Auflage. Hogrefe, Göttingen 2015, ISBN 978-3-8017-2599-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b David Kupfer, Darrel Regier: DSM-5 Implementation and Support. American Psychiatric Association, abgerufen am 20. Januar 2015 (englisch).
  2. DSM-5: The Future of Psychiatric Diagnosis – offizielle DSM-5 Entwicklungswebsite
  3. James Davies: Cracked: Why Psychiatry is Doing More Harm Than Good. Icon Books, London 2013.
  4. Allen Frances: Psychologists Start Petition Against DSM 5. Psychology Today, abgerufen am 23. Januar 2017.
  5. http://journals.plos.org/plosmedicine/article?id=10.1371/journal.pmed.1001190
  6. Alenka Tschischka: Heiß diskutiert: DSM-V. In: report psychologie. Band 38, Nr. 5, 2013, S. 214.
  7. «Wir haben die Unreife von Kindern in Krankheit verwandelt». derbund.ch, 4. Januar 2014, abgerufen am 20. Januar 2015.
  8. Frank Jacobi, Wolfgang Maier, Andreas Heinz: Diagnostic and Statistical Manual Of Mental Disorders: Hilfestellung zur Indikation. In: Ärzteblatt. Jg. 110, Nr. 49, 2013 (online [PDF; abgerufen am 20. Januar 2015]).
  9. Thomas Insel: Director’s Blog: Transforming Diagnosis. National Institute of Mental Health, 29. April 2013, abgerufen am 20. Januar 2015 (englisch).