Dactylioceras

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Dactylioceras
Dactylioceras sp. aus dem deutschen Jura, Durchmesser 4 cm

Dactylioceras sp. aus dem deutschen Jura, Durchmesser 4 cm

Zeitliches Auftreten
Toarcium bis Ende Toarcium
182,7 bis 174,1 Mio. Jahre
Fundorte
Systematik
Urmünder (Protostomia)
Weichtiere (Molluscum)
Kopffüßer (Cephalopoda)
Ammoniten (Ammonoidea)
Dactylioceratidae
Dactylioceras
Wissenschaftlicher Name
Dactylioceras
Hyatt, 1867

Dactylioceras ist eine durch mittelgroße, sehr entwickelte Gehäuse gekennzeichnete Gattung aus der ausgestorbenen Gruppe der Ammoniten. Sie ist dem Toarcium, einer chronostratigraphischen Stufe des Unterjura, zuzuordnen[1][2] und gilt als Leitfossil.[3] Die Gattung Dactylioceras wurde erstmals 1867 durch den Zoologen und Paläontologen Alpheus Hyatt als eigene Untergruppe der Ammoniten beschrieben.[4] Der Name des Ammoniten leitet aus den griechischen Begriffen dactolos „Finger“ und ceras „Horn“ ab.[5]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dactylioceras werden weltweit, vor allem in Nordwesteuropa, Nordamerika und Nordsibirien[6] gefunden. Auf der Ebene der Untergattungen und Arten gibt es aber geographische Differenzierungen.[7] Wissenschaftlich beschriebene Fundorte auch weiterer Dactylioceratidae sind die chilenischen Hochkordilleren zwischen 26° und 29° südlicher Breite[8] sowie das nördliche Spanien in den Gebieten um Teruel, Saragossa, Burgos und Logroño, des Weiteren Südspanien, Algerien, Südfrankreich, Sizilien, Mittel- und Süditalien, Jugoslawien, Griechenland, Türkei, die Karpaten, der Kaukasus und Indonesien.[9]

Morphologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die morphologische Beschreibung der Gehäusegröße eines Dactylioceras reicht von 25 mm bis zu 150 mm. Die dünnwandige Schale ist nur selten erhalten. Als Form dominiert eine evolute Gestalt mit querovalem bis hochovalem Windungsquerschnitt. Die Umgangswand ist in der Regel systematisch ausgebildet und lässt sich in zahlreiche Abschnitte unterteilen. An die von der Naht senkrecht oder steil aufsteigende Nabelfläche schließt sich bei den meisten Formen eine ausgeprägte Nabelkante an. Die daran anschließende Flanke reicht bis zur Externkante, wobei die tatsächliche Formung je nach Art unterschiedlich ausgeprägt ist.

Die Normalskulptur wird aus gegabelten Rippen, Einfachrippen und Schaltrippen gebildet, die ohne Unterbrechung bis zur Externkante verlaufen und in so genannte Rippenspaltpunkte, je nach Art auch mit ausgebildeten, kleinen Knoten, münden, die sich in der Regel an der Außenkante der Flanke befinden. Der Interkostalraum zwischen den Rippen beträgt häufig das 1,5 bis 2 fache der Rippenbreite. Der tatsächliche Rippenverlauf ist ein wesentliches Merkmal zur Taxonomie.[10]

Taxonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Taxonomie der Familie der Dactylioceratidae gab Reinhard Schmidt-Effing 1972 einen geschichtlichen Überblick, in dem er darstellte, dass die Systematik der in Frage kommenden Fossilien seit Alpheus Hyatt vor allem durch J. Buckman, William Joscelyn Arkell und Otto Heinrich Schindewolf einer beständigen Änderung unterzogen wurde.[11]

Untergattungen und Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Axel von Hillebrandt und Reinhard Schmidt-Effing gaben 1981 folgende Einteilung an:

  • Genus: Dactylioceras Hyatt, 1867
      • Typusart: Ammonites communis Sowerby, 1815
    • Subgenus: Dactylioceras (Eodactylites) Schmidt-Efffing, 1972
      • Typus-Art: Dactylioceras pseudocommune Fucini, 1935
        • Dactylioceras (Eodactylites) simplex Fucini, 1935
    • Subgenus: Dactylioceras (Orthodactylites) Buckman, 1926
      • Typus-Art: Orthodactylites directus Buckman, 1926
        • Dactylioceras (Orthodactylites) anguinum Reinecke, 1818
        • Dactylioceras (Orthodactylites) directum Buckman, 1926
        • Dactylioceras (Orthodactylites) helianthoides Yokoyama, 1904
        • Dactylioceras (Orthodactylites) hoelderi n.sp (benannt nach Helmut Hölder)
        • Dactylioceras (Orthodactylites) tenuicostatum chilense n.ssp.
        • Dactylioceras (Orthodactylites) sp. (nicht bestimmbare Fragmente von Río Manflas in Chile)
    • Subgenus: Dactylioceras (Dactylioceras) Hyatt, 1867
      • Typus-Art: Dactylioceras communis J. Sowerby, 1815[12]

Weitere Systematiken[13][14] benennen unter Einbeziehung von Simpson 1843 und 1855 zusätzliche Spezies.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reinhard Schmidt-Effing: Zur Paläontologie jurassischer Invertebraten. Die Dactylioceratidae, eine Ammoniten-Familie des unteren Jura. Systematik, Stratigraphie, Zoogeographie, Phylogenie mit besonderer Berücksichtigung spanischen Materials. In: Münstersche Forschungen zur Geologie und Paläontologie. Nr. 25/26. Münster 1972 (ashipunov.info [PDF; abgerufen am 23. September 2014]).
  • Axel von Hillebrandt; Reinhard Schmidt-Effing: Ammoniten aus dem Toarcium (Jura) von Chile (Südamerika): Die Arten der Gattungen Dactylioceras, Nodicoeloceras, Peronoceras und Collina. In: Dietrich Herm (Hrsg.): Zitteliana. Abhandlungen der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und historische Geologie. Nr. 6. Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und historische Geologie, 1981, ISSN 0373-9627.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Paleobiology Database, abgerufen am 21. September 2012
  2. Sepkoski's Online Genus Database, abgerufen am 21. September 2014
  3. Lexikon der Biologie:Ammonoidea. Abgerufen am 21. September 2014.
  4. Reinhard Schmidt-Effing: Zur Paläontologie jurassischer Invertebraten. 1972, S. 6., bezugnehmend auf: A.Hyatt,The fossil cephalopods of the Museum of Comparative Zoology, in: Bulletin of The Museum of Comparative Zoology, vol.3, pp. 59–111, Cambridge, Mass. 1872.
  5. Rudolf Schlegelmilch: Die Ammoniten des süddeutschen Lias. 2. Auflage. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart 1992, ISBN 3-437-30678-2, S. 87.
  6. Reinhard Schmidt-Effing: Zur Paläontologie jurassischer Invertebraten. 1972, S. 59.
  7. Reinhard Schmidt-Effing: Zur Paläontologie jurassischer Invertebraten. 1972, S. 143.
  8. Axel von Hillebrandt; Reinhard Schmidt-Effing: Ammoniten aus dem Toarcium (Jura) von Chile (Südamerika). 1981, S. 6 f., 31.
  9. Reinhard Schmidt-Effing: Zur Paläontologie jurassischer Invertebraten. 1972, S. 17–19, 143 f.
  10. Reinhard Schmidt-Effing: Zur Paläontologie jurassischer Invertebraten. 1972, S. 21–25.
  11. Reinhard Schmidt-Effing: Zur Paläontologie jurassischer Invertebraten. 1972, S. 35–40.
  12. Axel von Hillebrandt; Reinhard Schmidt-Effing: Ammoniten aus dem Toarcium (Jura) von Chile (Südamerika). 1981, S. 31–41.
  13. Rudolf Schlegelmilch: Die Ammoniten des süddeutschen Lias. 2. Auflage. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart 1992, ISBN 3-437-30678-2, S. 87 f.
  14. The Genus Dactylioceras Ammonoidea from Northeastern Russia. Abgerufen am 28. September 2014 (englisch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dactylioceras – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien