Dagmersellen

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Dagmersellen
Wappen von Dagmersellen
Staat: Schweiz
Kanton: Luzern (LU)
Wahlkreis: Willisau
BFS-Nr.: 1125i1f3f4
Postleitzahl: 6252
UN/LOCODE: CH DAE
Koordinaten: 641727 / 22927147.2130567.989455481Koordinaten: 47° 12′ 47″ N, 7° 59′ 22″ O; CH1903: 641727 / 229271
Höhe: 481 m ü. M.
Fläche: 24.0 km²
Einwohner: 5118 (31. Dezember 2014)[1]
Einwohnerdichte: 213 Einw. pro km²
Website: www.dagmersellen.ch
Karte
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Dagmersellen, im luzerndeutschen Ortsdialekt Dammerselle [ˈdamːərseɫːə],[2] ist eine politische Gemeinde im Wahlkreis Willisau des Schweizer Kantons Luzern.

Die alte Gemeinde Dagmersellen wurde am 1. Januar 2006 durch die Fusion mit den früheren Gemeinden Buchs LU und Uffikon territorial markant, bevölkerungsmässig um etwa ein Drittel vergrössert.

Geographie[Bearbeiten]

Dagmersellen liegt im Schweizer Mittelland am Ufer der Wigger. Die Gemeinde grenzt im Westen an und Norden an Reiden, im Nordosten an Knutwil, im Südosten an Mauensee, im Süden an Wauwil, Egolzwil sowie Nebikon und im Südwesten an Altishofen.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die Einwohnerzahl stieg bis 1850 erheblich (1798–1850: +56,5 %). In zwei Schritten sank sie dann bis ins Jahr 1900 infolge Abwanderung (1850–1900: −11,2 %), allerdings nicht so stark wie in vielen anderen Landgemeinden zu jener Zeit. Bis 1950 wuchs sie dann wieder langsam auf den Stand von 1850. Danach erhöhte sich die Bevölkerungszahl innert eines halben Jahrhunderts gewaltig (1950–2000: +64,0 %). Seither ist eine Stagnation mit leichtem Bevölkerungsrückgang eingetreten.

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1798 1'281
1850 2'005
1900 1'761
1950 2'019
1960 2'287
1970 2'770
1980 2'667
1990 3'028
2000 3'311
2004 3'286 (4'352)
2006 4'554
2008 4'847

Sprachen[Bearbeiten]

Die Bevölkerung spricht als Alltagssprache eine hochalemannische Mundart. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 gaben 89,22 % Deutsch, 2,54 % Albanisch und 2,14 % Italienisch als Hauptsprache an.

Religionen – Konfessionen[Bearbeiten]

Früher waren alle Bewohner der Gemeinde Mitglieder der römisch-katholischen Kirche. Heute (Stand 2000) sieht die Religionslandschaft wie folgt aus: 81,12 % der Einwohner sind römisch-katholische, 7,97 % evangelisch-reformierte und 2,75 % orthodoxe Christen. Daneben findet man 2,39 % Konfessionslose, 2,23 % Muslime und 0,30 % Hindus. Die Muslime sind mit Ausnahme weniger Bosniaken allesamt Albaner aus dem Kosovo und Mazedonien. Die Hindus sind Tamilen aus Sri Lanka.

Herkunft – Nationalität[Bearbeiten]

Ende 2006 waren von den 4554 Einwohnern 3999 Schweizer und 555 (= 12,2 %) Ausländer. Beim Stichtag der letzten Volkszählung waren 81,88 % (einschliesslich Doppelbürger 84,26 %) Schweizer Staatsangehörige. Die grössten Einwanderergruppen kommen aus Serbien-Montenegro (6,98 % einschliesslich Doppelbürger; sowohl Albaner wie Slawen), Italien (3,90 % einschließlich Doppelbürger), Portugal (2,23 % einschließlich Doppelbürger) und Spanien (1,09 %).

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ortsname Dagmarsellen ist eine Zusammensetzung des althochdeutschen männlichen Personennamens Dagemar, Tagemar mit dem althochdeutschen Gattungswort salida «Herberge, Behausung» und bedeutet damit «bei den Behausungen des Dagemar» – was sich auf einen frühen alemannischen Siedler bezog. Die ältesten schriftlich festgehaltene Formen sind mehrere Jahrhunderte jünger und lauten Tagmarsellen (1070–90, spätere Kopie), in Tagemarsseldon (1173) und Tagemarsselidon (1223).[3]

In die Geschichte tritt Dagmersellen im Jahr 1076 ein. Damals gehörte der grössere Teil des Dorfes den Freiherren von Wolhusen, die im Wiggertal noch andere Besitzungen hatten. Sie sicherten, zusammen mit anderen Adeligen, die Grenze gegen das Burgunderreich mit Burgen ab. In dieser Zeit dürfte auf dem Gäitschiflüeli eine Holzburg entstanden sein. Freiherr Seliger trat als Mönch in Einsiedeln ein und vermachte dem Kloster im Finstern Wald seine Güter in Dagmersellen, Ettiswil, Wauwil und Egolzwil.

Auf dem Einsiedler Dinghof hielt der Abt, beziehungsweise sein Stellvertreter, zweimal im Jahre Gericht. So amtete 1334 Hans Waldmann, der Zürcher Bürgermeister, als Einsiedler Stiftsammann in Tagmarsellen.

1262 hatte Abt Heinrich die Vogtei über den Dinghof den Edlen von Trostberg verliehen. Diese besassen in der Gemeinde auch einige Güter und eine Wasserburg (heute Bauernhof der Familie Steiner an der Kreuzbergstrasse, wo auf der Ostseite noch der ehemalige Burggraben zu sehen ist). Diese Burg muss in der Zeit vor dem Sempacherkrieg zerstört worden sein. Am 18. Mai 1679 gelangten die einsiedlerischen Güter an Luzern. Damit waren die luzernischen Besitzungen im nordwestlichen Kantonsteil abgerundet. Im August 1798 wurde Dagmersellen von der französischen Armee besetzt.

Das 19. Jahrhundert ist die Zeit der Industrialisierung. 1858 eröffneten Hermann und Carl Senn von Zofingen in der Sagen eine Seidenband­weberei mit 96 Webstühlen. 1865 folgte eine Kunstmühle, drei Jahre später entstand an der Gemeindegrenze eine Baumwoll­weberei.

Die direkte Hauptstrasse Dagmersellen–Reiden wurde 1849 angelegt. Der Bau der Centralbahn brachte um 1855 eine grosse Veränderung für das Dorf. 1980 wurde die Autobahn A2 eröffnet und brachte dem Dorf eine merkliche Entlastung vom Durchgangsverkehr.

Auf den 1. Januar 2006 wurden die Nachbargemeinden Uffikon und Buchs in Dagmersellen eingemeindet. Ende November 2004 hatten die Stimmberechtigten in den drei Gemeinden diesen Schritt deutlich gutgeheissen: In Dagmersellen mit 960 : 263 Stimmen (Stimmbeteiligung 56.4 %), in Uffikon mit 306:52 (73,3 %) und in Buchs mit 196:16 (78,9 %).

Kunst, Kultur, Brauchtum und Vereinsleben[Bearbeiten]

Seit 1994 vergibt die Gemeinde einen «Kulturbatzen» an Vereine, Institutionen oder einzelne Personen, die durch ihr Schaffen und Wirken das kulturelle Leben in Dagmersellen mitgestalten. Der Kulturbatzen in der Höhe der jeweiligen Jahreszahl, für 2010 also 2010 Franken, ist als Anerkennung und Würdigung zu verstehen sowie als Ansporn, sich weiterhin für die kulturelle Gestaltung des Lebensraumes von Dagmersellen einzusetzen.

In der Gemeinde befindet sich das umstrittene Kunstprojekt Tempelhof Uffikon, das als ein traumhaftes 113 000 Quadratmeter grosses Gesamtkunstwerk bezeichnet wird.

Das einst hier geübte Brauchtum des Giritzenmoosgerichts ist in den 1870er Jahren ausgestorben.[4]

An Vereinen sind zu nennen: FC Dagmersellen, Musikgesellschaft Dagmersellen, Beerebiisser Dagmersellen, Häppereschweller Dagmersellen, Jungwacht und Blauring Dagmersellen, Volkshochschule Dagmersellen, Navo, Feldschützengesellschaft Dagmersellen, Ski-Club Dagmersellen SCD, Sportverein Uffikon, TC Dagmersellen, TVD Aktive, TVD Handball, Velo-Club Dagmersellen, Wandergruppe Wiggertal Dagmersellen, Handharmonika-Club Dagmersellen und Umgebung.

In Dagmersellen findet jährlich am 26. Dezember das Internationale Radquer statt.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Folgende Firmen sind unter anderem in Dagmersellen:

Bekon Koralle AG, Emmi Milch AG, Gezolan AG, Hugo Willimann AG, Josef Arnet AG, JT International AG (Japan Tobacco), Pan Gas AG, Aldi, Galliker, Nestlè AG, Hiestand AG, Jumbo

Verkehr[Bearbeiten]

Dagmersellen besitzt einen Bahnhof an der wichtigen Nord-Süd-Strecke der Schweizerischen Bundesbahnen von Olten nach Luzern und wird von Regional Zügen sowie der Linie S8 von Olten nach Sursee bedient.

Hinzu kommen zwei Buslinien, deren eine Dagmersellen mit Sursee und deren andere Dagmersellen mit Nebikon, Schötz und Ebersecken verbindet.

Die Ortschaft liegt an der Nord-Süd Autobahnverbindung A2.

Bilder[Bearbeiten]

Literatur und Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dagmersellen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Sprachatlas der deutschen Schweiz, Band V 1b.
  3. Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 285.
  4. Vgl. J. L. Arnold: Das «Giritzenmoos» in Dagmersellen (Kanton Luzern). In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Jg. 7 (1903), S. 295–298.