Dame (Schach)

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Chess piece - White queen.jpg Chess piece - Black queen.JPG
Schachfiguren
Chess king icon.png König
Chess queen icon.png Dame
Chess rook icon.png Turm
Chess bishop icon.png Läufer
Chess knight icon.png Springer
Chess pawn icon.png Bauer

Die Dame (Unicode: ♕ U+2655, ♛ U+265B) ist die stärkste Figur beim Schachspiel. Zusammen mit dem Turm gehört sie zu den Schwerfiguren. In der Praxis ist die Dame im Zusammenspiel mit Turm, Läufer und Springer eine starke Angriffsfigur.

Zugmöglichkeiten und Wert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Die Dame ist eine sehr wendige und schnelle Figur. Sie verbindet die Zugmöglichkeiten eines Turms mit der eines Läufers.

Die Dame darf auf jedes freie Feld in jeder Richtung linear und diagonal ziehen, ohne jedoch über andere Figuren zu springen und vereint somit die Wirkung sowohl eines Turms als auch eines Läufers in sich. Von einem weißfeldrigen Standfeld kann die Dame diagonal auf andere weiße Felder gehen und entsprechend von einem schwarzen nur auf ein ebensolches. Eine Reihe oder Linie des Schachbretts entlang darf die Dame über weiße und schwarze Felder ziehen und auf ein beliebiges anderes Feld gestellt werden, soweit der Weg frei ist. Damit ist die Dame eine sehr wendige, schnelle Figur.

Der angenommene Wert einer Dame entspricht neun Bauerneinheiten und ist damit etwas weniger wert als zwei Türme (mit jeweils fünf Bauerneinheiten), jedoch etwas mehr als ein Turm und ein Läufer oder Springer (letztere mit jeweils etwa drei Bauerneinheiten). Dies ist aber natürlich auch von der aktuellen Spielsituation abhängig.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dame auf einer Wohlfahrtsmarke (BRD 1972)

Im Urschach, dem Chaturanga, nahm der „Mantrin“ den Platz der heutigen Dame ein. Dieser Ratgeber oder Minister war die schwächste Figur auf dem Brett, ihre Zugweise beschränkte sich auf jeweils ein Feld in der Diagonalen. Die Perser nannten die Dame im Schachspiel „farzin“, wobei dieses Wort zugleich ein Synonym für „wazir“ ist, mit der Bedeutung Minister.[1] Im Arabischen wird diese Schachfigur als „firz“ bezeichnet. Mit der Einführung des Spiels nach Europa wurde daraus „Ferz“ oder „Fers“. Aufgrund der ähnlichen Aussprache von Fers zum französischen „vierge“ (Jungfrau) sowie der räumlichen Nähe zur Figur des Königs, bürgerte sich der Begriff Dame oder Königin ein. Um 1490 setze sich die heutige Zugweise dieser Figur durch. Vorbild für die Verstärkung der Figur war möglicherweise Jeanne d’Arc.

Die Dame in den drei Spielphasen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Eröffnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Regel sollte die Dame nicht zu früh gespielt werden, da das Abwehren gegnerischer Angriffe nur unnötig Zeit (Tempi) kostet und dem Gegner Gelegenheit gibt, seine Figuren zu entwickeln. In der Regel ist es deshalb sinnvoller, in der Eröffnung zunächst die Leichtfiguren, also Springer und Läufer, zu entwickeln und zu rochieren. Eine wichtige Ausnahme von dieser Regel bietet etwa die Skandinavische Verteidigung, bei der die Dame in der Hauptvariante bereits im zweiten Zug gespielt wird.

Im Mittelspiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mittelspiel sollte die Dame zentriert werden, um ihre Kraft entwickeln zu können. Vor allem die Besetzung offener Linien und Diagonalen ist anzustreben, da sie dort ihre große Stärke, die Reichweite, ausspielen kann. Nicht selten ist es die Dame selbst, die die Angriffe des Spielers durchführt, nachdem von den anderen Figuren die dafür nötigen Voraussetzungen geschaffen worden sind. Ein in der Literatur sehr beliebtes, wenn auch in der Praxis selten vorkommendes Motiv ist das Damenopfer. Hierbei wird die Dame gegen deutlich schwächere Figuren geopfert, um einen spielentscheidenden Vorteil zu erlangen, beispielsweise ein direkter Mattangriff im Idealfalle.

Im Endspiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Endspiel Dame und König gegen König ist leicht zu gewinnen. Das Mattsetzen verläuft ähnlich wie mit dem Turm, indem der gegnerische König an den Rand gedrängt wird. Unerfahrenen Spielern passiert es gelegentlich, dass sie den gegnerischen König in der Ecke des Brettes patt setzen, bevor er matt wird.

Haben beide Spieler noch Bauern auf dem Brett und jeweils eine Dame, so ist der Ausgang oft unklar. Aufgrund der großen Beweglichkeit der Figur können sich eher überraschende Wendungen ergeben, als das in Turmendspielen der Fall ist.

In Endspielen gegen zwei Türme ist die Dame meist im Nachteil, weil sich die Türme gegenseitig decken und unterstützen können.

Damenfang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Diagramm 1: Ein früher Damenfang: Stellung nach 4. Lf1–d3

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Diagramm 2: Damenfang nach 4. … Sg4–e3

Aufgrund ihrer Zugmöglichkeiten und großen Reichweite ist der so genannte Damenfang ein eigens benanntes und relativ seltenes Schachmotiv: Die Dame wird von einer gegnerischen Figur angegriffen, ohne dass sie über Rückzugs- oder Ausweichfelder verfügt. Häufig sind dabei die eigenen Figuren ungünstig platziert bzw. die Figuren der Gegenpartei bestreichen die übrigen Felder. Im ersten Beispieldiagramm ist ein früher Damenfang abgebildet, den der Schwarze durch voreiliges Ziehen mit der Dame begünstigt hat. Nach der Zugfolge (siehe auch: Schachnotation): 1. e4 e6 2. d4 Df6? 3. e5 Df5?? 4. Ld3 kann die Dame nicht mehr ausweichen. Ein derart schwerer Materialverlust ist in der Regel spielentscheidend.

Ein weiterer früher Damenfang in der Eröffnungsphase kann nach den Zügen 1. d4 Sf6 2. Sd2 e5 3. dxe5 Sg4 4. h3?? Se3 entstehen (Diagramm 2). Der Springer ist wegen des Damenausfalls nach h4 mit nachfolgendem Matt (6. g3 Dxg3#) nicht zu nehmen, die weiße Dame ist analog zum „Stickmatt“ des Königs gefangen.

Gardez[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine nicht mehr angewandte Regel sah vor, auf den Angriff auf die Dame mit dem Ausspruch „Gardez“ hinzuweisen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joachim Petzold: Das königliche Spiel. Die Kulturgeschichte des Schach. Kohlhammer, Stuttgart 1987. ISBN 3-17-009405-X
  • Renate Syed: Kanauj, die Maukharis und das Caturanga. Förderkreis Schach-Geschichtsforschung e. V., Kelkheim/Ts. 2001, ISBN 3-934474-09-8

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dame (Schach) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Saeid Rezvani: Moderne persische Lyrik: eine analytische Untersuchung. Harrassowitz, Wiesbaden 2007, ISBN 3-447-05542-1, Kapitel 3: Mehdi Ahawan Talet. → Abschnitt 3.2.5: Der Inhalt der Lyrik Ahawans; S. 115: Anmerkung 251 (bei Google-books)