Damm (Aschaffenburg)

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Damm, Ausschnitt aus dem Pfinzingatlas Spessart 1594
Blick auf Damm (Vordergrund Häuser am Godelsberg)
Luftbild 2008, vorne Stadtteil Leider

Damm ist ein Stadtteil der kreisfreien Stadt Aschaffenburg mit 13.013 Einwohnern (31. Dezember 2014) und gehört zum Regierungsbezirk Unterfranken im Freistaat Bayern der Bundesrepublik Deutschland.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtteil liegt im nordöstlichen Stadtgebiet, nördlich der Bahnlinie WürzburgAschaffenburgFrankfurt am Main. Er grenzt entlang der Aschaff, der Habichtstraße, der Steinbacher Straße und des Grundweges an den Stadtteil Strietwald, und ansonsten an die Gemeinde Glattbach und den Markt Goldbach. Der Stadtteil Damm besteht aus einem Teil der Gemarkung Damm und aus einem Teil der Gemarkung Aschaffenburg. Zum Stadtteil Damm gehört die Fahrbachsiedlung. Die Postleitzahl lautet 63741.

Größtes Gewässer ist die Aschaff.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Damm als Ortschaft muss um 1150 entstanden sein, um 1170 mit Errichtung der Aschaffenburger Pfarrei St. Agatha wurde der Zehntbezirk Damm von der Pfarrei Unsere Liebe Frau (Aschaffenburg) übernommen.[1]

An der Aschaff und dem Glattbach gab es zwölf Mühlen wovon sich sechs im Gemeindegebiet von Damm befanden. Die Herrenmühle wird bereits 1182 in einer Schenkung erwähnt[2].

Um 1624 wird Damm erstmals in amtlichen Unterlagen in Verbindung mit Aschaffenburg genannt; 1765 im Zehntverzeichnis: Aschaffenburg benebst dem dazugehöringen Dorff Damm.[3] Zu Zeiten des Großherzogtums Frankfurt lag der Ort Damm im Bereich der Distriktsmairie Aschaffenburg im Departement Aschaffenburg. Maire war der Bürgermilitär-Hauptmann Ignaz Vill, seine Adjuncte hießen Caspar Maidhof und Conrad Schuck.

Infolge des Pariser Vertrages vom 3. Juni 1814 kam der Teil des Großherzogtums Frankfurt, in dem Damm lag, am 26. Juni 1814 zu Bayern. Durch allerhöchste Verordnung vom 29. September 1818 kam Damm als Ruralgemeinde neben der seit 1815 kreisunmittelbaren Stadt Aschaffenburg zum Kreis- und Stadtgericht II Klasse Aschaffenburg. Am 26. November folgenden Jahres wechselte Damm gemäß Regierungsentschließung ins Landgericht Aschaffenburg (ab 1862 Bezirksamt Aschaffenburg). Am 1. Juli 1901 erfolgte der Wechsel vom Bezirksamt Aschaffenburg in die kreisunmittelbare Stadt Aschaffenburg.[4]

Am 21. November 1944 wurde der Stadtteil Damm bei einem britischen Luftangriff auf Aschaffenburg, seinen Bahnhof und die Panzerreparaturwerkstatt (im heutigen Stadtteil Nilkheim) weitgehend zerstört. Die Zahl der dabei getöteten Menschen wird in zwei Quellen unterschiedlich angegeben und liegt bei 221 bzw. bei 344. Ein weiterer Luftangriff am 29. Dezember 1944 forderte 11 Menschenleben.

Am 21. Oktober 2012 wurde ein Grenzstein ca. 38,1 m südöstlich historischen Gemarkungsgrenze der Schultheißerei Damm zur Stadt Aschaffenburg zugleich aber auf der heutigen Grenze zwischen den Gemarkungen Damm und Aschaffenburg, nämlich an der Ecke Behlenstraße/Bernhardstraße in einer Grünanlage neu gesetzt.

Industrie und Handwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtteil Damm ist der einwohnerstärkste Stadtteil Aschaffenburgs und durch große Industriegebiete geprägt. Er besteht aus einem Teil des Gemeindegebietes der früheren Schultheißerei Damm und dem Teil der Gemarkung Aschaffenburg, der nördlich der Bahnlinie Frankfurt – Würzburg liegt. Im 19. Jahrhundert gab es in der Schultheißerei Damm Papiermühlen und eine Steingutfabrik. Auf der Aschaffenburger Gemarkung des Stadtteils Damm gab es um 1830 ebenfalls eine Steingutfabrik (in der Haselmühle) und ab den 1870er Jahren eine Weißpapierfabrik.

Zu Beginn der 1870er Jahre befand sich in der unteren Dämmer Mühle, einer früheren Mehl-, später auch Schwerspat- und Lumpenmühle, eine Kupferschmelze, die Justushütte. Dort wurde aus dem Erz des Oberen Kahlgrundes Kupfer gewonnen. Heute gehört dieses ehemals Dämmer Gewerbegebiet um die Lackfabrik und die Kläranlage zum Stadtteil Innenstadt.

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Damm befinden sich zwei Grundschulen, zwei Hauptschulen, eine private Wirtschaftsschule, sechs Kindergärten, eine Fach- sowie Berufsoberschule.

Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Stadtteil Damm befinden sich die Kirche der katholischen Kirchengemeinden St. Michael und St. Josef sowie die Kirche der evangelischen Kirchengemeinde St. Paulus.

Sport und Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Vereine und Organisationen sind im „Vereinsring Damm“ organisiert. Der Ringsportverein Einigkeit 05 Damm brachte zwei deutsche Mannschaftsmeisterschaften und zahlreiche international erfolgreiche Sportler hervor.

Ferner existieren der „Schützenverein 1888 Aschaffenburg-Damm e.V.“ und die „Schützengesellschaft 1917 e.V. Aschaffenburg-Damm“. 2007 bezog der „Tanzsportclub Schwarz-Gold Aschaffenburg“ sein neues Tanzsportzentrum in Damm.

Größter Verein ist die TuS 1863 Damm mit etwa 1200 Mitgliedern in 9 Abteilungen. Turner, Basketballer und Faustballer dieses Vereins waren in der Vergangenheit in den jeweiligen Bundesligen vertreten.

Die beiden Kegelsportvereine Bahnfrei Damm und Dreieck Damm betreiben gemeinsam das modern ausgestattete Kegelzentrum im Schwalbenrainweg.

SV 1911 Damm ist ein reiner Fußballverein, im Jahr 2010 gehörte er der Landesliga an, musste dann allerdings aufgrund finanzieller Probleme in die unterste Klasse zurückziehen.

Der Tennisverein PWA Damm hat seinen Namen durch die ehemalige Papierfabrik erhalten und führt diesen auch nach deren Verkauf weiter.

Weiter gibt es die beiden Wandervereine Touristengesellschaft Damm und Wanderfreunde Damm.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtteil Damm ist am Hauptbahnhof Aschaffenburg mit seinen drei Parkhäusern und ca. 200 P&R-Parkplätzen direkt an die Bahnstrecken nach Würzburg, Miltenberg, Darmstadt und Frankfurt angeschlossen, hat über die nahen Autobahnauffahrten Aschaffenburg West und Aschaffenburg Ost Anschluss an die Bundesautobahn 3 und wird von Buslinien der Aschaffenburger Stadtwerke sowie der KVG bedient. Durch Damm führt die Staatsstraße 2309.

Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Friedhof von Damm befinden sich ein Gedenkstein und die Dämmer Gedächtniskapelle zur Erinnerung an die Opfer der Luftangriffe 1944 und 1945. Gegenüber dem Kapelleneingang sind zwei Bronzetafeln mit den Namen von 240 Toten angebracht. Unter ihnen befinden sich viele Kinder.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Philipp Dessauer (1837–1900), Fabrikant, Ehrenbürger der Gemeinde Damm (Verleihung 30. November 1872). Er war bahnbrechend an der Verarbeitung von Zellstoff zu Papier beteiligt.
  • Erwin Englert (1922–1989), Träger des Ehrenbriefs der Stadt Aschaffenburg (Verleihung 1980). 1946–1960 in der Dämmer Handball-Meistermannschaft aktiv, wurde er 1960 zum Vorsitzenden der TuS 1863 Damm gewählt, dieses Amt übte er bis zu seinem Tod im November 1989 aus. Auch war er lange Zeit stellvertretender Vorsitzender der Turngaus Main-Spessart.
  • Julius Krieg (1882–1941), Dämmer Chronist, Prälat, Professor für Kirchenrecht sowie bayerisches Staats- und Verwaltungsrecht. 1906 zum Priester geweiht, Studium der Theologie, Rechts- und Staatswissenschaften in Freiburg, München und Würzburg, Professor in Regensburg.
  • Franz Philipp (1910–1980), Träger des Ehrenbriefs der Stadt Aschaffenburg (Verleihung 1966). Als Schütze, Leichtathlet, Hand- und Faustballer und als Sportfunktionär aktiv. Sein Einsatz für die Sportstätten und die Halle der TuS 1863 Damm wurden mit der Namensgebung "Franz-Philipp-Halle" geehrt.
  • Valentin Pfeifer (1886–1964), Lehrer, Heimatforscher und Schriftsteller. Den größten Teil seines Lebens verbrachte er in Aschaffenburg, wo er ab 1909 als Lehrer in der ehemaligen Luitpoldschule und danach als Rektor der Volksschule in Damm wirkte. Hier ist die Pfeiferstraße nach ihm benannt.
  • Franz Josef Hermann Reuter (* 26. Januar 1799 in Damm bei Aschaffenburg; † 23. August 1873 in Würzburg) war ein deutscher Klassischer Philologe.
  • Georg Sauer (1888–1973), Träger des Ehrenbriefs der Stadt Aschaffenburg (Verleihung 1958). Nestor des Aschaffenburger Sports, seit 1900 Mitglied der TuS 1863 Damm, 1909 wurde er Oberturnwart, von 1953 bis 1958 Vorstand der TuS Damm.
  • Alois Stadtmüller (1911–1989), Chronist. Damm, die Stadt Aschaffenburg, und das Spessartgebiet verdanken ihm die Aufarbeitung der regionalen Geschichte von 1933 bis 1945 und der Zeit des Wiederaufbaus.

Kurioses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dämmer ham´s unner de Hemmer (Hemden) und sollen mit dem Necknamen Hutschen gehänselt worden sein.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Aschaffenburger Studien. II.Dokumentationen, Band 8 – Dämmer Leben Dämmer Leut' Leben in Leider – Geschichte in Bildern, zusammengestellt von Martin Kempf, Stadt Aschaffenburg, 1992, ISBN 3-922355-06-4.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Martin Kempf Dämmer Chronologie Dämmer Leben – Dämmer Leut (1992)
  2. Alois Stadtmüller Mühlen in und um Damm Spessart, Heft 6 (1972)
  3. Martin Kempf Dämmer Chronologie Dämmer Leben – Dämmer Leut (1992)
  4. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 600.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 49° 59′ N, 9° 8′ O