Dammbruch von Bento Rodrigues

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Vergleichende animierte Satellitenbilder, die Region vor und nach dem Dammbruch.
Das Dorf Bento Rodrigues nach dem Dammbruch.

Der Dammbruch von Bento Rodrigues ereignete sich am 5. November 2015 in einem Stadtteil der Stadt Mariana im Bundesstaat Minas Gerais in Brasilien, als die Dämme eines Absetzbeckens brachen. Dabei starben 16 Menschen.[1] 32 Mio. Kubikmeter Schlamm flossen daraufhin über mehrere Flüsse in Richtung Atlantik.[2]

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 20° 13′ 53,5″ S, 43° 26′ 33,5″ W

Karte: Brasilien
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Dammbruch von Bento Rodrigues
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Brasilien

Als zwei Dämme eines Rückhaltebeckens eines Eisenerztagebaus brachen, ergoss sich eine Schlammlawine in das darunter gelegene Tal. Die Lawine durchbrach den darunterliegenden Santarem-Damm[3] und begrub das Bergdorf Bento Rodrigues binnen weniger Minuten unter sich. Bento Rodrigues war ein Ort mit 600 Einwohnern, etwa 250 Kilometer nördlich von Rio de Janeiro.

Durch das betroffene Gebiet fließen die Flüsse Rio Gualaxo do Norte und Rio do Carmo, die zum Einzugsbereich des Rio Doce gehören. Der Schlamm schob sich in den Fluss, der in der Folge auf einer Länge von 666 Kilometern verseucht wurde. Am 22. November erreichte der Schlamm die Mündung des Rio Doce.[4][5] Auch das Küstenökosystem wurde verseucht; drei Meeresschutzgebiete – Comboios, Costa das Algas und Santa Cruz – gelten als bedroht.

Hintergründe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kontaminiertes Wasser fließt in den Atlantik

Der Besitzer des Bergwerks ist das brasilianische Bergbauunternehmen Samarco Mineração, ein Joint Venture zwischen dem brasilianischen Bergbaukonzern Vale und dem britisch-australischen Rohstoffunternehmen BHP Billiton, die jeweils 50 Prozent der Aktien halten.[6] Samarco wies alle erhobenen Vorwürfe von sich und erklärte, dass ein leichtes Erdbeben die Dammbrüche ausgelöst hätte. Das Unternehmen gab außerdem an, dass der Schlamm nicht giftig sei und keine Gefahr für die Gesundheit der Menschen bestehe.[5] Ein Bericht der UN widerspricht dem und weist auf hohe Mengen von toxischen Schwermetallen und anderen Chemikalien im Schlamm hin.[7] Samarco wurde verpflichtet, für erste Notfallmaßnahmen Entschädigungszahlungen von umgerechnet 250 Millionen Euro zu leisten.[8]

Der brasilianische Staat verklagte die beteiligten Unternehmen Vale und BHP Billiton am 30. November 2015 auf umgerechnet 4,9 Milliarden Euro Schadenersatz.[9] Samarco hatte bereits angekündigt, vom 30. November an alle Gehaltszahlungen an Angestellte sowie Zahlungen an Lieferanten einzustellen, um die Strafzahlungen leisten zu können.[10]

Auswirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Bei der Katastrophe kamen 19 Menschen ums Leben und eine Frau verlor ihr noch ungeborenes Kind. Mehr als 500 verloren ihre Häuser und mehrere Hunderttausend wurden von der Trinkwasserversorgung abgeschnitten. Laut Erhebung der US-amerikanischen Beraterfirma Bowker Associates stellt die Katastrophe von Mariana einen Dreifach-Negativ-Rekord in der Geschichte des Bergbaus dar: 1. Die Menge an ausgetretenem Schlamm: 32 bis 62 Millionen Kubikmeter, 2. Die Größe des betroffenen Gebiets: 680 Kilometern Flusslauf, 3. Die Schadenshöhe: 5 bis 55 Milliarden USD.[11]

Untersuchungen des Flusswassers lieferten anfangs widersprüchliche Ergebnisse bzgl. der Belastung mit Giftstoffen. Teilweise wiesen sie erhöhte Werte von Arsen, Aluminium, Blei, Kupfer und Quecksilber nach. Ob diese Stoffe aus dem Schlamm des Rückhaltebeckens stammen, war unklar.[12][13] Spätere Analysen der UN gehen jedoch davon aus.[7]

Es soll mindestens 100 Jahre dauern, bis die Rückstände der Giftstoffe langsam verschwinden.[5]

BHP sandte seinen CEO, Andrew Mackenzie, ins Katastrophengebiet.[14] Der Tagebau wurde zunächst eingestellt, der Abbau soll bis Ende 2016[veraltet] wieder aufgenommen werden.[2] Die Katastrophe führte zum Verlust von fast 11 Milliarden Dollar Marktwert der Aktie am 9. November 2015.[15]

Samarco wurde zur Zahlung von Entschädigungen in einer Gesamthöhe von 24 Milliarden Reais (ca. 7 Mrd. Euro /Stand Dez. 2016) verurteilt.[16][17]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tjerk Brühwiller: Kaum Gift im Rio Doce. In: NZZ. 16. Dezember 2015, abgerufen am 17. Dezember 2015.
  2. a b Frik Els: BHP, Vale hit with $44 billion lawsuit over deadly spill. In: mining.com. 3. Mai 2016, abgerufen am 4. Mai 2016 (englisch).
  3. High resolution imagery of the Bento Rodrigues dam failures, 17. November 2015
  4. Anne Herrberg: Eine schlammbraun gewordene Lebensader. Umweltkatastrophe in Brasilien. In: tagesschau. ARD, 27. November 2015, abgerufen am 28. November 2015.
  5. a b c Der Rio Doce stirbt. In: Zeit Online. 27. November 2015, abgerufen im 7. November 2016.
  6. Alexander Busch: BHP und Vale in der Krise: Fataler Dammbruch schockt Brasilien. In: handelsblatt.com. 6. November 2015, abgerufen am 28. November 2015.
  7. a b Paul Kiernan: Brazil Dam’s Failure Flooded Region With Toxic Waste, U.N. Report Says. In: Wall Street Journal. 26. November 2015, ISSN 0099-9660 (wsj.com [abgerufen am 7. November 2016]).
  8. Folgen eines Dammbruchs. Brasiliens toter Fluss. In: NZZ. 18. November 2015, abgerufen am 27. November 2015.
  9. Brasilien reicht nach Dammbruch Milliardenklage gegen Konzerne ein. In: FAZ. 1. Dezember 2015, abgerufen am 1. Dezember 2015.
  10. Viele sprechen von einem „brasilianischen Fukushima“. In: FAZ. 30. November 2015, abgerufen am 1. Dezember 2015.
  11. Christian Russau: Schlamm der Zerstörung und des Unrechts. In: KoBra Website. 24. Oktober 2017, abgerufen am 18. Mai 2018.
  12. Susann Kreutzmann, Dagny Lüdemann: Politik, so verseucht wie der Rio Doce. In: Zeit Online. 1. Dezember 2015, abgerufen am 6. Dezember 2015.
  13. Tiago Palma: ONU Medidas do Governo brasileiro e de mineradoras após rutura de barragem foram „insuficientes“. In: Observador. 25. November 2015, abgerufen im 28. November 2015 (portugiesisch).
  14. Alan Kohler: BHP's Brazilian nightmare. In: Business Spectator. 9. November 2015, abgerufen am 28. November 2015.
  15. Owen Alexander, Oscar Grenfell: Six dead, at least 21 missing in Brazilian mine disaster. In: World Socialist Web Site. 11. November 2015, abgerufen am 28. November 2015.
  16. BHP, Vale shares surge on Samarco deal. In: mining.com. Abgerufen am 3. März 2016 (englisch).
  17. Brasilien: Minenunternehmen zahlt 4,6 Milliarden Euro Schadenersatz. In: zeit.de. Abgerufen am 3. März 2016.