Dammtor

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Dieser Artikel beschreibt das ehemalige Dammtor in Hamburg und seine Umgebung. Für das Dammtor in Barth siehe Dammtor (Barth)
Am Dammtor

Das Dammtor in Hamburg war ein bis ins frühe 19. Jahrhundert bestehendes Stadttor in der Gegend des heutigen Bahnhofes Hamburg Dammtor. Neben dem Bahnhofsnamen erinnern mehrere Straßennamen an das ehemalige Tor der Hamburger Wallanlagen. Auch die Umgebung wird seit altersher als am oder bei dem Dammtor bezeichnet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das (ältere) Dammthor 1587, historisierender Stich des 19. Jahrhunderts

Das Dammthor war ursprünglich eines der Hamburger Stadttore zwischen der Altstadt und der späteren Neustadt und befand sich am westlichen Ufer des Damms über die Alster, etwa bei der heutigen Ecke Jungfernstieg/Neuer Jungfernstieg.[1] Zu diesem alten Tor gehörte ein Befestigungsturm, genannt Isern Hinnerk (Eiserner Heinrich) oder auch Blauer Turm. Beim Bau der Hamburger Wallanlagen zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde das Tor an den heutigen Stephansplatz verlegt und nahm dabei seinen Namen an den neuen Ort mit. Den Grundstein für das neue Tor legte Christian IV. von Dänemark 1622; zwei Jahre später wurde es für den Verkehr freigegeben und 1632 ganz fertiggestellt.[1]

Altes wie neues Dammtor verbanden die Hamburger Innenstadt mit ihrem nördlichen Vorland und den dort gelegenen Dörfern, den heutigen Stadtteilen Rotherbaum, Harvestehude, Eppendorf und Eimsbüttel. Ebenfalls „vor dem Dammtor“ befanden sich seit dem 18. Jahrhundert die sogenannten Dammtorfriedhöfe. Nach dem Ende der Franzosenzeit wurde das Dammtor 1817 abgebrochen und die einstigen Festungsmauern und Wälle wurden in Grünanlagen umgewandelt.[1]

1866 erhielt der am Dammtordamm eröffnete Bahnhof der Hamburg-Altonaer Verbindungsbahn den Namen Dammtor. Dieser zu ebener Erde in Höhe des heutigen Kinos liegende Bahnhof wurde 1903 durch den heutigen Bahnhof Hamburg Dammtor abgelöst.

Quartier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Edgar Augustin: Die Liegende (1977), vor dem Alten Botanischen Garten (heute Teil von Planten un Blomen)

Im engeren Sinn ist mit Am Dammtor meist der Bereich um den Bahnhof Dammtor und entlang der Straße Dammtordamm, die zwischen den Parkanlagen Planten un Blomen (Stadtteil St. Pauli) und Gustav-Mahler-Park (Stadtteile Neustadt) bis zum Stephansplatz verläuft, gemeint. Ab der Kreuzung Stephansplatz führt die dann Dammtorstraße genannte Straße, die ehemalige Zufahrtsstraße zum Dammtor, weiter ins Stadtinnere zum Gänsemarkt. Von ihr zweigt der auf der Innenseite der ehemaligen Stadtbefestigung gelegene Dammtorwall ab.

Die bis ins 19. Jahrhundert gebräuchliche Bezeichnung Vor dem Dammtor umfasste in etwa die außerhalb des Festungsringes liegenden, durch das Dammtor zu erreichenden Gegenden von der Außenalster mit dem heutigen Stadtteil Hamburg-Rotherbaum, bis zu den Friedhöfen der Hamburger Kirchspiele, an deren Stelle sich heute Teile des Messegeländes und der Parkanlagen von Planten un Blomen im Stadtteil St. Pauli befinden.

Entsprechend werden manchmal, auch in Verbindung mit dem Fernbahnhof, der Park nördlich davon, die Moorweide mit dem anliegenden Hauptgebäude der Universität und das westlich vom Bahnhof liegende Congress Center Hamburg (CCH) mit dem Turm des Radisson Blu Hotel Hamburg an der Stelle des ehemaligen Eingangs zu Planten un Blomen durch am Dammtor lokalisiert.

Bauwerke am Dammtor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dammtorbahnhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Dammtor, dahinter das Hotel am CCH und der Fernsehturm

Der 1903 zum Empfang des Kaisers eröffnete Dammtor-Bahnhof ist das wichtigste Bauwerk am Dammtor und prägt zusammen mit dem CCH das heutige Bild des Quartiers.

Kriegerdenkmal, Gegendenkmal und Deserteurdenkmal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kriegerdenkmal am Dammtordamm
Gegendenkmal von Alfred Hrdlicka

Das „Kriegsklotz“ genannte Kriegerdenkmal am Dammtordamm, 1934 vom Traditionsverein des in Hamburg stationierten 76. Infanterieregiments initiiert und 1936 nach dem Entwurf von Richard Kuöhl errichtet, ist ein rechteckiger Block aus Muschelkalk mit einem umlaufenden Relief, das in Viererreihen marschierende Soldaten, mit Marschgepäck, geschulterten Gewehren und Stahlhelmen, in Lebensgröße darstellt. Es trägt mehrere Inschriften, unter anderem:

  • „Deutschland muss leben,
    und wenn wir sterben müssen“
aus dem Gedicht „Soldatenabschied“ von Heinrich Lersch. (Die Hamburger Punkband Slime kehrte diesen Spruch später in „Deutschland muss sterben, damit wir leben können“ um.)
  • Dem Infanterie Regiment Hamburg 2.Hanseat.Nr.76
    und seinem Reserve-Infanterie-Regiment Nr.76

Das Ehrenmal soll an die Soldaten des Infanterie-Regiments „Hamburg“ (2. Hanseatisches) Nr. 76 sowie seines Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 76 erinnern und wird dementsprechend auch 76er-Denkmal genannt. Bauherr des Denkmals waren die Traditionsvereine des Infanterieregiments 76. Die Errichtung des Denkmals war bereits vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten von den Initiatoren gefordert worden, es sollte als Gegendenkmal zu dem 1931 eingeweihten Hamburger Ehrenmal („Barlach-Stele“) von Ernst Barlach am Rathausmarkt fungieren, das von nationalen Kreisen abgelehnt wurde. Die Einweihung fand am 15. März 1936 statt.[2]

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges gab es Bestrebungen der britischen Besatzungsbehörden, das Denkmal zu sprengen. Der Hamburger Denkmalrat verhinderte dies mit einer Verfügung aus dem Jahr 1946, nach der lediglich die Reliefs und Inschriften entfernt werden sollten. Diese Verfügung wurde jedoch nicht umgesetzt.[2] 1958 versah Richard Kuöhl das Denkmal mit einer Gruftplatte für die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges.[2] In den 1970er Jahren war das Denkmal regelmäßig Ziel sowohl von militärischen und neonazistischen Aufmärschen wie von Antikriegskundgebungen, aber auch von Protestaktionen, wie dem Werfen von Farbbeuteln, dem Malen von Graffiti,[2] dem Abschlagen von Reliefstücken wie auch kleinteiligen Sprengungen. Die Bundeswehr stellte in den 1970er Jahren ihre Ehrungen an diesem Ort ein.[3] Für besondere Aufmerksamkeit sorgte es, als 1999 die Helme der auf den Reliefs abgebildeten Soldaten abwechselnd rot und grün gefärbt wurden, offenbar um damit die Beteiligung Deutschlands am Kosovo-Krieg unter der durch die Rot-Grüne Koalition getragenen Regierung zu kritisieren.[4][5]

1982 beschloss die Kulturbehörde Hamburg, an die Seite des Kriegerdenkmals ein Gegendenkmal als eine Gedenkstätte zu stellen.[2][6] Das so konzipierte Mahnmal gegen den Krieg des Wiener Künstlers Alfred Hrdlicka sollte aus vier Teilen bestehen. Da der Künstler Nachforderungen stellte, wurden allerdings zwischen 1983 und 1986 nur zwei Teile realisiert: Hamburger Feuersturm zur Operation Gomorrha und Fluchtgruppe Cap Arcona zur Versenkung des Schiffs Cap Arcona durch britische Bomber, die die meisten der an Bord befindlichen ca. 4.600 KZ-Häftlinge das Leben kostete. Die nicht fertiggestellten Teile hatten die Themen Soldatentod und Frauenbild im Faschismus.[7]

Im November 2015 wurde zwischen Kriegerdenkmal und Gegendenkmal das Deserteurdenkmal eingeweiht.[8]

So stehen nun also zwei Typen Gegendenkmäler beieinander, jeweils aus ihrer Zeit mit gleicher Zielrichtung, doch diametraler Aussage: das '76er Kriegerdenkmal gegen das Anti-Kriegsdenkmal Hamburger Ehrenmal von Ernst Barlach aus dem Jahr 1931[2] und die Gegendenkmäler gegen dieses „Gegendenkmal“.

Dammtorwache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dammtorwache am Dammtordamm 2

Die Dammtorwache ist ein kleines Gebäude zwischen Dammtordamm und Dag-Hammarskjöld-Brücke. Es wurde als Polizeiwache[9] im Neorenaissance-Stil mit Säulen, Kapitellen und Dreiecksgiebeln in den Jahren 1878/79 erbaut und 1972 unter Denkmalschutz gestellt. Es wird heute gastronomisch genutzt.[10]

Dag-Hammarskjöld-Brücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dag-Hammarskjöld-Brücke

An der Dammtorwache vorbei verläuft die 1962 errichtete Dag-Hammarskjöld-Brücke (benannt nach UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld).[11] Es handelt sich um eine Fußgängerbrücke, die mit einem 86 Meter langen Teil vom Dammtor-Bahnhof über die ehemalige Tiergartenstraße (jetzt Dag-Hammarskjöld-Platz) zum Eingang des U-Bahnhofes Stephansplatz führt und von dort mit 77 Metern den Dammtordamm zum Gustav-Mahler-Park hin überbrückt.[12] Zwischen 1974 und 2005 gelangte man von hier über weitere Brücken in eine kleine Einkaufspassage im Gebäude der DG-Bank, dem ehemaligen Hotel und heutigen Casino Esplanade, und von dort zu den Colonnaden. 2014 wurden zwei Schwingungstilger zur Bewegungsdämpfung in die Fußgängerbrücke eingebaut und 2015 der Gehweg saniert.[12]

Gustav-Mahler-Park mit Schillerdenkmal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gustav-Mahler-Park ist ein öffentlicher Park, der 1991 nach dem Komponisten Gustav Mahler (1891–1897 1. Kapellmeister am Hamburgischen Stadt-Theater) benannt wurde.[13][14] Die schmale Anlage ist Teil eines Grünzuges, der sich entlang des ehemaligen Stadtwalls von der Alster an der Lombardsbrücke über Planten un Blomen bis zur Elbe erstreckt.[14] Der Park verläuft vom Dammtordamm zum Alsterufer entlang des nördlich begrenzenden Dammes der Eisenbahn. Der Fußweg durch den Park wurde 2010 nach Hans Grahl benannt. Gen Süden ursprünglich durch die Hintergärten der nördlichen Bebauung der Esplanade abgegrenzt, ist er heute zwischen den entstandenen Hochhäusern mit der Straße verbunden.[15] Am Rande des Parks wurde im Herbst 1996 das erste Multiplex-Kino Hamburgs eröffnet, das an der Stelle des ehemaligen Münchner Hofbräuhauses errichtet wurde.[16]

Zwischen Kino und Dag-Hammarskjöld-Fußgängerbrücke steht das Denkmal für Friedrich von Schiller. Das Denkmal wurde 1866 vom Hamburger Schillerverein gestiftet und von den beiden Bildhauern Julius Lippelt und Carl Boerner geschaffen. Ursprünglich am Ferdinandstor/Lombardsbrücke mit Blick zur alten Kunsthalle aufgestellt, wurde das Denkmal mit den allegorischen Figuren und der Einfriedung 1958 hierher versetzt.[13] Etwas weiter im Park steht als Kunstwerk eine Lichtskulptur vor dem Unterwerk Stephansplatz der Hochbahn, einem 1928 von Architekt Karl Schneider errichteten Umformerwerk für den Gleichstrom der U-Bahnzüge.[17] Die farbige Lichtsäule wurde von Walter Dexel (vermutlich 1926) geschaffen. Des Weiteren befindet sich eine Bronzeplastik von Edgar Augustin, zwei Rugby-Spieler (1970) darstellend im Park.[18]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dammtor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Dammtor. In: Franklin Kopitzsch, Daniel Tilgner (Hrsg.): Hamburg-Lexikon. Ellert & Richter Verlag, Hamburg 2010, ISBN 978-3-8319-0373-3, S. 158 f.
  2. a b c d e f Hamburg: Kriegsdenkmal: Ideologie aus Muschelkalk. In: Hamburger Abendblatt. 11. März 2011.
  3. Werner Skrentny (Hrsg.): Hamburg zu Fuß. 20 Stadtteilrundgänge. Neu bearbeitete Auflage Hamburg 1992, ISBN 3-87975-619-8, S. 50.
  4. Dagmar Burkhart: Ehre. Das symbolische Kapital. Deutscher Taschenbuch Verlag, 2002, S. 104 (books.google.de).
  5. Hamburger Denkmal-Debatte: Gedenkstätte für Deserteure. In: Deutschlandradio Kultur, 21. August 2014.
  6. Gedenkort für Deserteure und andere Opfer der NS-Militärjustiz. Landeszentrale für politische Bildung, 2015, abgerufen am 25. Januar 2017 (PDF).
  7. Detlef Garbe und Kerstin Klingel: Gedenkstätten in Hamburg. Ein Wegweiser zu Stätten der Erinnerung an die Jahre 1933 bis 1945. Hrsg. von der Landeszentrale für politische Bildung, S. 81;(gedenkstaetten-in-hamburg.de PDF; 2,3 MB).
  8. Deserteursdenkmal in Hamburg − Der Gegensatz zum Gedenken an die Krieger In: Deutschlandradio Kultur, 11. November 2015.
  9. Denkmalliste Hamburg-Mitte, S. 276
  10. Denkmäler am Dammtor: Sehenswürdigkeiten am Dammtor-Bahnhof
  11. Gedenken an Dag Hammarskjöld In: Hamburger Abendblatt. 28. Juli 2005.
  12. a b Brückensanierung: Sanierung des Gehwegs auf der Dag-Hammarskjöld-Brücke geht weiter, hamburg.de, 28. Mai 2015.
  13. a b Eva Gerberding, Annette Maria Rupprecht: DuMont Reise-Taschenbuch Reiseführer Hamburg, 2016, Mair Dumont, S. 117 books.google.de
  14. a b Neustadt: Gustav-Mahler-Park, hamburg.de
  15. Hamburg: Verspäteter Zwillingsturm, Hamburger Wochenblatt, 11. Dezember 2013
  16. Erstes CinemaxX-Kino in Hamburg eröffnet !, filmmuseum-hamburg.de, 10/1996.
  17. Ralf Lange: Architekturführer Hamburg, Ed. Menges 1995
  18. FHH – Verzeichnis der erkannten Denkmäler, Abschnitt F-K, Stand 13. April 2010 (PDF; 1,8 MB).

Koordinaten: 53° 33′ 43″ N, 9° 59′ 27″ O