Flagge Dänemarks

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Dannebrog

Flag of Denmark.svg

Vexillologisches Symbol: Bürgerliche Flagge und Handelsflagge?
Seitenverhältnis: 28:37 (Stutflag)
Offiziell angenommen am: 1625

Die Flagge Dänemarks ist die offizielle dänische Nationalflagge. Sie wird Dannebrog oder Danebrog genannt, was in dänischer Sprache Flagge der Dänen bedeutet (von Altnordisch brók, Altdänisch brok, „Stoffstück, Tuch“).[1][2]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufbau des Dannebrog

Die Flagge Dänemarks zeigt auf rotem Grund ein weißes Kreuz. Die beiden roten quadratischen Felder am Mast haben eine Seitenlänge von 12 Einheiten. Das weiße Kreuz hat eine Breite von 4 Einheiten. Die beiden roten Rechtecke sind 12 Einheiten hoch und 21 Einheiten lang. Zusammen ergibt dies eine Höhe von 12+4+12 = 28 Einheiten und eine Breite von 12+4+21 = 37 Einheiten.

Das Rot der Flaggen des Königshauses und der Kriegsflagge ist dunkler als das sogenannte Dannebrogsrot (RGB-Hex-Code E31836) und wird als Krapprot (RGB-Hex-Code AC0234) bezeichnet.

Die Spitzflagge ist ein Hoheitszeichen, sie wird nur vom Königshaus, staatlichen Einrichtungen, dem Militär und namentlich ausgewählten Privaten (hier besonders dem Yachtklub) geführt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abbildung aus dem Armorial Gelre mit der ältesten bekannten Darstellung des Dannebrogs (um 1400)

Der Dannebrog ist eine der ältesten Flaggen der Welt. Angeblich hissten schon die Wikinger ein rotes Tuch, das den Namen Dannebrog trug. Die erste Abbildung einer roten Fahne mit weißem Kreuz findet sich in dem niederländischen Wappenbuch Armorial Gelre aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts als Feldzeichen Waldemars IV. Atterdag.[3]

Christian August Lorentzen: Während der Schlacht von Lyndanisse fällt der Danebrog vom Himmel (1809)

Der Legende nach entstand die Flagge Dänemarks am 15. Juni 1219, als König Waldemar II. in der Schlacht von Lyndanisse – dem heutigen Tallinn – gegen die heidnischen Esten kämpfte. Als der Krieg schon so gut wie verloren schien, soll eine große Flagge vom Himmel gefallen sein und die Esten vernichtet haben. Vermutet wird ein Zusammenhang mit der Kaiserlichen Kriegsflagge des Heiligen Römischen Reichs, die seit dem zwölften Jahrhundert in der Form „silbernes (weißes) Kreuz auf rotem Grund“ belegt ist. Andere führen sie auf die Fahne des Johanniterordens zurück, die wiederum die gleichen heraldischen Grundelemente umfasst.[4] Ritter dieses Ordens fochten gelegentlich auch in dänischen Heeren des Mittelalters.

Historische Flagge? Trauerflagge anlässlich des Todes König Christians VI., 1746

Die Verwendung des Kreuzzeichens auf mittelalterlichen Schiffen, sowohl auf der Mastspitze als auch auf einem Tuch als Flagge, ist ein allgemeines Phänomen des frühen europäischen Flaggenwesens.[5] Die dänische Flagge gehört damit zu einer ganzen Gruppe früher Seezeichen auf Nord- und Ostsee, zu der auch die englische Flagge sowie die mittelalterlich französische Flagge und die Zeichen der Ritterorden (Johanniter, Deutscher Orden) zählen. Eine Schiffsflagge mit dem Wappen Eriks VII. von Pommern mit weißem Dannebrog-Kreuz wurde 1427 Kriegsbeute und in der Marienkirche zu Lübeck aufgehängt. Dort verbrannte der älteste bekannte erhaltene Dannebrog in der Palmsonntags-Bombennacht 1942. Als danabroka wird die Flagge 1439 erstmals in einer schwedischen Quelle erwähnt[6], 1478 dann zum ersten Mal in einem dänischen Text.

Zum Tode König Christians VI. im Jahr 1746 wurde eine besondere Trauerflagge verwendet. Es war ein Dannebrog, dessen Rot durch Schwarz ersetzt war. Sie wehte für zwei Monate auf Holmen.[7] 1854 wurde der Dannebrog zur Staatsflagge Dänemarks erklärt. Die genauen Proportionen der letzten beiden Felder waren nie genau festgelegt. Am 1. Mai 1893 erging eine neue Anweisung an alle Polizeichefs, nicht einzuschreiten, wenn die Proportionen der letzten beiden Felder länger als 6:4 waren und 7:4 nicht überschritten.

Der Dannebrog wird auch südlich der deutsch-dänischen Grenze von dänischen Südschleswigern gehisst (neben der Flagge mit den beiden Schleswigschen Löwen). Die Farben der norwegischen (Rot-Weiß) und der schonischen Flagge (Rot) sind dem Dannebrog entlehnt. Als dänische Kolonie führten auch die Jungferninseln bis 1917 das Erkennungszeichen im Siegel (Siegel der Amerikanischen Jungferninseln).

Beflaggungstage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

56:107 Vexillologisches Symbol? Als zivile wie militärische Dienstflagge dient ein Dannebrog mit Schwalbenschwanz (Splitflag).

Die folgenden Daten sind die offizielle Beflaggungstage[8]

Darüber hinaus ist es jedem freigestellt, nach Belieben zu flaggen. Bei Geburtstagen und anderen familiären Festen wird in der Regel geflaggt, ebenso im Trauerfall; hierbei bis zur Beerdigung auf halbmast, danach auf voller Höhe. Zum alltäglichen Gebrauch dient der Dannebrogwimpel, der die halbe Länge des Fahnenmastes haben soll. Er kann gesetzt werden, wenn ein Eigentum bewohnt wird und verbleibt auch nachts am Mast.[9]

Es ist in Dänemark Privatpersonen nicht gestattet, mit anderen Nationalflaggen als denen der nordischen Länder sowie der Flagge der Europäischen Union und der Vereinten Nationen zu flaggen.[10] Ausgenommen sind Flaggenansammlungen wie vor Hotels oder Ausstellungen. Eine andere Flagge als den Dannebrog zu setzen, erfordert eine Ausnahmegenehmigung der dänischen Polizei. Diese Genehmigung kann erteilt werden, wenn gleichzeitig an einem eigenen Flaggenmast der Dannebrog gezeigt wird. Dabei muss die dänische Flagge mindestens die Größe der ausländischen haben.[11]

Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flaggen des Königshauses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Militärische Flaggen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Marineflagge ist etwas dunkler im Farbton.

Historische Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flaggen der eigenständigen Teile des Königreichs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als eigenständige Teile des Königreichs Dänemark führen die Färöer seit 1959 und Grönland seit 1985 offiziell eigene Flaggen neben der dänischen. Grönlands Flagge wurde in bewusster Abgrenzung vom Kreuz gestaltet, die Verbundenheit mit Dänemark zeigen aber Farbe und Grundsymmetrie.

Regionalflaggen (inoffiziell) mit skandinavischem Kreuz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die dänischen Inseln Bornholm und die Landschaft Vendsyssel (Vendelbrog) unterstreichen ihre regionale Identität mit Flaggen, die in der Aufteilung am Dannebrog ausgerichtet sind.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ODS (Ordbog over det danske Sprog), Bd. 2, 1920. Onlineversion
  2. Der Duden kennt die Schreibweisen Danebrog und Dannebrog
  3. Armorial Gelre, fol. 55 v. – Cf. John Lind: Den faldt fra himlen ned. In: Skalk, 2001, Nr. 6, S. 23.
  4. Bruhn, Danebrog, S. 34.
  5. Hans Horstmann: Vor- und Frühgeschichte des europäischen Flaggenwesens. Die Rechtszeichen der europäischen Schiffe im Mittelalter, Bremen: 1971
  6. In der Großen Schwedischen Reimchronik heißt es: „Hans Svena voro til Vadstena dragne med Danabroka uthslagne“ (H. Henningsen: Der Danebrog als Schiffsflagge, in: Schleswig-Holstein und der Norden. Festschrift für Olaf Klose zum 65. Geburtstag, hrsg. von Alfred Kamphausen, Neumünster 1968, S. 129–137, hier S. 130).
  7. Bernt Kure, Holmen, Høst & Søn, København 2005, ISBN 87-14-29925-9
  8. Die offiziellen Beflaggungstage Justizministerium (dänisch):
  9. http://www.jmarcussen.dk/maritim/mart/flag.html
  10. Flagreglement. In: www.spejderportal.dk. 15. September 2014; abgerufen am 4. November 2015.
  11. Udenlandske flag justitsministeriet.dk

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschsprachige Literatur
  • Henningsen, H.: Der Danebrog als Schiffsflagge, in: Schleswig-Holstein und der Norden. Festschrift für Olaf Klose zum 65. Geburtstag, hrsg. von Alfred Kamphausen, Neumünster 1968, S. 129–137.
  • Schlürmann, Jan: Zwischen Dreifarb’ und Dannebrog. Hoheitliche und nationale Symbolik als Spiegel schleswig-holsteinischer Identitäten vom 19. bis zum 21. Jahrhundert. In: Von Menschen, Ländern, Meeren. Festschrift für Thomas Riis zum 65. Geburtstag, hrsg. von Gerhard Fouquet/Mareike Hansen/Carsten Jahnke/Jan Schlürmann, Tönning 2006, S. 69–90.
Dänischsprachige Literatur
  • Bruhn, Helge: Danebrog og danske Faner gennem Tiderne, København 1949 (dänisch)
  • Jesper Hjermind und Kristian Melgaard (Redaktion): Om Dannebrog jeg ved ... 2. Auflage. Forlaget Viborg I/S, Viborg 1996, ISBN 87-90281-01-2, S. 92 (dänisch).
  • Hans Christian Bjerg: Dannebrog – historien om et kristent og nationalt symbol. Forlaget Hovedland, 2006, ISBN 87-7739-906-4, S. 135 (dänisch).
  • Sådan bruges Dannebrog. 1. Auflage. Danmarks Samfundet, Brøndby 2007, ISBN 978-87-990709-0-9, S. 65 (dänisch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Flaggen Dänemarks – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien