Daniel Bax

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Daniel Bax (* 1970 in Blumenau, Brasilien) ist deutscher Journalist und Autor. Er arbeitete langjährig für die taz, ging dann zum Mediendienst Integration und ist seit 2020 Pressesprecher des DeZIM-Instituts.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der in Blumenau geborene Bax wuchs in Freiburg im Breisgau und danach in Berlin auf, wo er seit 1985 lebt.[1] Einen Teil seiner Kindheit verbrachte er unter Neo-Sannyas.[1] Bax studierte Publizistik und Islamwissenschaft an der Freien Universität Berlin mit Magister-Abschluss. Von 1998 bis 2017 war er Redakteur bei der taz in Berlin, zunächst als Musikredakteur im Kulturressort, dann im Ressort Meinung und Debatte, später als Parlamentskorrespondent. Zuletzt war er im Inlandsressort der taz für Integrations- und Migrationspolitik zuständig. Außerdem schreibt er zu Islam- und außenpolitischen Themen.[1] Ab 2017 war Bax Projektmanager und Redakteur beim Mediendienst Integration, einer Informations-Plattform für Medienschaffende.

Daniel Bax verfasste für mehrere Themenhefte des Netzwerks Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage Beiträge – zu türkischem Rechtsextremismus (Graue Wölfe), Islam und Popkultur oder Rassismus im Alltag. Er veröffentlichte Beiträge sowie Interviews mit Künstlern aus dem Bereich Weltmusik wie Tarkan oder Goran Bregović. Darüber hinaus verfasste er mehrere Booklet-Texte – zu der Compilation „Bucovina Club“ von Shantel (Essay Recordings, 2002), „Beyond Istanbul“ (Trikont, 2006) von DJ Ipek aus Berlin und zu „Many Lessons. Hiphop & Islam in Westafrica“ (Piranha, 2008). Er ist Mitglied der Neuen deutsche Medienmacher*innen und war von 2014 bis 2020 ehrenamtlich in deren Vorstand aktiv. In dieser Zeit verliehen die Neuen deutschen Medienmacher:innen ihren Negativpreis „Die Goldene Kartoffel“ an den damaligen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt für sein „Lebenswerk“, an die vier großen öffentlich-rechtlichen TV-Talkshows für mangelnde Vielfalt und an Spiegel-TV für ihre reißerische und klischeehafte Berichterstattung über „arabische Clans“.

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 plädierte er für Pragmatismus und Gelassenheit, als Alternative zwischen Antiamerikanismus und totaler Solidarität mit den USA, und nannte seine Altersgenossen die „Generation Golfkrieg“.

2006 warf er dem Publizisten Henryk M. Broder die „eisige Schärfe eines Glaubenskriegers“ vor; dessen Bestseller Hurra, wir kapitulieren nannte er eine „humoristisch verbrämte Hasspredigt“.[2]

2009 warf er dem damaligen Bundesbankvorstandsmitglieds und SPD-Politiker Thilo Sarrazin „Salonrassismus“ vor. Als das erste Parteiausschlussverfahren gegen Sarrazin eingestellt wurde, schrieb er im März 2010, die SPD habe eine „Chance verpasst“.[3][4] Sarrazins Bestseller Deutschland schafft sich ab, der im August 2010 erschien, verglich er mit dem 1994 erschienenen Buch The Bell Curve. Er sah darin eine Blaupause für Sarrazins Thesen.

Im Januar 2013 berichtete er über die Entscheidung des Thienemann-Verlags, aus seiner Neuauflage des Kinderbuch-Klassikers Die kleine Hexe von Otfried Preußler das Wort „Neger“ zu streichen. Die Nachricht löste eine emotional geführte „Kinderbuch-Debatte“ um diskriminierende Begriffe und Politische Korrektheit aus.[5]

Im September 2015 rezensierte er das Buch Mohamed – Eine Abrechnung des ägyptisch-stämmigen Politologen Hamed Abdel-Samad und verriss es. Er warf dem Autor unter anderem vor, dass er sich aus den historischen Quellen das zusammenklaube, was ihm passe, und was ihm nicht passe, würde er verwerfen. Diese Vorgehensweise verglich er mit radikalen Salafisten.[6]

2015 erschien sein erstes Buch Angst ums Abendland. Warum wir uns nicht vor Muslimen, sondern vor den Islamfeinden fürchten sollten im Westend Verlag. 2018 erschien dort auch sein zweites Buch über die Hintergründe für den Erfolg von Rechtspopulisten.[7]

2020 machte er sich in der Wochenzeitung Der Freitag für die Ablösung des Antisemitismusbeauftragten Felix Klein stark, nachdem jüdische und israelische Wissenschaftler und Publizisten wie Eva Illouz aufgrund seiner Haltung in der Debatte um angeblichen Antisemitismus bei Achille Mbembe seinen Rücktritt gefordert hatten.[8]

Ebenfalls 2020 publizierte Bax einen Beitrag in dem von Wolfgang Benz herausgegebenen Sammelband „Streitfall Antisemitismus“ über den Leitungswechsel im Jüdischen Museum Berlin. Er führte den Rücktritt des Direktors Peter Schäfer auf eine Kampagne der israelischen Außenpolitik zurück, der sich der Zentralrat der Juden angeschlossen habe. Der Band wurde in der Frankfurter Rundschau als „Beitrag zur Versachlichung der Debatte“ gelobt[9]. Christiane Habermalz nannte den Band im Deutschlandfunk Kultur einen „wichtigen Beitrag zu einem hochbrisanten Thema“[10]. Im Internet-Blog Hagalil wurden dem Band dagegen „Polemik“ und „Faktenfehler“ vorgeworfen.[11]

2021 retweetete Bax einen Tweet der israelischen Journalistin Noa Landau (Haaretz). Diese schrieb über rechtsextreme Juden, die am Jerusalem-Tag vor der Klagemauer feierten, während auf dem für Muslime heiligen Tempelberg ein Baum brannte: „What a shit-show!“. Bax bezeichnete die rechtsradikalen Juden in seinem Re-Tweet als „Faschisten“ und sprach vom Brand eines islamischen Heiligtumes.[12] Vice-Chefredakteur Felix Dachsel kommentierte, Bax hätte „bewusst Stimmung gegen Israel gemacht“.[13]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Angst ums Abendland. Warum wir uns nicht vor Muslimen, sondern vor den Islamfeinden fürchten sollten. Westend, Frankfurt 2015. ISBN 978-3-86489-099-4
  • Klasse und Kultur. Der Mythos von den Abgehängten. In: Gesellschaftsforschung (1), 2017, S. 3–4.
  • Die Volksverführer – Warum Rechtspopulismus so erfolgreich ist. Westend, Frankfurt 2018. ISBN 978-3-86489-178-6
  • Was ist die „islamische Welt“? In: Mediendienst Integration (Hg.): Handbuch Islam und Muslime. Mediendienst Integration, 2019, S. 32–36.
  • Nicht „jüdisch genug“. Chronik einer Kampagne. In: Benz, Wolfgang (Hg.): Streitfall Antisemitismus: Anspruch auf Deutungsmacht und politische Interessen. Metropol Verlag, 2020, S. 100–118. ISBN 978-3-86331-532-0

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Rüdiger Rossig: Personalie: Adieu, Daniel Bax. In: taz hausblog. 10. November 2017, abgerufen am 25. April 2021.
  2. Daniel Bax: Humoristische Hasspredigt. In: Die Tageszeitung: taz. 18. November 2006, ISSN 0931-9085, S. 1007 (taz.de [abgerufen am 20. Juni 2018]).
  3. Daniel Bax: Debatte Sarrazin: Rasse statt Klasse. In: Die Tageszeitung: taz. 12. Oktober 2009, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 20. Juni 2018]).
  4. Daniel Bax: Kommentar Sarrazin: Heilsames Erschrecken. In: Die Tageszeitung: taz. 29. August 2010, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 20. Juni 2018]).
  5. Daniel Bax: Diskriminierende Sprache bei Preußler: Die Kleine Hexe, ohne Rassismus. In: Die Tageszeitung: taz. 4. Januar 2013, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 20. Juni 2018]).
  6. Daniel Bax, DER SPIEGEL: "Mohamed" von Hamed Abdel-Samad: Die Angst vor dem Islam. Abgerufen am 30. Januar 2021.
  7. Rudolf Walther: Allzu simple Feindbilder. In: sueddeutsche.de. 23. November 2015, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 20. Juni 2018]).
  8. Daniel Bax: Der Fall Mbembe wird zum Fall Klein, Der Freitag, 7. Mai 2020
  9. „Streitfall Antisemitismus“: Wenn Kritik an Israel vorschnell verurteilt wird. 13. August 2020, abgerufen am 21. März 2022.
  10. deutschlandfunk.de: Antisemitismus - Wie ein eindeutiger Begriff zum Streitfall wurde. Abgerufen am 21. März 2022.
  11. "Streitfall Antisemitismus". In: haGalil. 27. Juli 2020, abgerufen am 17. Februar 2021 (deutsch).
  12. https://twitter.com/bax_daniel/status/1392006090355847172. Abgerufen am 24. Mai 2021.
  13. https://twitter.com/xileffff/status/1396737202902683651. Abgerufen am 24. Mai 2021.