Daniel Pipes

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Daniel Pipes (2008)

Daniel Pipes (* 9. September 1949 in Boston, Massachusetts) ist ein US-amerikanischer Historiker und politischer Publizist. Er ist der Gründer und Direktor des Middle East Forums und von Campus Watch. In den 1980ern war er unter anderem an der University of Chicago tätig. Pipes vertritt republikanische und proisraelische Thesen und steht wegen seiner islamfeindlichen Äußerungen sowie seiner Unterstützung europäischer Rechtspopulisten in der Kritik.[1][2][3][4]

Leben und beruflicher Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pipes ist der Sohn des Harvard-Historikers Richard Pipes und Irene Eugenia Roth. Pipes' jüdischstämmiger Vater emigrierte 1939 mit seiner Familie aus dem von deutschen Truppen besetzten Polen in die USA. Daniel Pipes wurde 1949 in Boston, Massachusetts geboren[5] und wuchs größtenteils in Cambridge, Massachusetts auf.

Pipes schloss sein Geschichtsstudium 1971 in Harvard ab und promovierte 1978. Insgesamt studierte er sechs Jahre im Ausland, unter anderem in Ägypten. Danach lehrte er an mehreren Universitäten in den USA, unter anderem an der University of Chicago 1978 bis 1982. Pipes arbeitete außerdem für das Außen- und das Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten. Er gehört der "Special Task Force on Terrorism and Technology" des US-Verteidigungsministeriums an.

Von 1986 bis 1993 war Pipes Direktor des konservativen Think Tanks Foreign Policy Research Institute (FPRI) in Philadelphia. Pipes war 1990 der Gründer des Middle East Forums und 2002 von Campus Watch.[6] Er ist heute als Direktor für diese Organisationen tätig, die sich nach eigenen Angaben für US-amerikanische Interessen im Nahen Osten und gegen Antiamerikanismus wenden.

Er ist regelmäßiger Kolumnist der New York Sun und von The Jerusalem Post. Er hat unter anderem in der Washington Post, der New York Times und im Wall Street Journal publiziert. Sein Blog ist einer der meistgelesenen zu den Themen Islam und Naher Osten. Er tritt häufig als Nahost-Experte im US-amerikanischen Fernsehen auf und wird von Universitäten und Denkfabriken eingeladen.

2003 bestellte US-Präsident George W. Bush Pipes gegen den Widerstand der Demokraten im Senat zum Vorstandsmitglied des United States Institute of Peace. 2005 schied er aus dessen Vorstand aus.

2008 war er als Berater für die Präsidentschaftswahlkampagne des Republikaners Rudolph Giuliani tätig.[7]

Pipes ist Berater des rechten dänischen Blogs Free Press Society.[8]

Pipes' Middle East Forum überwies dem niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders, der in den Niederlanden 2010 und 2011 wegen Volksverhetzung vor Gericht stand, einen sechsstelligen Betrag für Anwalts- und Gerichtskosten.[8]

2010 reiste Pipes nach Deutschland und nahm in Berlin an der Gründung der rechtspopulistischen, anti-islamischen Partei Die Freiheit teil. Pipes fördert mit finanziellen Mitteln über das Middle East Forum zudem die von Thomas Böhm gegründete politisch rechtsorientierte Website Journalistenwatch.[8]

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pipes kann aus Sicht der US-Bürgerrechtsorganisation Southern Poverty Law Center als „longtime anti-Muslim activist and thought leader“ (langjähriger anti-islamischer Aktivist und Vordenker) gelten.[9]

Er tritt als scharfer Kritiker islamischer Organisationen in den USA, v. a. des Council on American-Islamic Relations auf, denen er politische Nähe zum Islamismus und z. T. zum Terrorismus vorwirft. Pipes behauptet außerdem, dass die Mehrheit der Dozenten an den Nahost-Zentren in den USA antiamerikanisch und antiisraelisch eingestellt seien.[6]

Bezüglich des Nahostkonfliktes nimmt er stark pro-israelische Positionen ein und spricht sich gegen politische Zugeständnisse Israels aus. Er fordert die totale Niederlage der Palästinenser, da seiner Aussage nach die Palästinenser ansonsten den israelischen Staat nicht anerkennen werden und zerstören wollen.[10] Die US-amerikanische Allianz mit „moderaten“ Regimen in der islamischen Welt betrachtet er kritisch.

Größere Aufmerksamkeit erlangte Pipes auch während des amerikanischen Wahlkampfs 2008, in dem Pipes mehrfach andeutete, dass Barack Obama heimlich praktizierender Muslim sein könne und zumindest in der Vergangenheit war. Übernommen wurden die Aussagen unter anderem im FrontPage Magazine,[11] NewsMax[12] und Fox News Network. Dies sieht Pipes auch durch die Präsidentschaft Obamas bestätigt, denn Obama sagte in einer Rede "The United States is a nation of Christians and Muslims, Jews and Hindus and non-believers", womit er nach Ansicht Pipes Muslime an auffallend vorderer Stelle platzierte.[13]

Außenpolitisch gilt er als Falke, der einen harten Kurs gegenüber Iran, inklusive der Möglichkeit eines Militärschlags, verlangt. Im Februar 2010 forderte er Barack Obama in der Kolumne der Welt Online zum Angriff auf den Iran auf, um „die iranischen Atomwaffen zu zerstören“ und so seine Umfragewerte in den USA nach innen- und außenpolitischen Fehlschlägen zu verbessern.[14]

Saudi-Arabien habe seiner Ansicht nach einen immensen politischen Einfluss in den USA bis in die höchsten Regierungskreise, das man das Weiße Haus eher „Weißes Zelt“ nennen sollte, wobei er aber auch einen Einfluss der Öllobby als Ursache ansieht.[15]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Verschwörung: Faszination und Macht des Geheimen, München 1998, ISBN 3-932425-08-1
  • Miniatures: Views of Islamic and Middle Eastern Politics (2003), Transaction Publishers, ISBN 0-7658-0215-5
  • Militant Islam Reaches America (2002), W.W. Norton & Company; paperback (2003) ISBN 0-393-32531-8
  • mit Abdelnour, Z. (2000): Ending Syria’s Occupation of Lebanon: The U.S. Role, Middle East Forum, ISBN 0-9701484-0-2
  • In the Path of God: Islam and Political Power (2002), Transaction Publishers, ISBN 0-7658-0981-8
  • Muslim immigrants in the United States (Backgrounder) (2002), Center for Immigration Studies
  • The Long Shadow: Culture and Politics in the Middle East (1999), Transaction Publishers, ISBN 0-88738-220-7
  • The Hidden Hand: Middle East Fears of Conspiracy (1997), Palgrave Macmillan; paperback (1998) ISBN 0-312-17688-0
  • Conspiracy: How the Paranoid Style Flourishes and Where It Comes From (1997), Touchstone; paperback (1999) ISBN 0-684-87111-4
  • Syria Beyond the Peace Process (Policy Papers, No. 41) (1995), Washington Institute for Near East Policy, ISBN 0-944029-64-7
  • Sandstorm (1993), Rowman & Littlefield, paperback (1993) ISBN 0-8191-8894-8
  • The Rushdie Affair: The Novel, the Ayatollah, and the West (1990), Transaction Publishers, paperback (2003) ISBN 0-7658-0996-6
  • Greater Syria: The History of an Ambition (1990), Oxford University Press, ISBN 0-19-506021-0
  • Slave Soldiers and Islam: The Genesis of a Military System (1981), Yale University Press, ISBN 0-300-02447-9

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 2006 erhielt Pipes den „Guardian of Zion Award“ der Bar-Ilan-Universität.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Daniel Pipes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nico Schmidt: "Journalistenwatch": Die Amerika-Connection der Neuen Rechten. In: Die Zeit. 17. Dezember 2017, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 31. Januar 2018]).
  2. Baltimore Council on Foreign Affairs hosts anti-Muslim figure Daniel Pipes. In: Southern Poverty Law Center. (splcenter.org [abgerufen am 31. Januar 2018]).
  3. Claus Leggewie: Anti-Europäer: Breivik, Dugin, al-Suri & Co. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2016.
  4. Sabine Schiffer: Grenzenloser Hass im Internet. Wie „islamkritische“ Aktivisten in Weblogs argumentieren. In: Thorsten Gerald Schneiders (Hrsg.): Islamfeindlichkeit. Wenn die Grenzen der Kritik verschwimmen. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010, S. 355–376.
  5. Eyal Press: Neocon man: Daniel Pipes has made his name inveighing against an academy overrun by political extremists., The Nation. Mai 2004. Archiviert vom Original am 13. November 2007. Abgerufen im 17. August 2007. 
  6. a b Die Aufpasser: In Amerikas Universitäten setzt sich der Nahost-Konflikt fort, von Petra Steinberger, Süddeutsche Zeitung, 2. Oktober 2002, (Artikel über Campus Watch, auf campus-watch.org)
  7. Giuliani style evokes concern among critics. In: Reuters, 19. November 2007. 
  8. a b c Journalistenwatch - Die Amerika-Connection der Neuen Rechten., von Nico Schmidt, Die Zeit, 17. Dezember 2017
  9. Baltimore Council on Foreign Affairs hosts anti-Muslim figure Daniel Pipes. In: Southern Poverty Law Center. (splcenter.org [abgerufen am 31. Januar 2018]).
  10. Hilfssheriff des Pentagon (Memento vom 23. Mai 2006 im Internet Archive), von Daniel Gerlach, zenithonline.de, 26. August 2004
  11. FrontPage Magazine in der englischsprachigen Wikipedia
  12. NewsMax in der englischsprachigen Wikipedia
  13. Pipes: Barack Obama and Islam: An Ongoing Saga, danielpipes.org, 20. Januar 2009
  14. Barack Obama sollte den Iran bombardieren. (Memento vom 5. Februar 2010 im Internet Archive) In: welt.de
  15. Die Islamdebatte im Westen ist primitiv. In: Neue Zürcher Zeitung, 10. November 2010. Interview: Ramon Schack