Daniel Zamudio Vera

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Demonstranten gedenken Zamudio auf dem Bologna pride 2012

Daniel Mauricio Zamudio Vera (* 3. August 1987 in Santiago de Chile, Chile; † 27. März 2012 in Santiago de Chile) war ein chilenischer Verkäufer und Mordopfer. Der offen homosexuelle junge Mann wurde von vier Neo-Nazis wegen seiner sexuellen Orientierung ermordet. Sein Tod löste in Chile und ganz Lateinamerika großes Entsetzen aus.

Leben[Bearbeiten]

Zamudio Vera wurde als zweites von vier Kindern von Ivan Zamudio und Jacqueline Vera geboren. Seine Heimatstadt San Bernardo, in der er aufwuchs und lebte, liegt nur einige Kilometer von der Hauptstadt Santiago de Chile entfernt. Mit dreizehn Jahren merkten die Eltern, dass ihr Kind homosexuell war, doch das offizielle Coming Out erfolgte mit 17 Jahren. Sein Verhältnis zur Familie war im Grunde gut, doch der Vater akzeptierte die Homosexualität des Sohnes lange Zeit nicht, dementgegen zeigte sich die Mutter verständnisvoll und akzeptierte ihn, so wie er war. 2003 ließen die Eltern sich scheiden und Daniel zog zu seiner Mutter und der Großmutter. Mit 17Jahren verfiel er in eine große Depression, da sein bester Freund Selbstmord begangen hatte. Von dieser jugendlichen Depression erholte er sich nie mehr ganz. Später brach er daraufhin die Schule ab. Er begann eine Tätigkeit als Verkäufer in einem chinesischen Bekleidungsgeschäft. Bis zu seinem Tode war er dort tätig.

Er wollte sich Geld ersparen, um seinen Traum erfüllen zu können: ein Studium der Theaterwissenschaften sowie in einem Job als Modell arbeiten. Er besuchte regelmäßig Schwulenclubs und Bars in der Hauptstadt und berichtete Freunden, häufig beim Verlassen der Establishments angemacht worden zu sein. Er liebte süße Backwaren, chinesisches Essen und wird als normaler junger Mann beschrieben.

Tathergang[Bearbeiten]

Am 2. Februar 2012 begab sich Zamudio Vera um 7:30 Uhr morgens auf den Weg zur Arbeit nach Santiago. Seinen Angehörigen sagte er, dass er nach der Arbeit noch zu einem Freund gehen wollte und erst sehr spät nach Hause käme. Als sein Sohn am nächsten Tag nicht zu Hause war, ging der Vater Ivan zur Polizei und meldete ihn als vermisst. Da der aufgefundene Körper keine Papiere mehr hatte, hatten die Eltern durch Nachfragen in allen Kliniken der Stadt nach vielen Stunden ihren Sohn finden können.

Gegen 4:00 Uhr morgens hatte ein Polizeibeamter den schwer verletzten Körper des jungen Mannes im Parque de San Borjia gefunden. Er kam ins Hospital Posta Central de Santiago de Chile.

Soweit der Tathergang rekonstruieren werden konnte, war Daniel nachts im Park unterwegs, als er auf die Gruppe von vier Neonazis im Alter von 19 bis 26 Jahren traf. Diese schubsten ihn zunächst und folterten ihn darauf hin über einen Zeitraum von etwa sechs Stunden. Dem jungen Mann wurde gegen Kopf und Gesicht getreten, mit einer zerbrochenen Flasche ein Loch in ein Ohr geritzt, auf verschiedene Stellen am Körper wurden Swastikas eingeritzt und Zigaretten ausgedrückt, beide Beine wurden ihm gebrochen und Swastikas im Analbereich eingeritzt.

Er wurde schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert und intensivmedizinisch behandelt. Kurzzeitig, am 19. März 2012, sah es so aus, als könnte von einer Besserung seines Zustandes ausgegangen werden, der sich in der Folge jedoch wieder verschlechterte. Am 27. März 2012 verstarb Daniel um 19:45 Uhr.

Ausdruck der Anteilnahme vor dem Krankenhaus

Mehrere Tage lang hatten Menschen vor der Klinik ausgeharrt, für ihn gebetet und die Nächte durch Vigil abgehalten. Die Täter wurden festgenommen und vor Gericht gestellt.

Beisetzung[Bearbeiten]

Der Leichnam des nun in ganz Lateinamerika bekannten Mordopfers wurde verbrannt und der Trauerzug umfasste mehrere tausend Leute, darunter auch viele Bürger der Hauptstadt und Bürgern aus allen Teilen Chiles, die aus Gründen der Solidarität nach Santiago gekommen waren. Als der Wagen mit der Urne durch die Menschenmenge fuhr, brandete Applaus los, auch war vielfaches Weinen zu beobachten. Es wurden weiße Blumen als Zeichen für Frieden und Unschuld geschwenkt. Daniel Zamudio Vera wurde auf dem Zentralfriedhof in Santiago de Chile beigesetzt. In der Innenstadt spielten ihm zu ehren mehrere Bands Musik und eine Theatergruppe spielte ein Theaterstück, dass in groben Zügen das Leben Daniels darstellte.

Reaktionen[Bearbeiten]

Daniels Bruder, Diego, bedankte sich bei der Öffentlichkeit für die überwältigende Anteilnahme. Auch diverse Prominte äußerten sich zu dem Fall. Staatspräsident Sebastián Piñera zeigte sich erschüttert, kondolierte der Familie und kündigte einen harten Kampf für die Rechte gleichgeschlechtlicher Menschen in Chile an. Außerdem äußerten sich der Vizepräsident von Chile, Rodrigo Hinzpeter sowie der Gesundheitsminister Jaime Miñalich, der Vorsitzende des Zentralrates der Juden Chiles sowie der Vorsitzende der führenden Schwulen- und Lesbenorganisation des Landes, Rolando Jimenez. Und aus dem Showbusiness waren es vor allem der in ganz Chile bekannte Fernsehmoderator Rafael Araneda und der weltberühmte Latino-Sänger Ricky Martin, der sagte, er widmete seinen Preis GLAAD, den erhalten hatte, Daniel Zamudio Vera. In Chiles Medien wurde diskutiert, ob das geplante Gleichstellungsgesetz den Namen von Daniel erhalten sollte, um ihn so für alle Zeiten ein ehrend Andenken zu geben. Auch der Erzbischof von Santiago de Chile und Vorsitzende der Chilenischen Bischofskonferenz, Ricardo Ezzati Andrello, äußerte sein Entsetzen über den Fall. Er veröffentlichte am 28. März 2012 die Erklärung "Für ein humanes und gewaltloses Zusammenleben", darin verurteilte er die Tat scharf und sprach von einer Verleugnung der Menschenwürde. Er hoffe, dass die Täter bestraft werden und sprach der Familie sein Beileid aus. Auch der britische, homosexuelle Popsänger Boy George äußerte sein Entsetzen und Abscheu zu diesem Verbrechen. Damit war er die erste nicht-lateinamerikanische Persönlichkeit, die sich zu dem Fall äußerte.

Seit sieben Jahren kämpfen die Homosexuellenverbände Chiles um das Gesetz, doch bisher ist es nicht verabschiedet worden. Konservative Kreise befürchten, damit eine Hintertür auch für die Homosexuellen-Ehe in Chile zu öffnen. Im Allgemeinen gilt Chile als ein tolerantes und liberales Land gegenüber Homosexualität. Jimenez war es auch, der Zamudio Vera als einen Märtyrer für die Sache der Homosexuellen bezeichnete.

Einrichtung einer Stiftung[Bearbeiten]

Denkmal für den ermordeten Daniel Zamudio Vera (1987-2012)

Im Jahr 2013 wurde durch die Familienangehörigen und Freunde von Daniel eine Stiftung mit dem Namen Fundacion Daniel Zamudio eingerichtet, mit Sitz in seiner Heimatstadt San Bernardo, um als Beratungs- und Hilfsorgan Eltern zu beraten, deren Kinder selbst homosexuell sind, sich für die Rechte vor allem junger Homosexueller einzusetzen und an Jahrestagen regelmäßig an das Schicksal von Daniel und anderen Homosexuellen zu erinnern. Diese Einrichtung ist in dieser Form einzigartig in Lateinamerika.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Daniel Zamudio – Sammlung von Bildern, Videos und AudiodateienVorlage:Commonscat/Wartung/P 2 fehlt, P 1 ungleich Lemma

Quellen[Bearbeiten]

Anmerkung: Dies ist ein spanischer Name. Zamudio Vera ist somit der Familienname. Als verkürzte Schreibweise ist Daniel Zamudio üblich.