Daniele Ganser

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Daniele Ganser (* 29. August 1972 in Lugano) ist ein Schweizer Historiker und Publizist. Er wurde mit seiner 2005 veröffentlichten Dissertation über «NATO-Geheimarmeen» bekannt. Seitdem publiziert er unter anderem zu offenen und verdeckten Militäraktionen von NATO-Staaten, die er als völkerrechtswidrig beschreibt, und zum globalen Fördermaximum von Erdöl. Er greift Verschwörungstheorien zum 11. September 2001 auf und stellt sie als von Wissenschaftlern noch zu prüfende Erklärungsansätze dar.

Leben, Ausbildung und berufliche Laufbahn

Ganser besuchte zwölf Jahre die Rudolf-Steiner-Schule in Basel, dann das dortige Holbein-Gymnasium bis zu seiner Matura 1992. Im Anschluss leistete er Militärdienst.[1] Dann studierte er an der Universität Basel, der Universiteit van Amsterdam und der London School of Economics and Political Science (LSE) Alte und Neue Geschichte, Philosophie und Englisch mit einem Fokus auf Internationalen Beziehungen.[2] Nach seinem Studienabschluss (Licentiatus der Philosophie 1998 an der Philosophisch-Historischen Fakultät der Universität Basel[3]) forschte er dort und an der LSE, wo sein Vorhaben von Jussi Hanhimäki begleitet wurde.[4] 2000/01 wurde er bei Georg Kreis am Historischen Seminar Basel mit der Dissertation Operation Gladio in Western Europe and the United States mit «insigni cum laude» zum Dr. phil. promoviert.[5][6]

Von 2001 bis 2003 war Ganser bei der Denkfabrik Avenir Suisse mit Sitz in Zürich zuständig für Internationale Beziehungen und Politikanalyse.[2] Er leitete die Kampagne von Avenir Suisse zur Volksinitiative zum Beitritt der Schweiz zur UNO.[2] Von 2003 bis 2006 war Ganser Senior Researcher an der Forschungsstelle für Sicherheitspolitik (Center for Security Studies, CSS) der ETH Zürich.[2] Zeitweise war er auch Mitglied im Beirat des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten für zivile Friedensförderung und Menschenrechte.[2] Von 2007 bis 2010 war Ganser Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lehrbeauftragter am Historischen Seminar der Universität Basel, wo er mit dem Projekt «Peak Oil» befasst war.[7] Seine Forschungsschwerpunkte waren «Internationale Zeitgeschichte seit 1945», «Verdeckte Kriegsführung und Geostrategie», «Geheimdienste und Spezialeinheiten», «Peak Oil und Ressourcenkriege» sowie «Wirtschaft und Menschenrechte».[7] Sein Vorhaben scheiterte, sich bei seinem Doktorvater mit einer Arbeit zu Peak Oil zu habilitieren.[8]

Ganser war im Juni 2011 einer der beiden Gründer der Aktiengesellschaft SIPER Swiss Institute for Peace and Energy Research AG in Basel, die er als Verwaltungsrat leitet.[9] Nach Eigenangaben befasst sich die SIPER AG unter anderem mit Staatsterrorismus und Kriegspropaganda. Als ihre Ziele nennt sie eine gänzlich regenerative Energieversorgung und gewaltfreie Konfliktlösungen. Sie vermarktet Vorträge, Aufsätze, Bücher und Interviews Gansers.[10] Gansers Bücher finden hohen Absatz, er erhält Honorar für seine Vorträge. Einige sind auch im Internet verfügbar und erreichen ein grosses Publikum.[8]

Ganser ist «Lehrbeauftragter für Reflexionskompetenz» an der Universität St. Gallen.[11] Am dortigen Center for Energy Innovation, Governance and Investment (EGI-HSG) hält er mit dem Ökonomen Rolf Wüstenhagen eine Lehrveranstaltung zur Geschichte und Zukunft von Energiesystemen.[12] Bis 2015 unterrichtete Ganser einen Tag im Jahr im berufsbegleitenden Nachdiplomstudium «Interdisziplinäre Konfliktanalyse und Konfliktbewältigung» am Seminar für Soziologie der Universität Basel.[13]

Ganser hat eine Tochter und einen Sohn. Er lebt mit seiner Familie in der Nähe von Basel.[14]

Werk

Kubakrise

2000 erschien Gansers Buch Reckless Gamble (deutschsprachige Ausgabe 2006), mit dem er sein Lizenziat erworben hatte. Darin interpretierte er Tätigkeiten der CIA gegenüber den Vereinten Nationen in der Kubakrise von 1962 als Sabotage am UN-Sicherheitsrat und der UN-Generalversammlung durch verdeckte Kriegsführung.[15]

NATO-Geheimarmeen

2005 veröffentlichte Ganser seine überarbeitete Doktorarbeit in englischer Sprache. Das Buch wurde in zehn Sprachen übersetzt; 2008 erschien die deutschsprachige Ausgabe NATO-Geheimarmeen in Europa. Ausgehend von freigegebenen Dokumenten zur italienischen «Gladio» beschreibt er darin weitere Stay-behind-Organisationen in Westeuropa, die im Falle einer sowjetischen Invasion einen Guerillakrieg führen sollten. Er versucht nachzuweisen, dass die NATO diese Gruppen zentral lenkte und einige davon Terroranschläge verübten. Diese Hauptthese Gansers weisen Politikwissenschaftler und Historiker als unzutreffend zurück. Sie stellen spekulative und verschwörungstheoretische Tendenzen des Buchs fest. Ganser wähle seine Quellen (überwiegend Printmedien) unkritisch aus und verfälsche sie teilweise.[16]

Der Historiker Tobias Hof nannte 2011 Gansers Buch «trotz mancher Ungenauigkeiten […] die derzeit beste Studie zu diesem Thema».[17] Laut Bernd Stöver hat Ganser einen wichtigen Überblick über die westeuropäischen Stay-behind-Gruppen erstellt.[18] Laut Gregor Schöllgen hat er die Mitgliederzahl mancher Stay-behinds weit überschätzt.[19] Wie Schöllgen bestreitet Ulrich Chaussy Gansers These, eine deutsche Stay-behind-Gruppe sei am Oktoberfestattentat beteiligt gewesen.[20]

11. September 2001

Ganser bezweifelt die ermittelten Ursachen der Terroranschläge am 11. September 2001 und stellt Verschwörungstheorien dazu als gleichrangige, von Historikern und anderen Wissenschaftlern noch zu prüfende Erklärungsansätze dar. Er bezeichnet die Ermittlungsergebnisse der US-Behörden und der 9/11-Kommission als «Surprise-Theorie» und stellt ihnen Theorien gegenüber, wonach Unbekannte in der US-Regierung die Anschläge absichtlich zugelassen (LIHOP: Let it happen on purpose) oder geplant und durchgeführt (MIHOP: Make it happen on purpose) hätten, um Kriege der USA zu legitimieren. Alle drei Erklärungen seien Verschwörungstheorien, weil sie eine geheime Verschwörung mehrerer Personen voraussetzen.[21] Dies vertrat Ganser in der Schweiz seit 2005 öffentlich.[22] In einem Sammelband von Autoren des 9/11 Truth Movements schrieb er: Weil die CIA Terrorakte für die «Strategie der Spannung» verübt habe, sei eine Beteiligung der US-Regierung an den Anschlägen vom 11. September 2001 nicht auszuschliessen.[23] Im 9/11 Truth Movement werden diese Thesen positiv rezipiert.[24]

In der Schweiz wiesen einige Autoren Gansers 9/11-Thesen seit 2006 zurück. Der Journalist Philipp Gut (Die Weltwoche) sah darin gezielte Leserlenkung: Indem Ganser das erwiesene Faktum islamistischer Täter «Verschwörungstheorie» nenne, gebe er «Unterstellungen von passionierten Verschwörungstheoretikern» den gleichen Aussagewert wie gesicherten Quellen. So verwische er den Unterschied zwischen «gesichertem Wissen, offenen Fragen und den Ausgeburten der Fantasie».[25] Die ETH-Forschungsstelle für Sicherheitspolitik und die Universität Zürich distanzierten sich 2006 von Ganser: Er könne sich nur als Privatperson zu Verschwörungstheorien äussern. Dazu forsche man nicht (so die ETH-Forschungsstelle), sie gehörten nicht zu seinen Aufgaben (so die Universität Zürich). Die ETH verlängerte sein befristetes Beschäftigungsverhältnis Ende 2006 nicht.[26]

Zum zehnten Jahrestag der Anschläge 2011 hielt Ganser einen Gastvortrag an der Universität Basel. Deren Leitung verbot ihm daraufhin Vorlesungen in Räumen und mit dem Logo der Universität und verpflichtete ihn, das Thema 9/11 in seinem aktuellen Lehrauftrag auszusparen. Laut Andreas Maurer (Schweiz am Sonntag) sah Ganser darin einen Versuch der «Mächtigen», ihn am Aufdecken verdeckter Operationen zu hindern.[13]

Ganser hält bestimmte Aspekte der Anschläge weiter für ungeklärt, darunter die zeitweise Überwachung einiger 9/11-Attentäter durch das Pentagonprogramm Able Danger, einen Börsenhandel mit Verkaufsoptionen vor den Attentaten, das zu späte Eingreifen der US-Luftwaffe und den Einsturz des WTC 7. Obwohl der Untersuchungsbericht des NIST von 2008 mangels Spuren eine Gebäudesprengung ausschloss, hält Ganser diese für möglich. Dabei beruft er sich auf die von Richard Gage gegründete Organisation Architects and Engineers for 9/11 Truth.[27] Feuer als Einsturzursache sei unbeweisbar, da die Stahlträger des Gebäudes nicht mehr vorhanden seien. Ob es «die geheime Kommandozentrale der 9/11-Terroranschläge» gewesen und absichtlich gesprengt worden sei, um «alle Spuren zu verwischen», sei zu erforschen. Auch ob die NORAD-Tonbänder jenes Tages gefälscht wurden, sei zu untersuchen, da andere Angaben zum Zeitablauf ihren Daten widersprächen und sie die zu späte Information des Militärs über entführte Flüge nicht erklärten. Darum sei eine «Mitschuld der US-Luftabwehr an 9/11» möglich. Trotz vieler Augenzeugen für den Einschlag eines Passagierjets in das Pentagon, der aufgefundenen Blackbox, Trümmern, Leichenteilen und DNA-Spuren verlangt Ganser einen Videobeweis für ein Flugzeug und schliesst ein Cruise Missile als Einsturzursache nicht aus.[28] Seit 2011 unterstützt er eine Webseite, auf der prominente Schweizer eine neue, von US-Regierungsbehörden unabhängige Untersuchung der Ereignisse fordern.[29]

Der Politikwissenschaftler Markus Linden sieht bei Ganser ein suggestives Herausstellen einzelner Aspekte für eine «politische Mission, keine wissenschaftliche Herangehensweise».[13] Linden zählt Ganser neben dem Journalisten Mathias Bröckers zu den «intelligenten Vertretern der ‚9/11-Wahrheitsbewegung‘, die sich nach eigenem Bekunden auf das Stellen von Fragen beschränken».[30] Der Soziologe Andreas Anton übernimmt Gansers Bezeichnungen und Vergleich von drei «Theorien» zu 9/11. Auch weil Ganser einen Staatsterrorismus von CIA und NATO am Beispiel von Gladio nachgewiesen habe, sollten LIHOP- und MIHOP-Theorien nicht vorschnell diskreditiert werden. Anton fordert wie Ganser, ihre Plausibilität in einer offenen Debatte zu prüfen.[31]

Erdöl

2006 war Ganser Mitgründer der Schweizer Abteilung der Association for the Study of Peak Oil and Gas und amtierte bis 2012 als deren Präsident. Ganser schrieb, vieles deute darauf hin, dass der Irakkrieg 2003 ein «klassischer Ressourcenkrieg» sei, mit dem sich die USA – vor Erreichen des Peak Oil – durch die Besetzung wichtiger Erdölquellen machtpolitische Vorteile gegenüber den Konkurrenten China, Europa und Russland verschafft hätten. Dazu berief er sich unter anderem auf eine Aussage von Alan Greenspan.[32] Im Dokumentarfilm A Crude Awakening: The Oil Crash (2006) wirkte Ganser als Interviewpartner mit.

2012 publizierte Ganser sein ursprünglich als Habilitationsschrift geplantes Buch Europa im Erdölrausch.[8] Er beschreibt darin die Geschichte der Erdölindustrie in Europa seit ihren Anfängen um 1850 und ihren Einfluss auf die Politik bis zur Gegenwart. Fachrezensenten beurteilten das Werk überwiegend positiv und kritisierten Einzelaspekte. Laut Tobias Kaestli ordnet Ganser übersichtlich die Fakten zur Schweizer Energiepolitik. Er erkläre die Erdölpolitik der USA jedoch tendenziell und «nicht immer überzeugend» aus Geheimabsprachen weniger Akteure. Er sympathisiere mit der frühen Suche nach Alternativen zum Erdöl und beschreibe die friedliche Entwicklung anderer Energieformen, den dazu nötigen Mentalitätswandel und neuen Lebensstil als Chance, den bisherigen opferreichen «Krieg ums Öl» zu beenden.[33]

Für Gunnar Ries sind Gansers Bezüge auf die Erdölabhängigkeit der Schweiz auch für andere Staaten nachvollziehbar. Er erkläre die «Kapriolen des Ölpreises» von 2006 damit, dass das globale Ölfördermaximum schon damals erreicht worden sei, und mache so das wachsende Konfliktpotential von «Peak Oil» bekannter. Er trenne jedoch reale und vermutete Verschwörungen nicht, etwa indem er den Irakkrieg von 2003 mit dem Einsturz des World Trade Centers am 11. September 2001 zu erklären versuche. Auch sein Hinweis auf die «Bilderberger» kläre nichts auf, da diese keine heimliche Weltregierung seien. Die Propaganda von Ölkonzernen gegen die Klimaforschung und die Bedeutung von Erdöl für die chemische und pharmazeutische Industrie dagegen behandle er nicht.[34]

Laut Christian Pfister erklärt Ganser den 1953 von der CIA inszenierten Sturz des gewählten Präsidenten Irans Mohammad Mossadegh zu Recht aus dem Interesse der USA, die globalen Erdölreserven zu kontrollieren. Beim japanischen Angriff auf Pearl Harbor sei sein Blickwinkel jedoch einseitig, da er den Angriffskrieg der Japaner in China nicht erwähne. Neu recherchiert habe Ganser die Erdölsuche in der Nachkriegszeit, den Bau von Pipelines und Raffinerien sowie die Versuche der Schweiz, die Steuertricks der Erdölmultis aufzudecken. Pfister bezweifelt, dass Spekulationen zum 11. September 2001 in eine wissenschaftliche Darstellung gehören.[35]

Ganser tritt für eine umfassende Energiewende ein und ist ein Gegner des Frackings.[36]

Illegale Kriege

In seinem Buch Illegale Kriege (2016) stellte Ganser unter anderen folgende Militäraktionen der USA und anderer NATO-Staaten als «systematische Verletzung von internationalem Recht» dar: den Sturz des iranischen Premierministers Mohammad Mossadegh (1953), die Sueskrise in Ägypten (1956), die Invasion in der Schweinebucht Kubas (1961), den Vietnamkrieg (1965–1973), den Contra-Krieg in Nicaragua (1981–1990), die Jugoslawienkriege (1991 ff.), den Krieg in Afghanistan seit 2001, den Irakkrieg (2003), den Internationaler Militäreinsatz in Libyen 2011 und den Bürgerkrieg in Syrien (seit 2011).[8][37]

Laut Rezensent Olivier Würgler (WOZ) zeigt Ganser plausibel eine teils tendenziöse Nato-freundliche Berichterstattung der grossen Leitmedien, mische Zutreffendes jedoch mit «steilen Thesen und Verschwörungsschrott». Seine «Unterteilung in böse ‚Nato-Medien‘ und gute ‚Alternativmedien‘» vermittle ein «zu simples Bild der Realität». Er gleite zuweilen ins «Spekulative, Verschwörungstheoretische» ab und stütze sich auch auf unseriöse Quellen mit antisemitischen Tendenzen (Zeit-Fragen des früheren VPM, Kopp Verlag).[8]

Laut Redakteur Jens Ebert (Neues Deutschland) untersucht Ganser, wie «die Vetomächte des UNO-Weltsicherheitsrates, vornehmlich die USA, aber auch Grossbritannien und Frankreich die Regelungen friedlichen Miteinanders der Weltorganisation jahrzehntelang missachteten und bis heute missachten». Im Buch werde aufgezeigt, wie «ohnmächtig die UNO – u. a. wegen der Vetopolitik im Sicherheitsrat – über Jahrzehnte Kriegen sowie offenen und verdeckten ‚regime changes‘ gegenüberstanden». Der Verfasser habe «zahllose Dokumente ausgewertet und analysiert» und vermittle «dem Leser faktengesättigt seine fundierte kritische Weltsicht in verständlicher Form». Das Werk sei «mitunter sehr polemisch, aber dennoch höchst erkenntnisreich».[38]

Sonstiges

Öffentliche Auftritte Gansers führten wiederholt zu Kontroversen. So hielt er im Juli 2014 einen Vortrag über «verdeckte Kriegsführung» bei der Anti-Zensur-Koalition (AZK). Deren Gründer Ivo Sasek hatte dort früher auch Holocaustleugner auftreten lassen. Nach Kritik an der Wahl des Veranstalters distanzierte sich Ganser von Holocaustleugnung und von Sasek: Er habe diesen zuvor nicht gekannt.[39] Ferner gaben Interviews Gansers mit Russia Today und KenFM sowie eine von der Redaktion der Zeitschrift Compact initiierte Diskussion mit dem Rechtsextremisten Karl-Heinz Hoffmann über das Oktoberfestattentat Anlass zu Kontroversen. Aufgrund von Kritik, welche unter anderem an diesen Auftritten, seiner Herangehensweise bei der Forschung und seinen Thesen zu den Terroranschlägen am 11. September 2001 geübt wurde, sagte die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Freising einen für den 28. Mai 2016 geplanten Vortrag Gansers ab.[40]

Ganser schliesst nicht aus, dass der Absturz von Malaysia-Airlines-Flug 17 und der Anschlag auf Charlie Hebdo Operationen unter falscher Flagge gewesen sein könnten. Weil der Absturz zu ungenau untersucht worden sei, sei keine abschliessende Beurteilung möglich. Beim Anschlag auf Charlie Hebdo sei der Fund eines Personalausweises im Fluchtfahrzeug verdächtig; dass die Täter ihre Ausweise mitgenommen hätten, sei nicht plausibel.[41] Eine solche Falsche-Flagge-Operation könne dazu dienen, Kriege gegen muslimische Länder zu legitimieren. Der Ukrainekonflikt sei möglicherweise ein Stellvertreterkrieg der USA. «Amerikanische Akteure» hätten nach Aussagen «vieler Beobachter» bereits die aktuelle ukrainische Regierung ins Amt gebracht.[13]

Der Verein Mensa in Deutschland verlieh Ganser 2015 den Deutschen IQ-Preis in der Kategorie «Intelligente Vermittlung von Wissen» und nannte als Grund, dass Ganser «durch seine kritischen und teils kontroversen Veröffentlichungen die breite Öffentlichkeit dazu anregt, die Welt um sich herum zu hinterfragen».[42]

Publikationen (Auswahl)

  • Reckless Gamble: The Sabotage of the United Nations in the Cuban Conflict and the Missile Crisis of 1962. University Press of the South, New Orleans 2000, ISBN 1-889431-72-9.
deutsch: Die Kubakrise – UNO ohne Chance. Edition Zeitgeschichte. Kai Homilius Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-89706-863-X.
  • mit Uwe Wagschal, Hans Rentsch: Der Alleingang: Die Schweiz 10 Jahre nach dem EWR-Nein. Orell Füssli, Zürich 2002, ISBN 3-280-05041-3.
  • Brauchen wir eine Ökonomie des Friedens? Eine Schweizer Perspektive auf die Verbindung der Wirtschaft mit Gewaltkonflikten. In: Die Friedens-Warte 79 (2004), S. 57–74.
  • NATO's secret armies. Operation Gladio and terrorism in Western Europe. Routledge, 2005, ISBN 0-7146-5607-0.
deutsch: NATO-Geheimarmeen in Europa: Inszenierter Terror und verdeckte Kriegsführung. Orell Füssli, Zürich 2008, ISBN 978-3-280-06106-0 (Teilweise Dissertation Universität Basel 2001, 445 Seiten).
  • The "Strategy of Tension" in the Cold War Period. In: David Ray Griffin, Peter Dale Scott (Hrsg.): 9/11 and American Empire. Intellectuals Speak Out, Band 1. Olive Branch Press, Ithaca NY 2006, S. 79–99.
  • The CIA in Western Europe and the Abuse of Human Rights. In: R. Gerald Hughes, Len Scott (Hrsg.): Intelligence, Crises and Security: Prospects and Retrospects. Routledge, 2007, ISBN 0-415-46430-7, S. 108–129 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • Die dunkle Seite des Westens: Verdeckte Terroraktivitäten der NATO. Kai Homilius, Berlin 2009, ISBN 978-3-89706-206-1 (Video-DVD, 60 Minuten).
  • Beyond Democratic Checks and Balances: The «Propaganda Due» Masonic Lodge and the CIA in Italy's First Republic. In: Eric Wilson (Hrsg.): Government of the Shadows: Parapolitics and Criminal Sovereignty. Pluto Press, 2009, ISBN 0-7453-2623-4, S. 256–276.
  • Peak Oil: Erdöl im Spannungsfeld von Krieg und Frieden. In: Phillip Rudolf von Rohr, Peter Walde, Bertram Battlog (Hrsg.): Energie. vdf Hochschulverlag an der ETH Zürich, Zürich 2009, ISBN 978-3-7281-3219-2 (online).
  • NATO’s Secret Armies in Europe. In: Cihan Aksan, Jon Bailes (Hrsg.): Weapon of the Strong. Conversations on US State Terrorism. Pluto Press, London 2012, ISBN 0-7453-3241-2, S. 219–233.
  • “America is Addicted to Oil”: U.S.Secret Warfare and Dwindling Oil Reserves in the Context of Peak Oil and 9/11. In: Eric Wilson (Hrsg.): The Dual State: Parapolitics, Carl Schmitt and the National Security Complex.Ashgate, 2012, ISBN 978-1-4094-3107-7 (4. Kapitel).
  • Europa im Erdölrausch: Die Folgen einer gefährlichen Abhängigkeit. Orell Füssli, Zürich 2012, ISBN 978-3-280-05474-1.
  • Illegale Kriege: Wie die NATO-Länder die UNO sabotieren. Eine Chronik von Kuba bis Syrien. Orell Füssli, Zürich 2016, ISBN 978-3-280-05631-8.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Leonie Scheidegger: Daniele Ganser. Ein ehemaliger Schüler im Portrait und Interview. In: Jahrbuch Gymnasium Leonhard 2009/2010. S. 52 f.
  2. a b c d e Profil: Daniele Ganser, Center for Security Studies (Memento vom 27. Mai 2006 im Internet Archive)
  3. Universität: Lizentiaten Phil. I. In: Basler Zeitung, Ausgabe 34, 10. Februar 1998, S. 31.
  4. Daniele Ganser: NATO-Geheimarmeen in Europa. 2. Auflage, Zürich 2008, S. 9 f. (Vorwort von Georg Kreis)
  5. Dissertation: Daniele Ganser, dg.philhist.unibas.ch, abgerufen am 7. März 2017.
  6. Thomas Meyer: Die Geschichte läßt sich auf die Dauer nicht fälschen… («Der Europäer» 9, Nr. 5, März 2005); Olav Riste: «Stay Behind»: A Clandestine Cold War Phenomenon. Journal of Cold War Studies 16, Heft 4 (2014), S. 37.
  7. a b Profil: Daniele Ganser, Historisches Seminar Basel (Memento vom 17. September 2012 im Internet Archive)
  8. a b c d e Olivier Würgler: Wahrheit und Verschwörung. Das Ganser-Phänomen. In: WOZ Die Wochenzeitung. Nr. 03/2017. 19. Januar 2017, abgerufen am 19. Januar 2017.
  9. Handelsregister des Kantons Basel-Stadt. Eintrag CHE-360.989.239 vom 6. Juni 2011. Abgerufen am 7. März 2017.
  10. SIPER.ch: Über uns; Geschichte
  11. Personenverzeichnis: Daniele Ganser, unisg.ch.
  12. Universität St. Gallen: Lehrveranstaltungen im Center for Energy Innovation, Governance and Investment (EGI-HSG)
  13. a b c d Andreas Maurer: Die Ganser-Verschwörung. In: Schweiz am Sonntag, 14. Februar 2015.
  14. Biographie auf der Webseite der SIPER AG
  15. Rezipiert z. B. in: Len Scott, R. Gerald Hughes: The Cuban Missile Crisis: A Critical Reappraisal. Routledge, 2015, ISBN 9780415787161, S. 339, Fn. 85; Leonard Victor Scott: The Cuban Missile Crisis and the threat of nuclear war: lessons from history. Continuum, 2007, ISBN 1847060269, S. 174 und 202; Noam Chomsky: Hegemony or Survival: America's Quest for Global Dominance. Metropolitan Books, 2007, S. 266, Fn. 13. – Inhaltsangabe: Daniele Ganser (Le Monde, November 2002): Forty Years after the Missile Crisis: Russian roulette in Cuba; deutsche Übersetzung: E. Wellershaus (Bildungsserver Hamburg): Cuba revisited – Der verhinderte Präventivkrieg
  16. siehe hierzu im Einzelnen:
  17. Tobias Hof: Staat und Terrorismus in Italien 1969–1982. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2011, S. 50, Fussnote 222.
  18. Bernd Stöver (Historisches Institut, Lehrstuhl Zeitgeschichte, Universität Potsdam): Rezension für HSozKul (PDF, 2009)
  19. Gregor Schöllgen: Gladiatoren im Kalten Krieg. "Stay behind"-Truppen gegen kommunistische Invasoren. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. April 2009, Nr. 96, S. 9
  20. Ulrich Chaussy: Oktoberfest – Das Attentat. Wie die Verdrängung des Rechtsterrors begann. Christoph Links, Berlin, 2. Auflage, 2014, ISBN 978-3-86153-757-1, S. 221
  21. Andreas Anton: Verschwörungstheorien zum 11. September. In: Andreas Anton, Michael Schetsche, Michael K. Walter (Hrsg.): Konspiration: Soziologie des Verschwörungsdenkens. Springer VS, Wiesbaden 2014, S. 157–180, hier S. 161
  22. Daniele Ganser: Der erbitterte Streit um den 11. September. In: Tages-Anzeiger. 9. September 2006. (PDF)
  23. Daniele Ganser: The "Strategy of Tension" in the Cold War Period. In: David Ray Griffin, Peter Dale Scott (Hrsg.): 9/11 and American Empire. Intellectuals Speak Out, Band 1, 2006, S. 79–99
  24. Joel Bedetti: Unter Verschwörern. In: Die Zeit, 6. Dezember 2012, Nr. 50, S. 16.
  25. Philipp Gut: Glaubensbrüder. In: Die Weltwoche, Nr. 37, 14. September 2006, S. 10.
  26. Christian Maurer, Andrea Bleicher: ETH und Uni gehen auf Distanz zu Verschwörungstheoretiker. In: SonntagsZeitung vom 17. September 2006, S. 7; Vortrag von Ganser am 3. Februar 2015 (Transkript in Free21, März 2015, PDF S. 11)
  27. Vincenzo Capodici (Tagesanzeiger, 7. September 2011): WTC7 und andere Rätsel um 9/11; siehe auch Basler Zeitung, 7. September 2011.
  28. Christian Nünlist (Aargauer Zeitung, 9. September 2011): Historiker Daniele Ganser fordert, 9/11 neu zu untersuchen
  29. David Vonplon (Tages-Anzeiger, 22. Juli 2011): Schweizer Politiker misstrauen der offiziellen Version zu 9/11 (Memento vom 10. September 2013 im Internet Archive)
  30. Markus Linden: Alles Lüge! In: The European, 11. November 2014.
  31. Andreas Anton: Verschwörungstheorien zum 11. September. In: Andreas Anton, Michael Schetsche, Michael K. Walter (Hrsg.): Konspiration: Soziologie des Verschwörungsdenkens. Springer VS, Wiesbaden 2014, S. 157–180, hier S. 161 und 175 f.
  32. Daniele Ganser: Peak Oil: Erdöl im Spannungsfeld von Krieg und Frieden. Zürich 2009, S. 56. – Ganser gibt als Quelle für die Aussage Greenspans die Irish Times an: Greenspan clarifies Iraq war comment, The Irish Times, 17, September 2007
  33. Tobias Kaestli: Die Gier nach Erdöl bestimmt die Weltpolitik. In: Neue Zürcher Zeitung am Sonntag, Nr. 10/ 25. November 2012 (PDF S. 22)
  34. Gunnar Ries: Wir Öljunkies. In: Spektrum.de. 11. Dezember 2012.
  35. Christian Pfister: Daniele Ganser: Europa im Erdölrausch. Die Folgen einer gefährlichen Abhängigkeit. Orell Füssli, Zürich 2012. In: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 101 (2014) H. 1, S. 107-108. (Digital bei IngentaConnect)
  36. Severin Schwendener: Mehr Konsum, weniger Produktion. In: Tagblatt.ch. 2. November 2013.
  37. Harte Kritik an Nato-Ländern. In: Luzerner Zeitung, 28. Oktober 2016, S. 8.
  38. Jens Ebert: Die Kriege der Mächtigen. Daniele Ganser enthüllt, wie die USA und die NATO die UNO sabotieren, Unfrieden und Unsicherheit stiften. In: Neues Deutschland, 17. Februar 2017.
  39. Hans Stutz: Rechtsextremismus und Verschwörungen: Im Netz des Predigers. In: woz.ch. 19. November 2014, abgerufen am 25. Juli 2016.
  40. Christian Gschwendtner: Einladung – Umstrittener Historiker spricht in München. In: sueddeutsche.de. 20. Mai 2016, abgerufen am 25. Juli 2016.; Christian Gschwendtner: Reißleine gezogen – Der ausgeladene Gast. In: sueddeutsche.de. 19. Mai 2016, abgerufen am 25. Juli 2016.
  41. Daniel Aenishänslin (Basellandschaftliche Zeitung, 2. Februar 2015): «Attentat auf ‹Charlie Hebdo› ist meiner Meinung nach ungeklärt»
  42. Mensa in Deutschland e.V.: Der IQ-Preis 2015 geht an…, abgerufen am 20. April 2016.