Daniil Olegowitsch Trifonow

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Daniil Trifonow in Busko-Zdrój, 4. Juli 2012
Daniil Trifonow in Busko-Zdrój, 4. Juli 2012
Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Alben[1]
Rachmaninov Variations (mit dem Philadelphia Orchestra)
  DE 90 11.09.2015 (1 Wo.)

Daniil Olegowitsch Trifonow (russisch Даниил Олегович Трифонов; * 5. März 1991 in Nischni Nowgorod) ist ein russischer Pianist und Komponist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trifonow stammt aus einer musikalischen Familie. Beide Eltern spielen Klavier, die Mutter ist Musikwissenschaftlerin[2] und unterrichtet Musiktheorie, der Vater ist Komponist.[3] Im Alter von fünf Jahren begann Trifonow mit dem Klavierspiel. Seine Schulzeit verbrachte er, nachdem die Familie zu diesem Zweck nach Moskau umgezogen war, ab 2000 bis 2009 am renommierten Gnessin-Institut.[4] Dort studierte er in der Klasse von Tatiana Zelikman Klavier und zeitgleich ab 2006 Komposition.[5] Anschließend wechselte er an das US-amerikanische Cleveland Institute of Music, um sich von 2009 bis 2011 unter der Obhut des Klavierlehrers Sergei Babayan weiterzubilden.[6]

Er gewann mehrere Klavierwettbewerbe, darunter den 3. Preis beim internationalen Chopin-Wettbewerb 2010 in Warschau. In das Blickfeld der Öffentlichkeit rückte er, als er im Jahr 2011 „innerhalb von sechs Wochen in gleich zwei internationalen Musikwettbewerben erste Preise, Goldmedaillen und Publikumspreise gewann“.[7] Beim Arthur-Rubinstein-Wettbewerb in Tel Aviv errang er im Mai 2011 den 1. Preis;[8] beim internationalen Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau im Juni 2011 wurde er zusätzlich zur „Goldmedaille im Fach Klavier“ vom Jury-Vorsitzenden Waleri Gergijew mit dem Grand Prix des Gesamtwettbewerbs ausgezeichnet.[9]

Trifonow konzertierte anschließend in seiner Heimat sowie in Österreich, Kanada, China, Deutschland, Italien, Israel, Japan, den Niederlanden, Polen, der Schweiz, der Türkei, Großbritannien und den USA. 2013 gab Daniil Trifonov ein vielbeachtetes Konzert in der New Yorker Carnegie Hall;[10] ein Live-Mitschnitt wurde im Oktober 2013 unter dem Namen The Carnegie Recital von der Deutschen Grammophon veröffentlicht.[11]

Der Musikkritiker Helmut Mauró nannte ihn nach seinem Deutschland-Debüt im Mai 2013 in der Berliner Philharmonie „eines der erfolgreichsten und unbegreiflichsten Klaviertalente der letzten Jahrzehnte“[12] und bescheinigte ihm eine „enorme Bewusstheit seines Tuns“.[13]Norman Lebrecht konstatierte […]: "ein Pianist für den Rest unseres Lebens".“[14] Alfred Brendel und Martha Argerich gehören ebenfalls zu den bekennenden Verehrern Trifonows.[15] Argerich zeigte sich vor allem von der technischen Brillanz seines Klavierspiels angetan und ergänzte, dass sein Anschlag zeitgleich „Zärtlichkeit und ein dämonisches Element“ enthalte. Sie habe „so was nie zuvor gehört“.[16] Bereits 2014 erhielt Trifonow den ECHO Klassik als bester Nachwuchskünstler.[17] Ende 2015 wurde ihm die Ehre zuteil, zusammen mit dem Royal Stockholm Philharmonic Orchestra unter Franz Welser-Möst beim Nobelpreis-Konzert in Stockholm aufzutreten.[18]

Neben seiner Tätigkeit als Pianist profiliert sich Trifonow auch als Komponist. Seine fünfsätzige Suite Rachmaniana, die er während seiner Studienzeit am Cleveland Institute of Music komponiert hat,[19] ist Bestandteil seines im August 2015 veröffentlichten Debüt-Studioalbums Rachmaninov Variations.[20]

Im November 2015 wurde Trifonow in den Verwaltungsrat der New Yorker Philharmoniker berufen.[21] Er lebt in Moskau.[22]

Auszeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trifonow veröffentlichte bislang sechs CDs mit folgenden Werken:

  • Frédéric Chopin: Etüde F-Dur op. 10 Nr. 8, Etüde gis-Moll op. 25 Nr. 8, Nocturne H-Dur op. 62 Nr. 1, Scherzo E-Dur op. 54, Walzer Es-Dur op. 18, Barcarolle Fis-Dur op. 60, Mazurkas op. 56 Nr. 1–3, Scherzo cis-Moll op. 39, Andante spianato et Grande Polonaise brillante op. 22, Rondo F-Dur op. 5, Polonaise-Fantasie As-Dur op. 61, Tarantelle As-Dur op. 43, Sonate h-Moll op. 58, Klavierkonzert e-Moll op. 11 – Warschau: Narodowy Institut Fryderyka Chopina, 2010
  • Frédéric Chopin: Klavierkonzert e-Moll op. 11 (arr. für Streichorchester), Barcarolle Fis-Dur op. 60, Impromptu As-Dur op. 29, Impromptu Fis-Dur op. 36, Tarantella As-Dur op. 43 – Warschau: Dux, 2011
  • Frédéric Chopin: Rondo F-Dur op. 5, Walzer Es-Dur op. 18, Etüde F-Dur op. 10 Nr. 8, Andante spianato et Grande Polonaise brillante op. 22, Mazurkas op. 56 Nr. 1–3, Sonate h-Moll op. 58Decca Records, 2011
  • Peter Tschaikowsky: Klavierkonzert b-Moll op. 23; Franz Liszt: Bearbeitung von Liedern Schuberts und Schumanns – St. Petersburg: State Academy Mariinsky Theatre, 2012
  • The Carnegie Recital, Live-Mitschnitt aus der Carnegie-Hall, New York, Deutsche Grammophon, 2013
  • Rachmaninov Variations (mit dem Philadelphia Orchestra unter Leitung von Yannick Nézet-Séguin), Deutsche Grammophon, 2015

Filme (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Chartdiskografie Deutschland
  2. "Statt Frühstück zwei Kantaten", Der Spiegel, 23. Mai 2016.
  3. Elijah Ho: Interview with pianist Daniil Trifonov (Part I). Examiner.com, 1. Mai 2012, abgerufen am 5. Februar 2016 (englisch).
  4. Mark Kanny: Pianist Daniil Trifonov more than just a set of nimble fingers. TribLIVE.com, 16. September 2015, abgerufen am 5. Februar 2016 (englisch).
  5. Tchaikovsky Competition gold medal winner Daniil Trifonov. Montalvo Arts Center, 18. Februar 2012, abgerufen am 25. Oktober 2015 (englisch).
  6. Vivian Goodman: Cleveland Institute of Music pianist Daniil Trifonov makes his solo debut at Carnegie Hall. WKSU, 4. Februar 2013, abgerufen am 25. Oktober 2015 (englisch).
  7. Holger Hettinger: Magische Hände. Deutschlandradio Kultur, 9. Mai 2013, abgerufen am 26. Oktober 2015.
  8. The 13th Arthur Rubinstein International Piano Master Competition. Prizes. The Arthur Rubinstein International Music Society, abgerufen am 26. Oktober 2015 (englisch).
  9. Zusatzauszeichnung nach der Goldmedaille im Fach Klavier. Grand Prix des Tschaikowsky-Wettbewerbs für Trifonov. Klassik.com, abgerufen am 26. Oktober 2015.
  10. Wolfram Goertz: New York. Ein junger Russe erobert die Klassikwelt. Rheinische Post, 27. November 2013, abgerufen am 22. Oktober 2015.
  11. Klassikakzente: The Carnegie-Recital von Daniil Trifonov, abgerufen am 21. Januar 2014
  12. Helmut Mauró: Zauber des Verklingens. Wie der 22-jährige Pianist Daniil Trifonov bei seinem Deutschland-Debüt in der Berliner Philharmonie sein Publikum und sogar Altmeister Alfred Brendel das Staunen lehrte. In: Süddeutsche Zeitung, 13. Mai 2013.
  13. Helmut Mauró: Ein Abend voller Hochspannung. Süddeutsche Zeitung, 7. Dezember 2014, abgerufen am 25. Oktober 2015.
  14. Stefan Ender: Er glüht, er brennt. Der Standard, 2. April 2014, abgerufen am 19. Januar 2016.
  15. Anastassia Boutsko: Pianist Daniil Trifonov auf Welt-Tournee. Deutsche Welle, 24. April 2014, abgerufen am 25. Oktober 2015.
  16. Andrew Clark: Strains of mood music. Financial Times, 8. Juli 2011, abgerufen am 25. Oktober 2015 (englisch): „What he does with his hands is technically incredible. It’s also his touch – he has tenderness and also the demonic element. I never heard anything like that.“
  17. Wolfram Goertz: Echo Klassik: Beflügelt zu den Riesen. Die Zeit, 23. Oktober 2014, abgerufen am 17. Januar 2016.
  18. Magnus Gylje: Daniil Trifonov in Interview. Nobelprize.org, abgerufen am 17. Januar 2016 (englisch).
  19. David Allen: Daniil Trifonov, New to Rachmaninoff, but a Bold and Youthful Echo. The New York Times, 13. November 2015, abgerufen am 6. Dezember 2015 (englisch).
  20. Klaus Gehrke: Daniil Trifonov und Rachmaninow. Klingende Seelenverwandschaften. Deutschlandfunk, 11. Oktober 2015, abgerufen am 22. Oktober 2015.
  21. Pianist Daniil Trifonov Elected to New York Philharmonic Board of Directors. broadwayworld.com, 24. November 2015, abgerufen am 6. Dezember 2015 (englisch).
  22. Manuel Brug: Daniil Trifonov im Interview: “Ich mag es, wenn das Adrenalin sprudelt”. WeltN24, 10. Oktober 2015, abgerufen am 9. Dezember 2015.
  23. Echoklassik.de Klassik-Preisträger 2014 (Memento vom 21. Januar 2015 im Internet Archive), abgerufen am 26. Oktober 2014
  24. RPS Music Awards 2015: Instrumentalist. Royal Philharmonic Society, abgerufen am 17. Mai 2016 (englisch).
  25. Werner Theurich: Ausnahmepianist Trifonov: Hut ab vor diesem Rachmaninow. Der Spiegel, 6. September 2015, abgerufen am 11. Oktober 2015.
  26. Pianist Daniil Trifonov in a fascinating profile by Christopher Nupen. In: YouTube. Gramophone, 19. August 2015, abgerufen am 11. Oktober 2015 (englisch).