Danuvius guggenmosi

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Danuvius guggenmosi
Zeitliches Auftreten
Miozän
11,62 Mio. Jahre
Fundorte
Systematik
Altweltaffen (Catarrhini)
Menschenartige (Hominoidea)
Menschenaffen (Hominidae)
Danuvius
Danuvius guggenmosi
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Danuvius
Böhme et al., 2019
Wissenschaftlicher Name der Art
Danuvius guggenmosi
Böhme et al., 2019
Der Fossilienfundort Tongrube Hammerschmiede bei Pforzen im Januar 2015

Danuvius guggenmosi ist eine ausgestorbene Art aus der Überfamilie der Menschenartigen (Hominoidea), die bereits vor rund zwölf Millionen Jahren aufrecht gegangen sein soll. Sie wurde erstmals 2019 von Madelaine Böhme und ihrem Team beschrieben.[1]

Funde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Reste des 11,62 Millionen Jahre alten Danuvius guggenmosi entdeckte Böhme in der Tongrube „Hammerschmiede“. Der Fundort (47° 55′ 37″ N, 10° 35.5′ E) befindet sich auf dem Gemeindegebiet von Pforzen im bayerischen Landkreis Ostallgäu.[1]

In den Jahren 2011 bis 2018 bargen die Paläontologen um Madelaine Böhme zusammen mit regional und überregional rekrutierten freiwilligen Helfern[2] rund 15.000 Fossilien von 115 verschiedenen Arten[3], darunter insgesamt 37 Einzelfunde von Primaten, die rund 15 % des gesamten Skeletts des Primaten darstellen. Darunter befanden sich vollständig erhaltene Arm- und Beinknochen, Wirbel, Finger- und Zehenknochen. Der gute Erhaltungszustand des fossilen Skeletts ist erstaunlich für das hohe Alter und erlaubte die genaue Analyse wichtiger Gelenke. Als überraschend bezeichneten die Forscher, dass „einige Knochen mehr dem Menschen als dem Menschaffen“ ähnelten.[4]

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

D. guggenmosi ähnelt zahntechnisch Dryopithecus und anderen europäischen Menschenaffen des Oberen Miozäns. Er hatte einen breiten Brustkorb und eine Wirbelsäule, die wie beim modernen Menschen S-förmig geschwungen war. Die verlängerten Hüften und Knie deuten auf einen aufrecht gehenden Zweibeiner hin, doch seine verlängerten Vorderbeine erinnern mehr an einen kletternden Affen.[1] Mit diesen Merkmalen markiert er eine Zwischenstufe zwischen baum- und primär erdbewohnenden Menschenaffen.

D. guggenmosi könnte ein Beispiel dafür sein, über welche Zwischenschritte sich der aufrechte Gang bei den Vorfahren des Homo sapiens entwickelt hat.[5] „Der aufrechte Gang könnte im Geäst erfunden worden sein, lange bevor unsere Ahnen gewohnheitsmäßig festen Boden unter die Füße nahmen.“[6]

Namensgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bezeichnung der Gattung ist abgeleitet vom keltisch-römischen Flussgott Danuvius und verweist auf den Fundort im Einzugsgebiet der Donau. Der Artzusatz (das Epitheton) guggenmosi ehrt den Entdecker des Fundorts „Hammerschmiede“, den Allgäuer Amateurarchäologen Sigulf Guggenmos (1941–2018).[7][8]

„Udo“ als umgangssprachlichen Namen für D. guggenmosi wählten Böhme und ihr Doktorand am 17. Mai 2016, als das Autoradio den Geburtstag von Udo Lindenberg feierte.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Madelaine Böhme, Nikolai Spassov, Jochen Fuss, Adrian Tröscher, Andrew S. Deane, Jérôme Prieto, Uwe Kirscher, Thomas Lechner, David R. Begun: A new Miocene ape and locomotion in the ancestor of great apes and humans. In: Nature. Online-Vorabveröffentlichung vom 6. November 2019, doi:10.1038/s41586-019-1731-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Madelaine Böhme, Nikolai Spassov, Jochen Fuss, Adrian Tröscher, Andrew S. Deane, Jérôme Prieto, Uwe Kirscher, Thomas Lechner, David R. Begun: A new Miocene ape and locomotion in the ancestor of great apes and humans. In: Nature. 6. November 2019, doi:10.1038/s41586-019-1731-0.
  2. https://uni-tuebingen.de/de/98055
  3. https://www.all-in.de/pforzen/c-lokales/knochen-von-menschenaffen-in-der-tongrube-pforzen-was-archaeologen-darin-bereits-frueher-gefunden-haben_a5046672
  4. Neuer Vorfahr des Menschen in Europa entdeckt. Auf: idw-online.de vom 6. November 2019.
  5. Ancient ape offers clues to evolution of two-legged walking. Auf: nature.com vom 6. November 2019.
  6. a b Urs Willmann: Udo, der Frühaufsteher. In: Die Zeit Nr. 46, 7. November 2019, S. 39–40 (Onlineversion).
  7. Birgit Gehlen, Armin Guggenmos, Werner Zanier: Nachruf S Guggenmos BA: Nachruf auf den Allgäuer Amateurarchäologen Sigulf Guggenmos. In: Bayerische Archäologie 1, 2019: 52–56.
  8. Die Gesellschaft für Archäologie in Bayern verlieh Guggenmos den Archäologiepreis 2004 Preisverleihung.

Koordinaten: 47° 55′ 37,6″ N, 10° 35′ 30,5″ O