Daphne (Sammlungsdatenbank)

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Daphne

Screenshot der Software Daphne mit einem Objekt aus dem Robotron Museum Dresden.jpg
Screenshot der Software Daphne mit einem Objekt aus dem Robotron Museum Dresden
Basisdaten

Entwickler Robotron Datenbank-Software GmbH
Erscheinungsjahr 2005
Aktuelle Version 2.0.3[1]
(März 2019)
Kategorie Sammlungsmanagement
Lizenz Proprietär
deutschsprachig ja
www.robotron-daphne.de
Die Namenspatronin Daphne als Pokal mit Korallenzinken, geschaffen von Abraham Jamnitzer, befindet sich heute in der SKD im Grünen Gewölbe. Diese Replik entstand unter der Nutzung der originalen Gussform von Wenzel Jamnitzer vom Ende des 16. Jahrhunderts.

robotron*Daphne ist eine Software zur Verwaltung von Sammlungen kultureller Institutionen und Gedächtnisorganisationen (z. B.: Museen, Archive, Privatsammler oder Künstlernachlässe).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2005 begannen im Auftrag der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) die Entwicklungsarbeiten durch die Dresdner Firma Robotron Datenbank-Software GmbH (RDS).[2][3] Mit Hilfe der Software sollte bei den SKD erstmals im Rahmen des 2008 gestarteten „Daphne“-Projektes die systematische Recherche der Herkunft sämtlicher Zugänge seit 1933 möglich werden.[4][5][6]

Der Name Daphne leitet sich von einem Trinkgefäß ab, das Wenzel Jamnitzer um 1570 in Anlehnung an die griechische Sage von der Bergnymphe Daphne geschaffen hatte.[7] Gegen Ende des gleichen Jahrhunderts erstellte Abraham Jamnitzer eine Replik, die heute Bestand des Grünen Gewölbes in Dresden ist.[2][3] In der griechischen Mythologie wird Daphne in einen Lorbeerstrauch verwandelt; robotron*Daphne steht für die Verwandlung realer Kunstwerke in digitale Medien.

Mit der ersten Produktivsetzung 2006 standen die Funktionalitäten der Objekterfassung (z. B. Material, Technik, Objektart, Datierung, Schlagwort, Standort, Registrardaten etc.) und Provenienzforschung im Fokus.[5] Seitdem wird robotron*Daphne konstant weiterentwickelt und funktional stark erweitert. Mit der umfassenden Schenkung des Kunstsammlers Egidio Marzona 2016 und der Etablierung des Archivs der Avantgarden (AdA) als weitere Sammlung der SKD wurde 2017 ein Archivmodul konzipiert und implementiert.

Funktionen und Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anforderungen an die technologische Entwicklung bestanden sowohl darin, die individuellen Bedürfnisse und heterogenen Profile aller 15 Sammlungen des Museumsverbundes abzudecken, als auch ein System zu schaffen, das die Verarbeitung großer Datenmengen erlaubt. Gleichermaßen standen die Erfassungsgeschwindigkeit sowie eine schnelle und einfache Einarbeitung von Museumsmitarbeiter/innen im Vordergrund.[8][9][6]

Diese Systemanforderungen prägen das Sammlungsmanagementsystem bis heute maßgeblich. Beispielsweise ermöglichen Funktionalitäten wie Kopierfunktionen, Massenänderungen, Schnellerfassung oder CSV-Importe eine hohe Erfassungsrate. Sammlungsspezifische Informationen können mit Hilfe von Spezialdatensätzen – etwa für numismatische oder geologische Sammlungen – erfasst werden.

Der modulare Aufbau ermöglichte eine einfache Integration weiterer Module für Leihverkehre, Ausstellungsmanagement, Restaurierungen, Theater, Literatur, Interviews, Archivwesen und der Online Collection.

Neben der Inventarisierung und Erschließung der Sammlungsbestände sehen vor allem Museen heutzutage eine wichtige Aufgabe darin, im digitalen Raum ihre Sammlungen und Erkenntnisse zugänglich zu machen und mit anderen Institutionen zu verknüpfen. Dies bedingt das Einhalten von Museumsstandards und die Nutzung von kontrollierten Vokabularen. Normdaten für Personen, Institutionen und Verschlagwortung bezieht robotron*Daphne aus der Gemeinsamen Normdatei der Deutschen Nationalbibliothek, während geografische Namen aus der Open-Source Datenbank GeoNames übernommen werden. Eine Unterstützung der Mehrsprachigkeit ermöglicht der eingebundene Art and Architecture Thesaurus. Mithilfe von LIDO, einem Standartformat für den Datenexport, ist eine Weitergabe von Informationen aus robotron*Daphne an nationale (z. B.: Deutsche Digitale Bibliothek) sowie internationale (z. B.: Europeana) Portale möglich[1].

Mit der SPECTRUM-Zertifizierung[10] 2018 gewährleistet die Software die aktuellen Dokumentationsrichtlinien für die Objekterfassung und weiterer musealer Verfahren wie beispielsweise Leihverkehr, Ausstellungsmanagement oder Standortverwaltung[11][12]. Im Herbst 2019 wurde ein Multimedia-Guide für Daphne auf der Exponatec Cologne vorgestellt.[13][14]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute wird robotron*Daphne in zahlreichen kulturellen Institutionen und Gedächtnisorganisationen eingesetzt, wie beispielsweise im Stadtmuseum Berlin[15][16][8], im Deutschen Uhrenmuseum Glashütte[17], im DDR Museum Berlin, im Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst, in der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, der Kustodie der TU Dresden, der Stiftung Berliner Mauer[18] oder dem firmeneigenen Unternehmensmuseum der Robotron Datenbank-Software GmbH (Robotron Museum)[19].

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b robotron*Daphne: Neues Release mit neuen Funktionen! robotron-daphne.de, 18. März 2019, abgerufen am 18. September 2019.
  2. a b Sächsische Zeitung: „Daphne“ soll digitalen Durchblick schaffen, vom 6. Februar 2008 (Memento vom 17. Dezember 2013 im Internet Archive)
  3. a b Sächsische Zeitung: Detektive im Dienste der Kunst, von Simona Block, dpa, vom 22. August 2013 (Memento vom 17. Januar 2016 im Internet Archive)
  4. Sächsische Zeitung: NS-Raubkunst zurück in Kunstsammlungen, vom 24. Mai 2011 (Memento vom 9. August 2016 im Internet Archive)
  5. a b Sächsische Zeitung: Dresdner Kunstsammlungen richten einzigartige Museumsdatenbank ein, vom 26. Februar 2008 (Memento vom 17. Dezember 2013 im Internet Archive)
  6. a b Lisa Kern: Datenbanken, Inventarisierung, Provenienzforschung. Abgerufen am 18. September 2019.
  7. Objekt in der Datenbank des SKD. Abgerufen am 22. Oktober 2020.
  8. a b Abschlussbericht Stadtmuseum „1000mal Berlin“ (Memento vom 17. Dezember 2013 im Internet Archive)
  9. Sächsische Zeitung: Daphne durchbricht Schallmauer, vom 27. Februar 2008 (Memento vom 9. August 2016 im Internet Archive)
  10. Collection Trust: robotron Daphne. Abgerufen am 30. Juli 2020.
  11. Daphne auf dem Weg zur SPECTRUM-Zertifizierung. robotron.de, 14. Januar 2017, abgerufen am 18. September 2019.
  12. robotron*Daphne erreicht SPECTRUM-Zertifizierung. robotron.de, 11. Juni 2018, abgerufen am 18. September 2019.
  13. Multimedia-Guide auf der Exponatec Cologne vorgestellt. robotron.de, 18. November 2019, abgerufen am 27. November 2019.
  14. Multimedia-Guide - Virtuelle Museumstouren und Ausstellungen. robotron.de, abgerufen am 30. Juli 2020.
  15. Sammlung Online des Stadtmuseums Berlins. stadtmuseum.de, abgerufen am 18. September 2019.
  16. Nikolaus Bernau: Stadtmuseum: 2452 ist das Ziel erreicht. Berliner Zeitung, 5. August 2013, abgerufen am 18. September 2019.
  17. Reinhard Reichel, Holm Brendler: Museumsumzug in Glashütte mithilfe von robotron*Daphne. Museum-Aktuell, August 2008, abgerufen am 18. September 2019.
  18. Jahresbericht der Stiftung Berliner Mauer 2016. www.stiftung-berliner-mauer.de, 2017, abgerufen am 18. September 2019.
  19. Robotron Museum