Darío Castrillón Hoyos

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Kardinal Castrillón Hoyos (2008)
Wappen Darío Kardinal Castrillón Hoyos

Darío Kardinal Castrillón Hoyos (* 4. Juli 1929 in Medellín, Kolumbien; † 18. Mai 2018 in Rom, Italien) war ein Kurienkardinal der römisch-katholischen Kirche.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Darío Castrillón Hoyos studierte Katholische Theologie und Philosophie am Seminar von Antioquia in Medellín und am Seminario de Santa Rosa de Osos sowie der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Er wurde in Kanonischem Recht promoviert. Zusätzlich spezialisierte er sich in den Bereichen Religionssoziologie, Wirtschaftsethik und Politikwissenschaften und studierte an der Fakultät für Soziologie an der Katholieke Universiteit Leuven, Belgien. 1952 empfing er in Rom das Sakrament der Priesterweihe durch Erzbischof Alfonso Carinci, Sekretär der Heiligen Ritenkongregation. Er war zunächst als Kaplan in zwei ländlichen Pfarrgemeinden und anschließend als Dozent für Kirchenrecht eingesetzt. Er war Direktor der Cursillo, Direktor des Nationalen Pastoralprogramms und der Legión de María und Offizial an der Diözesankurie Santa Rosa de Osos. Er war Direktor der Hörfunkschulen, Diözesandelegierter der Katholischen Aktion (1959), Kirchenassistent der Katholischen Arbeiterjugend, Diözesandirektor der Katechese, Inspektor des Diözesanamtes für Volkskultur (1962) und Generalsekretär des kolumbianischen Episkopats.[1]

1971 wurde Darío Castrillón Hoyos von Papst Paul VI. zum Koadjutorbischof von Pereira und zum Titularbischof von Villa Regis ernannt. Am 18. Juli 1971 spendete ihm der damalige Apostolische Nuntius von Kolumbien, Angelo Palmas, die Bischofsweihe; Mitkonsekratoren waren Aníbal Muñoz Duque, Koadjutor-Erzbischof von Bogotá, und Baltasar Álvarez Restrepo, Bischof von Pereira. Sein Wahlspruch war Christus in vobis spes gloriæ.

1976 wurde er von Bischof von Pereira. Von 1983 bis 1987 war er Generalsekretär, von 1987 bis 1991 Präsident des Lateinamerikanischen Bischofsrats (CELAM). 1992 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Erzbischof von Bucaramanga, nahe der Grenze zu Venezuela. 1996 wurde Castrillón Hoyos zum Präfekten der Kongregation für den Klerus ernannt. Er arbeitete auch an der Veröffentlichung des neuen Katechismus der Katholischen Kirche mit.

Am 21. Februar 1998 wurde er als Kardinaldiakon mit der Titeldiakonie Santissimo Nome di Maria al Foro Traiano in das Kardinalskollegium aufgenommen. Im April 2000 übernahm er außerdem die Leitung der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei.[2] Von 2004 bis 2010 war er Großprior des Konstantinordens. Kardinal Castrillon nahm am Konklave 2005 teil, wegen der Altersgrenze von 80 Jahren aber nicht aber am Konklave 2013.

Am 31. Oktober 2006 nahm Papst Benedikt XVI. das Rücktrittsgesuch des Kardinals vom Amt des Präfekten der Kongregation für den Klerus an.[3] Vom 23. Februar 2007 bis 1. März 2008 bekleidete er das Amt des Kardinalprotodiakons. Am 1. März 2008 wurde Darío Kardinal Castrillón Hoyos zum Kardinalpriester pro hac vice erhoben. Papst Benedikt XVI. nahm am 8. Juli 2009 das von Darío Castrillón Hoyos aus Altersgründen vorgebrachte Rücktrittsgesuch vom Amt des Präsidenten der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei an.[4]

Nachdem sich sein Gesundheitszustand verschlechtert hatte,[5] starb er am Morgen des 18. Mai 2018.[6]

Castrillón Hoyos beherrschte acht Sprachen, darunter auch Deutsch.

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er war seit 2000 beauftragt, die Verhandlungen mit den vier 1988 exkommunizierten Bischöfen der Priesterbruderschaft St. Pius X. zu führen, die zur Anerkennung der päpstlichen Autorität durch diese führten und damit nach Kirchenrecht die Rücknahme der Exkommunikation am 24. Januar 2009 zur Folge hatten – bei weiterhin bestehender Suspension und dem damit einhergehenden Verbot, als Bischöfe zu handeln, da ihre Bischofsweihen weiterhin als unerlaubt angesehen werden und sie somit nicht als Bischöfe der Katholischen Kirche handeln können.

Nach weltweiten Protesten wegen der am gleichen Tag wieder in die Öffentlichkeit getragenen Holocaustleugnung Richard Williamsons erklärte er, von dieser Haltung vorher nichts gewusst zu haben.[7] Mitte 2009 erklärte der schwedische Bischof Anders Arborelius, dass er im Vatikan „jeden, der für die Piusbruderschaft zuständig ist“, bereits im November 2008 über Williamsons Holocaust-Leugnungen unterrichtet hatte.[8]

Darío Castrillón Hoyos ging als Bischof von Pereira nachts durch die Straßen von Pereira, der Hauptstadt der Kaffeeregion Kolumbiens, gab „Bettlern und Verrückten heißen Kaffee und Brot“; dies berichtete der Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez 2001 in einer Reportage über den Kardinal Castrillón Hoyos.[9] Auch nach dem spurlosen Verschwinden von Obdachlosen intervenierte er in seinen Predigten und brachte den örtlichen Polizeichef zu Fall; die toten Obdachlosen konnten ausfindig gemacht werden.[9] Als Milchmann verkleidet konnte er sich Zugang verschaffen zu dem später erschossenen Drogenbaron Pablo Escobar, den er zum Aufgeben überreden wollte.[9]

Castrillón Hoyos war befreundet mit Pater Werenfried van Straaten OPraem, Begründer des internationalen Hilfswerkes Kirche in Not. Darío Castrillón Hoyos hielt bei der Trauerfeier zum Tod von Pater Werenfried am 7. Februar 2003 im Limburger Dom den Nachruf.[10]

Im April 2010 wurde ein Brief vom September 2001 bekannt, in dem Kardinal Hoyos dem französischen Bischof Pierre Pican, der einen schweren Fall von sexuellem Missbrauch an Kindern durch den Diözesanpriester René Bissey nicht angezeigt hatte und dafür verurteilt worden war, dafür dankte, dass er „das Gefängnis dem Verrat an einem Priesterbruder vorgezogen“ habe.[11] Vatikan-Sprecher Lombardi distanzierte sich vom Inhalt dieses Briefes.

Mitgliedschaften in der römischen Kurie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Darío Kardinal Castrillón Hoyos war Mitglied der folgenden Kongregationen und Räte der Römischen Kurie:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinz-Joachim Fischer, Nichts gehört: Darío Castrillón Hoyos. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 26, 31. Januar 2009, S. 10.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Murió el cardenal colombiano Darío Castrillón Hoyos. In: El Espectador. Presseamt des Heiligen Stuhls, 17. Mai 2018, abgerufen am 18. Mai 2018 (spanisch).
  2. Nomina del nuovo Presidente della Pontificia Commissione "Ecclesia Dei". In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 13. April 2000, abgerufen am 13. Februar 2016 (italienisch).
  3. Rinuncia del Prefetto della Congregazione per il Clero e Nomina del nuovo Prefetto. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 31. Oktober 2006, abgerufen am 13. Februar 2016 (italienisch).
  4. Nomina del nuovo Presidente della Pontificia Commissione "Ecclesia Dei". In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 8. Juli 2009, abgerufen am 13. Februar 2016 (italienisch).
  5. Der Gesundheitszustand von Kardinal Castrillon Hoyos soll kritisch sein, katholisches.info, 17. Mai 2018
  6. Kolumbianischer Kardinal Dario Castrillon Hoyos gestorben, domradio.de, 18. Mai 2018
  7. Paul Kreiner: Ausgeblendet. Mit der Rehabilitierung ultrakonservativer Bischöfe verärgert Benedikt XVI. selbst Katholiken. Was treibt den Papst? Tagesspiegel, 2. Februar 2009, abgerufen am 13. Februar 2016.
  8. Peter Wensierski: Bischof Williamson: Vatikan war früher als bekannt über Holocaust-Leugnung informiert. Spiegel Online, 23. September 2009, abgerufen am 13. Februar 2016.
  9. a b c Kämpfer gegen Armut. Die Zeit, 14. April 2005, abgerufen am 18. Mai 2018.
  10. S. Stein: Am Anfang war das Pferd. Kirche in Not, 3. Juli 2009, abgerufen am 18. Mai 2018.
  11. Bischof vertuscht Missbrauchsfall – Kardinal dankt. In: Die Welt, 16. April 2010 (online)
  12. Nomina di Membro della Congregazione per i Vescovi. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 17. Februar 2001, abgerufen am 13. Februar 2016 (italienisch).
  13. Nomina di Membri della Congregazione per il Culto Divino e la Disciplina dei Sacramenti. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 2. Mai 2002, abgerufen am 13. Februar 2016 (italienisch).
VorgängerAmtNachfolger
Jorge Arturo Kardinal Medina EstévezKardinalprotodiakon
2007–2008
Agostino Kardinal Cacciavillan
Angelo Kardinal FeliciPräsident der Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“
2000–2009
William Joseph Kardinal Levada
José Tomas Kardinal SánchezPräfekt der Kongregation für den Klerus
1996–2006
Cláudio Kardinal Hummes
Héctor Rueda HernándezErzbischof von Bucaramanga
1992–1996
Víctor Manuel López Forero
Baltasar Alvarez RestrepoBischof von Pereira
1976–1992
Fabio Suescún Mutis