Dark Winter

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Dark Winter ist ein Pandemie-Planspiel von 2001. Forscher simulierten eine Pockenepidemie, die von unbekannten Angreifern ausgelöst worden sei.[1][2]

Es fand vom 22. bis zum 23. Juni 2001 statt und wurde vom Johns Hopkins Center for Civilian Biodefense Strategies zusammen mit dem Center for Strategic and International Studies, dem Analytic Services Institute for Homeland Security und dem Oklahoma National Memorial Institute for the Prevention of Terrorism durchgeführt.[3]

Ziel des ersten Planspiels dieser Art war, die politischen Herausforderungen zu überprüfen, Aufmerksamkeit für die Art und die Schwere der Gefahr zu erhöhen und Maßnahmen zur Bekämpfung der Gefahren herauszuarbeiten.[3]

Szenario[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Dunkler Winter“ beschrieb einen anfänglich lokal begrenzten Pockenangriff auf Oklahoma City, Oklahoma, mit zusätzlichen Pockenfällen in Georgia und Pennsylvania. In der Simulation gerieten die Pockeninfektionen außer Kontrolle. Dies führte dazu, dass der Nationale Sicherheitsrat sich mit dem Ursprung des Angriffs und zugleich mit der Bekämpfung der Ausbreitung des Virus beschäftigen musste. Da sie nicht in der Lage waren, mit der Ausbreitung der Krankheit Schritt zu halten, würde es zu einer neuen Entwicklung kommen, bei der massive zivile Opfer die amerikanischen Notfalleinsatzkapazitäten überfordern würden.

Die massiven zivilen Opfer zeigten Schwächen in der US-Gesundheitsinfrastruktur auf und deren Unfähigkeit, mit einer solchen Bedrohung umzugehen. Dazu gehörten die entstandene Panik und der massenhafte soziale Zusammenbruch, Mobs und Gewalt. Zu den Herausforderungen gehörten auch die vielen Schwierigkeiten ein, die die Medien bei der Vermittlung der notwendigen Sicherheitsinformationen und -verfahren an die amerikanischen Bürger haben würden.[3][4]

Rollen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlussfolgerungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Übung hatte nach Auffassung von Tara O'Toole und anderen folgende Ergebnisse:

  • Entscheidungsträger waren nicht vertraut mit dem Charakter bioterroristischer Angriffe, politischer Handlungsmöglichkeiten und ihren Konsequenzen
  • Ihre Entscheidungen waren von abhängig von den Daten und der Expertise des medizinischen Bereichs und des Bereich der öffentlichen Gesundheit
  • Der Mangel an Impfstoffen oder Medikamenten, um die Ausbreitung des Virus aufzuhalten, begrenzte die Handlungsmöglichkeiten
  • Das Gesundheitssystem der USA hat nicht die Reaktionsfähigkeit auf kurzfristigen Bedarfsanstieg (surge capacity), um mit einem Massenanfall von Opfern fertig zu werden
  • Zur Beendigung der Krise brauchen die Entscheidungsträger den Rat von führenden Experten des öffentlichen Gesundheitssektors und der Medizin
  • Prioritäten sind auf Länder- und Bundesebene möglicherweise unklar oder verschieden. Verfassungsfragen könnten entstehen.
  • Das Verhalten der einzelnen Bürger in der USA wird entscheidend dafür sein, ob die Ausbreitung beendet werden kann. Dafür ist Vertrauensbildung und Zusammenarbeit nötig.[3]

Kommentare[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marl Perry von Foreign Policy kommentiert, Dark Winter sei in Zirkeln leitender Politikvertreter in Washington legendär geworden: Es werde von den Planern und den Teilnehmern regelmäßig als deutlichster Ausdruck der spiralförmig wachsenden Belastungen und des potentiellen sozialen Zusammenbruchs, die von einer Gesundheitskrise ausgelöst werden könnten.[5]

Paul Schreyer bezeichnete es als auffällig, dass in Dark Winter und in den vorhergehenden Übungen nicht nur ein Gesundheitsnotstand mit überlasteten Krankenhäusern und vielen Epidemie-Toten durchgespielt worden sei, sondern "in allen Drehbüchern immer auch Unruhen im Land ausbrachen und man darauf mit einem Einsatz des Militärs und starken Freiheitsbeschränkungen reagieren musste."[6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Internetquellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tara O'Toole, Mair Michael, Thomas V. Inglesby: Shining Light on “Dark Winter”. In: Clinical Infectious Diseases. Band 34, Nr. 7, 1. April 2002, ISSN 1058-4838, S. 972–983, doi:10.1086/339909.
  • Paul Schreyer: Chronik einer angekündigten Krise – Wie ein Virus die Welt verändern konnte. Westend Verlag, Frankfurt am Main 2020, ISBN 978-3-86489-316-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mark Perry: America’s Pandemic War Games Don’t End Well. In: Foreign Policy. Abgerufen am 3. April 2021 (amerikanisches Englisch).
  2. Center for Biosecurity: Dark Winter. Abgerufen am 10. April 2021 (englisch).
  3. a b c d Tara O'Toole, Mair Michael, Thomas V. Inglesby: Shining Light on “Dark Winter”. In: Clinical Infectious Diseases. Band 34, Nr. 7, 1. April 2002, ISSN 1058-4838, S. 972–983, doi:10.1086/339909.
  4. Center for Biosecurity: Dark Winter. Abgerufen am 10. April 2021 (englisch).
  5. Mark Perry: America’s Pandemic War Games Don’t End Well. In: Foreign Policy. Abgerufen am 10. April 2021 (amerikanisches Englisch): „But Dark Winter has since become legendary in senior policymaking circles in Washington for a different reason: It has regularly been cited by its designers and participants as the clearest exhibit of the spiraling stresses, and potential social collapse, that could be sparked by a public health crisis.“
  6. Paul Schreyer: Chronik einer angekündigten Krise: Wie ein Virus die Welt verändern konnte. Westend Verlag, 2020, ISBN 978-3-86489-786-3 (com.ph [abgerufen am 10. April 2021]).