Das Atelier des Künstlers

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Das Atelier des Künstlers (Gustave Courbet)
Das Atelier des Künstlers
Gustave Courbet, 1855
Öl auf Leinwand, 361 × 598 cm
Musée d'Orsay

Das Atelier des Künstlers, vollständiger Titel französisch L’Atelier du peintre. Allégorie Réelle déterminant une phase de sept années de ma vie artistique (et morale), dt. Eine wirkliche Allegorie einer siebenjährigen Phase in meinem künstlerischen (und moralischen) Leben, ist ein Gemälde von Gustave Courbet aus dem Jahr 1855, das sich heute im Musée d’Orsay in Paris befindet.

Geschichte[Bearbeiten]

Courbet malte das Bild in nur sechs Wochen und sagte von dem Bild:

Die Welt kommt in mein Atelier, um sich malen zu lassen“.

Das Bild steht in der Tradition von Diego Velázquez Las Meninas und beeinflusste seinerseits zwei Frühwerke von Édouard Manet, Der alte Musikant und Musik im Tuileriengarten.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die gezeigten Figuren sind allegorische Repräsentationen von verschiedenen Einflüssen auf Courbets künstlerisches Schaffen sowie Darstellungen von Personen aus seinem realen Leben. Links befinden sich Personen aus allen Schichten der Gesellschaft. In der Mitte arbeitet Courbet selbst an einem Landschaftsgemälde. Rechts befinden sich Freunde und Bekannte, unter ihnen George Sand, Charles Baudelaire, Jules Champfleury, Pierre-Joseph Proudhon sowie François Sabatier und dessen Frau, die österreichische Sängerin Caroline Unger. Die auf beiden Seiten des dargestellten Landschaftsgemäldes befindlichen nackten Figuren haben ebenfalls große symbolische Bedeutung. Die Figur im Halbdunkel, nicht zufällig aus dem Blickfeld des Malers verbannt, ist eine Gliederpuppe, die zum Studium von Haltungen und Proportionen diente und für Courbet die wirklichkeitsferne Tradition der Kunstakademien symbolisierte (Symbole der akademischen Malerei). Courbet selbst hielt sich weniger an die Tradition als an die Wirklichkeit, die auf seinem Bild durch die nackte Frau (in der die Zeitgenossen die Muse der Wahrheit erkennen wollten) im wahrsten Sinne des Wortes verkörpert wird. Damit brach Courbet bewusst mit den starren Regeln der Tradition und begründete eine neue, realistische Sehweise.

Rezeption[Bearbeiten]

Die Jury der Weltausstellung von 1855 in Paris akzeptierte elf Courbet-Werke, lehnte dieses aber ab. Mit der Hilfe von Alfred Bruyas eröffnete Courbet nun seine eigene Ausstellung in unmittelbarer Nähe der Weltausstellung, ein frühes Beispiel für einen Salon des Refusés (Ausstellung der Abgewiesenen). Es gab nur wenig Lob für das Gemälde, Eugène Delacroix war einer der wenigen Maler, die es schätzten.

Hommage[Bearbeiten]

Die Skulptur „Hommage a Courbet“ (1988 – 1995, Rumänischer Kalkstein) der österreichischen Bildhauerin Hortensia Fussy ist eine Übersetzung der im Gemälde dargestellten nackten Frauenfigur in eine monumentale Steinskulptur, die seit Juli 2014 vor dem Rathaus in Deutschlandsberg ausgestellt ist.