Das Boot (Roman)

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Das Boot ist der Titel eines Romans von Lothar-Günther Buchheim, der die persönlichen Erlebnisse des Autors als Kriegsberichterstatter auf verschiedenen U-Booten literarisch verarbeitet; er beruht auf den damals von Buchheim gemachten Notizen. Insbesondere behandelt das Buch Ereignisse, die sich im Wesentlichen auf den Unternehmungen der Boote U 96 und U 309 abspielten. Das Buch erschien 1973 im Verlag Piper und wurde in Millionenauflage gedruckt sowie in 18 Sprachen übersetzt. Der Roman erregte durch seine schonungslose, mitunter vulgäre Sprache und realistische, detaillierte Schilderung viel Aufmerksamkeit.

Erzählerposition und Stilisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Buchheim war als Maler und Autor Kriegsberichterstatter bei der Propagandakompanie (PK) der Marine und in dieser Funktion als „Gast“ an Bord verschiedener Schiffe kommandiert. Der Roman gibt in geraffter Form die Erlebnisse mehrerer Reisen mit verschiedenen U-Booten wieder. Daraus ergibt sich die Stilisierung des Romans, der im Gegensatz zu den späteren Büchern „Die Festung“ und „Der Abschied“ auch alle unmittelbar an der Handlung beteiligten Namen verfremdet. So wird die eigentliche Hauptperson des Romans, der Kommandant, dessen Charakterisierung dem tatsächlichen damaligen Kommandanten Heinrich Lehmann-Willenbrock nachempfunden ist, als „der Alte“ oder „Herr Kaleun“ tituliert. Weitere Offiziere, die im Roman eine Rolle spielen, bleiben, obwohl ausführlich beschrieben und charakterisiert, ebenfalls „namenlos“: Beide Wachoffiziere sowie Erster und Zweiter Ingenieur werden stets nur mit ihrer Funktion bezeichnet. Buchheim nimmt dabei sich selbst nicht aus, der Erzähler selbst wird stets mit „Herr Leutnant“ angesprochen. Über Namen verfügen nur der Fähnrich („Ullmann“) sowie die Unteroffiziere (z. B. „Kriechbaum“) und Mannschaften. Auch das Boot selbst ist anonymisiert – es wird nur als „UA“[1] bezeichnet, andere Boote heißen UF, UX oder UY und sind schlicht mit Buchstaben bezeichnet, wo die Nummer oder der Name des Kommandanten über ihre Identität Aufschluss geben könnte. Die von Buchheim beschriebenen Charaktere sind im Wesentlichen mit Pseudonymen benannt und stehen für zeitgenössische Personen oder sind an solche angelehnt.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Verfilmung des Stoffes und die nachfolgenden, als Fortsetzung zu begreifenden Romane Buchheims scheinen die Personen der Handlung und auch die Identität des Bootes heutzutage erschließbar. Der Text selbst behauptet allerdings an keiner Stelle – nicht einmal andeutungsweise –, dass es sich hierbei tatsächlich um U 96 auf seiner siebenten Unternehmung unter dem Kommando von Heinrich Lehmann-Willenbrock handelt. Buchheim verzichtet weitestgehende auf die Nennung von Klarnamen – auch von Orten –, und eine Jahreszahl wird im gesamten Text nicht angegeben. Erst im vierten Kapitel gibt der Text durch die Benennung des Monats eine Orientierung über die Jahreszeit, in der die Handlung spielt. Buchheim selbst bezeichnete den Herbst 1941 als die “Zeit, in der sich mein Boot im Einsatz befand.” [2]

Das Hotel „Majestic“, in dem zum Teil die Feiern stattfanden.

Das Buch beginnt mit der Schilderung der Feiern der U-Boot-Offiziere an Land, die vor dem Auslaufen das Leben noch einmal auskosten wollen. In einer von der Organisation Todt (OT) ausgebauten Bar an der nordfranzösischen Atlantikküste treffen sich die Offiziere der U-Bootwaffe, die das Lokal requiriert hat. Aus dem Hörensagen gibt der Erzähler die Schilderungen der Offiziere wieder, die von Meldungen, Vorträgen und Berichten gegenüber ihren Vorgesetzten handeln und wie diese die Situation des U-Boot-Krieges einschätzen. Es wird deutlich, dass die älteren und erfahreneren Offiziere, in deren Gesellschaft sich der Ich-Erzähler befindet, die Erfolgsaussichten des U-Boot-Krieges geringer und die Gefahren von Seiten der Gegner erheblicher einschätzen, als ihre Vorgesetzten, wie der Flottillenchef, der Führer der U-Boote (FdU) oder der Befehlshaber der U-Boote (BdU), Karl Dönitz, selbst. Insbesondere von der impliziten Anordnung des BdU, von der Rettung Schiffbrüchiger abzusehen, zeigen sich die älteren Offiziere nicht einverstanden. Der Unwille des Befehlshabers, psychisch belastete Kommandanten nicht mehr auf Unternehmungen zu senden, wird am Beispiel Engelbert Endrass’ erläutert. Der habe nicht mehr auf Feindfahrt geschickt werden dürfen. Neben den Erwähnungen des Todes der Kommandanten von Prien und Schepke gibt an dieser Stelle eine der wenigen Klarnamensnennungen eine Orientierung über Zeit und Ort der Handlung: Die Erwähnung des Hotels Majestic, ein weiteres Stammlokal der U-Bootleute in der Nähe des Stützpunktes Saint-Nazaire, gibt einen weiteren Hinweis auf den Handlungsort. Obwohl die Offiziere ihre Pflicht ohne Widerspruch erfüllen, zeigt sich unter ihnen Opposition - weniger gegen das Regime, obgleich zumindest die Führung der U-Bootwaffe kritisiert wird, sondern in erster Linie gegen die propagandistische Verklärung ihres Kampfes. Dies äußert sich in satirischen Ansprachen, groteskem Zitieren typischer propagandistischer Redewendungen und zynischen Kommentaren über das „feine Tapetenmuster“, mit dem die Bilder der Gefallenen gemeint sind. Der anwesende Flottillenchef wird von dem betrunkenen Ritterkreuzträger Trumann angegangen, dessen absichtliche Verstöße gegen die Kleiderordnung ebenfalls thematisiert werden. Als Beispiel hierfür wird die Angewohnheit der U-Bootkommandanten angeführt, auf den dunklen Überzug ihrer Kopfbedeckung zu verzichten und die Mützen weiß oder das Ritterkreuz „achtern“ zu tragen. Die beschriebene Feier nimmt im Verlaufe des Abends an Wildheit zu und steigert sich bis zu der auch aus der Verfilmung berühmten Szene eines eben ausgezeichneten Ritterkreuzträgers, der auf dem Boden des Waschraums betrunken die anfeuernden Propagandasprüche der U-Bootführung deklamiert.

Der U-Boot-Bunker von St. Nazaire

Am nächsten Morgen fahren der Erzähler, der Kommandant, der Leitende Ingenieur und der Zweite Wachoffizier zum Liegeplatz des Bootes. Die Schäden der Luftangriffe, die mit der Nähe zum Hafen zunehmen, machen die Weiterfahrt unmöglich, so dass sie den letzten Teil der Strecke zu Fuß zurücklegen müssen. Stadt und Hafen sind zum Teil beschädigt durch die Folgen eines Bombardements, das zwei Tage vorher stattgefunden hat. Auch der deutsche U-Bootbunker – gleichzeitig eine Werft – wurde getroffen, aber nicht wesentlich beschädigt; ”... sieben Meter Eisenbeton”, erwähnt der Leitende Ingenieur erklärend. Am Beispiel der dort im Trockendock liegenden Boote gibt der Autor überblicksartige Erklärungen zu den deutschen U-Boottypen, insbesondere dem Typ VII. Länge, Verdrängung und sonstige Daten memoriert der Ich-Erzähler, und weitere Merkmale gehen aus dem Gespräch der Offiziere hervor. Auch an Bord von UA – dem namensgebenden Boot – setzen sich die Erläuterungen, nun insbesondere der inneren Merkmale sowie diverser technischer Instrumente, fort. Beim Auslaufen unter dem Klang von Marschmusik und dem Zuwurf von Blumensträußen verdichtet der Ich-Erzähler seine Eindrücke zu dem Bild, das Buchheim auch als Sujet der späteren Verfilmung vorschwebte, „…eine düstere Fähre auf einem öligschwarzen Styx…“.[3][4][5]

An Bord von UA schildert Buchheim die drangvolle Enge eines VII C-Bootes, das 50 Mann beherbergt. Er beschreibt die unterschiedlichen Typen von Seeleuten, ihre zumeist profanen Gespräche, führt technische Details an, die er in Gespräche mit den technischen Spezialisten, vor allem mit dem Leitenden Ingenieur einkleidet, malt eindringlich das Erleben von wochenlangem Sturm und eintöniger Gammelei, ebenso das „Jagdfieber“ beim Angriff, Gewissenskonflikte beim Anblick schiffbrüchiger Seeleute, die nicht gerettet werden dürfen. Zuletzt herrscht nackte Angst angesichts zermürbender Stunden der Wasserbombenverfolgung durch nachsetzende Zerstörer. Nach einem erfolgreichen Angriff auf einen Geleitzug und nochmaliger Verfolgung ist das Boot stark beschädigt, die Mannschaft hofft auf Rückkehr in ihren Heimathafen. Stattdessen wird der Einsatz im Mittelmeer befohlen, was die Besatzung zu einem Durchbruch durch die von britischen Schiffen stark bewachte Straße von Gibraltar zwingt. Das Unternehmen misslingt, das Boot wird schwer getroffen und sinkt auf Grund, hält aber dem hohen Wasserdruck stand. Die dramatischen Stunden auf dem Meeresboden in 280 m Tiefe, in denen die Mannschaft verzweifelt die Schäden zu beheben versucht, bilden das eindringlichste Kapitel des Buches. Wider aller Wahrscheinlichkeit gelingt der Auftauchversuch, das schwer angeschlagene Boot schleppt sich in den nächsten von Deutschen besetzten Kriegshafen, nach La Rochelle, wo es bei einem Fliegerangriff versenkt wird; nur ein Teil der Mannschaft kann sich retten.

Bezüge zu tatsächlichen Personen, Booten und Ereignissen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Buchheim bezeichnet sein Buch als „Roman, aber kein Werk der Fiktion“.[6] Teile der Erzählung sind also der Realität entnommen. Im Folgenden werden Anlehnungen und Fakten entsprechender Inhalte des Buches gegenübergestellt.

Personen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kommandant des Bootes wird im ersten Kapitel[7] vorgestellt. Er ist dreißig Jahre alt und mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet. Dies deutet auf Heinrich Lehmann-Willenbrock (1911–1986) hin, der Anfang des Jahres 1941 das Ritterkreuz erhielt. Genaugenommen wäre Lehmann-Willenbrock – so er denn „der Alte“ ist – zu dem Zeitpunkt, in dem das erste Kapitel spielt, erst 29 Jahre alt, und hätte seinen Geburtstag (11. Dezember) auf der beschriebenen Unternehmung begangen.

Anspielungen auf andere U-Bootkommandanten finden sich bereits im ersten Kapitel. Buchheim erwähnt etwa den angeblich heldenhaften, tatsächlich profanen Tod des „Kapitänleutnants Mönkeberg“, bei dem es sich in Wirklichkeit um Kptlt. Rolf Mützelburg von U 203 handelt. Die Figur des U-Boot-Kommandanten „Trumann“ spielt auf Korvettenkapitän Thurmann, dem Kommandanten von U 553 an. Allerdings erhielt der seit 1943 im Nordatlantik vermisste Thurmann das Ritterkreuz, das die Figur Trumann als „eiserner kieler Kragen“ (=Matrosenkragen) achtern trägt, erst im August 1942. Der Spitzname seines Boots, das im Buch als „Trommelfeuerboot“ bezeichnet wird, könnte indessen nach dem U 333 von Peter Ali Cremer gezeichnet sein, welcher aufgrund seiner legendären Zusammenstöße mit Feindkräften den Spitznamen Ali Wrack trug. Namentlich erwähnt werden Otto Kretschmer, Günther Prien, Engelbert Endrass und Joachim Schepke, treten aber nicht auf.

Bei der Erwähnung des „Kapitänleutnants L.“ nimmt Buchheim zwar, anders als bei Kretschmer oder Prien, eine Anonymisierung vor, wählt aber eine andere Form als bei Thurmann oder Topp – statt einer Verfremdung nutzt er die Abkürzung. Gemeint ist Wolfgang Lüth, der die Erfahrungen seiner viermonatigen Fernunternehmung mit dem Boot U 181 hinsichtlich der Menschenführung auf einem U-Boot, in seiner Position als Flottillenchef der 22. U-Flottille, einer Schulflottille, im Jahr 1944 dem Führungskorps der Kriegsmarine vermittelte.[8] Im Kapitel Gammel 2 entdeckt der Ich-Erzähler eine Mitschrift, die der I WO von einem Vortrag L.s angefertigt hat.[3] Aus Lüths Text diktiert auch Hubertus Bengsch in der Verfilmung, in seiner Rolle als 1.WO, den Darstellern der Fähnriche, Martin May und Joachim Bernhard während des Fähnrichsunterrichts.

Die Begebenheit im ersten Kapitel, bei der „Kommandant Kallmann“ im Kameradenkreis im Anschluss an einen Bericht nach dem Schicksal seines Freundes „Bartel“ fragt,[9] hat ein Ereignis zum Vorbild, das sich im Januar 1942 zutrug und von dem Erich Topp in seiner Erinnerung an Engelbert Endrass[10] – dessen Spitzname „Bertel“ lautete[11] – berichtet. Auch die im Zusammenhang mit Kallmann im zweiten Kapitel, „Auslaufen“, beschriebene Havarie eines U-Bootes an der Brunsbütteler Schleuse geht auf Erich Topp zurück. Dessen kleines Typ II C-Boot U 57 sank dort im September 1940, nach einem Zusammenstoß mit dem norwegischen Frachter Rona.

Auch hat es den Vorfall tatsächlich gegeben, bei dem der Bordarzt ein U-Boot zurück in den Hafen brachte. Es handelte sich dabei um das zur Flakfalle umgebaute U 441, dessen Kommando von Oberstabsarzt Dr. Pfaffinger übernommen wurde.

Die Figur des Obermaschinisten August Johann, der sich den Belastungen der Wasserbombenverfolgung nicht gewachsen zeigt, geht auf Hans Johannsen zurück, der schon auf U 5 unter Heinrich Lehmann-Willenbrock diente. Johannsen machte bis Kriegsende 16 Feindfahrten, erhielt am 31. März 1945 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes und geriet im Mai als LI von U 802 in Kriegsgefangenschaft.[12]

Herbert Sohler (rechts)

Als „Gestell“ mit „Gymnasiastengesicht“ beschriebener Flottillenchef, der nur kurz und widerwillig in der „Bar Royal“ anwesend ist, erkannte sich Herbert Sohler im Roman wieder. Der ehemalige U-Bootkommandant war von 1940 bis 1944 Chef der 7. U-Flottille und hatte tatsächlich Differenzen mit dem Kommandanten Thurmann, den er zu einer anderen Flottille versetzen ließ.[13]

Orte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bar Royal, in der Buchheim dem Leser die unterschiedlichen Typen der Offiziere der U-Bootwaffe vorstellt, gab es zwar, aber solche Szenen wie im ersten, nach ihr benannten Kapitel des Buches, hat es laut Herber Sohler, im Winter 1941/42 Chef der in Saint Nazaire stationierten 7. U-Flottille, in seinem Verantwortungsbereich nicht gegeben. Anlässlich seiner im Privaten geäußerten und weitergetragenen Kritik zum Erscheinens des Romans nahm Buchheim Kontakt zu ihm auf. Zwischen dem ehemaligen PK-Mann und dem damaligen Kapitänleutnant entspann sich ein Briefwechsel. Sohler bezeichnete die Darstellung des Verhaltens der Offiziere im ersten Kapitel als unzutreffend geschildert, auf keinen Fall beispielhaft und gab an, er hätte das Lokal, wäre er, wie im Text beschrieben, Zeuge solcher Vorfälle geworden, sofort geschlossen.[14]
Die U-Bootbunker an der französischen Atlantikküste, auch der in Saint Nazaire wurden erst ab Mitte 1942 – als Reaktion auf die effizienteren Bombenmodelle der Alliierten – auf eine Dicke der Betondecke von bis zu sieben Metern aufgerüstet. Zu der Zeit der Handlung hatte die Decke des Bunkers in Saint Nazaire, entgegen der Aussage des LI im Kapitel „Auslaufen“, noch eine Dicke von 3,8 m.[15]

Boote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Feindfahrt von UA, die einen Großteil des Romans einnimmt, beginnt Ende September.[16] U 96 lief allerdings erst am 27. Oktober[17] zu seiner siebten Feindfahrt aus, die am 6. Dezember endete. Das Boot ist bedeutend länger unterwegs, es wird[18] erst am 14. Dezember zur Versorgung nach Vigo befohlen. Das tatsächliche U 96 wurde jedoch am 1. Dezember in Cádiz versorgt. Die Fahrt von UA endet dementsprechend später – dies wird jedoch nicht näher dargestellt.

Geschehen vor Gibraltar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die „Versenkung“ des Bootes ist der dramatische Höhepunkt des Romans: UA sinkt nach einem Bombentreffer in der Straße von Gibraltar auf eine Tiefe von 280 m. Das Ereignis kann zeitlich nur geschätzt werden, wahrscheinlich ist ein Zeitpunkt um die Jahreswende gemeint. Das wirkliche U 96 lag – sogar zweimal – ebenfalls nach Angriffen vor Gibraltar auf Grund, allerdings in weniger dramatischen Tiefen von 50 m und 70 m.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Pliviers »Stalingrad«, anders angelegt, anders gedacht, darf solches Urteil nicht verstellen: Lothar-Günther Buchheim hat den bislang besten deutschen Roman von der Front des Zweiten Weltkriegs geschrieben, den ersten, der gültig ist, und Einwände, dass der Krieg, so oder so, kein Thema mehr sei, sind vom Schreibtisch gewischt, vom Biertisch ebenfalls.“

Peter Dubrow in DIE ZEIT v. 12. Oktober 1973[19]

„Im Mittelpunkt steht eine jener Gestalten, ohne die kaum ein Kriegsroman auskommt, der wortkarge Fachmann, äußerlich ein Antiheld, der großartige Kerl, der die Seinen aus dem Schlamassel reißt. Bei Buchheim ist es der U-Boot-Kommandant. Es hat solche Leute gewiß gegeben, ich lese immer wieder gern von ihnen, denn ich habe während aller Jahre des Krieges als bescheidener Soldat zu Fuß einen solchen Mann nie getroffen“

Christian Ferber in DIE WELT v. 6. September 1973[20]

„Nicht mehr der Seesoldat ist bei Buchheim der Held. Fast zum Helden wird dagegen das Boot, das, wie der Walfisch Melvilles beinahe schon erotisch-liebevoll beschrieben, zum geradezu mythischen Gegenstand gerät – eine »düstere Fähre auf öligschwarzem Styx« so wie es da zur Feindfahrt aus dem U-Boot-Bunker hinausgleitet“

German Werth in TAGESSPIEGEL v. 7. Oktober 1973[21]

„Man begegnet hier allein dem Meer, der Technik, dem Krieg und den Menschen, die mit allen dreien fertig werden müssen. Die Intensität, mit der diese Wirklichkeit beschworen wird, enthält jedoch mehr Wucht der Anklage, als sie jeder direkten Polemik möglich wäre.“

Süddeutscher Rundfunk

Buchheim-Kontroverse und Nachwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schwerpunkt der Kritik von Seiten ehemaliger Angehöriger der U-Bootwaffe bezog sich auf die Darstellung der deutschen Soldaten, insbesondere die Fixierung der dargestellten Figuren – im Wesentlichen die Mannschaftsdienstgrade, mit denen sich der Ich-Erzähler den Wohnraum teilt – auf Gespräche mit sexuellem Inhalt. Hintergrund der sich später entwickelnden Kontroverse, einer Gemengelage aus Schuldzuweisungen, Schutzbehauptungen und persönlich gehaltenen Diffamierungen des Autors, war das Beharren der deutschen U-Bootfahrer und ihrer Vertreter auf einem einmal verinnerlichten Geschichtsbild.[22] Der von Buchheim zum Teil als Vorlage des „Alten“ genutzte Heinrich Lehmann-Willenbrock fand das Buch in Ordnung und fühlte sich von der Lektüre gefesselt.[23] Gegenüber seinem ehemaligen Befehlshaber Karl Dönitz ließ Lehmann-Willenbrock sich am Telefon verleugnen, als dieser mehrmals versuchte, über den Roman mit ihm zu sprechen. Fritz Grade, Vorbild des LI, räumte in einer Besprechung in der wehrwissenschaftlichen Fachzeitschrift „Wehrforschung“ im Jahr 1974 ein Gefühl der Übersteigerungen des Gesprächstons und der Obszönitäten durch Buchheim ein, beurteilte die Schilderungen aber im Ganzen als zutreffend, insbesondere die technischen Details als korrekt und bescheinigte dem Buch, „mehr als ein Roman“ zu sein.[23] Zu denen, die stark ablehnend reagierten, gehörte Eberhard Godt, Dönitz' damaliger Erster Admiralstabsoffizier, der sich durch Buchheims Beschreibung seines Chefs als „verrückter Einpeitscher in Kernevel“ mitdiffamiert sah. Godt sandte Buchheim als Protest ein vom Autor selbst signiertes Exemplar des 1943 erschienenen Bildbands „Jäger im Weltmeer“ zurück. Michael Salewski, Marineoffizier und Professor der Geschichte an der Universität Bonn, arbeitete die Buchheim-Kontroverse unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten in seinem 1976 erschienenen Werk „Von der Wirklichkeit des Krieges“ auf. Erst 1986 – unter dem Eindruck der Verfilmung und nunmehr erschienenen weiteren Büchern und Dokumentationen Buchheims – veröffentlichen Karl-Friedrich Merten und Kurt Baberg, zwei U-Bootfahrer des Weltkriegs, unter dem Titel „Wir U-Bootfahrer sagen Nein! So war das nicht“ ein als „Anti-Buchheim-Schrift“ deklariertes Buch, in dem sie dem Autor sachliche Fehler in seinen Beschreibungen nachzuweisen versuchten. Zielsetzung der beiden ehemaligen Kommandanten war es insbesondere, von ihnen erkannten „Verleumdungen“ Dönitz' in Buchheims Werken entgegenzutreten. Der Lehramtsstudent Lars-Ole Bodenstein bescheinigte dem Roman in der wissenschaftlichen Zeitschrift der Ranke-Gesellschaft, Historische Mitteilungen, einen Wandel des Dönitz-Bildes bewirkt zu haben.

Adaptionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1981 wurde das Buch durch Wolfgang Petersen unter dem Titel Das Boot verfilmt. Als drei- bzw. sechsteilige Fernsehserie sowie als Kinofassung wurde Das Boot noch bekannter; seine cineastische Umsetzung war auch in den USA sehr erfolgreich. Im Jahr 1997 wurde die Kinoversion neu geschnitten und restauriert; sie kam als Director’s Cut in die Kinos.

Im Jahr 2003 wurde eine gekürzte Fassung des Romans als Hörbuch – gelesen von Dietmar Bär – veröffentlicht.

Eine dramatische Bearbeitung des Stoffes durch den norwegischen Autor, Schauspieler und Regisseur Kjetil Bang-Hansen wurde im Frühjahr 2012 im Det Norske Teatret in Oslo uraufgeführt. Die deutsche Erstaufführung des Stückes erfolgte im folgenden Jahr im Alten Schauspielhaus in Stuttgart. Das Theaterstück heißt ebenfalls „Das Boot“ und beinhaltet lediglich einen Teil der Geschichte des Buches.

Anknüpfungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einen eindrucksvollen Einblick in die alltägliche Realität der U-Boote und ihrer Besatzungen – und insoweit als sinnvolle Ergänzung zum Verständnis des Plots – geben die von Buchheim verfassten Werke Jäger im Weltmeer, U-Boot-Krieg, U 96 – Szenen aus dem Seekrieg, Die Boote, die Besatzungen und ihr Admiral, Zu Tode gesiegt. Der Untergang der U-Boote. und Die U-Boot-Fahrer.

Der im Jahr 1995 erschienene Roman „Die Festung“ kann als Fortsetzung der Erzählung angesehen werden. Sie setzt vor der Invasion der Alliierten im Jahr 1944 an. Mit dem weiteren Roman „Der Abschied“ aus dem Jahr 2002 knüpft Buchheim lose an die Inhalte der Vorgänger an.

Weitere Werke des Autors zum Thema sind:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Salewski: Von der Wirklichkeit des Krieges: Analysen und Kontroversen zu Buchheims „Boot“. 2. Auflage. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1985, ISBN 3-423-01213-7.
  • R. Busch, H.-J. Röll: Der U-Boot-Krieg. Band 2: Der U-Bootbau auf deutschen Werften. E.S. Mittler und Sohn, Hamburg 1997, ISBN 3-8132-0509-6.
  • Linda Maria Koldau: Mythos U-Boot. Steiner Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-515-09510-5. (Enthält ein umfassendes Kapitel über den Roman und die Verfilmung)
  • Dieter Hartwig: Großadmiral Karl Dönitz Legende und Wirklichkeit. Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2010, ISBN 978-3-506-77027-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. wobei keine Identität mit U A angenommen wird.
  2. L.-G. Buchheim, Der Film Das Boot Ein Journal, Goldmann Verlag München, 1981, Seite 42
  3. a b Lothar-Günther Buchheim: Das Boot. 1977, S. 55.
  4. L.-G. Buchheim, Der Film Das Boot Ein Journal, Goldmann Verlag München, 1981, Seite 197
  5. Unter dem Titel Le Styx wurde das Buch in Frankreich verlegt
  6. siehe Vorwort
  7. S. 12.
  8. B. Herzog, G. Schomaekers:Ritter der Tiefe Graue Wölfe, Verlag Welsermühl, München-Wels (1979), Seite 155
  9. S. 19–29.
  10. Erich Topp: In memoriam Engelbert Endrass – Castor betrauert Pollux. In: T.P. Savas: Lautlose Jäger – Deutsche U-Boot-Kommandanten im Zweiten Weltkrieg. Ullstein, 1999.
  11. F. Brustat-Naval, Teddy Suhren: Nasses Eichenlaub. Koehler, 1983, ISBN 3-7822-0316-X, S. 62: Karl Dönitz zu Engelbert Endrass: „Na, Bertel, was sagst du denn dazu?“
  12. R. Busch, H-J. Röll :Der U-Boot-Krieg 1939.1945 Band 5 Die Ritterkreuzträger der U-Boot-Waffe Mittler & Sohn (Hamburg) 2003, Seite 514
  13. M. Salewski: Von der Wirklichkeit des Krieges Analysen und Kontroversen zu Buchheims „Boot“. 2. Auflage. dtv, Nördlingen 1985, ISBN 3-423-01213-7, S. 138
  14. M. Salewski: Von der Wirklichkeit des Krieges Analysen und Kontroversen zu Buchheims „Boot“. 2. Auflage. dtv, Nördlingen 1985, ISBN 3-423-01213-7, S. 139
  15. Lars Hellwinkel, Hitlers Tor zum Atlantik Ch. Links Verlag, Berlin, 2012, Seite 68 bis S 72
  16. S. 192.
  17. R. Busch, H.-J. Röll: Der U-Boot-Krieg. Band 2: Der U-Bootbau auf deutschen Werften. 1997, S. 445.
  18. S. 428.
  19. M. Salewski: Von der Wirklichkeit des Krieges Analysen und Kontroversen zu Buchheims „Boot“. 2. Auflage. dtv, Nördlingen 1985, ISBN 3-423-01213-7, S. 96
  20. M. Salewski: Von der Wirklichkeit des Krieges Analysen und Kontroversen zu Buchheims „Boot“. 2. Auflage. dtv, Nördlingen 1985, ISBN 3-423-01213-7, S. 66 u. S. 102.
  21. M. Salewski: Von der Wirklichkeit des Krieges Analysen und Kontroversen zu Buchheims „Boot“. 2. Auflage. dtv, Nördlingen 1985, ISBN 3-423-01213-7, S. 118
  22. D. Hartwig: Großadmiral Karl Dönitz Legende und Wirklichkeit. 2010, S. 267.
  23. a b Michael Salewski: Von der Wirklichkeit des Krieges. Analysen und Kontroversen zu Buchheims „Boot“. 2. Auflage. dtv, Nördlingen 1985, S. 132.