Das Ende des Regenbogens

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Filmdaten
OriginaltitelDas Ende des Regenbogens
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr1979
Länge109 Minuten
AltersfreigabeFSK 12
Stab
RegieUwe Frießner
DrehbuchUwe Frießner
ProduktionWolf-Dietrich Brücker, Clara Burckner
MusikAlexander Kraut, Klaus Krüger, Michael Nuschke, Matthias Kaebs[1]
KameraFrank Brühne
SchnittStefanie Wilke
Besetzung

Das Ende des Regenbogens ist ein deutsches Sozialdrama, das am 21. September 1979 beim ersten Hamburger Filmfest Premiere feierte und von der Basis-Film Verleih GmbH, Berlin in Koproduktion mit dem WDR, Köln, produziert wurde. Der Film handelt von Jugendkriminalität und Drogen, wird daher zu den Problemfilmen gezählt, einer zeittypischen Kategorie, und erhielt den Deutschen Filmpreis.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der androgyne, 17-jährige Jimmy, der mit seinem Wesen Männer und Frauen fasziniert, lebt Ende der 1970er Jahre in West-Berlin. Hier geht Jimmy auf den Strich und schnorrt sich durch, um zu überleben. Einer Festnahme durch die Polizei entgeht er nur knapp, weil der Hunger ihn an eine Imbissbude treibt, als gerade eine Razzia hinter dem Bahnhofsgebäude durchgeführt wird. Nachdem er anfangs noch auf der Straße schläft, nistet er sich in einer Studenten-WG ein, in der er mit Monika, Jörg und Gutmensch Dieter zusammenlebt, der eine Art Vater- und Mutterrolle übernimmt. Dennoch zieht Jimmy weiter durch die nächtlichen Straßen und durchmisst täglich sein Revier: Parkplätze, Pinten und Discotheken, wo er nur vordergründig Spaß sucht. In Wahrheit sucht er Wärme und versucht sich kindliche Geborgenheit anzueignen, doch sein Liebesbedürfnis ist zu groß, als dass es erfüllt werden könnte. Jimmy versteckt seinen Charme durch forschen Trotz und findet alles "Geil, wa?!" oder "Scheiße!"[2] Seine Mitbewohner sind mit der Situation zunehmend überfordert, denn Jimmy hat von Zuhause keine Ordnung mit auf den Weg bekommen und wurde hier in Ermangelung von Liebe mit Gewalt konfrontiert.

Für kurze Zeit bekommt Jimmy einen Job, den er aber nach wenigen Tagen wieder verliert, weil er bei der Arbeit einfach unkonzentriert ist und unfähig ist, Kontinuität zu beweisen.[3] Bereits am zweiten Tag fühlt er sich bei der Arbeit zu sicher und kann nicht mehr verbergen, wie ihn die ungewohnte Tätigkeit erschöpft. Eigentlich hatte Jimmy für seine Arbeit einen Schatz erwartet, der am Ende des Regenbogens auf ihn wartet, doch das verdiente Geld reicht nicht einmal für eine neue Hose. Im Grunde will Jimmy aber auch gar nicht arbeiten, lebt lieber in den Tag hinein und nutzt seine Freundin Gabi aus. Diese gibt ihm allerdings nur wenig Halt, zumal sich nicht von ihrer Drogensucht loskommt. Letztendlich wird Jimmy von seinem eigenen Stolz übermannt, verlässt die Wohngemeinschaft, um nicht weiter von Studenten abhängig sein zu müssen und entscheidet sich für seine kriminelle Freiheit.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein sozialer Brennpunkt West-Berlins:
Der Bahnhof Zoologischer Garten (Februar 1979)

Mit seinem Spielfilmdebüt inszenierte Uwe Frießner die auf Tatsachen beruhende Geschichte des jugendlichen Außenseiters Andy, der 1976 seinem Leben ein Ende setzte. Er zeichnet ein Drama im sozialen Brennpunkt West-Berlins Ende der 1970er Jahre und bemührt sich um eine semi-dokumentarische Echtheit. Frießner, ein Absolvent der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin, lebte während seiner Studienzeit selbst in einer Wohngemeinschaft und hatte Kontakt zu einem Jugendlichen wie Jimmy, der sich 1976 umbrachte.[4] Im Abspann des Films heißt es:

Dieser Film ist Andy gewidmet. Nach jahrelangem vergeblichen Versuch, Herr seines Lebens zu werden, beschloß er, 18-jährig, wenigstens Herr seines Todes zu sein. Mit einer Planmäßigkeit, die ihm zum erstenmal Erfolg versprach, setzte er nach wochenlanger Vorbereitung zwischen dem 15. und 18.2.1976 seinem Leben ein Ende.[5]

Der Film lebt von den Wechselwirkung zwischen der Hauptfigur Jimmy mit und seiner Umwelt. Jimmy ist im Film „einer jener unzähligen Jugendlichen, die ihre Geschichte nicht selbst definieren, geschweige denn schreiben könnten und die gerade deshalb immer wieder in 'Geschichten' hineingezogen werden, in Kriminalität, Not und Unglück.“[6]

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vorbereitungszeit mit der Suche nach Laienschauspielern und den Drehorten dauerte fünf Monate, die Herstellung von Drehbeginn bis zur Premiere ca. 10 Monate. Insgesamt standen 46 Drehtage zur Verfügung.[7] Die Produktion von Das Ende des Regenbogens wurde 1979 abgeschlossen.[8] Ursprünglich hatte die FSK, wegen der Nahaufnahmen von einem nackten Hintern, sowie den keuchenden Lautäußerungen eines Mädchens, eine Freigabe erst ab 18 Jahren beschlossen.[9] Nach einem erfolgreichen Widerspruch im Jahr 1979 ist der Film nunmehr FSK 12.[10] Das mit Laien, aber auch Schauspielern wie Heinz Hoenig und Udo Samel besetzte Filmdrama, das zum Neuen Deutschen Film gehört, wurde vielfach ausgezeichnet und international unter dem Titel The End of the Rainbow vermarktet.

Während des ersten Hamburger Filmfests, bei dem der Film am 21. September 1979 seine Premiere feierte, wurde die kulturelle Filmförderung Hamburg aus der Taufe gehoben und von westdeutschen Filmemachern die Hamburger Erklärung abgegeben, die sich gegen die Fremdbestimmung des deutschen Films wendete.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Katholische Filmdienst spricht von einem überzeugenden Erstlingsfilm, „der durch seine Wirklichkeitsnähe zur Auseinandersetzung über Probleme der Jugendkriminalität und Verständnisschwierigkeiten zwischen den Generationen beitragen kann.“[11] Auch die Jury der Evangelischen Filmarbeit würdigt diesen Aspekt: Dem Film gelingt es „gesellschaftliche Missstände und ihre Folgen mit Bezug auf die heranwachsende Generation buwusst zu machen. er wird darpber hinaus zum Appell, wirksam an der Beseitigung sozialer Untererchtigkeiten mitzuarbeiten.“[12]

Das Filmportal cineclub.de nennt den Film „ein intensives, raues und erschreckend wirklichkeitsnahes Debüt […] auch wenn die Bildästhetik und die Musik eindeutig 70er sind.“ Der Film werfe „den Zuschauer in ein Wechselbad der Gefühle. Hin und her gerissen zwischen Mitleid, Sympathie, ja, Faszination, aber auch Unverständnis und Ablehnung folgt der Zuschauer dem Jugendlichen aus asozialem Elternhaus.“[13] H.G. Pflaum von der Süddeutschen Zeitung lobt explizit Frießners Arbeit: „Jede Einstellung vermittelt den einen Eindruck davon, wie genau der Regisseur Bescheid weiß über das Was und das Wie seiner Inszenierung.“ Pflaum lobt, dass Frießner sich bedingungslos auf das Milieu seines Helden einließe und ihn mit allen Defekten akzeptiere, die diesen mitunter so spröde und abweisend erscheinen lassen.[14] Peter Buchka, ebenfalls von der Süddeutschen Zeitung, sagte kurz nach der Premiere: „ein überraschend kraftvoller, dynamischer Film, der die so oft langweilige Berliner Schule weiterbringen könnte.“[15]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Jury der Evangelischen Filmarbeit erhob den Film im Dezember 1979 zum Film des Monats.[16] Anfang 1980 gewann Frießner mit Das Ende des Regenbogens den Deutschen Filmpreis in Silber und im Februar 1980 den Preis der deutschen Filmkritik. Frießner wurde im gleichen Jahr beim Max Ophüls Festival ausgezeichnet. Zudem erhielt der Film das FBW-Prädikat Besonders wertvoll.[17] Der Laienhauptdarsteller Thomas Kufahl gewann für seine darstellerische Leistung den Deutschen Filmpreis in Gold.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Ende des Regenbogens In: sozialgeschichte.deutsches-filminstitut.de. Abgerufen am 15. September 2015.
  2. Im Teufelskreis In: Der Spiegel, 46/1979.
  3. Josef Schnelle: Das Ende des Regenbogens. In: film-dienst Nr. 22, 1979.
  4. Im Teufelskreis. In: Der Spiegel, 12. November 1979.
  5. Ende des Regenbogens, Das. Basis-Film Verleih GmbH. Abgerufen am 21. Oktober 2015.
  6. Rüdiger von Naso: Am Ende des Regenbogens. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11. Januar 1980.
  7. Das Ende des Regenbogens In:www.protokult.de, S. 127 (PDF; 122 KB).
  8. Film: "Das Ende des Regenbogens In: berlinien.de. Abgerufen am 20. September 2015.
  9. Angst vor der Wahrheit: FSK fordert Schnittauflagen für Jugend-Film. In: Frankfurter Rundschau, 12. November 1979.
  10. Keine Rede von Jugendverbot. 'Das Ende des Regenbogens' frei ab 12 In: sozialgeschichte.deutsches-filminstitut.de. Abgerufen am 15. Oktober 2015. (PDF; 47 KB)
  11. Katholischer Filmdienst. Zitiert in: Angst vor der Wahrheit: FSK fordert Schnittauflagen für Jugend-Film. In: Frankfurter Rundschau. Unter: Das Ende des Regenbogens In: sozialgeschichte.deutsches-filminstitut.de, 12. November 1979 (PDF).
  12. Film des Monats Dezember 1979 Unter: In: filmdesmonats.de www.filmdesmonats.de. Abgerufen am 20. September 2015 (PDF; 60 KB).
  13. Das Ende des Regenbogens In: cineclub.de. Abgerufen am 15. September 2015.
  14. H.G. Pflaum: Sehnsucht nach Wärme. In: Süddeutsche Zeitung, 2. Dezember 1979.
  15. Peter Buchka: Das Ende des Regenbogens. In: Süddeutsche Zeitung, 26. September 1979.
  16. Film des Monats Dezember 1979 Unter: In: filmdesmonats.de www.filmdesmonats.de. Abgerufen am 20. September 2015 (PDF; 60 KB).
  17. Das Ende des Regenbogens In: www.deutsches-filmhaus.de. Abgerufen am 17. Oktober 2015.