Das Leben geht weiter (Film)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Das Leben geht weiter
GenrePropagandafilm (Drama / Krieg)
Film von 1945
OriginaltitelDas Leben geht weiter
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahrnicht veröffentlicht;
1944/1945 (Dreharbeiten)
Stab
RegieWolfgang Liebeneiner
DrehbuchGerhard Menzel

Thea von Harbou

Wolfgang Liebeneiner
ProduktionKarl Ritter
MusikNorbert Schultze
KameraGünther Anders
SchnittWolfgang Wehrum
Besetzung
Buchdokumentation von 1993
TitelDas Leben geht weiter - Der letzte Film des Dritten Reichs
LandDeutschland
AutorHans-Christoph Blumenberg
VerlagRowohlt Verlag
ErstpublikationAugust 1993
Film von 2002
OriginaltitelDas Leben geht weiter - Der letzte Propagandafilm des Dritten Reiches
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr2002
Länge86 Minuten
Stab
RegieMark Cairns
DrehbuchHans-Christoph Blumenberg
Mark Cairns
Carl Schmitt
ProduktionCarl Schmitt
Wolfgang Vogel
MusikMoritz Denis
Eike Hosenfeld
KameraStefan Grandinetti
SchnittDietmar Kraus
Besetzung

Das Leben geht weiter ist ein unvollendeter deutscher Propagandafilm der letzten Kriegstage des Zweiten Weltkrieges aus dem Jahre 1945, der auf einem von Joseph Goebbels persönlich verfassten Artikel basiert. Der auf einem Treatment von Kurt Frowein, Hans Heinrich Henne und Gerhard Weise basierende Film wurde vom 20. November 1944 bis zum 16. April 1945 in den UFA-Ateliers in Babelsberg und in Lüneburg gedreht. Das Filmmaterial ist bis heute verschollen, jedoch wurde der Film auf Basis gefundener Drehbücher von dem Regisseur und Filmhistoriker Hans-Christoph Blumenberg in dem Buch „Das Leben geht weiter - Der letzte Film des Dritten Reichs“ rekonstruiert, auf dem auch ein Doku-Drama aus dem Jahre 2002 basiert.

Handlung und Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Handlung des Films von 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film handelt von einer Zehlendorfer Hausgemeinschaft zur Zeit der Bombenangriffe auf Berlin im Jahr 1943. In der Klopstockstraße 48 lebt Ewald Martens, ein Diplom-Ingenieur, der für das Rüstungsministerium an einem Frequenz-Peilgerät arbeitet, welches den deutschen Nachtjägern Vorteile im Kampf verschaffen solle.

Inhalt des Buches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dem Buch versucht Blumenberg die Entstehungsgeschichte des Films darzustellen und dabei auch auf Parallelen zwischen dem Inhalt des Filmes und dem Verlauf der Dreharbeiten darzustellen, wie beispielsweise den Zeitdruck gegen Ende und Verlust des Krieges. Des Weiteren veranschaulicht er, wie die Herstellung der letzten filmischen Wunderwaffe „zu einem absurden Schauspiel [geriet]. Was als Heldenepos geplant war, entwickelte sich zu einer tragikomischen Farce.“[1] Zur Verdeutlichung all dessen stellte er jedem Kapitel des Buches einen kurzen Auszug aus dem Drehbuch des Films voran.

Handlung des Dokumentationsfilms von 2002[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Vorbild des Buches versucht der Film, nach weiterer Recherche der Produzenten, nicht eine Geschichte von einem verschollenen Film zu erzählen, sondern die Geschichte der Entstehung eines Propagandafilms im Deutschland zur Zeit des Verlustes des Krieges mit all seinen Wirren, Problemen und Schwierigkeiten (siehe dazu auch den Abschnitt Kritik) sowie den Parallelen zwischen dem Inhalt des Films selbst und der Entstehung des Films.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Film (1945)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Kriegswinter Ende 1944 wurde in Babelsberg alles, was Rang und Namen hatte, für den letzten Monumentalfilm des Dritten Reichs mobilisiert.[2] Unter Wolfgang Liebeneiners Regie wurden hauptsächlich bekannte Schauspieler „für die vermeintliche ’filmische Wunderwaffe’ verpflichtet“.[2] Da Berlin jedoch zur Zeit der Dreharbeiten bereits zerstört war, musste die Stadt in Babelsberg nachgebaut werden; dieser Drehort wurde jedoch auch angegriffen, und so zog das Filmteam im März 1945 auf den Fliegerhorst nach Lüneburg. Nun solle der Film „in dringendem Reichsinteresse“ fertiggestellt werden. Da Regisseur Liebeneiner die Niederlage bereits vor Augen hatte, erarbeitete er eine zweite Version, die nicht mehr den Intentionen des Reichspropagandaministeriums entsprach. Als am 18. April 1945 britische Truppen in Lüneburg einmarschierten, versteckte Liebeneiner die Filmrollen im Dom zu Bardowick. Seitdem sind sie verschwunden.

Buch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum 75. Geburtstag der Ufa wurde im Februar 1992 in Babelsberg ein Film mit vielen der Ufa-Stars der dreißiger und vierziger Jahre gedreht. Anwesend war unter anderem auch der Filmkomponist Norbert Schultze, der auch die Musik zu Veit Harlans Film Kolberg geschrieben hatte, welcher bis dahin noch als die letzte Großproduktion des Dritten Reiches galt. Dieser erwähnte jedoch gegenüber Blumenberg einen bisher unbekannten Filmtitel, Das Leben geht weiter, mit namhaften Stars wie Hilde Krahl und Marianne Hoppe, Gustav Knuth und Viktor de Kowa, Heinrich George und Friedrich Kayßler. Ebenfalls bei dem Dreh dabei war Frank Roell, damals als Aufnahmeleiter-Assistent, der nun ebenfalls von dem Film zu erzählen begann und der noch Material besaß und Kontakt zu Zeitzeugen hatte. So besaß er ein Dokument, das seit ca. 49 Jahren existierte, eine Aktennotiz vom 6. November 1944. Sie handelt von der Unterbringung von 1100 Komparsen im Falle eines Luftalarms.

Im April 1992 begannen Blumenberg und Roell mit den Nachforschungen zum Film. Mit der Zeit kamen immer „spannendere, bizarrere, unglaublichere“ Fakten über den Ufa-Film Nr. 205 zustande.[3] So schien Dr. Joseph Goebbels als heimlicher Autor beteiligt gewesen zu sein. Der Regisseur Wolfgang Liebeneiner soll versucht haben, „in den Wirren der letzten Kriegsmonate heimlich einen Friedensfilm zu drehen“ und ein engagierter Nationalsozialist, Karl Ritter, wurde 1944 ausgebootet.

Blumenberg versuchte nach intensiver Recherche die Geschichte der Entstehung des Films zwischen April 1944 und April 1945 „so lückenlos wie möglich“ zu rekonstruieren. Dazu standen ihm Akten des Reichspropagandaministeriums, der Reichsfilmintendanz, der Geschäftsleitung der Ufa-Filmkunst sowie die beiden Produktionstagebücher des Herstellungsleiters Karl Ritter zur Verfügung.

Film von 2002[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Produzent Carl Schmitt versuchte seit Erscheinen des gleichnamigen Buches einen Weg zu finden, den Stoff für eine Dokumentarverfilmung passend aufzubereiten. Da der Ende des Krieges gedrehte Ufa-Film als verschollen gilt, sind keinerlei zusammenhängende Filmausschnitte zur Rekonstruktion mehr vorhanden gewesen. Insgesamt gibt es nur fünf erhaltene Standbilder aus dem Film.[4]

Es gab allerdings noch die bereits von Blumenberg für das Buch genutzten Produktionstagebücher, anderen Dokumente und Zeitzeugen, deren Zahl jedoch natürlich mit der Zeit immer mehr sank. 1998 begann Schmitt jedoch, mit einem englischen Regisseur, Mark Cairns, die Dreharbeiten vorzubereiten. Nach zwei Jahren erlaubte Anfang 2000 durch die arte-Redaktion, repräsentiert durch Wolfgang Vogel, der Hessische Rundfunk die Produktion einer Dokumentation, die letztendlich am 24. Oktober 2002 im Rahmen eines „Propaganda“ genannten Themenabends auf arte erstmals gezeigt wurde.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„…Die neunzigminütige Dokumentation, ist die vortreffliche Rekonstruktion einer cineastischen Farce…“

Frankfurter Allgemeine Zeitung[5]

„…‚Das Leben geht weiter‘ mag die Jury auch deshalb für sich gewonnen haben, weil es ein Film übers Filmemachen ist, eine Hommage ans Genre. Obwohl es gerade die Abwege einer Illusionsindustrie sind, die Regisseur Mark Cairns in Szene setzt. ‚Das Leben geht weiter‘ erzählt – nach dem Buch von Hans Christoph Blumenberg – die Entstehung eines der letzten Propagandafilme des ’Dritten Reiches’…“

Claudia Tieschky: Süddeutsche Zeitung[6]

„Unser Interesse gilt der Entstehungsgeschichte des Films. Der Versuch einen Film zu produzieren, für den die Mittel gar nicht mehr da sind, weder ideologisch noch materiell. ‚Das Leben geht weiter‘ sollte dem deutschen Volk zum ersten Mal das Grauen des Krieges zeigen. Im Gegensatz zu früheren Propagandafilmen soll nun erstmals auch im Kino das zerstörte Berlin gezeigt werden, das aber nach dem gewonnenen Krieg von den Bewohnern wieder aufgebaut wird. Doch es fehlte an Baumaterialien, an Benzin, an Filmmaterial, ja sogar an genug Papier um für alle Mitarbeiter Drehbücher drucken zu lassen.“

das-leben-geht-weiter.com: Kommentar zur Planung und Entwicklung des Films[7]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Juli 2003: DV Award in den USA für "Outstanding Achievement in Digital Video"
  • 13. März 2003: GOLD HUGO als Best Television Production bei den 39th Chicago International Television Awards
  • November 2003: International Emmy Award in New York als bester Dokumentarfilm

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Christoph Blumenberg: Das Leben geht weiter. Der letzte Film des Dritten Reichs. 1. Auflage. Rowohlt-Verlag, Berlin 1993, ISBN 3-87134-062-6.
  • Hans-Jürgen Tast: Helmut Käutner – In jenen Tagen. 1947. Schellerten: Kulleraugen 2007 (= Kulleraugen. 33.), S. 4 - S. 10, ISBN 978-3-88842-034-4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans-Christoph Blumenberg: Das Leben geht weiter. Der letzte Film des Dritten Reichs. 1. Auflage. Rowohlt-Verlag, Berlin 1993, ISBN 3-87134-062-6, Vorwort, S. 10.
  2. a b Hans-Christoph Blumenberg: Das Leben geht weiter. Der letzte Film des Dritten Reichs. 1. Auflage. Rowohlt-Verlag, Berlin 1993, ISBN 3-87134-062-6, Klappentext.
  3. Hans-Christoph Blumenberg: Das Leben geht weiter. Der letzte Film des Dritten Reichs. 1. Auflage. Rowohlt-Verlag, Berlin 1993, ISBN 3-87134-062-6, S. 9.
  4. http://www.spiegel.de/fotostrecke/der-letzte-film-der-nazis-das-leben-geht-weiter-fotostrecke-125583.html
  5. Das Leben geht weiter (PDF; 29 kB), Online-Version des Artikels der FAZ vom 24. Oktober 2002, Nr. 247, Seite 40. Abgerufen am 10. Juli 2011.
  6. Das Leben geht weiter (PDF; 745 kB), Online Version des Artikels der Süddeutschen Zeitung vom 29. November 2003. Abgerufen am 10. Juli 2011.
  7. Das Leben geht weiter Kommentar der Produzenten zu der Schwierigkeit des Drehs von 1944/45. Abgerufen am 10. Juli 2011.