Das Mädchen vom Amselfelde

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„Das Mädchen vom Amselfelde“ von Uroš Predić

Das Mädchen vom Amselfelde (serb. Косовка девојка, Kosovka devojka) ist ein zehnsilbiges serbisches episches Lied aus den Zyklen zur Amselfeldschlacht. Die verschriftliche Fassung des oral tradierten Liedes wurde 1817 durch Lukijan Mušički, dem Abt des Klosters Šišatovac oder von jemand für ihn beauftragten für die Liedersammlung Vuk Stefanović Karadžićs von einer alten Blinden aus Grugervci (Blinde aus Grgurevci) in Syrmien notiert.[1]

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Lied beginnt mit einer Erzählung des strahlenden Sonntagmorgens nach dem Ende der Schlacht auf dem Amselfeld. Ein Mädchen sucht nach ihrem Verlobten und seinen zwei Blutsbrüdern unter den Verwundeten und Toten. Sie trägt dabei weißes Brot in ihren Händen und zwei goldene Krüge – einen mit kaltem Wasser, den anderen mit roten Wein gefüllt. Nachdem sie die Heroen in ihrem Blut liegend versorgt hat, wird offenbar, dass ihre Jugend, der Glanz des Morgens und das Gold ihrer Krüge als große Versprechungen sie bald betrügen werden. Schließlich erfährt sie von einem schwerverwundeten Krieger, dass alle drei in der Schlacht gefallen sind.

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Epos gehört in den Kontext der Epischen Lieder zur Amselfeldschlacht und existierte über Jahrhunderte als oral tradiertes Epos der Mündlichen Dichtung bei Barden der südslawischen serbischen Bevölkerung im westlichen Balkan. Da das Lied ein Bestandteil oral tradierter Dichtung ist, war es in verschiedenen Varianten und Formen bei der ländlichen Bevölkerung verbreitet und war dadurch keinem spezifischen Autor zuzuordnen, sondern vielmehr ein Lied, das in der Gemeinschaft dem es bekannt, „gehörte“. So wurde das Lied während der jeweiligen besonderen Vorträge von einem Guslaren in seiner ihm bekannten Form einem Publikum dargeboten.[1] Die verschriftliche Fassung wurde letztlich in Syrmien von der "Blinden aus Grgurevci" durch den Abt des Klosters Šišatovac notiert und in die Liedersammlung Vuks aufgenommen.

Interpretation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Lied berichtet nicht von einem historischen Ereignis, besitzt jedoch Elemente von hoher historischer Genauigkeit.[2] Die große nationale Katastrophe der Amselfeldschlacht wird in einem persönlichen Drama in einer fiktiven Geschichte erzählt. In den Geschenken die das Mädchen vom Amselfeld von ihrem Verlobten und seinen zwei Blutsbrüdern vor der Schlacht erhalten hatte, spiegeln sich mittelalterliche Gebräuche und Sitten. In einer genauen Beschreibung der Ornamente von Ringen, Tuniken und Tüchern wie den Details in der Kommunion der Serbischen Armee vor der Schlacht finden sich exakte historische Kenntnisse.[3] Svetozar Radojčić hat diese gegen die Belege der zeitgleichen byzantinischen Militär-Traktate, serbischer monastischer Literatur und mittelalterlicher Fresken gestellt und vermutet deren treffend genaue mündliche Überlieferung im Lied Kosovka devojka auf ins Gedächtnis eingeprägte exakte Wiederholung der Liedzeilen über mehrere Jahrhunderte hinweg.[4] Ein unbeantwortetes Rätsel in der Überlieferung der Epischen Lieder bilden einige der besten feudalen mittelalterlichen serbischen Epen die von frommen blinden Frauen notiert wurden, und häufig eine stärkeren Sinn für die ferne Vergangenheit zeigen, als dies bei nichtblinden männlichen Sängern der Fall ist.[4]

Das Gedicht von der Kosovka devojka wird neben dem Lied vom Tod der Mutter Jugović zu den schönsten Liedern des Kosovo-Zyklus der serbischen Volksepik gezählt[4]. Das Gedicht erlangte als Sinnbild für weibliche Fürsorge, Hilfe und Nächstenliebe große Popularität. Uroš Predić griff das Sujet 1919 auf und hinterließ ein gleichnamiges Ölgemälde. Der Bildhauer Ivan Meštrović schuf 1907 ein Marmorrelief mit dem Titel Kosovka devojka als Teil seines Kosovo-Skulpturenzyklus.

1853 wurde die Übersetzung des Gedichts von Therese von Jacob in Leipzig veröffentlicht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ronelle Alexander 1990: The poetics of Vuk Karadžić's Kosovo Songs: An Analysis of "Kosovka Devojka". In: Wayne S. Vucinich & Thomas A. Emmert (Hrsg.) 1991: Kosovo Legacy of a Medieval Battle. 189–202, Minnesota Mediterranean and East European Monographs, Vol. 1, University of Minnesota, ISSN 1057-3941.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Ronelle Alexander 1990: The poetics of Vuk Karadžić's Kosovo Songs: An Analysis of "Kosovka Devojka". In: Wayne S. Vucinich & Thomas A. Emmert (Hrsg.) 1991: Kosovo Legacy of a Medieval Battle. 189-202, Minnesota Mediterranean and East European Monographs, Vol. 1, University of Minnesota, ISSN 1057-3941. S. 189 f.
  2. Anne Pennigton & Peter Levi 1984: Marko the Prince - Serbo-Croat Heroic Songs. St. Martin's Press, New York. ISBN 0-312-51537-5, S. 21–24
  3. Svetozar Koljević 1980: The Epic in the making. Clarendon Press, Oxford. ISBN 0-19-815759-2, S. 171
  4. a b c Svetozar Koljević 1980: The Epic in the making. S. 320