Das Westphälische Dampfboot

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Westphälische Dampfboot hervorgegangen aus dem Weserdampfboot war eine linksdemokratische bis frühsozialistische Wochenschrift im deutschen Vormärz.

Das Westphälische Dampfboot. Ausgabe März 1846

Im Januar 1844 erschien erstmals die Zeitschrift Weserdampfboot. Redigiert wurde sie zunächst von A. Osterwald. Anfangs erschien das Blatt zweimal wöchentlich. Seit November des Jahres 1844 wurde es eine Monatsschrift mit stark erweitertem Umfang. Das Blatt erschien zunächst in Lemgo und später in Minden, redigiert wurde es in Rinteln (Kurhessen). Die Streuung der Produktion sollte die staatliche Konzessionspflicht unterlaufen.[1]

Über die Provinz Westfalen hinaus erlangte es Bedeutung als linksdemokratisches Blatt. Einer der produktivsten Autoren war Otto Lüning. Dieser veröffentlichte im Weser-Dampfboot im November 1844 seine sozialistischen Ansichten. Hauptgeldgeber war der Bielefelder Leinenhändler Rudolf Rempel.

Wegen seiner politischen Haltung wurde das Blatt von der hessischen und von der preußischen Regierung im Dezember 1844 verboten. Als Nachfolgeorgan erschien unter dem Titel Das Westfälische Dampfboot dann zu erst im Verlag von Julius Helmich in Bielefeld und ab 1847 im Verlag von Wilhelm Crüwell in Paderborn. Die Redaktion wurde von Otto Lüning übernommen, der von 1845 bis 1848 auch Herausgeber war.

Inhaltliche Schwerpunkte waren die Lage der Unterschichten, die sozialistischen Theorien und allgemeine politische Fragen. Insbesondere seit der Mitte des Jahres 1846 verstärkte sich die sozialistische Ausrichtung der Zeitschrift.

Dazu trug nicht zuletzt Joseph Weydemeyer bei. Autoren waren u. a. Friedrich Engels, Moses Heß, Karl Marx, Friedrich Schnake, Emil Weller, Ferdinand Wolff und Wilhelm Wolff.

Nach der Märzrevolution erschien das Dampfboot erneut zwei Mal in der Woche. Da die Abonnentenzahl nicht ausreichte, um die Kosten zu decken, wurde die Zeitung bereits im Mai 1848 eingestellt. Der Westfälische Volksfreund setzte die Tradition des Dampfbootes weiter fort. Beide Zeitschriften wurden in der Bielefelder Druckerei J. D. Küster gedruckt.

Heute knüpft der Verlag Westfälisches Dampfboot an die Tradition des Blattes an.

Nachdruck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Westfälische Dampfboot. Eine Monatsschrift, red. von Otto Lüning. Verlag Helmich (1845 und 1846), Verlag Crüwell (1847 und 1848), Bielefeld, Paderborn, Jg. 1, 1845, bis Jg. 4, 2, 1848. Mit neuerstelltem Inhaltsverzeichnis. 5 Bde., Auvermann, Glashütten im Taunus 1972 (Digitalisat)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Herbert Brims: „Das westphälische Dampfboot“. Eine politische Zeitschrift des „wahren“ Sozialismus in Deutschland. (Dissertationsschrift. Universität Augsburg, 1983).
  • Herwig Förder: Marx und Engels am Vorabend der Revolution. Akademie Verlag, Berlin 1960
  • Kurt Koszyk: Das „Dampfboot“ und der Rhedaer Kreis. Die erste politische Zeitschrift Westfalens. Ruhfus, Dortmund 1958 (Dortmunder Beiträge zur Zeitungsforschung 2)
  • Arno Klönne: „Alles für das Volk, Alles durch das Volk!“ Die Frühsozialisten um das „Westphälische Dampfboot“ 1845–1848. In: Elisabeth Harder-Gersdorff, Arno Klönne, Karl-Theodor Stiller (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte der Bielefelder Arbeiterbewegung. AJZ Druck u. Verlag, Bielefeld 1981, S. 21–38
  • Gundi Frick-Lemmer: Das „Westphälische Dampfboot“. Eine radikaldemokratische Zeitung im vormärzlichen Westfalen. Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Landesbildstelle Westfalen, Münster 1986
  • Kurt Koszyk: Das Pressewesen in Westfalen. In: Wilfried Reininghaus, Horst Conrad (Hrsg.): Für Freiheit und Recht. Westfalen und Lippe in der Revolution von 1848/49. Münster 1999, S. 100, 102 und S. 159 f. (Ausstellung).
  • Gero Wierichs: Zu progressiv für die Provinz? Otto Lüning, der „Rhedaer Kreis“ und das „Westphälische Dampfboot“. In: Horst Walter Blanke (Hrsg.): „Jede Umwälzung trägt den Charakter ihrer Zeit“. Ostwestfalen-Lippe 1848/49. Regionalhistorische Studien anläßlich der Ausstellung Revolution – Kommunikation – Öffentlichkeit im Historischen Museum Bielefeld, 9. Mai bis 15. August 1999. Texte und Dokumente. Historisches Museum, Bielefeld 1999, S. 93–120 (Schriften der Historischen Museen der Stadt Bielefeld 14)
  • Alfred Wesselmann: Das Westphälische Dampfboot. Vier Skizzen und Personenregister. Aisthesis Verlag, Bielefeld 2004 ISBN 3-89528-447-5.
  • Alfred Wesselmann: Otto Lüning, das Westphälische Dampfboot und die sozialkritischen Tendenzen der zeitgenössischen Malerei. In: Jahrbuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Heft I/2004.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Darstellung der Geschichte des Dampfbootes im Eintrag Lünings im Lexikon westfälischer Autoren