Das Wiegenlied vom Totschlag

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Filmdaten
Deutscher TitelDas Wiegenlied vom Totschlag
OriginaltitelSoldier Blue
ProduktionslandUSA
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr1970
Länge112 Minuten
AltersfreigabeFSK 16[1]
Stab
RegieRalph Nelson
DrehbuchJohn Gay
ProduktionGabriel Katzka
Harold Loeb
MusikRoy Budd
KameraRobert B. Hauser
SchnittAlex Beaton
Besetzung

Das Wiegenlied vom Totschlag (Originaltitel: Soldier Blue) ist ein US-amerikanischer Spätwestern von 1970. Regie führte Ralph Nelson.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei einem Überfall der Cheyenne auf einen Goldtransport finden 22 Soldaten den Tod; nur der junge Soldat Honus Gant und Cresta Lee, eine ehemalige Gefangene der Cheyenne und Verlobte eines Armeeleutnants, den sie aus finanziellen Gründen heiraten will, überleben. Honus und Cresta versuchen, sich zu einem Armeestützpunkt durchzuschlagen, wobei Cresta Honus davon überzeugen will, dass die indianische Lebensweise moralisch höherstehend als die der Weißen ist. Die beiden geraten in Konflikt mit Kiowas und mit dem Waffenschmuggler Isaac B. Lemmert (Wortspiel in der deutschen Filmfassung), dessen für die Cheyenne bestimmte Lieferung von Gewehren und Munition Honus zerstört. Honus wird nachfolgend von dem Waffenhändler am Bein verwundet, doch Cresta pflegt ihn, und die beiden kommen sich näher.

Als sie schließlich die Armee erreichen, plant diese einen Rachefeldzug gegen die Cheyenne. Cresta versucht, die Indianer zu warnen. Obwohl der Häuptling der Cheyenne den Soldaten mit einer weißen Fahne entgegenreitet, eröffnet die Armee mit Kanonen das Feuer auf das Indianerdorf und macht dieses nachfolgend dem Erdboden gleich, wobei keine Rücksicht auf Frauen und Kinder genommen wird und schreckliche Gräuel verübt werden. Der protestierende Honus wird inhaftiert und in Ketten gelegt, Cresta zusammen mit den wenigen überlebenden Cheyenne abgeführt.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte des Films ist eine fantasievoll ausgeschmückte Erzählung vom Sand-Creek-Massaker, das 1864 Kavalleristen der amerikanischen Nordstaaten an den Einwohnern einer ungeschützten Siedlung von Cheyenne- und Arapaho-Indianern im Colorado Territorium verübten. Die Nacherzählung des Massakers ist eingebettet in eine fiktive, umfangreichere Geschichte, die sich um Überlebende eines früheren Massakers rankt, das wiederum Indianer an amerikanischen Kavalleristen verübt hatten.

Auf dem Höhepunkt des Vietnamkrieges gedreht, gerade als die gerichtliche Aufarbeitung des Massakers von My Lai in der amerikanischen Öffentlichkeit hohe Wellen schlug, lieferte Soldier Blue die erste filmische Nacherzählung eines der schändlichsten Verbrechen in der Geschichte der amerikanischen Landnahme im Westen des Kontinents.

Der Film löste eine Kontroverse aus, nicht bloß als revisionistischer Western, sondern besonders durch bis dahin ungewohnt deutlichen Gewaltdarstellungen. Nelson, der im Film ebenfalls eine kleine Rolle spielte, setzte einen neuen Maßstab für die explizite visuelle Darstellung von Gewalt, indem er die Nacktheit in Vergewaltigungsszenen zeigte und auch „realistische“ Großaufnahmen von Geschossen, die menschliches Gewebe aufreißen. Er nahm damit vorweg, was zum Markenzeichen späterer Regisseure wie Quentin Tarantino werden sollte.

Das Drehbuch schrieb John Gay auf der Grundlage des Romans Arrow In The Sun von Theodore V. Olsen. In den Hauptrollen spielten Candice Bergen, Peter Strauss und Donald Pleasence. Die Titelmusik wurde von Buffy Sainte-Marie geschrieben und gesungen.

Das Wiegenlied vom Totschlag war aus verschiedenen Gründen kein Kassenerfolg. Als größtes Handicap erwies sich ein anderer Western des Jahres 1970, der ebenfalls von einem Massaker amerikanischer Kavalleristen an Indianern erzählt: Little Big Man. Dieser behandelte somit ein ähnliches Thema, stellte aber hinsichtlich schauspielerischer Leistung und Auszeichnungserfolg Das Wiegenlied vom Totschlag in den Schatten.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joe Hembus kritisiert, dass „die Härte des Films, das heißt die ausführliche und detaillierte Darstellung des Massakers, (…) weder von seinen moralischen, noch von seinen formalen Qualitäten gedeckt“ werde.[2] Phil Hardy merkt an, der Film sei „eine verschobene Reaktion auf die Offenbarungen von amerikanischen Kriegsgräueln in Vietnam“.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Koebner (Hrsg): Filmgenres – Western. Reclam junior, Stuttgart 2003, ISBN 3-15-018402-9. S. 307–310

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Das Wiegenlied vom Totschlag. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, April 2004 (PDF; Prüf­nummer: 42 856-a V/DVD).
  2. Joe Hembus: Western-Lexikon – 1272 Filme von 1894–1975. 2. Auflage. Carl Hanser Verlag, München/Wien 1977. ISBN 3-446-12189-7. S. 698
  3. Phil Hardy: The Encyclopedia of Western Movies. Woodbury Press, Minneapolis 1984. ISBN 0-8300-0405-X. S. 327