Das Wirtshaus im Spessart (1958)

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Film
OriginaltitelDas Wirtshaus im Spessart
Das Wirtshaus im Spessart Logo 001.svg
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1958
Länge 99 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Kurt Hoffmann
Drehbuch Heinz Pauck,
Luiselotte Enderle,
Curt Hanno Gutbrod
Produktion Georg Witt
Musik Franz Grothe,
Günter Neumann
Kamera Richard Angst
Schnitt Claus von Boro
Besetzung

Das Wirtshaus im Spessart ist eine deutsche Filmkomödie von Kurt Hoffmann aus dem Jahr 1958, frei nach der gleichnamigen Vorlage von Wilhelm Hauff aus dem Jahre 1827. Die Hauptrollen wurden mit Liselotte Pulver und Carlos Thompson besetzt.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Comtesse Franziska von und zu Sandau ist mit ihrem ungeliebten Verlobten Baron Sperling, ihrer Zofe Barbara und einem Pfarrer per Kutsche auf dem Weg nach Würzburg, als sie mit dem Fahrzeug im Spessart in eine von den Räubern Knoll und Funzel ausgehobene Kuhle fahren, wobei ein Rad bricht. Sie folgen dem Rat dieser beiden an der Unfallstelle auftauchenden Gestalten und steigen im nahe gelegenen Wirtshaus ab. Dort treffen sie auf die Handwerksburschen Felix und Peter. Als weitere Räuber eintreffen, die die Comtesse Franziska zu ihrer Geisel erklären, um von ihrem Vater, dem Grafen Sandau 20.000 Gulden Lösegeld zu erpressen, tauscht die Comtesse kurzerhand ihre Kleidung mit dem Handwerksburschen Felix und kann so dem Räuberhauptmann entkommen, der den vermeintlichen Burschen für seine Truppe rekrutieren will. Als Franziska zu Hause erfährt, dass ihr Vater eher sein Militär schicken will, als für den verkleideten Felix (Franziska) sowie für Barbara und den Pfarrer das Lösegeld zu zahlen, kehrt sie trotzig zu den Räubern zurück, um in ihrer Verkleidung dem Räuberhauptmann als Bursche zu dienen. Der erkennt das falsche Spiel schon bald, aber er ist von Franziska ebenso angetan wie sie von ihm. Als es nach einigen Wirrungen zum Angriff der gräflichen Militärtruppen auf das Räuberlager kommt, flieht die Comtesse gemeinsam mit ihrem Räuberhauptmann und versteckt ihn im väterlichen Schloss. Dort erfährt sie von ihm, dass er in Wirklichkeit ein verarmter italienischer Graf ist, dessen Vater einst von Franziskas Vater um sein Vermögen gebracht wurde. Nachdem er zunächst unter die Räuber gefallen war, wurde er schon bald von diesen zu ihrem Hauptmann ernannt. Vor den nach ihm suchenden Soldaten muss er aus dem Schloss fliehen, während Franziska sich widerwillig der Hochzeit mit Baron Sperling zu beugen scheint. Doch kurz vor der Trauung taucht der italienische Räuber-Graf wieder auf und Franziska beginnt, gemeinsam mit der Liebe ihres Herzens, ein neues Leben.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit den instabilen Machtverhältnissen während der Zeit der napoleonischen Feldzüge wurde auch die Gesellschaft instabil, Spielräume für Gewalt taten sich auf und Räuberbanden hatten Konjunktur. Die Geschichte von Hauffs Spessarträubern war im frühen 19. Jahrhundert zeitgemäß, insbesondere auch deshalb, weil die literarische Gattung des Unterhaltungsromans, speziell des Romans mit Räuberthemen, durch die Werke Götz von Berlichingen (Goethe) und Die Räuber (Schiller) in Mode kam. Die Gestalt des Räubers als edler Verbrecher, der mit seiner Bande zwar gegen Gesetze handelt, aber auch für Gerechtigkeit verarmter Unterschichten kämpfte, war dem „Volk“ willkommen.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Georg-Witt-Produktion wurde vom 28. September bis zum 30. November 1957 in den Bavaria-Ateliers in München-Geiselgasteig gedreht.[1] Als Kulisse für die Anfangsszene diente der historische Marktplatz von Miltenberg am Main und als Schloss des Grafen Sandau das Schloss Mespelbrunn im Spessart. Den Hintergrund für das Räuberlager bildete ein ehemaliger Nagelfluhsteinbruch im Gleißental südlich von München.[2] Weitere Außenaufnahmen entstanden in Rohrbrunn sowie in der Umgebung von Lichtenau und Deisenhofen.

Die im Film verwendeten Zeichnungen wurden von Bele Bachem geschaffen. Lina Carstens hat einen Kurzauftritt als Köchin. Im Vorspann wird sie jedoch nicht erwähnt.

Die Uraufführung des Films erfolgte am 15. Januar 1958 im Gloria-Palast in Berlin. Für den Vertrieb zeichnete die Export Film Bischoff & Co GmbH verantwortlich.

Fortsetzungen und Neuverfilmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Nachfolge drehte Kurt Hoffmann 1960 Das Spukschloß im Spessart mit der Filmkulisse von Schloss Oelber am weißen Wege in Niedersachsen und 1967 Herrliche Zeiten im Spessart. 2010 wurde der Fernsehfilm Im Spessart sind die Geister los gezeigt, der thematisch an Das Spukschloß im Spessart angelehnt ist. Abseits des Handlungsrahmens der drei Spessart-Filme entstand 1977 unter der Regie von Walter Krüttner der Softsexfilm Das Lustschloß im Spessart. Im übrigen wurde der Stoff bereits 1923 von Adolf Wenter unter demselben Titel Das Wirtshaus im Spessart verfilmt.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„[…] Ein reizend bunter, genußvoll gruseliger und heiter musikalischer Film, der sich vor allem in seinem parodistischen ersten Teil weit über die sonstige deutsche Produktion hinausschwingt. Für Jüngere nicht ganz frei von unbehaglichen Elementen, für Erwachsene hingegen ein augenzwinkerndes Vergnügen.“

6000 Filme. Handbuch V der katholischen Filmkritik[3]

„Unterhaltungsfilm mit Starbesetzung […] Phantasievoll ausgestattet, hübsche Fotografie und musikalisch schmissig“, Wertung: ‚2½ Sterne‘, was zu dem Urteil führt „überdurchschnittlich.“

Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz, Lexikon „Filme im Fernsehen“[4]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen FilmKurt Hoffmann
  2. Iris Hilberth: Ein Steinbruch aus mystischen Zeiten. In: sueddeutsche.de. 13. August 2017, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 21. Mai 2018]).
  3. 6000 Filme. Kritische Notizen aus den Kinojahren 1945 bis 1958. Handbuch V der katholischen Filmkritik, 3. Auflage, Verlag Haus Altenberg, Düsseldorf 1963, S. 491
  4. Lexikon Filme im Fernsehen (erweitere Neuausgabe). Rasch und Röhring, Hamburg 1990, ISBN 3-89136-392-3, S. 937