Das letzte Wochenende

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Filmdaten
Deutscher TitelDas letzte Wochenende
OriginaltitelAnd Then There Were None
ProduktionslandVereinigte Staaten
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr1945
Länge97 Minuten
AltersfreigabeFSK 16
Stab
RegieRené Clair
DrehbuchDudley Nichols
nach dem Kriminalroman Und dann gabs keines mehr (1939) von Agatha Christie
ProduktionRené Clair
MusikMario Castelnuovo-Tedesco
KameraLucien Andriot
SchnittHarvey Manger
Besetzung
Synchronisation

Das letzte Wochenende ist ein US-amerikanischer Spielfilm von René Clair aus dem Jahre 1945, gestaltet nach dem berühmten Kriminalroman Und dann gabs keines mehr von Agatha Christie. Dieser Film gilt weithin als die gelungenste Adaption der Vorlage.

US-amerikanisches Filmplakat

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei Frauen und sechs Männer werden mit einem kleinen Fischerboot auf unruhiger See auf eine abgelegene Insel übergesetzt. Sie kennen einander nicht und sind allesamt Gäste eines Unbekannten namens Mr. Owen. Auf dem hoch auf der Inselkuppe gelegenen Anwesen stellt man sich einander vor. Der pensionierte Richter Francis J. Quinncannon und der etwa gleichaltrige Arzt Dr. Edward G. Armstrong gewinnen bald einen Draht zueinander und freunden sich ein wenig an. Am Abend treffen sich alle acht Eingeladenen zum Diner und sehen auf dem Tisch eine kleine Figurengruppe, genannt „Zehn kleine Indianerjungen“. Vera Claythorne, eine der beiden weiblichen Gäste, erklärt den Anwesenden vom berühmten Abzählrein „Ten Little Indians“. Zu fortgesetzter Stunde singt der stets ein wenig angetrunkene exilrussische Prinz Nikita Starloff das Lied von den „Zehn kleinen Indianerjungs“, von denen einer nach dem anderen dahingerafft wird, und begleitet sich dazu selbst am Klavier. Er nimmt damit in Form einer Moritat die düsteren Geschehnisse der Handlung vorweg. Am späten Abend wird eine von ihrem Gastgeber Mr. Owen aufgenommene Platte auf dem Grammophon abgespielt. Owens Stimme klagt jeden der einzelnen Gäste eines bislang ungesühnten Verbrechens an:

  • General Sir John Mandrake soll den Liebhaber seiner Frau, einen Leutnant, in den Tod getrieben haben,
  • Emily Brent soll den Tod ihres jungen Neffen Peter verschuldet haben,
  • Dr. Edward G. Armstrong soll im betrunkenen Zustand den Tod eines Patienten verursacht haben,
  • Prinz Nikita Starloff soll ein Pärchen ermordet haben,
  • Vera Claythorne soll den Verlobten ihrer Schwester umgebracht haben,
  • Richter Francis J. Quinncannon soll für den unrechtmäßigen Schuldspruch an einem Angeklagten verantwortlich sein, der daraufhin gehängt wurde,
  • Philip Lombard soll den Tod von 21 Eingeborenen in Südafrika zu verantworten haben,
  • William H. Blore soll aufgrund eines Meineids einen unschuldigen Mann in den Tod getrieben haben, sowie das hier als Haushälter angestellte Ehepaar
  • Thomas und Ethel Rogers, das den Tod ihrer vorhergehenden, körperbehinderten Arbeitgeberin verschuldet haben soll.

Als die Platte zu Ende gespielt ist, bricht zunächst Mrs. Rogers zusammen. Sie macht ihrem Gatten Vorwürfe, diese Stelle angenommen zu haben, ohne den Auftraggeber zu kennen. Richter Quinncannon schaut sich noch einmal sein Einladungsschreiben an und konstatiert, dass der Gastgeber es mit „U. N. Owen“, englisch gesprochen „unknown“, also „unbekannt“, unterzeichnet hat. Man konstatiert, dass keiner der Eingeladenen weder „U. N. Owen“ kennt noch ihm jemals begegnet ist. Man diskutiert über die von dem Unbekannten geäußerten Anschuldigungen und ob, wann und wie man die Insel schnellstmöglich wieder verlassen könne. Hausdiener Mr. Rogers erklärt, dass das Boot vom Festland nur zweimal die Woche hier anlegen würde, sodass man noch einige Tage auf dieser Insel festsitzen werde. Als Prinz Nikki bei seinem erneuten Pianoeinsatz mal wieder zu einem Glas Whisky greift, wirft es ihn als ersten um: er wurde vergiftet. Der Richter und der Arzt begegnen sich im Salon und sehen, dass die erste Indianerfigur aus dem Ensemble herausgebrochen wurde.

Am nächsten Morgen erwacht, wie es im „Ten Little Indians“-Lied heißt, eine weitere Person nicht mehr aus ihrem Schlaf. Diesmal hat es Mrs. Rogers erwischt. Dr. Armstrong äußerst seinen Verdacht, dass sich jener ominöser Mr. Owen irgendwo auf dem Anwesen versteckt halten müsse und wird in dieser Ansicht von Richter Quinncannon bestärkt. Allmählich beginnen sich die unfreiwilligen Gäste mit gegenseitigen Verdächtigungen zu traktieren. Als der alte, bereits ein wenig verkalkte General Mandrake nicht zum Dinner erscheint, macht man sich Sorgen, und Philip Lombard stürzt in die regenumtoste Nacht, um nach ihm, der zuletzt von Vera Claythorne an den Klippen gesehen wurde, zu suchen. Er findet ihn tot auf. Und wieder ist eine Indianerjunge-Figur aus dem Figurenensemble herausgebrochen. Philip und Vera kommen sich allmählich näher und überlegen, wer von den Überlebenden wohl Mr. Owen sein könnte. Als Butler Rogers bei einer geheimen Abstimmung auf Platz 1 der Verdächtigen landet, ist er derart pikiert, dass er die verbliebenen Alkoholbestände wegtrinkt, um allen zu beweisen, dass er niemanden vergiftet haben kann. Die Situation wird immer absurder. Als Emily Brent auf ihr Zimmer zu Bett gehen möchte, bietet sich Vera an, sie zu begleiten. Das Misstrauen ist aber derart groß, dass Emily ablehnt und schließlich von gleich vier Personen nach oben begleitet wird. Derweil belauern sich der mit einem Feuerhaken sicherheitshalber bewaffnete Arzt und der Richter vor dem Kamin.

Am nächsten Morgen ist auch Rogers tot, und das, obwohl er sich in seiner Furcht vor den anderen mit einer Axt bewaffnet in einem nahe gelegenen Holzschuppen eingeschlossen hatte. Unwesentlich später trifft es Mrs. Brent: sie liegt tot in ihrem Bett und wurde mit einer Spritze getötet. Jeder verdächtigt nun jeden: Einmal wird Philip Lombard von den anderen festgehalten, Sekunden später trifft es Detektiv William H. Blore, der für den Mörder gehalten wird. Dann beginnt auch noch das Licht zu flackern. Die Nerven der Überlebenden liegen blank, beim Billardspiel im Halbdunkel beginnen sich der Richter und der Doktor mit ihren Billardqueues gegenseitig in Schach zu halten, während Philip Lombard Blore in den Holzschuppen folgt und nach Vera fragt, da diese plötzlich verschwunden ist. Blore fühlt sich von Lombard bedroht und greift zu einem Holzscheit. Da taucht Vera unversehrt auf, und für einen Moment scheint wieder etwas Vertrauen wiederhergestellt. Auch zwischen Quinncannon und Dr. Armstrong wird die Situation vorübergehend bereinigt. Am Abend setzen sich alle zusammen, damit jeder ein Geständnis bezüglich seiner durch Mr. Owen bezichtigte „Untat“ ablegen könne. Der Richter beginnt und gesteht, dass er mit seinem Schuldspruch gegenüber dem Unschuldigen lediglich die Reputation von dessen Verteidiger zerstören wollte. Dr. Armstrong gibt zu, das er tatsächlich unter Alkoholeinfluss operiert hatte und damit eine Patientin ums Leben brachte. Detektiv Blore gesteht zwar seinen Meineid, der einen Mann ins Gefängnis brachte, sieht sich aber für dessen Tod nicht verantwortlich. Philip Lombard wiederum beginnt sein Statement wie folgt: „Mr. Lombard ist nicht imstande, irgendetwas abzustreiten“. Plötzlich springt Vera Claythorne auf und behauptet, ihr sei kühl. Sie will nach oben in ihr Zimmer. Kurz darauf ertönt ein Schuss …

And Then There Were None, Vereinigte Staaten 1945

Die verbliebenen Herren rennen im Dunkeln nach oben und müssen feststellen, dass nun auch der Richter tot ist. Eine Kugel durchschlug seinen Schädel. Dr. Armstrong geht auf ihn zu und schließt seine Augen. Nun gerät Vera in Verdacht, da sie als einzige zum Todeszeitpunkt keinen Zeugen für ihren Verbleib hat. Von Armstrong befragt, ob sie des von Mr. Owen beschuldigten Verbrechens schuldig ist, sagt sie, dass sie ihr Ehrenwort gebe, nicht das Verbrechen verübt zu haben. Bald geht jeder auf sein Zimmer zur Nachtruhe. Philip begibt sich jedoch wenig später zum Zimmer, wo Vera aus Sicherheitsgründen von außen eingeschlossen wurde. Um ihr zu versichern, dass ihr von ihm keinerlei Gefahr drohe, überreicht Philip ihr seinen Revolver. Vera gesteht Philip, dass sie nicht die Beschuldigte sei, sondern deren Schwester. Mr. Owen sei wohl nicht perfekt, meint Philip Lombard daraufhin, „denn ich bin nicht Mr. Lombard“. Dann springt er über das Fenster zurück in sein eigenes Zimmer, um dem Täter auf die Spur zu kommen. Es könne sich bei dem Mörder nur um Blore oder Armstrong handeln, glaubt er. Doch der Arzt ist unauffindbar. So nimmt Lombard an, dass Armstrong der Mörder sein müsse. Doch er bleibt bis zum nächsten Morgen wie vom Erdboden verschluckt.

Als Blore zu wissen glaubt, wer der Täter ist, wird er von einem mächtigen Steingiebel, der wie von Geisterhand von einem Haussims herunterschubst wird, erschlagen. Jetzt sind nur zwei kleine Indianerjungen im Figurenensemble noch nicht herausgebrochen. Vera und Philip sehen in der Ferne einen leblosen Körper am Strand liegend und eilen dorthin. Es ist der tote Dr. Armstrong. Da nun kein anderer mehr lebt, beschuldigen sich die beiden jungen Leute gegenseitig, der Mörder der anderen zu sein. Lombard gesteht, dass sein wahrer Name Charles Morley sei und Lombard ein Freund gewesen ist, der sich wegen der ihm vorgeworfenen Vergehen unlängst umgebracht habe. Morley habe daraufhin das an Lombard gerichtete Schreiben mit der Einladung von „Mr. Owen“ gelesen und sei deswegen selbiger nachgekommen, um herauszufinden, ob diese in Zusammenhang mit Lombards Selbstmord stünde. Morley alias Lombard hat eine Idee: Er befiehlt Vera, auf ihn zu schießen. Ein Schuss ertönt, und er fällt um.

Vom Landsitz hoch über der Insel beobachtet jemand das Geschehen. Dann geht dieser Unbekannte zurück zur Figurengruppe und bricht die letzte Indianerfigur heraus. Vera kehrt allein auf das Anwesen zurück. Als sie im Haus ankommt, baumelt bereits ein Galgenstrick von der Decke herab. Sie tritt an den Billardtisch und sieht … den totgeglaubten Richter! Der meint: „Ein kleiner Indianerjunge blieb allein zurück, er erhenkte sich und dann gabs keinen mehr“. Der Strick sei für sie, Vera, bestimmt, erklärt Quinncannon siegesgewiss, denn seine Arbeit, Gerechtigkeit für die Untaten der toten Gäste zu schaffen, sei vollbracht. Auf Veras Einwand hin, dass sie keinen Grund habe, sich aufzuhängen, erklärt der allzu sehr von sich überzeugte, mörderische Jurist, dass dieses Ende ihr wegen der existierenden Todesstrafe für Mord so oder so bevorstehe. Denn sie werde die alleinige Überlebende sein … in einem Haus voller Ermordeter.

Seinen eigenen Tod, so erklärt der Richter der verdutzten Frau, habe er mit Hilfe des leicht zu überredenden Dr. Armstrong „inszeniert“, der Quinncannons Ableben vor den Augen der anderen konstatierte. Wenig später sei er von den Toten wieder auferstanden und habe Armstrong am Strand umgebracht. Er selbst, so Quincannon, habe nicht mehr lange zu leben, er sei schwer krank. Dann nimmt er kaltlächelnd einen Whisky zu sich, gefüllt mit einer tödlichen Dosis Gift. Der Richter glaubt seinen Augen nicht zu trauen, als plötzlich Charles Morley den Raum betritt. Der Schuss auf ihn war nur vorgetäuscht, um den wahren Mörder aus der Reserve zu locken. Der Richter stirbt mit der Gewissheit, sich letzten Endes verkalkuliert zu haben. Seine letzten Worte lauten „Trau niemals einer Frau“.

Produktionsnotizen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das letzte Wochenende wurde in den Samuel Goldwyn Studios in Hollywood gedreht und erlebte am 31. Oktober 1945 seine Uraufführung. Die deutsche Erstaufführung fand am 10. April 1953 statt, die deutsche Fernseherstausstrahlung erfolgte am 6. Januar 1967 im ZDF.

Ernst Fegté zeichnete für die Filmbauten verantwortlich, Edward G. Boyle für die Ausstattung. René Hubert entwarf die Kostüme. Charles Previn hatte die musikalische Leitung.

Literarische Vorlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film basiert auf einem der erfolgreichsten Kriminalromane Agatha Christies, „And Then There Were None“, ursprünglich „Ten Little Niggers“ nach dem auch in Deutschland bekannten Abzählreim „Zehn kleine Negerlein“.[1][2] Der deutsche Publikationstitel ist Und dann gabs keines mehr. Dieser Roman ist mit bis heute 100 Millionen verkauften Exemplaren das meistverkaufte Werk Christies und zugleich der meistverkaufte Kriminalroman aller Zeiten.[3] Dieser Film von 1945, die erste Kino-Adaption des Christie-Romans, hält sich nicht in allen Details an die literarische Vorlage.

Weitere Verfilmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 2014 angelaufene Arnold Schwarzenegger-Film Sabotage lehnt sich lose an die Christie-Vorlage an.

Synchronisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutsche Synchronfassung entstand 1953 bei der Berliner Synchron.[4][5]

Rolle Schauspieler Dt. Synchronstimme
Richter Francis J. Quinncannon Barry Fitzgerald Alfred Balthoff
Dr. Edward G. Armstrong Walter Huston Walther Suessenguth
Philip Lombard alias Charles Morley Louis Hayward Wolfgang Kieling
Vera Claythorne June Duprez Margot Leonard
Detektiv William Henry Blore Roland Young Martin Held
Prinz Nikita "Nikki" Starloff Mischa Auer Erich Fiedler
General Sir John Mandrake C. Aubrey Smith Walter Werner
Emily Brent Judith Anderson Ursula Krieg
Thomas Rogers, Bediensteter Richard Haydn Wolfgang Kühne

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kritik überschlug sich geradezu und überhäufte René Clairs feinsinnige Inszenierung mit Elogen. Nachfolgend eine kleine Auswahl:

„Frankreichs französischster Regisseur, René Clair, übersetzte die Spannungstechnik der englischen Kriminalschriftstellerin Agatha Christie in ein filmisches Denkpuzzle, das noch nach sieben Morden von den beiden Überlebenden und allen Zuschauern ungelöst ist. Die Mordserie wird durch das musikalische Leitmotiv "Zehn kleine Negerlein" zart untermalt. Selbst Kriminalfilmkennern kribbelt's vor Spannung in den Fingerspitzen.“

„Exzellente Verfilmung eines Romans von Agatha Christie: rasante Kriminalspannung mit unheimlicher Atmosphäre und profilierten Charakterzeichnungen und zugleich eine Genre-Parodie voll von schwarzem Humor.“

„Großartiges Drehbuch von Dudley Nichols, vervollständigt durch superbe visuelle Einfälle.“

Leonard Maltin: Movie & Video Guide, 1996 edition, S. 41

„Ein klassischer Mystery-Roman wurde hier adaptiert und inszeniert mit der größtmöglichen Sorgfalt, um eine ausgelassene, schwarze Komödie, stilvolle Verwirrung und einige ausgezeichnete Schauspielauftritte zu zeigen.“

Leslie Halliwell: Halliwell‘s Film Guide, Seventh Edition, New York 1989, S. 37

„Reichhaltig bezüglich der Ingredienzien, die Mystery-Dramen so populär gemacht haben.“

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. C Peers, Spurrier A & Sturgeon J: Collins Crime Club – A checklist of First Editions (2nd ed.). Dragonby Press, 1999, ISBN 1-8711-2213-9, S. 15.
  2. Bruce Pendergast: Everyman's Guide To The Mysteries Of Agatha Christie. Trafford Publishing, Victoria, BC 2004, ISBN 1412023041, S. 393.
  3. Helen Davies, Marjorie Dorfman, Mary Fons, Deborah Hawkins, Martin Hintz, Linnea Lundgren, David Priess, Julia Clark Robinson, Paul Seaburn, Heidi Stevens, and Steve Theunissen: 21 Best-Selling Books of All Time. Editors of Publications International, Ltd.. 14. September 2007.
  4. Das letzte Wochenende bei der Synchrondatenbank
  5. Das letzte Wochenende bei der Deutschen Synchronkartei
  6. Der Spiegel, Nr. 22, vom 27. Mai 1953
  7. Das letzte Wochenende im Lexikon des internationalen Films

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]