Das schweigende Klassenzimmer

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Filmdaten
OriginaltitelDas schweigende Klassenzimmer
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr2018
Länge111 Minuten
AltersfreigabeFSK 12[1]
JMK 12[2]
Stab
RegieLars Kraume
DrehbuchLars Kraume
ProduktionMiriam Düssel, Susanne Freyer, Isabel Hund,
Thomas Kufus , Kalle Friz
MusikChristoph M. Kaiser,
Julian Maas
KameraJens Harant
SchnittBarbara Gies
Besetzung

Das schweigende Klassenzimmer ist ein Spielfilm von Lars Kraume nach dem gleichnamigen Sachbuch von Dietrich Garstka.[3] Im Mittelpunkt der Handlung steht eine ostdeutsche Abiturklasse, die sich anlässlich des Ungarischen Volksaufstands 1956 im Unterricht zu einer Schweigeminute für die Opfer entscheidet. Die Solidaritätsbekundung hat Reaktionen zur Folge, mit denen weder die Schüler noch ihre Eltern oder die Schulleitung gerechnet haben.

Die Weltpremiere erfolgte am 20. Februar 2018 bei der 68. Berlinale in der Sektion Berlinale Special. Deutschlandweit kam der Film am 1. März 2018 in die Kinos.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stalinstadt, im Jahr 1956: Die beiden Abiturienten Theo Lemke und Kurt Wächter kehren von einem Westberliner Kinobesuch nach Hause zurück. In der Wochenschau haben sie Bilder des Volksaufstands in Ungarn gesehen. Zurück in der DDR werden sie sich der unterschiedlichen Berichterstattung zwischen west- und ostdeutschen Medien bewusst. Die Wochenschau und der RIAS, den sie heimlich bei Edgar, dem schwulen Großonkel ihres Mitschülers und Freundes Paul hören, berichten positiv über die bürgerlich-demokratische Bewegung, die DDR-Medien dagegen pro-sowjetisch und verurteilen den Aufstand. Als westdeutsche Medien vom vermeintlichen Tod des bekannten Fußballspielers Ferenc Puskás berichten, schlägt Kurt vor, eine symbolische Schweigeminute für die Opfer abzuhalten. Die Abiturklasse steht bis auf den linientreuen Erik, Sohn eines im Krieg verstorbenen roten Frontkämpfers und Stiefsohn des örtlichen Pfarrers, geschlossen dahinter. Die Schweigeminute fällt in die Stunde des Geschichtslehrers Mosel, der zuerst annimmt, das Manöver richte sich gegen ihn. Als Erik zugibt, dass es sich um eine Form des Protests handelt, meldet der Lehrer den Vorfall bei Rektor Schwarz.

Der noch junge Rektor versucht, den Vorfall herunterzuspielen. Gleichzeitig verteidigt er die Idee des Sozialismus. Am Abend trifft sich die gesamte Klasse bei Edgar, wo sie über den RIAS erfahren, dass die sowjetischen Truppen kurzfristig abgezogen sind und Ungarn eine neue Regierung erhalten soll. Gleichzeitig droht die symbolische Schweigeminute weiter untersucht zu werden. Edgar lobt die Jugendlichen als „Freidenker“, benennt sie aber auch als „Staatsfeinde“. Theo schlägt vor, sich herauszureden, indem alle angeben, dass die Aktion nur an den Tod von Ferenc Puskás erinnern sollte. In geheimer Wahl entscheidet sich die Mehrheit zur Enttäuschung von Kurt für Theos Notlüge. Die Gruppe kann auch später den nicht anwesenden Erik von ihrem Vorhaben überzeugen.

Am nächsten Tag werden Lena, Erik und Theo nacheinander zum Rektor zitiert, wo sie von der Kreisschulrätin Frau Kessler befragt werden. Alle drei halten sich aber trotz des manipulativen Verhaltens von Frau Kessler an die Notlüge. Als Theo den Lehrern „Gestapo-Methoden“ vorwirft, erhält er einen Tadel und die gesamte Klasse muss öffentlich zum Appell antreten. Kurts manipulativer Vater Hans, selbst Stadtratsvorsitzender, versucht seinen Sohn ohne Erfolg davon zu überzeugen, dass hinter dem Ungarn-Aufstand die Faschisten stecken würden. In Absprache mit dem Schulrektor nimmt Theos Vater Hermann seinen Sohn für einen Tag aus der Schule, um ihm die schwere Arbeit am Hochofen zu zeigen. Die Gruppe, die sich bei Edgar einfindet, um RIAS zu hören, wird immer kleiner. Zum Schluss kommen nur noch Kurt, Lena und Paul. Kurt und Lena, die eigentlich mit Theo zusammen ist, kommen sich dabei näher und küssen sich, was heimlich von Paul beobachtet wird.

Die Situation spitzt sich zu, als Volksbildungsminister Lange in Stalinstadt erscheint. Dieser verurteilt die Aktion als konterrevolutionären Akt und verlangt von ihnen, den Rädelsführer zu benennen. Sollte das nicht geschehen, droht Lange den Schülern, sie in der gesamten DDR nicht zum Abitur zuzulassen. Erik wird von Frau Kessler unter Druck gesetzt, woraufhin er Edgar als Quelle für das Hören des RIAS benennt. Edgar wird daraufhin von der Volkspolizei in Begleitung von Frau Kessler verhaftet. Paul rächt sich an Erik, indem er ihn in der Kirche niederschlägt. Kurt will sich als Rädelsführer bekennen, was ihm aber von Theo ausgeredet wird. Die Eltern der Schüler überlegen eine Gegendarstellung zu entwerfen, während Theos Vater beim Volksbildungsminister vorspricht, aber als früherer Aufständler nicht ernstgenommen wird. Lena trennt sich von Theo, da sie seine ständigen Ausreden leid ist. Frau Kessler befragt nochmals alle Schüler einzeln, wobei sie den Druck auf Erik erhöht. Sie droht, die Wahrheit über seinen Vater, der als Kollaborateur im KZ Sachsenhausen gehängt wurde, publik zu machen. Erik, der von der Vergangenheit seines Vaters nichts wusste, verrät Kurt und erleidet während des Schießunterrichts einen Nervenzusammenbruch. Er schießt mit dem Gewehr auf den Lehrer, einen alten Nazi, und verletzt diesen. Erik rennt in die Kirche und bedroht seine Mutter mit dem Gewehr, kann aber von Theo, Kurt und Paul überwältigt werden. Eriks Mutter gibt ihm die Wahrheit über den schwachen Vater preis, während Erik seinen Verrat an Kurt gesteht.

Nach dem Amoklauf von Erik erscheint Frau Kessler bei Kurt und seinem Vater. Sie stellt in Aussicht, die gesamte Schuld auf Erik abzuwälzen, da diesen bereits eine Gefängnisstrafe von 10 Jahren erwarte. Kurt konfrontiert seinen Vater mit dem Foto von Eriks gehängtem Vater, auf dem er ebenfalls zu sehen ist. Während sein Vater ihn anschreit, verzweifelt Kurt an der Passivität seiner Mutter, die ihm rät, noch in der folgenden Nacht nach Westdeutschland zu fliehen. Kurt informiert Theo über seine geplante Flucht. Er wird jedoch im ersten Morgenzug von Königs Wusterhausen nach Westberlin festgenommen. Kurts Vater erscheint auf der Wache, belügt die Polizisten aber und verhilft seinem Sohn so zur Flucht in den Westen. Da Kurt mit seiner sog. "Republikflucht" seine Schuld eingestanden hat, sollen auf Frau Kesslers Willen hin alle Schüler ihn als Rädelsführer der Schweigeminute identifizieren. Theo und Paul werden von Frau Kessler sofort der Schule verwiesen, als sie angeben, dass die Mehrheit dafür gestimmt hätte. Als die übriggebliebenen Schüler um Lena aufstehen und behaupten, es sei ihre Idee gewesen, wird die gesamte Klasse der Schule verwiesen. Auf Theos Rat hin begehen alle Schüler bis auf vier über den Jahreswechsel 1956/57 "Republikflucht" und machen ihr Abitur im Westen.

Produktion und Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film ist eine Kino-Koproduktion des ZDF, Akzente Film- und Fernsehproduktion, Studiocanal Film und Zero One Film.

Am 21. Februar 2017 begannen die Dreharbeiten zum Film in Berlin und Eisenhüttenstadt, dem Schauplatz des Films. Einige Szenen wurden in der großen Außenkulisse Neue Berliner Straße im Studio Babelsberg in Potsdam gedreht.[4] Hier entstanden Szenen um den in das Jahr 1956 versetzten Berliner Kurfürstendamm mit den Capitol-Lichtspielen und Häuserfassaden mit Läden sowie auch Straßenzüge im vermeintlichen Eisenhüttenstadt. 120 Komparsen erfüllten in Babelsberg die gebauten Viertel mit Leben.[5][6]

Der Film basiert auf wahren Ereignissen. Die Begebenheiten trugen sich jedoch in Storkow zu. Da sich die Stadt jedoch in den letzten Jahren stark gewandelt hat und die alte Schule mittlerweile komplett umgebaut und modernisiert wurde, entschied man sich, Schauplatz und Drehort nach Eisenhüttenstadt zu verlegen, welches in den 1950er Jahren als Stalinstadt errichtet wurde und dessen aus der damaligen Zeit erbauten Wohnkomplexe I-III noch komplett erhalten sind. Allerdings wurden zahlreiche Gebäudefunktionen abgewandelt, beispielsweise wurde aus dem städtischen Friedrich-Wolf-Theater im Film das Innere eines westdeutschen Kinos und aus dem Rathaus das DDR-Volksbildungsministerium.[7] Hunderte Eisenhüttenstädter spielten zudem als Komparsen mit.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der film-dienst bewertete den Film mit vier von fünf möglichen Sternen und als ein „mit viel Feingefühl“ inszeniertes Drama. Dadurch, dass die Figuren als komplexe Charaktere angelegt seien, werde ihr moralisches Dilemma umso glaubwürdiger und würden die Fragen nach Integrität, Haltung und Widerstand als zeitlose Themen ansichtig gemacht.[8]

Bei Spiegel online gab sich der Autor Matthias Dell überwiegend enttäuscht von dem Film, verurteilte seine Geschichte als „Zeitgeschichtsquark“ und sprach von „tausendmal gesehenen Inszenierungsstandards“. Langweilig an dem Film sei, dass die Jugendlichen, die die Schweigeminute abhalten, „von Anfang an als die Sieger der Geschichte ins Rennen gehen, die sie seit dem Ende der DDR sind.“[9]

Für den Journalisten Bert Rebhandl ist Das schweigende Klassenzimmer in der FAZ „ein beinahe mustergültiger Film“, dem allerdings eine entscheidende Kleinigkeit fehle, nämlich „eine Andeutung davon, wie sich die DDR damals tatsächlich angefühlt haben mag. Dazu müsste man nach wie vor die zeitgenössischen Filme aufsuchen.“[10]

In der Zeitung Dresdner Neueste Nachrichten beurteilte Stefan Stosch den Film als frei von Pathos. Eine Leistung des Films bestehe darin, „die unterschiedlichen Biografien so vieler Beteiligter in die Historie einzubetten“. Die Grenze zwischen Fiktion und Wahrheit werde aber nicht gut genug deutlich, denn manches wie etwa die Dreiecks-Liebesgeschichte zwischen Theo, Kurt und Lena wirke „allzu gerundet“.[11]

Dietrich Garstka, Verfasser der Buchvorlage, sagte über den Film: „Alles treffsicher“.[11]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Buchvorlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Das schweigende Klassenzimmer. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 175335/K).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. Alterskennzeichnung für Das schweigende Klassenzimmer. Jugendmedien­kommission.
  3. Drehstart für ZDF-Kino-Koproduktion „Das schweigende Klassenzimmer“, Presseportal/ZDF vom 24. Februar 2017, abgerufen am 30. Juli 2017.
  4. Film erweckt junge DDR zum Leben, maz-online.de vom 31. März 2017, abgerufen am 30. Juli 2017.
  5. Filmdreh in Babelsberg: Aufstand mit Schweigen und Nüssen, pnn.de vom 31. März 2017, abgerufen am 20. Dezember 2017.
  6. Studio Babelsberg – Metropolitan Backlot: Referenzen, Das schweigende Klassenzimmer, metropolitanbacklot.com, abgerufen am 20. Dezember 2017.
  7. Wahre Geschichte: Das schweigende Klassenzimmer, berliner-kurier.de vom 27. März 2017, abgerufen am 21. November 2017.
  8. Das schweigende Klassenzimmer, in: film-dienst, abgerufen am 18. März 2018
  9. Matthias Dell: Ein totes Land, ein schaler Film, in: Spiegel online vom 28. Feb. 2018, abgerufen am 18. März 2018
  10. Bert Rebhandl: Staatsfeindschaft als Schulversagen, in: FAZ vom 1. März 2018, abgerufen am 18. März 2018
  11. a b Stefan Stosch: Über Widerstand: „Das schweigende Klassenzimmer“, in: Dresdner Neueste Nachrichten vom 28. Feb. 2018, abgerufen am 18. März 2018
  12. Friedenspreis des Deutschen Films - Die Brücke wird am 5. Juli in München zum 17. Mal verliehen. Artikel vom 6. Juni 2018, abgerufen am 6. Juni 2018.