Dassault Mirage IV

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dassault Mirage IV
Mirage IV der Französischen Luftwaffe
Mirage IV der französischen Luftwaffe
Typ: Strategischer Bomber
Entwurfsland: FrankreichFrankreich Frankreich
Hersteller:

Dassault Aviation

Erstflug: 17. Juni 1959
Indienststellung: 1. Oktober 1964
Produktionszeit:

1963 bis 1968

Stückzahl: 62

Die Mirage IV war ein strategischer Bomber für den Atombombeneinsatz bei den französischen strategischen Fliegerkräften (FAS).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Prototyp der mit Deltaflügeln ausgestatteten Mirage IV flog erstmals am 17. Juni 1959 mit Dassault-Cheftestpilot Roland Glavanny an Bord. Quer-, Höhen- und Seitenruder wurden elektrisch angesteuert, zusätzlich war ein mechanisches Backupsystem vorhanden.

Beim 33. Flug wurde vom Prototyp erstmals Mach 2 erreicht. Die Maschine diente später der Pilotenausbildung und verunglückte am 13. Februar 1963. Die erste von drei Vorserienmaschinen Mirage IVA flog am 12. Oktober 1961 zum ersten Mal. Diese besaßen gegenüber dem Prototyp die stärkeren Atar-9C-Triebwerke und waren um 3,6 m länger; die Tragflächen wiesen eine um 0,68 m vergrößerte Spannweite auf. Die dritte Maschine entsprach bereits dem Serienstand und war mit den wiederum stärkeren Atar-9K-Triebwerken und mit einer Luftbetankungssonde anstelle eines Staurohrs am Bug ausgerüstet. Durch diese Konstruktion musste das Radar in einem halbrunden Buckel unter dem Mittelrumpf untergebracht werden.[1] Der Rumpf der Serienmaschinen wurde bei Sud Aviation hergestellt.[2]

Als erste Einheit stellte die Escadron de Bombardement 1/91 Gascogne auf dem Militärflugplatz Mont-de-Marsan am 1. Oktober 1964 die ersten vier Maschinen Mirage IVA in Dienst. Die französischen Luftstreitkräfte hatten zunächst 50 Exemplare bestellt und orderten später weitere zwölf Maschinen, die bis zum März 1968 in Bordeaux-Merignac gefertigt wurden. Das zweite Baulos der Flugzeuge konnte dabei anstelle der Bewaffnung auch CT-52-Aufklärungsbehälter tragen. Die Streitkraft, drei Staffeln stark (um die 45 von 62 insgesamt gebauten Flugzeugen), wurde von zwölf KC-135-Tankern versorgt. Im Ernstfall war geplant, dass zwei Mirage IV von einem Tankflugzeug begleitet würden, wobei eine Mirage die Bombe, die andere weiteren Treibstoff an Bord hätte, um dann, wenn der Tanker nicht weiter ins Zielgebiet vordringen könnte, als „Zweittanker“ zu dienen.

Der einzige scharfe Einsatz war eine Versuchsmission (Operation Tamoure), bei der am 19. Juli 1966 eine Mirage IV im Südpazifik etwa 500 km vom Atoll Hao entfernt eine 70-Kilotonnen-Bombe abwarf.

Um zu gewährleisten, dass die Bomber binnen kürzester Zeit einsatzbereit waren, wurden 80 Prozent Einsatzbereitschaft zu jeder Zeit aufrechterhalten. Ein Flugzeug war (je nach Bedrohungsstufe) rund um die Uhr in sofortiger, 5- oder 15-Minuten-Alarmbereitschaft. Es bestand die Möglichkeit, die Mirage IV mit Startraketen auszustatten.

Im Mai 1986 wurden die ersten von 18 umgebauten Mirage-IV-Jets (nach einem Unfall wurde später eine weitere Maschine umgerüstet) in Dienst gestellt. Die Entscheidung dafür wurde im September 1979 getroffen, als klar wurde, dass die Mirage 2000N, für die der Abstandsflugkörper ASMP eigentlich entwickelt wurde, zu spät kommen würde. Die nun unter der Bezeichnung Mirage IVP (P für Penetration) geführten Flugzeuge wurden speziell für den Tiefflugeinsatz umgebaut und waren, wie die Mirage IV, in der Lage, Atomwaffen zu tragen. Im Rahmen der Umbauarbeiten wurde die Avionik erneuert, die nun über ein Tiefflugangriffssystem auf Basis dualer Trägheitsnavigation (gegenüber dem üblichen Doppler-Navigationssystem) sowie über ein Arcana-Impuls-Doppler-Radar von Thomson CSF verfügt. Für die elektronische Kriegführung wurden Störsender und Düppelwerfer in die Maschinen eingebaut. Der Erstflug der ersten umgebauten Maschine erfolgte am 12. Oktober 1982.

Die Maschinen blieben bis zum Ersatz durch die Mirage 2000N und ihrer offiziellen Außerdienststellung am 4. Juli 1996 im Einsatz. Bis zum 23. Juni 2005 dienten die verbliebenen Flugzeuge als strategische Aufklärer, die zum Teil auch im Kosovo (1998), Irak (1998 und 2003) und in Afghanistan (2001) zum Einsatz kamen. 20 Maschinen sind noch heute auf dem Militärflugplatz Chateaudun eingelagert, der Rest ist in Museen oder auf Fliegerhorsten zu sehen.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Mirage IV in der modernisierten P-Version
Eine Mirage IV im Flug
Eine Mirage IV im Museum
Kenngröße Daten
Länge 23,50 m
Spannweite 11,84 m
Flügelfläche 78 m²
Streckung 1,8
Tragflächenbelastung:
  • minimal (Leergewicht): 186 kg/m²
  • nominal (normales Startgewicht): 405 kg/m²
  • Maximal (maximales Startgewicht): 429 kg/m²
Höhe 5,56 m
Leermasse 14.500 kg
Normale Startmasse 31.600 kg
Maximale Startmasse 33.475 kg
Höchstgeschwindigkeit Mach 2,2 bzw. 2.340 km/h (in 10.975 m Flughöhe)
Dienstgipfelhöhe ca. 20.000 m
Maximale Steigrate ?
Einsatzradius:
  • 2477 km (auf optimaler Flughöhe)
  • 1240 km (im Tiefflug)
Überführungsreichweite ca. 4000 km
Besatzung 2
Triebwerk 2 × SNECMA Atar 9K-50-Strahltriebwerke
Schubkraft 2 × 68,67 kN (mit Nachbrenner)
Schub-Gewicht-Verhältnis
  • maximal (Leergewicht): 0,97
  • nominal (normales Startgewicht): 0,44
  • minimal (maximales Startgewicht): 0,42

Bewaffnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Waffenlast von bis zu 7.257 kg an fünf Außenlaststationen unter den beiden Tragflächen und unter dem Rumpf
Marschflugkörper
Ungelenkte Bomben
  • 16 × Société des Ateliers Mécaniques de Pont-sur-Sambre (SAMP) BL EU 3 (500-kg-Freifallbombe)
  • 6 × Société des Ateliers Mécaniques de Pont-sur-Sambre (SAMP) BL 4 (1000-kg- Freifallbombe)
Kernwaffen
  • 1 × CEA AN-22 – freifallende 700-kg-Nuklearbombe; Sprengkraft 70 Kilotonnen
  • 1 × CEA AN-11 – freifallende 1.500-kg-Nuklearbombe; Sprengkraft 60 Kilotonnen
Zusatzbehälter

Selbstverteidigungssysteme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1 × SAAB BOZ-103-Täuschkörperwerfer mit 18 × 50-mm-Täuschkörperpatronen Düppel oder Hitzefackeln
  • 1 × Thompson-CSF Barax NG – EKF-Störbehälter
  • 2 × Philips-Matra Phimat – Täuschkörperwerfer mit 210 Düppel-Patronen
  • interner Täuschkörperwerfer Alkan F1A

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dassault Mirage IV – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. FlugRevue Juni 2009, S. 100–103, Dassault Mirage IV – Die große Schwester
  2. NZZ Technik: Die französische Flugeugindustrie, NZZ, Mittagsausgabe 5. September 1962, Blatt 3, Seite C9