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Dassel (Patriziergeschlecht)

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Wappen derer von Dassel.

Dassel (bis ins 20. Jahrhundert besitzbedingt auch von Dassel-Wellersen) ist der Name eines niedersächsischen Adelsgeschlechts, das sich nach der Stadt Dassel, dem Stammsitz der ausgestorbenen Grafen von Dassel nennt. Das Geschlecht lässt sich bis in das 13. Jahrhundert zurückverfolgen und verzweigte sich seitdem mehrfach. Bedeutendster Zweig war ein in Lüneburg ansässiges Patriziergeschlecht.

Das Geschlecht erscheint erstmals urkundlich um 1230 mit Hermannus de Dasle im Gefolge der Grafen von Dassel.[1] Am 29. Juli 1348 wird Mechthildis, die Tochter des Ritters Hermann von Dasle, urkundlich erwähnt.[2] Die von Dassel erarbeiteten sich im 14. und 15. Jahrhundert im Umland von Einbeck umfangreichen Lehens- und Allodialbesitz. Die ununterbrochene Stammreihe beginnt mit dem Einbecker Bürger Hermannus de Dasle, der 1359 als Käufer in Hoppensen genannt wird.[3]

Die Familie errichtete 1600 in Einbeck ein großes Bürgerhaus, dessen 1317 erbauter Vorgängerbau 1540 abgebrannt war. Dieses Steinerne Haus bewohnten Familienmitglieder über mehrere Generationen. Es wurde 1803 von Forstmeister Friedrich Thedel von Dassel († 1837), Maire in Rotenkirchen, an einen Kaufmann namens Krome verkauft. Im Hinterhof des Hauses betrieben die Söhne des Kaufmanns ab 1866 eine Weberei. Nach einem technischen Defekt brannten Weberei und Haus 1906 ab.

Die Linie Lüneburg kam durch Tätigkeiten an der Lüneburger Saline zu finanziellem Erfolg und dadurch auch zu politischem Einfluss. Sie besaß ein großes Patrizierhaus[4] und starb im 19. Jahrhundert aus.

Zudem war zeitweise ein Zweig derer von Dassel in Riga ansässig, wo sich im Silberschatz der Schwarzhäupter ihr Wappen auf einem Prunkstück von 1676 erhalten hat.[5]

Seit 1900 besteht ein Familienverein und hält schon vor dieser Zeit[6] Familientage ab. 1925 erfolgte seitens eines Ausschusses für adelsrechtliche Fragen in Berlin eine Bestätigung zur Wiederaufnahme in die Gothaischen Taschenbüchern in der Abteilung A, Uradel, als Adelsmatrikel; womöglich im Zusammenhang mit dem Ursprung als eigentliche Patrizierfamilie. Die Genealogie wurde aber schon zuvor dort publiziert.

Auszug aus der Stammliste mit Wohnort:

Hermann von Dassel ⚭ Mya Junge, Ahnherr Derer von Dassel, Einbeck

  1. Dietrich von Dassel († 1444) ⚭ Mette von Uslar, Einbeck
    1. Drudeke von Dassel, Kloster Höckelheim, Nonne
    2. Dietrich II. von Dassel († 1490) ⚭ Mette von Junge, Ahnherr des Lüneburger Zweiges, Ratsherr in Lüneburg
      1. Albrecht von Dassel († 1506) ⚭ Sophie von Stöteroggen, Lüneburg
        1. Dietrich III. von Dassel ⚭ Gesche von Uslar, Einbeck
        2. Lutke von Dassel (1474–1537), Lüneburg, Bürgermeister
          1. Christoph von Dassel († 1569), Lüneburg
            1. Lutke III. von Dassel († 1609), Lüneburg, Bürgermeister
          2. Johannes von Dassel († 1575), Lüneburg
            1. Georg II. von Dassel († 1635), Lüneburg, Bürgermeister
          3. Lutke II. von Dassel († 1591), Lüneburg
            1. Hartwig von Dassel (1557–1608), Lüneburg, Rat
          4. Franz I. von Dassel († 1565), Lüneburg, Bürgermeister
            1. Johannes von Dassel († 1577), Einbeck, Mordopfer
          5. Georg I. von Dassel († 1569), Lüneburg
            1. Franz II. von Dassel († 1626), Einbeck, Kanoniker in Bardowick
            2. Georg III. von Dassel († 1626), ⚭ Dorothea Raven († 1588), ⚭ Ilse von Vahlberg, Gründer von Hoppensen
              1. Georg Jeremias von Dassel († 1667) ⚭ Eva Heistermann von Ziehlberg († 1667)
                1. Johann Gottfried Christoph († 1696), Wellersen
                2. Heinrich Jeremias († 1709), Einbeck, Hoppensen

Eine urkundliche Erwähnung im Jahr 1334 eines Dieterich von Dassel, Kanoniker im Merseburger Dom, ließ sich nicht in diese Stammliste einfügen.[7] Gleiches gilt für einen 1298 in Rostock beurkundeten Johann von Dassel.[8]

1639 erwarb Georg Jeremias von Dassel auf Hoppensen das Nachbargut in Wellersen, einem landtagsfähigen Rittergut,[9] welches bis in das 20. Jahrhundert hinein in Familienhand blieb[10] und dann später verkauft wurde. Am 30. November 1872 erging die preußische Genehmigung zur Namensführung von Dassel-Wellersen, solange das Rittergut Wellersen bei seiner Nachkommenschaft bleibt. Lonny von Griesheim, geborene von Dassel-Wellersen, lebte bis zu ihrem Tode 1970 in Wellersen.

Das Stammwappen zeigt in Silber einen roten Balken vor drei in ein Schächerkreuz gestellten grünen Lindenblättern.[11] Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender dreiblättriger Lindenzweig zwischen zwei je mit einem roten Balken belegten silbernen Büffelhörnern.[12]

Ratsherr Albrecht von Dassel. Bildindex der Kunst und Architektur, Objekt 30150790.

Bekannte Familienmitglieder

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Stiftungen der Familie von Dassel

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Ende des 19. Jahrhunderts bestanden bereits drei Stiftungen, deren Bestimmungen auf die Familie von Dassel zurückgehen. Dazu zählten die Patriotische Stipendienkasse in Lüneburg,[15] für Kloster Medingen eine Stiftung für weibliche Mitglieder der Lüneburger Patrizierfamilien sowie die so genannte Hundt’sche Stiftung für Studenten aus der Familie von Dassel auf Hoppensen.[16] Des Weiteren entstand durch den 1908 verstorbenen Hauptmann, zuletzt Major, Otto von Dassel,[17] der auch als Genealoge wirkte, eine O. v. Hassel-Stiftung, zum 1. Oktober 1910. O. von Hassel war Autor der eigenen Familiennachrichten und vor allem Herausgeber[18] der Familiengeschichtlichen Blätter, einer Monatsschrift zur Förderung der Familiengeschichtsforschung unter der Begleitung der Leipziger Zentralstelle für deutsche Personen- und Familiengeschichte, welche heute als Deutsche Zentralstelle für Genealogie (DZfG) besteht.

  • Otto von Dassel: Mittheilungen an die Mitglieder der Familie von Dassel. Jahrgang 1889. Familienzeitung Nr. 1. J. C. F. Pickenhahn u. Sohn, Chemnitz, Nr. 1.1889/(1892)-3.1891. Voll-Titel-Digitalisat
  • Otto von Dassel: Bericht über das Geschlecht von Dassel. Familienzeitung, Chemnitz, Nr. 4.1892(1893)-9.1899. Digitalisat Digitalisat
  • Hermann von Dassel: Bericht über den sechsten Geschlechtstag der Familie von Dassel. Hamburg, den 12. Juni 1903. In: O. von Dassel (Hrsg.): Familiengeschichtliche Blätter für adelige und bürgerliche Geschlechter. Jg. 1, Nr. 1 u. 2, Richard Oschatz-Chemnitz, Dresden, den 15. Juli 1903, S. 21 f. Digitalisat (Mit: Veränderungen in der Fam. v. Dassel)
  • Deutsches Adelsarchiv: (Hrsg.):
    • Hans Friedrich von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Jürgen von Flotow, Walter von Hueck: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A. (Uradel). 1960. Band IV, Band 22 der Gesamtreihe GHdA, C. A. Starke, Limburg (Lahn) 1960, S. 247 ff.
    • Walter von Hueck: Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon. Band II, Band 58 der Gesamtreihe GHdA, C. A. Starke, Limburg (Lahn) 1974, S. 423.
    • Walter von Hueck: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A. (Uradel). 1996. Band XXIV, Band 111 der Gesamtreihe GHdA, C. A. Starke, Limburg (Lahn) 1996, S. 30 ff.
  • Deutsche Adelsgenossenschaft (Hrsg.), Marcelli Janecki (Red. zug.): Jahrbuch des Deutschen Adels. Band 3, Vaterländische Verlagsanstalt- W. T. Bruer, Berlin 1899, S. 100. (Digitalisat) und S. 112. (Digitalisat)
  • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch, (GGT) (Redaktion u. Druck jew. im Vorjahr/wechs. Titelnamen), Auszug:
    • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel. 1900. Jg. 1, Justus Perthes, Gotha Jan. 1900, S. 212 ff.; ff. Ausgabe GGT/A 1905. Jg. 6, Gotha 1904.; GGT/Deutscher Uradel. 1920. Jg. 21, Gotha 1919, S. 191 ff.; Des Weiteren:
    • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. (A/Uradel). 1934. Jg. 33, Gotha 1933, S. 161 ff.
    • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D. A. G. Teil A (Uradel). 1942. Jg. 41, Gotha 1941, S. 142 ff. (Letztausgabe).
  • E. von Mosch: Familie von Dassel. In: E. von Mosch: Deutsches Adelsblatt. Wochen-Schrift für die Aufgaben des christlichen Adels. Jg. XII, №. 4, Art. Geschlechter- und Wappenkunde. F. Spiethoff, Verlag d. gemeinnützigen Aktiengesellschaft Pionier, Berlin, Sonntag, den 28. Januar 1894, S. 68 f.
  • Ernst Voß:
    • Das Lüneburger Inventarverzeichnis der Familie von Dassel. In: Einbecker Jahrbuch. Band 39, Einbeck 1988, S. 111–128.
    • Das Steinerne Haus. In: Einbecker Jahrbuch. 46, Einbeck 1999, S. 5–42.
  • Hans-Jürgen von Witzendorff: «Stammtafeln Lüneburger Patriziergeschlechter»: Lfg. 1 b. 4, «von Dassel». Verlag Reise, Göttingen 1952, S. 25 f.
Commons: Dassel family (I) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Mecklenburgisches Urkundenbuch 1, Nr. 383.
  2. Originalurkunde im Staatsarchiv Münster.
  3. Freise: Urkunden-Auszüge der Stadt Einbeck. Einbeck 1959, Nr. 298.
  4. Giebelbekrönung, 1709 (Memento vom 28. März 2010 im Internet Archive)
  5. Otto von Dassel: Die Patrizierfamilie Dassel in Riga. In: Der Deutsche Herold. Zeitschrift. Jahrgang 24-1893, Hrsg. Herold (Verein), Berlin 1893, S. 134–135.
  6. R. von Mosch: Deutsches Adelsblatt. Wochen-Schrift für die Aufgaben des christlichen Adels. VIII. Jahrgang 24-№. 11, Verlag Goedicke & Gallisek, Berlin, Sonntag, den 16. März 1890, S. 179.
  7. Leopold von Ledebur 8hRSG:9: Neues allgemeines Archiv für die Geschichtskunde des Preußischen Staates. Band 3, E. S. Mittler, Berlin / Bromberg / Posen 1836, S. 88.
  8. Verein für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde: Mecklenburgisches Urkundenbuch. Band 4, Schwerin 1867, S. 49.
  9. Hector Wilhelm Heinrich Mithoff: Kunstdenkmäler und Alterthümer im Hannoverschen. Band 2: Fürstenthümer Göttingen und Grubenhagen nebst dem hannoverschen Theile des Harzes und der Grafschaft Hohnstein. Helwing’sche Hofbuchhandlung, Hannover 1873, S. 199.
  10. Vgl. August Seidensticker: Rechts- und Wirtschafts-Geschichte norddeutscher Forsten besonders im Lande Hannover. Band 1: Bausteine. Dieterich’sche Univ.-Buchhandlung (L. Horstmann), Göttingen 1896, S. 259.
  11. Max von Spießen: Wappenbuch des Westfälischen Adels. Band 2, 1901 (hhu.de).
  12. Alexander von Dachenhausen: Genealogisches Taschenbuch des Uradels. Band 1. Friedrich Irrgang, Brünn 1891, S. 139 (hhu.de).
  13. Johann Ludolph Lyssmann: Historische Nachricht von dem Ursprunge, Anwachs und Schicksalen des im Lüneburgischen Herzogthum belegenen Closters Meding, dessen Pröbsten, Priorinnen und Abbatißinnen. 1772, S. 165.
  14. Johann Ludolph Lyssmann: Historische Nachricht von dem Ursprunge, Anwachs und Schicksalen des im Lüneburgischen Herzogthum belegenen Closters Meding, dessen Pröbsten, Priorinnen und Abbatißinnen. 1772, S. 167.
  15. Ad. M. Hildebrandt (Red./ Hrsg.): Der Deutsche Herold. Zeitschrift. Jahrgang XXII, N. 11, Hrsg. Herold (Verein), J. Sittenfeld-C. Heymanns Verlag-Selbstverlag, Berlin, November 1891, S. 157.
  16. Alfred August Baron von Eberstein, Botho Freiherr von Eberstein: Handbuch für den Deutschen Adel. (2 Bände), Band 2 (II), Theil 2: Hand- und Adressbuch der Stiftungen. Hrsg. Emil von Maltitz-Berlin, Mitscher & Röstell, Berlin 1892, S. 104. Nr. 50.
  17. Karl Dieckmeyer: Zeitschrift für Bücherfreunde. Organ der Gesellschaft der Bibliophilen. Beiblatt; XII. Jahrgang-Zehntes Heft, Beiblatt von J. P. Bachem-Köln, George Westermann-Braunschweig, Velhagen & Klasing, Bielefeld / Leipzig 1909, S. 1.
  18. Eduard Heydenreich: Handbuch der praktischen Genealogie. (2 Bände), Band I. 2. Auflage, Einleitung: Karl Lamprecht, Hrsg. Zentralstelle für deutsche Personen- und Familiengeschichte Leipzig, Herrmann A. L. Degener, Leipzig 1913, DNB 366187295, u. a. S. 151, S. 162, S. 190, S. 196.