Datolith

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Datolith
Datolite-436096.jpg
Farbloser bis weißer Datolith aus der Grube Kuhlenberg, Silbach, Winterberg, Sauerland
Allgemeines und Klassifikation
Andere Namen
  • Calciumboratosilikat[1]
  • prismatischer Distomspat[1]
Chemische Formel CaB[OH|SiO4] (oder auch CaB[4][OH|SiO4][2])
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
9.AJ.20 (8. Auflage: VIII/B.29)
54.02.01a.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m[3]
Raumgruppe P21/c (Nr. 14)Vorlage:Raumgruppe/14[2]
Gitterparameter a = 4,836 Å; b = 7,61 Å; c = 9,64 Å
β = 90,4°[2]
Formeleinheiten Z = 4[2]
Häufige Kristallflächen {100}, {001}, {110}, {111}, {011}, {012} und andere[4]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 5 bis 5,5
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,96 bis 3,00; berechnet: [3,00][5]
Spaltbarkeit keine
Bruch; Tenazität muschelig bis uneben
Farbe farblos, weiß, grau, gelb, grün, rosa bis rot[5]
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz, schwacher Harzglanz auf Bruchflächen
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,626[6]
nβ = 1,653 bis 1,654[6]
nγ = 1,670[6]
Doppelbrechung δ = 0,044[6]
Optischer Charakter zweiachsig negativ
Achsenwinkel 2V = 74°[6]
Weitere Eigenschaften
Besondere Merkmale blaue Fluoreszenz unter kurzwelligem UV-Licht

Datolith ist ein Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der chemischen Zusammensetzung CaB[OH|SiO4] und damit chemisch gesehen ein Calcium-Bor-Silikat, genauer ein Calciumboratosilikat[1] mit Hydroxidionen als zusätzlichen Anionen.

Datolith kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt kurzsäulige oder dicktafelige Kristalle von bis zu 12 Zentimetern Länge,[5] findet sich aber oft auch in Form traubiger bis kugeliger, körniger oder massiger Mineral-Aggregate. Unverletzte bzw. unverwitterte Kristallflächen weisen einen glasähnlichen Glanz auf, Bruchflächen schimmern dagegen eher schwach harzähnlich. In reiner Form ist Datolith farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch durchscheinend weiß sein und durch Fremdbeimengungen eine graue, gelbe, grüne oder rosa bis rote Farbe annehmen.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Datolith setzt sich zusammen aus dem griechischen Wort δατέομαι [detéomai] für „teilen oder verteilen“ und λίθος [lítʰos] für „Stein“ und nimmt Bezug auf bereitwillige Teilbarkeit der oft vorkommenden, bröckeligen Mineral-Aggregate.[7]

Erstmals entdeckt und beschrieben wurde das Mineral 1805 von Jens Esmark (1763–1839)[8] in der Grube „Nødebro“ bei Arendal in der norwegischen Fylke (Provinz) Aust-Agder.

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Datolith zur Abteilung der „Inselsilikate mit tetraederfremden Anionen (Neso-Subsilikate)“, wo er zusammen mit Bakerit, Calcybeborosilit-(Y), Gadolinit-(Ce), Gadolinit-(Y), Hingganit-(Ce), Hingganit-(Y), Hingganit-(Yb), Homilit und Minasgeraisit-(Y) die „Datolith-Gadolinit-Gruppe“ mit der System-Nr. VIII/B.29 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Datolith ebenfalls in die Abteilung der „Inselsilikate (Nesosilikate)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit weiterer Anionen und der Koordination der beteiligten Kationen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Inselsilikate mit BO3-Dreiecken und/oder B[4], Be[4]-Tetraedern, eckenteilend mit SiO4“ zu finden ist, wo es zusammen mit Bakerit, Calcybeborosilit-(Y), Gadolinit-(Ce), Gadolinit-(Y), Hingganit-(Ce), Hingganit-(Y), Hingganit-(Yb), Homilit, Melanocerit-(Ce) und Minasgeraisit-(Y) die unbenannte Gruppe 9.AJ.20 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Datolith in die bereits feiner unterteilte Abteilung der „Inselsilkate: Borosilikate und einige Beryllosilikate mit (BO3)“ ein. Hier ist er als Namensgeber der „Datolithgruppe (Datolith-Reihe)“ mit der System-Nr. 54.02.01a und den weiteren Mitgliedern Hingganit-(Ce), Hingganit-(Y), Hingganit-(Yb) und Calcybeborosilit-(Y) innerhalb der Unterabteilung „Inselsilkate: Borosilikate und einige Beryllosilikate mit B in [4]-Koordination“ zu finden.

Kristallstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Datolith kristallisiert monoklin in der Raumgruppe P21/c (Raumgruppen-Nr. 14)Vorlage:Raumgruppe/14 mit den Gitterparametern a = 4,836 Å, b = 7,61 Å, c = 9,64 Å und β = 90,4° sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[2]

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor dem Lötrohr schmilzt Datolith unter Aufschäumen zu einer klaren Perle und färbt die Flamme grün. In Salzsäure nimmt er eine gelatineartige Konsistenz an.[9]

Unter kurzwelligem UV-Licht zeigen manche Datolithe eine blaue Fluoreszenz.[5]

Modifikationen und Varietäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Botryolith (auch Faserdatolith[1]) ist eine traubenförmige Varietät von Datolith.[10]

Als Haytorit wird eine Pseudomorphose von Chalcedon nach Datolith bezeichnet.[1]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gelblichgrüner Datolith mit Pyrit aus Charcas, San Luis Potosí, Mexiko (Größe: 13,9 × 10,1 × 7,2 cm)

Datolith bildet sich entweder in metamorphen Gesteinen oder durch hydrothermale Vorgänge, findet sich aber auch in vulkanischem Gestein, auf Erzgängen, in Pegmatiten oder auf Amethyst im Innern von Chalcedonkugeln. Als Begleitminerale treten unter anderem Axinit, Calcit, Danburit, Granate, Prehnit, Zeolithe auf.

Als eher selten vorkommende Mineralbildung kann Datolith an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Bekannt sind bisher (Stand: 2012) rund 460 Fundorte.[6] Gefunden wurde das Mineral unter anderem an folgenden Fundstätten: Tasmanien (Colebrook Hill) bei Australien; Hubei, Yunnan und Zhejiang in China; in vielen Regionen von Deutschland (unter anderem Sankt Andreasberg und Niederkirchen (Westpfalz)); Elsass und Lothringen in Frankreich; England und Schottland in Großbritannien; Italien; Hokkaidō, Kyūshū und Shikoku Japan; Kasachstan; Ontario (Hastings County) und Québec (Argenteuil County) in Kanada; Meknès-Tafilalet und Souss-Massa-Daraâ in Marokko; Guanajuato und San Luis Potosí in Mexiko; Namibia (Omaruru); Neuseeland (North Island); Nordkorea; unter anderem auf Magneterzlagern im Gneis bei Arendal in Norwegen; Salzburg (Hohe Tauern), Steiermark (Eibegggraben) und Tirol (Tauerntal, Theiß) in Österreich; Polen; einige Regionen in Russland; Schweden; Schweiz (Grischun und Wallis); Slowakei; Spanien; Südafrika; Tadschikistan; Ukraine; Ungarn; viele Regionen in den USA (unter anderem Connecticut und Bergen Hill); sowie in Böhmen und Mähren in Tschechien.[11]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • M. H. Klaproth: Chemische Untersuchung des Datoliths. In: Neues Allgemeines Journal der Chemie. Band 6, 1806, S. 107–110 (online verfügbar bei rruff.info [PDF; 255 kB; abgerufen am 12. März 2019]).
  • F. F. Foit, M. W. Phillips, G. V. Gibbs: A refinement of the crystal structure of datolite, CaBSiO4(OH). In: American Mineralogist. Band 58, 1973, S. 909–914 (englisch, 719 [PDF; abgerufen am 12. März 2019]).
  • Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie (= Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S. 208.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Datolite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Alte Mineralnamen und Synonyme bei indra-g.at: Datenbanken Mineralogie, Geologie etc. (PDF 2,65 MB)
  2. a b c d Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 562.
  3. David Barthelmy: Datolite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 12. März 2019 (englisch).
  4. Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 701.
  5. a b c d Datolite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org [PDF; 75 kB; abgerufen am 12. März 2019]).
  6. a b c d e f Datolite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 12. März 2019 (englisch).
  7. Hans Lüschen: Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. 2. Auflage. Ott Verlag, Thun 1979, ISBN 3-7225-6265-1, S. 200.
  8. Esmark (Esmarch), Jens. (1763–1839). In: mineralogicalrecord.com. The Mineralogical Record, abgerufen am 12. März 2019.
  9. Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 685.
  10. R. V. Dietrich: Datolite. In: stoneplus.cst.cmich.edu. GemRocks, 20. Februar 2015, abgerufen am 4. Juni 2020.
  11. Localities for Datolite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 12. März 2019 (englisch).