Dauphiné

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Dieser Artikel beschreibt die französische Landschaft Dauphiné. Weitere Bedeutungen unter Dauphine.
Wappen der Dauphiné
Lage der ehemaligen Provinz Dauphiné

Die (oftmals auch im Neutrum das) Dauphiné (frz. le Dauphiné) ist eine Landschaft im Südosten Frankreichs zwischen Rhône und italienischer Grenze, südlich von Savoyen und nördlich der Provence.

Geographie[Bearbeiten]

Bekannte Gegenden sind die Dauphiné-Alpen mit dem Pelvoux, das von den Tälern der Romanche, der Durance und des Drac begrenzt wird und deren Voralpen mit den regionalen Naturparks Vercors und Chartreuse. Sie sind touristisch gut erschlossen, während die flachere Niederdauphiné (Bas-Dauphiné) südöstlich von Lyon stärker landwirtschaftlich genutzt wird.

Die größten Städte der Dauphiné sind Grenoble (als Ballungsraum über 500.000 Einwohner), das am Südrand gegen die Provence liegende Gap und westlich des Vercors die Stadt Valence.

Die Dauphiné entspricht den heutigen Départements Isère, Drôme und Hautes-Alpes. Der Delfin ist heute noch das Symbol der Isère.

Wappen[Bearbeiten]

Beschreibung: Im Blau und Gold gevierten Wappen drei goldene Lilien und ein blauer rotgeflosster Delfin.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Dauphiné geht auf einen weitgehend eigenständigen Feudalstaat zurück, der sich zwischen dem 11. und dem 14. Jahrhundert herausbildete und dessen teils französisch-, teils okzitanischsprachige Territorien ehemals zum Königreich Burgund, dann zum Reich der Franken, danach zum Mittelreich Lotharingen und schließlich zum Heiligen Römischen Reich gehörten. Ihr Name leitet sich von dem Titel Dauphin her, den seine Fürsten traditionell führten. 1349 verkaufte der kinderlose letzte Dauphin Humbert II., Gründer der Universität Grenoble, die Dauphiné dem französischen Thronfolger Karl, dankte ab und wurde Dominikaner. Der Vertrag bestimmte die Dauphiné zur Apanage des jeweiligen Thronfolgers, womit es faktisch Teil des Königreichs Frankreich wurde. Daher stammt die Tradition, dass der jeweilige französische Kronprinz bei seiner Geburt die Dauphiné und damit den Titel Dauphin erhielt (ähnlich wie der englische Kronprinz traditionell „Prince of Wales“ (was nicht „Prinz“, sondern „Fürst“ von Wales (als „Principality“ = Fürstentum) bedeutet) und der spanische Kronprinz traditionell „Fürst von Asturien“ ist).

1356 leistet der neue Dauphin Kaiser Karl IV. den Lehenseid. Sein Sohn, der spätere französische König Karl VI., wurde 1378 zum Reichsvikar für das Königreich Burgund ernannt. Ein Jahrhundert später wurde die Dauphiné der Krondomäne (Domaine royal) einverleibt und hörte damit auch de jure auf, Teil des römisch-deutschen Reichs zu sein.

Die Dauphiné ist eine der Wiegen der Französischen Revolution. Schon 1763 begann sie, sich gegen die königlichen Steuern aufzulehnen und ihre regionalen Freiheitsrechte zu schützen. 1788 verteidigten die Bewohner von Grenoble ihr Parlament am Tag der Ziegel erfolgreich gegen königliche Truppen, welche die Anordnung König Ludwig XVI. durchsetzen sollten, alle souveränen Gerichtshöfe des Königreichs zu schließen und durch neue, weisungsgebundene hohe Gerichte zu ersetzen. Bis 1791 noch hielt sich das Parlament alter Art, dann wurde es ohne Widerstand durch die Revolution aufgelöst. In diesem Jahr wurde die Dauphiné in die drei Départements Isère, Drôme und Hautes-Alpes aufgeteilt.

Im Zweiten Weltkrieg machte der deutsche Vormarsch 1940 an der Isère halt, und die Dauphiné wurde nach dem Waffenstillstand Teil der unbesetzten „freien Zone“ Frankreichs (zone libre), die zu einem nicht unerheblichen Teil von italienischen Truppen besetzt war. Als sich nach dem Fall von Stalingrad die deutsche Niederlage abzuzeichnen begann, wurden Teile der Dauphiné, vor allem das unzugängliche Massiv des Vercors, zu einer der wichtigsten Bastionen der nun wachsenden Widerstandsbewegung Résistance. Im Juni 1944, nach der Invasion der Alliierten in der Normandie, versuchten freiwillige paramilitärische Verbände, die von den Alliierten aus der Luft mit Waffen und Material versorgt wurden, deutschen Truppen den Weg nach Norden zu verlegen. Sie wurden daraufhin von zwei Gebirgsjägerdivisionen eingeschlossen und in harten Kämpfen aufgerieben.

Bekannte Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Henry Beyle, bekannt unter seinem Pseudonym Stendhal. In seinem Roman "Das Leben des Henry Brulard" beschreibt er seine Kindheit und Jugend in Grenoble.
  • Pierre du Terrail, Chevalier de Bayard, der "Ritter ohne Furcht und Tadel", der in den italienischen Kriegen des 15. Jahrhunderts wegen seiner vorbildlichen Tapferkeit bekannt wurde.
  • Louis François de Monteynard, Generalleutnant und französischer Kriegsminister unter Ludwig XV.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dauphiné – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien