Dautphe (Dautphetal)

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Dautphe
Gemeinde Dautphetal
Wappen von Dautphe
Koordinaten: 50° 51′ 28″ N, 8° 32′ 35″ O
Höhe: 288 (250–400) m ü. NHN
Fläche: 7,37 km²[1]
Einwohner: 2282 (30. Jun. 2016)[2]
Bevölkerungsdichte: 310 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 35232
Vorwahl: 06466
Karte
Lage von Dautphe in der Gemeinde Dautphetal
Dautphe von Südwest. Leicht rechts der Mitte die Kirche. Im Hintergrund unterhalb des markanten Bergsattels ist Kombach zu erkennen
Dautphe von Südwest. Leicht rechts der Mitte die Kirche. Im Hintergrund unterhalb des markanten Bergsattels ist Kombach zu erkennen
Luftaufnahme Dautphe
Blick auf Dautphe von Süden

Der Ortsteil Dautphe gehört zur Großgemeinde Dautphetal im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf und ist mit etwa 2300 Einwohnern der größte Ortsteil der Gemeinde. Hier befindet sich mit der Gemeindeverwaltung auch das Zentrum der Gemeinde. Die Mittelzentren Biedenkopf und Gladenbach liegen 6 km und 10 km entfernt, das zugehörige Oberzentrum Marburg etwa 20 km. Im Volksmund lautet der Ortsname Dauweroff oder Dauroff.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dautphe liegt im Westen des Landkreises Marburg-Biedenkopf in den Ausläufern des Rheinischen Schiefergebirges im Tal des namensgebenden Flusses Dautphe, welcher im Nachbarort Friedensdorf in die Lahn mündet. Umgeben wird Dautphe im Nordwesten und Norden von den Nebengipfeln des Schwarzenberg, wozu auch die höchste Erhebung der Gemeinde, der Nimerich (522 m), gehört. Nach Ost-Südost hin öffnet sich das Dautphetal zum Lahntal hin.

Dank ruhiger aber noch verkehrsgünstiger Lage im Hinterland ist Dautphe ein attraktiver Wohnort: Die zweite Kreisstadt Biedenkopf ist etwa 6 km entfernt, Gladenbach etwa 10 km und Dillenburg ist etwa 30 km entfernt. Das 45 km entfernte Gießen ist in einer Stunde zu erreichen, Frankfurt am Main ist 110 km entfernt.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dautphe liegt im warm-gemäßigten Regenklima der mittleren Breiten. Die mittlere Tagesmitteltemperatur beträgt im Sommer ca. 15–17 °C und im Winter ca. -1 °C bis 1 °C. Die mittlere Niederschlagshöhe im Bereich Dautphe liegt bei etwa 800-1000 mm.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort Dautphe wurde erstmals 791 als Dudafhero marca [(2. H. XII) Lorscher Codex, Nr. 3585. 780/800], also als Mark Dautphe erwähnt. In erhaltenen Urkunden wurde Dautphe unter den folgenden Ortsnamen erwähnt:[1] 1238 Dudephe (auch 1457), 1238 Cent Dudusse, 1249 Thudefe, 1356 Dudiffe, 1412 Dedeffe, 1435 Düdephe und Dydophe, 1493 Dutffe, 1507 Tutfe und Dutph, 1520 Dutphe, 1629 und 1711 Dautphe und 1705 Tautphe.

Die Martinskirche von Dautphe. Im Hintergrund der zur Gemeinde Biedenkopf gehörende Ort Kombach

Die denkmalgeschützte Martinskirche wurde um 1100 als einschiffige, romanische Saalkirche errichtet und im 12. Jahrhundert durch einen abgetrennten Westteil, den sogenannten Wendelstein, erweitert. Im 13. Jahrhundert wurde der frühgotische Chorturm angebaut.

Der Ort war auf Grund seiner Industrie auch Ziel eines Flugzeugangriffs im Zweiten Weltkrieg. Sein Aussehen veränderte sich nach dem Zweiten Weltkrieg deutlich. Wo bis zu dieser Zeit neben kleinerer Industrie die Landwirtschaft für den Lebensunterhalt der meisten Bewohner sorgte, bilden mittlerweile oft die nahegelegenen Industrien die Lebensgrundlage der Einwohner.

Am 1. Juli 1974 wurde Dautphe nach Dautphetal eingemeindet.[3]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Dautphe unterstand im Überblick:[4][1]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1967 sind:[1]

1577: 37 Hausgesesse
1630: 35 Hausgesesse (1 dreispännige, 12 zweispännige, 6 einspännige Ackerleute, 16 Einläuftige).
1677: 3 Freie, 27 Hausgründe, 3 Witwen, 13 ledige Personen.
1742: 71 Haushalte
1830: 341 evangelische, 2 römisch-katholische Einwohner
1867: Erwerbspersonen: 113 Landwirtschaft, 1 Forstwirtschaft, 2 Bergbau und Hüttenwesen, 11 Gewerbe und Industrie, 1 Gesundheitspflege, 1 Erziehung und Unterricht, 1 Kirche und Gottesdienst.
1885: 490 evangelisch, 3 katholisch, Einwohner, 3 Juden
1961: 1189 evangelische, 353 römisch-katholische Einwohner. Erwerbspersonen: 131 Land- und Forstwirtschaft, 561 produzierendes Gewerbe, 51 Handel und Verkehr, 70 Dienstleistungen und sonstiges.
Dautphe: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
365
1840
  
415
1846
  
423
1852
  
414
1858
  
452
1864
  
478
1871
  
454
1875
  
507
1885
  
496
1895
  
537
1905
  
672
1910
  
745
1925
  
850
1939
  
917
1946
  
1.269
1950
  
1.290
1956
  
1.239
1961
  
1.602
1967
  
1.890
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Wappen und Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Dautphe
Blasonierung: „In Blau ein golden bewehrter silberner Adler, der in den Fängen zwei silberne Schilde mit je einem zugewendeten roten Löwen hält.“

Im März 1952 wurde der Gemeinde Dautphe durch das Hessische Staatsministerium das Recht zur Führung eines Wappens verliehen.[7]

Im Juni 1952 wurde der Gemeinde durch den Hessischen Minister des Innern die Führung einer Flagge in den Farben blau-weiß-blau mit Wappenschild genehmigt.[8]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einziger Ehrenbürger in der ehemaligen Gemeinde Dautphe wurde der Auswanderer Andreas Klingelhöfer am 13. September 1921. Am 26. November 1863 in Dautphe geboren, wanderte er mit seiner Frau Rose 1894 nach Chicago aus und spendete 1921 aus Verbundenheit zu seiner Heimat 2000 Mark für wohltätige Zwecke.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Huth: Dautphe: Herz einer geschichtlichen Kulturlandschaft. Hrsg.: Gemeindevorstand der Gemeinde Dautphe. 1973, DNB 861041690.
  • Martin Nassauer: Dautphe wie’s damals war – Ein Blick zurück in Dautphes vergangene Tage. 320 S., Festausschuss „1200 Jahre Dautphe“, 1990
  • Peter Schneider: Wolkenlücke brachte den Tod – 16. März 1945: Luftangriff auf Dautphe. In: Hinterländer Geschichtsblätter. Biedenkopf, 87. Jahrgang, Nr. 1, März 2008

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dautphe (Dautphetal) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Dautphe, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 9. Juni 2015)
  2. Einwohnerzahlen im Internetauftritt der Gemeinde Dautphetal, abgerufen im Oktober 2016
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 350 f.
  4. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  5. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins: vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 7 (bei google books).
  6. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 415 (online bei Google Books).
  7. Der Hessische Minister des Innern: Verleihung des Rechts zur Führung eines Wappens an die Gemeinde Dautphe im Landkreis Biedenkopf, Regierungsbezirk Wiesbaden. In: Staats-Anzeiger für das Land Hessen. Nr. 15, 31. März 1952, S. 281 (Scan [PDF]).
  8. Der Hessische Minister des Innern: Genehmigung zur Führung einer Flagge an die Gemeinde Dautphe im Landkreis Biedenkopf, Regierungsbezirk Wiesbaden. In: Staats-Anzeiger für das Land Hessen. Nr. 25, 10. Juni 1952, S. 473 (Scan [PDF]).