Friedensdorf (Dautphetal)

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Friedensdorf
Gemeinde Dautphetal
Koordinaten: 50° 51′ 6″ N, 8° 33′ 55″ O
Höhe: 268 (248–473) m ü. NHN
Fläche: 6,25 km²[1]
Einwohner: 1386 (2020)[2]
Bevölkerungsdichte: 222 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 35232
Vorwahl: 06466
Lage von Friedensdorf in Dautphetal
Luftaufnahme von Friedensdorf

Friedensdorf ist ein Ortsteil der Gemeinde Dautphetal im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 533 m hohe Schwarzenberg-Ableger Nimerich und Friedensdorf. Rechts im Hintergrund Biedenkopf und der 631 m hohe Sackpfeifen-Ableger Hainpracht

Friedensdorf liegt im nördlichen Teil der Gemeinde, etwa zwölf Kilometer westlich von Marburg. Der Ort bildet mit den Ortsteilen Dautphe, Wilhelmshütte und Wolfgruben das Zentrum der Großgemeinde Dautphetal.

Berge und Erhebungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der höchste Punkt des Gemeindeteils ist der 473 Meter hohe Schweinskopf im Süden, der niedrigste die Lahn bei der Schmelzmühle mit etwa 242 Meter über dem Meer. Im Südwesten des Ortes schließt sich der 452 Meter hohe Hornberg an, östlich des Hornberges liegt der 465 Meter hohe Eichelhardt. Zwischen diesen beiden Bergen liegt der Homberg, der ungefähr 390 Meter hoch ist. Im Westen des Ortes erhebt sich der 306 m hohe Hügel Auf der Breitenlohe, an dessen Südseite sich der Neue Friedhof befindet. Am Gipfel dieses Hornberg-Ablegers steht ein Kriegsdenkmal.

Flüsse, Bäche und Gewässer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Ort fließt die Dautphe, die im Nordwesten des Ortes, zwischen der Ortmühle und der Schmelzmühle, in die Lahn mündet. Von Süden her kommt ein Bach vom Roßberg, der in die Dautphe mündet. Im Flurstück Winterbach fließt der gleichnamige Winterbach vom Eckeberg aus Richtung Mornshausen kommend ebenfalls in die Dautphe, er mündet bei der Mittelpunktschule in den Fluss.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Boden besteht größtenteils aus verwittertem Schiefer. Am Eckeberg gibt es einen alten Basaltsteinbruch. Weitere Gesteinsvarietäten sind Diabas, Lehm und Grauwacke. Mineralien sind hauptsächlich Serpentin, Kalk und Hämatit (Eisenerz).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Friedensdorf erfolgte unter dem Namen Fridehelmisdorph im Jahr 1220 in einer Urkunde des Klosters Haina.[1]

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Reddighausen:

„Friedensdorf (L. Bez. Gladenbach) evangel. Filialdorf; liegt 212 St. von Gladenbach, hat 51 Häuser und 316 Einwohner, die außer 1 Kath. evangelisch sind, sodann 3 Mahlmühlen mit denen 2 Oelmühlen verbunden sind. In der Gemarkung wird besonders viel Weizen gebaut. Der Ort kommt in frühern Zeiten unter dem Namen Fredilnüstorf vor. Im Jahr 1615 soll hier Kupfererz gegraben worden seyn.“[3]

Zum 1. Juli 1974 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Friedensdorf im Zuge der Gebietsreform in Hessen mit 11 weiteren Gemeinden kraft Landesgesetz zur neuen Großgemeinde Dautphetal zusammengeschlossen.[4][5] Sitz der Gemeindeverwaltung wurde der Ortsteil Dautphe. Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden von Dautphetal wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnungeingerichtet.[6]

Territorialgeschichte und Verwaltung im Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Friedensdorf lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][7][8]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Friedensdorf 1377 Einwohner. Darunter waren 118 (8,6 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 234 Einwohner unter 18 Jahren, 597 zwischen 18 und 49, 279 zwischen 50 und 64 und 267 Einwohner waren älter.[14] Die Einwohner lebten in 528 Haushalten. Davon waren 114 Singlehaushalte, 150 Paare ohne Kinder und 201 Paare mit Kindern, sowie 42 Alleinerziehende und 18 Wohngemeinschaften. In 114 Haushalten lebten ausschließlich Senioren/-innen und in 339 Haushaltungen lebten keine Senioren/-innen.[14]

Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle: Historisches Ortslexikon[1]
• 1577: 23 Hausgesesse
• 1630: 28 Hausgesesse (3 dreispännige, 4 zweispännige, 11 einspännige Ackerleute, 10 Einläuftige), 3 Witwen.
• 1677: 01 Freier, 31 Hausgründe, 6 Witwen, 10 ledige Personen
• 1742: 52 Haushalte
• 1791: 244 Einwohner[15]
• 1800: 257 Einwohner[16]
• 1806: 274 Einwohner, 45 Häuser[12]
• 1829: 316 Einwohner, 51 Häuser[3]
Friedensdorf: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2018
Jahr  Einwohner
1791
  
244
1800
  
?
1830
  
316
1834
  
310
1840
  
318
1846
  
354
1852
  
371
1858
  
391
1864
  
434
1871
  
407
1875
  
422
1885
  
458
1895
  
471
1905
  
550
1910
  
616
1925
  
719
1939
  
787
1946
  
1.139
1950
  
1.168
1956
  
1.154
1961
  
1.209
1967
  
1.305
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2007
  
1.427
2011
  
1.377
2016
  
1.367
2018
  
1.386
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: LAGIS[1]; 1791:[15]; nach 1970: Gemeinde Dautphetal (webarchiv); Zensus 2011[14]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle: Historisches Ortslexikon[1]
• 1829: 0315 evangelische, ein römisch-katholischer Einwohner
• 1885: 0455 evangelische, keine katholischen (= 99,34 %), 3 anderes christliche-konfessionelle (= 0,66 %) Einwohner
• 1961: 1090 evangelische (= 90,16 %), 116 römisch-katholische (= 9,59 %) Einwohner

Erwerbstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle: Historisches Ortslexikon[1]
• 1867: Erwerbspersonen: 78 Landwirtschaft, 10 Bergbau und Hüttenwesen, 1 Erziehung und Unterricht, 1 Gemeindeverwaltung.
• 1961: Erwerbspersonen: 141 Land- und Forstwirtschaft, 331 produzierendes Gewerbe, 53 Handel und Verkehr, 58 Dienstleistungen und Sonstiges.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbeirat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsbeirat wird von Ortsvorsteher Rolli Messerschmidt (BLF) angeführt. Seine Stellvertreterin ist Heidrun Bamberger (BLF).

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 29. Januar 1958 genehmigte der Hessischen Minister des Innern das Wappen mit folgender Beschreibung:

Wappen von Friedensdorf
Blasonierung: „In Schwarz über einem goldenen Dachfirst eine fliegende weiße Taube mit einem Ölbaumzweig im Schnabel; Schabel und Füße sind rot.“[17]

Entgegen der offiziell genehmigten Version des Wappens, wird lokal auch eine Darstellung mit abweichender Tingierung geführt („Über rot geschupptem Schildfuß mit Dachfirst in Schwarz eine fliegende silberne Taube mit grünem Zweig im Schnabel.“)

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heimatmuseum
  • Kriegsdenkmal in der Nähe des Friedhofs
  • Alte ev. Kirche (umgebaut von Kirchenbaumeister Ludwig Hofmann)
  • Alter Friedhof

Das Haus Heck aus Friedensdorf wurde in den Hessenpark transloziert.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Friedensdorf (Lahn) liegt an der Bahnstrecke Kreuztal–Cölbe. Hier verkehren Züge der Kurhessenbahn. Des Weiteren liegt Friedensdorf am Lahntal-Radweg. Die regionale Buslinie 481, die lokalen Buslinien MR-51, MR-52, die Schulbuslinien 41, 53 und 57 sowie die Rufbusse AST 50 und 51 fahren den Ort an. Das Dorf wird durchquert von der Landesstraße 3042 (Lahnstraße), welche die Bundesstraßen 62 und 453 verbindet.

Freizeitmöglichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sportplatz
  • Kinderspielplätze
  • Hallenbad im Bürgerhaus

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsteil verfügt mit der Dautphetalschule über eine Mittelpunktschule mit den Zweigen Grund-, Haupt- und Realschule sowie mit der Burgbergschule eine Schule für Lern- und Erziehungshilfe. In unmittelbarer Nähe dieser Schulen steht eine Mehrzweckhalle, die Hinterlandhalle. Neben der Nutzung als Sporthalle für den Schulsport und die Vereine der Gemeinde finden hier regelmäßig größere Veranstaltungen, wie Messen oder Vorträge, statt. Weitere Einrichtungen sind das Bürgerhaus, ein Hallenschwimmbad, ein Kindergarten, die neue evangelische Kirche, Friedhof und ein Heimatmuseum.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heimat- und Verschönerungsvereins Friedensdorf e. V. (Hrsg.): Chronik Friedensdorf. Dautphetal 2002
  • Literatur über Friedensdorf nach Register nach GND In: Hessische Bibliographie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Friedensdorf (Dautphetal) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g Friedensdorf, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Ortsteile der Gemeinde: Friedensdorf. In: Webauftritt. Gemeinde, abgerufen im Oktober 2021.
  3. a b Georg Wilhelm Justin Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt August 1830, OCLC 312528126, S. 78 (Online bei google books).
  4. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Biedenkopf und Marburg und der Stadt Marburg (Lahn) (GVBl. II 330-27) vom 12. März 1974. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 9, S. 154, § 20 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,0 MB]).
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 350 f.
  6. Hauptsatzung. (PDF; 88 kB) § 7. In: Webauftritt Dautphetal. Gemeinde, abgerufen im Oktober 2021.
  7. Michael Rademacher: Land Hessen. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: treemagic.org.
  8. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 13. G. Jonghause's Hofbuchhandlung, Darmstadt 1872, DNB 013163434, OCLC 162730471, S. 12 ff. (google books).
  9. Die Zugehörigkeit des Amtes Biedenkopf anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: Hessen-Marburg 1567–1604., Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt 1604–1638. und Hessen-Darmstadt 1567–1866.
  10. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, OCLC 165696316, S. 7 (Online bei google books).
  11. a b Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 13. G. Jonghause's Hofbuchhandlung, Darmstadt 1872, DNB 013163434, OCLC 162730471, S. 27 ff., § 40 Punkt 6d) (google books).
  12. a b Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1806. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1806, S. 240 (Online in der HathiTrust digital library).
  13. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 415 (online bei Google Books).
  14. a b c Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,0 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 26 und 66;.
  15. a b Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 185 (Online in der HathiTrust digital library).
  16. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1800. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1800, S. 197 (Online in der HathiTrust digital library).
  17. Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Friedensdorf im Landkreis Biedenkopf, Regierungsbezirk Wiesbaden vom 15. Februar 1958. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1958 Nr. 7, S. 206, Punkt 171 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF]).