David Groenewold

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David Groenewold (2012)

David Alexander Groenewold [ˈgroːnəˌwɔlt] (* 26. März 1973 in Berlin) ist ein deutscher Filmproduzent.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur an der Internatsschule Schloss Salem studierte Groenewold Politikwissenschaften und Volkswirtschaftslehre an der London School of Economics und beendete das Studium mit dem Bachelor.[1]

Danach arbeitete er als Praktikant bei der Late Show with David Letterman in New York, bei der Investmentbank Merrill Lynch in London und bei einer Unternehmensberatung und absolvierte ein weiteres Studium an der European Business School in Oestrich-Winkel, das er mit dem Titel Immobilienökonom (ebs) abschloss.[2]

Im Jahr 1997 gründete er in Berlin die Produktionsgesellschaft Promedium Gesellschaft für Medienfinanzierung mbH. Seit 2001 war er Geschäftsführer der German Filmproduction GmbH. Über die GFP Vermögensverwaltungs GmbH & Co, KG war David Groenewold mit 42 % indirekt an der Odeon Film beteiligt.[3]

Auch sein Vater Erich Groenewold, ein Steueranwalt, finanzierte vereinzelt Filme (Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo). Ein Bruder seines Vaters ist der Rechtsanwalt Kurt Groenewold.[4]

Am 12. April 2013 wurde Groenewold von der Staatsanwaltschaft Hannover angeklagt. Die Anklagepunkte lauten auf Vorwurf der Bestechlichkeit und Abgabe einer falschen Aussage unter Eid. Sein Freund, Bundespräsident a. D. Christian Wulff, wurde ebenfalls angeklagt.

Promedium Asset Management GmbH[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2010 verurteilte das Berliner Landgericht zivilrechtlich Groenewold zur Zahlung aus einer Bürgschaft von 250.000 Euro, zu zahlen an eine Kundin der Promedium Asset Management GmbH, an der er zu 50 % beteiligt war. Die Gesellschaft war spezialisiert auf Geldanlagen. Der Geschäftspartner Groenewolds hatte ohne Wissen Groenewolds die Kundin betrogen und Unterlagen gefälscht. Ein Großteil der anvertrauten Gelder konnte nicht zurückgezahlt werden. Groenewolds Geschäftspartner und Geschäftsführer der Gesellschaft wurde im Jahr 2007 wegen Untreue und Urkundenfälschung zu vier Jahren Gefängnis verurteilt.[5] Groenewold selber stand aber niemals unter Verdacht und wurde umfassend entlastet. Jedoch verklagte ihn eine Kundin, weil sie davon ausging, dass Groenewold ihr den entstandenen Schaden ersetzen würde. Die Parteien einigten sich auf einen Vergleich, der von Groenewold vollumfänglich bezahlt wurde.

Verbindungen zu Christian Wulff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen der Wulff-Affäre um Einladungen und Urlaubsreisen des ehemaligen Ministerpräsidenten des Landes Niedersachsen und Bundespräsidenten Christian Wulff wurden vielfältige Verflechtungen zwischen Wulff und Groenewold bekannt. Wegen des Anfangsverdachts der Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung nahm die Staatsanwaltschaft Hannover am 16. Februar 2012 staatsanwaltliche Untersuchungen auf und beantragte die Aufhebung der Immunität. Einen Tag später trat Christian Wulff von seinem Amt zurück.

Am 7. Juli 2005 lud Groenewold etwa 150 Gäste, darunter zahlreiche Filmschaffende, Schauspieler und Darstellerinnen, in die 'China Lounge' im Berliner Hotel Adlon zu einem festlichen Abendessen „zu Ehren des Ministerpräsidenten von Niedersachsen, Christian Wulff“. Anlass war die Verleihung des deutschen Filmpreises.[6] In seiner Tischrede fordert Wulff, ganz im Sinne des Gastgebers, den Erhalt der Steuerförderung für den deutschen Film.[7]

Ebenfalls im Jahr 2005 schaltete Groenewold in der Mitgliederzeitschrift der niedersächsischen CDU - Magazin für Niedersachsen - eine doppelseitige Anzeige für 20.000 Euro für den Film Erkan & Stefan in Der Tod kommt krass. Die Kosten werden in Medienkreisen als überhöht angesehen.

Auch 2005 zahlte Groenewold 10.000 Euro an den Autor Karl Hugo Pruys. Nach einer ersten Aussage des Autors wurde damit die Arbeit an einer Biografie über Christian Wulff honoriert. Später widerrief Pruys diese Angabe.[8]

Im Jahr 2006 erhielt Groenewolds Odeon Film über die Briefkastenfirma „Waterfall Productions GmbH“ eine niedersächsische Landesbürgschaft in Höhe von vier Millionen Euro.[9][10] Waterfall Productions drehte nie einen Film und wurde 2010 aus dem Handelsregister des Amtsgerichts Hannover gelöscht.[11]

Im Jahr 2007 bezahlte Groenewold die Rechnung für einen Aufenthalt der Familie Wulff im Hotel Stadt Hamburg auf Sylt. Nach Auskunft von Wulffs Rechtsanwalt Gernot Lehr soll Wulff Groenewold die Kosten später in bar erstattet haben. Veranlasst durch die Berichterstattung ließ sich Groenewold alle Rechnungen und Unterlagen vom Hotel aushändigen.[12]

Im Jahr 2008 bezahlte Groenewold teilweise die Hotelkosten der Familie Wulff für einen Aufenthalt im Bayerischen Hof während des Oktoberfests.[13][14]

David Groenewold am Tag seines Freispruchs beim Gang durch die Medienvertreter zum Landgericht Hannover

Am 12. April 2013 erhob die Staatsanwaltschaft Hannover Anklage wegen Bestechung und Bestechlichkeit beim Landgericht Hannover gegen Wulff und Groenewold.[15][16][17] Das Gericht ließ am 27. August 2013 die Anklage zu, reduzierte den Vorwurf jedoch auf Vorteilsgewährung und Vorteilsannahme.[18][19] Am 27. Februar 2014 wurde er wie sein Mitangeklagter Wulff freigesprochen, allerdings wegen einer falschen eidesstattlichen Versicherung verwarnt.[20][21] Die Staatsanwaltschaft legte am 5. März 2014 Revision gegen das Urteil ein,[22] nahm sie aber am 13. Juni wieder zurück, so dass der Freispruch rechtskräftig ist.[23]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zur Person: David Groenewold Berliner Morgenpost, 10. Juni 2008
  2. Korrekte Sparkiste handelsblatt.de, 10. Mai 2007
  3. Der Gesellschafter F.A.Z., 5. September 2009
  4. Ein romantischer Kaufmann Die Zeit, 6. Juni 2007
  5. Wulffs Revier Spiegel Online, 28. Juni 2010
  6. Wie Wulff seinem Freund Groenewold half (Memento vom 16. Februar 2012 im Internet Archive) ndr.de, 14. Februar 2012
  7. Wie Wulff einem Freund auch politisch half Zeit Online, 15. Februar 2012
  8. Buchprojekt über Wulff wirft neue Fragen auf Spiegel Online, 10. Januar 2012
  9. Neuer Wirbel um einen Wulff-Urlaub bild.de, 8. Februar 2012
  10. Was wollte und bekam Groenewold von Wulff (Memento vom 26. Januar 2012 im Internet Archive) ndr.de, 26. Januar 2012
  11. Dokument entlastet Wulff im Fall Groenewold sueddeutsche.de, 13. Februar 2012
  12. "Konstruierter Vertuschungsvorwurf" sueddeutsche.de, 8. Februar 2012
  13. Wulff ließ sich auf Oktoberfest einladen Spiegel Online, 14. Januar 2012
  14. Sylt-Urlaub bringt Wulff wieder in Erklärungsnot stern.de, 8. Februar 2012
  15. Ein historisches Verfahren. Der Tagesspiegel. 13. April 2013. Abgerufen am 12. Dezember 2013.
  16. Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Wulff. Süddeutsche Zeitung. 12. April 2013. Abgerufen am 12. Dezember 2013.
  17. Dokumentation: Die Anklage gegen Wulff und Groenewold. Spiegel Online. 12. April 2013. Abgerufen am 12. Dezember 2013.
  18. Presseinformation im Verfahren gegen C. Wulff u. a. Landgericht Hannover, abgerufen am 27. Februar 2014.
  19. Martin U. Müller: Vorwurf der Vorteilsnahme: Wulff muss vor Gericht. spiegel.de, 27. August 2013, abgerufen am 29. August 2013.
  20. Freispruch für Christian Wulff, süddeutsche.de vom 27. Februar 2014.
  21. Urteil des Landgerichts Hannover, Az. 40 KLs 6/13 (PDF, 441 KB)
  22. Korruptionsprozess: Staatsanwalt legt Revision gegen Wulff-Freispruch ein, Spiegel Online vom 5. März 2014.
  23. Revision der Staatsanwaltschaft zurückgenommen, Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Hannover vom 13. Juni 2014, abgerufen am 13. Juni 2014.