David Woodard

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David Woodard in Seattle (2013)

David J. Woodard (* 6. April 1964 in Santa Barbara, Kalifornien) ist ein US-amerikanischer Künstler und Literat. Seine Ausfertigungen der „Dreamachine“ wurden weltweit in zahlreichen Ausstellungen präsentiert. In Deutschland verfasste er Beiträge für die Zeitschrift „Der Freund“ (2004–2006). In seinen Essays und Reiseberichten setzt er sich u. a. intensiv mit dem paraguayischen Nueva Germania und der zeitweise dort ansässigen Elisabeth Förster-Nietzsche auseinander.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Woodard wechselte häufig seinen Studienort und studierte an der University of California, Santa Barbara, der New School for Social Research, der Columbia University, der San Francisco State University und der San Francisco Conservatory of Music.

Nueva Germania[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Woodard mit Siedlern Max und Fritz Schweikhart, Nueva Germania (2004)

2003 wurde er zum Stadtrat des kalifornischen Juniper Hills (Los Angeles County) gewählt. In dieser Eigenschaft schlug er eine Städtepartnerschaft mit dem paraguayischen Nueva Germania vor, das im 19. Jahrhundert von deutschen Auswanderern als „Zufluchtsort der arischen Rasse“ gegründet worden war. Um diesen Plan voranzutreiben, besuchte Woodard den dortigen Gemeinderat. Nach seinem Besuch verfolgte er den Plan nicht weiter, hatte aber in der Stadt ein Studienobjekt gefunden, das er in der Folge mehrfach in Artikeln und Interviews beschrieb. Besonders interessiert ihn dabei der Aufenthalt von Nietzsches Schwester Elisabeth, die dort zwischen 1886 und 1889 lebte. Woodard organisierte in der Folge Gruppenreisen nach Nueva Germania[1], und gewann auch die Unterstützung des damaligen US-Vizepräsident Dick Cheney für die Kolonie.[2]

Im Frühlingstrimester 2006 war Woodard Dozent an der Wissenschaftsakademie Berlin, einer inzwischen geschlossenen Bildungseinrichtung mit satirischem Hintergrund. Titel der zusammen mit Christian Kracht und dem Komponisten Christian von Borries geleiteten Veranstaltung war „Nueva Germania—Gescheiterte Eugenik im Dschungel Paraguays“.[3]

„Dreamachine“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Woodard und William S. Burroughs mit einem Dreamachine (1997)

Seit 1989 baut David Woodard Exemplare der „Dreamachine“ nach, die in den 1960er Jahren von Brion Gysin und Ian Sommerville (1940–1976) entwickelt wurde. Es handelt sich dabei um einen Zylinder, der um eine Lichtquelle rotiert. In den Zylinder sind verschieden geformte Löcher gestanzt, dadurch entsteht beim schnellen Drehen der „Dreamachine“ ein stroboskopartiger Effekt. Dieser trifft auf die geschlossenen Augenlider und erzeugt intensive Farb- und Lichtvisionen, wodurch Bilder im Gehirn stimuliert werden sollen, die denen eines Drogenrausches oder eines Traumes ähneln sollen.[4]

Woodards „Dreamachine“ wurde mehrfach ausgestellt, zuerst 1996 im Los Angeles County Museum of Art als Teil der Ausstellung „Ports of Entry – William S. Burroughs and the Arts“.[5]

1997 schenkte er dem Schriftsteller William S. Burroughs zu dessen 83. Geburtstag ein „Bohemien-Model“, welche eine Leihgabe des Estate William S. Burroughs an das Spencer Museum of Art wurde.[6] Anlässlich einer Gedenkveranstaltung für Burroughs baute Woodard eine mit Hermelinpelz behangene „Dreamachine“, die im Jahre 2000 bei Sotheby’s zu einem hohen Preis versteigert wurde.[7]

Weitere Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit den 1990er Jahren steht Woodard auch für die Kunstform des “Prequiem” (ein Neologismus aus Requiem und der Vorsilbe “pre”), in der er auf Eigen oder Fremdinitiative hin individualisierte Musikstücke komponiert und zur Aufführung bringt während des Ablebens einer Person. Diese an buddhistische Traditionen erinnernde Praxis bot Woodard mehreren Personen des öffentlichen wie nichtöffentlichen Lebens an [8][9][10] bzw. brachte das jeweilige Prequiem auch zur Aufführung [11][12] Woodard bezeichnet sich selbst als „an artist who is fed up with much of the pretentious nonsense that has come to define Western culture.“[13]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kober, H.: „In, um und um Germanistan herum“. In: taz, 18. Mai 2006.
  2. Wiederstein, M.: „Der Rivellatrinker“. In: Schweizer Monat, Oktober 2012.
  3. Maus, S.: „Oh, wie schön ist Paraguay“. In: Süddeutsche Zeitung, 21. März 2006.—Vgl. außerdem die offizielle Webseite zu Veranstaltung.
  4. Woodard, D.: „The Dreamachine“, für PROGRAM | initiative for art + architecture collaborations, Berlin, November 2006.
  5. Knight, C.: „The Art of Randomness“. In: Los Angeles Times, 1. August 1996.
  6. Spencer Museum of Art: „Welcome to the Spencer Collection“, University of Kansas.
  7. Allen, M.: „Décor by Timothy Leary“. In: New York Times, 20. Januar 2005.
  8. Carpenter, S.: „In Concert at a Killer's Death“. In: Los Angeles Times, 9. Mai 2001.
  9. Anon.: „Composer creates fanfare“. BBC, 11. Mai 2001.
  10. Leopold, J.: „Laguna Niguel“. In: Los Angeles Times, 26. Januar 1999.
  11. Reich, K.: „Family to Sue City, Firms Over Angels Flight Death“. In: Los Angeles Times, 16. März 2001.
  12. Dawson, J.: Los Angeles's Angels Flight. Mount Pleasant: Arcadia Publishing, 2008. S. 125.
  13. Kim, T. K.: „Terror Tunes“. In: Intelligence Report (SPLC), Sommer 2005.