Davidszitadelle

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Die Zitadelle von Nordwesten
Die Zitadelle am westlichen Rand der Altstadt
Der Turm Phasael rechts im Modell des Palastes des Herodes

Die Davidszitadelle ist eine Festung in der Altstadt Jerusalems neben dem Jaffator. Nach umfassender archäologischer Erfassung und anschließender Renovierung des Baubestandes eröffnete darin im April 1989 das Museum zur Stadtgeschichte Jerusalem.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 24 vor Christus ließ Herodes der Große auf dem westlichen Hügel Jerusalems auf den Grundmauern einer älteren Anlage eine Festung mit drei massiven Verteidigungstürmen (Hippicus, Phasael und Mariamne) errichten, um die Westseite der Stadt zu sichern. Die Festung diente als Bastion des westlichen Stadttors und des angrenzenden Herodespalastes in der neu errichteten Oberstadt. Als die Römer nach dem Jüdischen Krieg – in dessen Verlauf auch der Herodianische Tempel zerstört wurde – die Stadt schleiften, ließen sie diese drei Türme als Erinnerung an Jerusalems vormalige Größe stehen. In byzantinischer Zeit wurden zwei der Türme zerstört, der Sockel des Dritten ist bis heute am Jaffator zu sehen. Als Suleiman I. der Prächtige im 16. Jahrhundert eine Altstadtmauer erbaute, kam auch eine Zitadelle dazu. Diese erhielt 1665 auch ein Minarett, das heute Davidsturm heißt.

Trotz des Namens Davidszitadelle besteht kein Bezug zum biblischen König David. Die Namensgebung beruht auf einem Irrtum: In byzantinischer Zeit wurde aus den Aufzeichnungen des römisch-jüdischen Historikers Flavius Josephus fälschlicherweise geschlossen, das alttestamentliche Jerusalem habe auf dem westlichen Hügel – auf dem heute die Zitadelle steht – gelegen und der Turm Phasael so in Zusammenhang mit König David gebracht. Tatsächlich befand sich die Davidsstadt südlich des Tempelbergs und des Bergs Ophel. Die Muslime, die Jerusalem 637 eroberten, übernahmen die falsche Zuordnung und gaben dem Phasael den Namen Mihrab des Propheten David. Westliche Reisende, die Jerusalem im 19. Jahrhundert auf der Suche nach biblischen Spuren besuchten, glaubten – wiederum irrtümlich – in einem der Zitadelle im 17. Jahrhundert hinzugefügten Minarett besagten Davidsturm zu erkennen und übertrugen so den früheren Irrtum von Phasael auf eine osmanische Moschee.

Nach der Einnahme der Altstadt Jerusalems und nördlicher und östlicher Vororte durch die jordanische Arabische Legion im Krieg um Israels Unabhängigkeit wurde die Zitadelle ein Militärlager der Legion.[2] Im Hof waren Baracken und Unterstände ohne jede moderne Annehmlichkeit wie sanitäre Anlagen oder Strom errichtet worden und blieben so bis zum Sechstagekrieg.[2]

Museum der Stadtgeschichte Jerusalems[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevor entschieden wurde, wie die Zitadelle künftig genutzt würde, unterzogen die Archäologen Ruth Amiran, Avi Eitan, Hillel Geva, Rina Siwan und Giora Solar den Bau durch Grabungen und bauliche Untersuchungen einer genauen Erforschung.[2] Dabei kamen reiche Spuren der Epochen von der Zeit des Ersten Tempels bis zur Ära Sülaymans des Prächtigen zu Tage.[2] Die Frage war, ob Jerusalem wirklich ein weiteres Museum brauche[3] und die Zitadelle sich als Museum eigne.[2] Einen Ideenentwurf zum Museum erstellten Ori Abramson, Talli Ornan und Jeschajahu Weinberg bis Ende 1984 und reichten ihn bei der Stadt ein, die ihn im folgenden Jahr bewilligte.[4] Das Museum öffnete im April 1989 seine Pforten.[1]

Diorama mit Rekonstruktion des Jerusalemer Tempels

Dem Plan gemäß entstand das Museum ohne eigene Sammlung, aber Exponate aus den vielen anderen Museen der Stadt, Medien, Modelle, Rekonstruktionen und Repliken in den Ausstellungen nutzend, um den Betrachtern einen Einstieg und Zugang zu Jerusalem als Thema zu geben.[5] Die Stadtgeschichte wird chronologisch gegliedert als historisches Kontinuum geschildert, wobei die Ausstellung in Epochenräume gegliedert jeweils über die wichtigsten Ereignisse der Epochen unterrichtet.[5] Dem Konzept gemäß birst das Museum nicht vor Exponaten, die großartig Anleitung zur Kenntnis der Stadt geben können, die aber oft nur Eingeweihte verstehen. Das Museum richtet sich an Besucher auch ohne besondere Vorkenntnisse und nutzt Medien zur Einführung in die Stadtgeschichte, die die Besucher nicht distanziert halten, sondern involvieren wollen.[6] Dabei wird Kitsch gemieden und historische Authentizität gewahrt.

Es schien aber problematisch die Zitadelle, die ja an sich eine Sehenswürdigkeit darstellt, als Museum der Stadtgeschichte zu nutzen, was die Betrachter vom eigentlichen Bau oder umgekehrtenfalls von der Ausstellung ablenken könnte.[2] Die Nutzung als Museum greift nicht in Substanz des durch Grabungen und Renovierung erschlossenen und gesicherten Zitadellenbaues ein, also werden nur vorhandene Räume genutzt, keine Neubauten hinzugefügt.[7] Die unter Verzicht auf Neubauten allein vorhandenen 634 Quadratmeter Ausstellungsfläche verteilen sich auf Räume für die in acht Epochen gegliederten über 3000 Jahre Stadtgeschichte, auf die dann im Schnitt 75 Quadratmeter entfallen.[7]

Puppen stellen Menschen im Jerusalemer Stadtbild des 19. Jahrhunderts dar

Exponate, Schau- und Texttafeln wie Projektionsflächen sind daher oft in die Mitte der Räume gezogen, um die Wände der Zitadelle als eigenständiges Objekt nicht zu verdecken.[8] So ist die Bausubstanz Teil der Ausstellung, aber die Exponate und Ausstellungseinrichtung werden ihr nicht eingegliedert, sondern behalten ihren Ansatz, was einen ständigen Dialog erzeugt.[7] Auch wird der Betrachter so nicht von der Fülle der Objekte überwältigt, sondern erschließt sich in eigenem Tempo vorangehend die Ausstellung.[9]

Modell des Felsendoms, Baustand zur Zeit der Erbauung

Die Schau arbeitet die Bedeutung Jerusalems für die drei monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum und Islam) heraus und legt einen Fokus auf Jerusalems einzigartige Bedeutung im Leben von Juden durch die Epochen, wobei mit höchster Sorgfalt kontrastierende Aspekte ausbalanciert werden.[5] Die Ausstellung regt dazu an, außerhalb der Museumsmauern Stätten historischer Ereignisse, kultureller Bedeutung oder stadtprägender Wirkung aufzusuchen und zu erkunden.[5] Das Museum bietet verschiedene thematische Routen durch Bau, Außenanlagen und Ausstellung,[6] trotz baulicher Einschränkungen auch eine barrierefreie Tour.[7]

Zum Museum gehört eine pädagogische Abteilung, die Seminare und Kurse erarbeitet und anbietet, ein Informationszentrum zur Geschichte Jerusalems und Veranstaltungsräume, die zu verschiedenen Anlässen genutzt werden können.[5] Zudem dient ein Raum wechselnden Ausstellungen.[9] Die Museumspädagogik geht auf unterschiedliche Bedürfnisse der heterogenen Besucherschaft ein, zu der gehören Kinder oder Jugendliche auf Schulausflug, auswärtige oder ausländische Jugendliche auf Stadtreise, Soldaten im Bildungsprogramm, Einheimische, Touristen, Neubürger, Jerusalemexperten wie Akademiker, Stadtführer oder Heimatforscher und -kundelehrer.[9] Die Abteilung entwickelt Studienprogramme zu Schwerpunkten wie Architektur, Gesellschaft, Kultur, Politik, Religion, Urbanistik oder Wirtschaft der Stadt.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Ori Abramson, „Das Museum im Davidsturm“, Rachel Grünberger (Übers.), in: Ariel: Eine Zeitschrift zur Kunst und Bildung in Israel, Nr. 83 (1992), S. 50–61, hier S. 61. ISSN 0334-2719.
  2. a b c d e f Ori Abramson, „Das Museum im Davidsturm“, Rachel Grünberger (Übers.), in: Ariel: Eine Zeitschrift zur Kunst und Bildung in Israel, Nr. 83 (1992), S. 50–61, hier S. 50. ISSN 0334-2719.
  3. Ori Abramson, „Das Museum im Davidsturm“, Rachel Grünberger (Übers.), in: Ariel: Eine Zeitschrift zur Kunst und Bildung in Israel, Nr. 83 (1992), S. 50–61, hier S. 51. ISSN 0334-2719.
  4. Ori Abramson, „Das Museum im Davidsturm“, Rachel Grünberger (Übers.), in: Ariel: Eine Zeitschrift zur Kunst und Bildung in Israel, Nr. 83 (1992), S. 50–61, hier S. 51seq. ISSN 0334-2719.
  5. a b c d e Ori Abramson, „Das Museum im Davidsturm“, Rachel Grünberger (Übers.), in: Ariel: Eine Zeitschrift zur Kunst und Bildung in Israel, Nr. 83 (1992), S. 50–61, hier S. 52. ISSN 0334-2719.
  6. a b Ori Abramson, „Das Museum im Davidsturm“, Rachel Grünberger (Übers.), in: Ariel: Eine Zeitschrift zur Kunst und Bildung in Israel, Nr. 83 (1992), S. 50–61, hier S. 58. ISSN 0334-2719.
  7. a b c d Ori Abramson, „Das Museum im Davidsturm“, Rachel Grünberger (Übers.), in: Ariel: Eine Zeitschrift zur Kunst und Bildung in Israel, Nr. 83 (1992), S. 50–61, hier S. 59. ISSN 0334-2719.
  8. Ori Abramson, „Das Museum im Davidsturm“, Rachel Grünberger (Übers.), in: Ariel: Eine Zeitschrift zur Kunst und Bildung in Israel, Nr. 83 (1992), S. 50–61, hier S. 59seq. ISSN 0334-2719.
  9. a b c Ori Abramson, „Das Museum im Davidsturm“, Rachel Grünberger (Übers.), in: Ariel: Eine Zeitschrift zur Kunst und Bildung in Israel, Nr. 83 (1992), S. 50–61, hier S. 60. ISSN 0334-2719.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Davidszitadelle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 31° 46′ 34,1″ N, 35° 13′ 40,4″ O