De tribus impostoribus

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Das anonyme lateinische Manuskript De tribus impostoribus (deutsch: „Über die drei Betrüger“) oder De imposturis religionum (breve compendium) (deutsch: (Kurzes Kompendium) Über die Betrügereien der Religionen)[1] ist ein von Mythen umranktes religionskritisches Werk, dessen Ursprung bis in das letzte Viertel des 17. Jahrhunderts zurückzuverfolgen ist. Die Sprengkraft dieses legendären Pamphlets liegt ganz in seinem konzisen Titel: De Tribus Impostoribus: Blasphemie, Provokation, Frontalangriff gegen Millionen von Gläubigen der drei monotheistischen Religionen.[2] Die drei Religionsstifter Moses, Jesus und Mohammed werden als Betrüger dargestellt; der Vorwurf des Betruges zielt auf vorgebliche Offenbarungen und Taschenspielertricks (scheinbare Wunder). Mit dem französischsprachigen Traité des trois imposteurs („Traktat über die drei Betrüger“) hat das lateinische De tribus impostoribus nur den Titel gemein.

Editionsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johann Joachim Müller: De imposturis religionum, 1598 (recte 1753), in Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Manuskript cod. 10450 [3]

Die erste Erwähnung findet sich 1239 in einem Brief Papst Gregors IX., in dem er Kaiser Friedrich II. ein solches Werk zuschreibt. Laut Tommaso Campanella erschien die erste Ausgabe 1538, und auch andere Zeugen erklärten, das Buch schon vor 1598 gelesen zu haben (und natürlich wollen sie dieses gotteslästerliche Werk verbrannt haben). Allerdings finden sich in keiner Quelle Inhaltsangaben oder Zitate und trotz intensiver Suche wurde nie ein Manuskript gefunden. Der Text wurde 1716 bekannt, als bei der Versteigerung der Bibliothek des Greifswalder Theologen Johann Friedrich Mayer ein Manuskript mit dem Titel für den Prinzen Eugen von Savoyen erworben wurde. Aus dessen Besitz ging das Manuskript (sog. Wiener Handschrift) dann in den Besitz der Nationalbibliothek Wien (Cod. Nr. 10450) über. Die erste, 1753 beim Wiener Drucker Straube gedruckte Ausgabe De imposturis religionum trägt das fiktive Erscheinungsjahr 1598. Der Text mit dem fiktiven Erscheinungsjahr 1598 behandelt aber nicht alle drei Religionen, sondern nur das Christentum; daher hat man in der Forschung lange angenommen, dass der anonyme Autor sein Buch nicht fertigstellen konnte. Nach nun entdeckten Indizien schrieb den Text im Jahr 1688 der Hamburger Jurist Johannes Joachim Müller (1661[4]-1733), Enkel des bekannten Hamburger Theologen Johannes Müller (1598–1672), der seinerseits in seinem Werk Atheismus devictus einen Druck von Nachtigal 1610 erwähnt.

Der anonyme Verfasser des Buches De tribus impostoribus wurde möglicherweise angeregt durch Maimonides, der in seinem Brief an den Jemen Jesus, Paulus und Mohammed als drei Betrüger bezeichnet. Im Hintergrund stehen dabei Theorien islamischer Freidenker des 9. und 10. Jahrhunderts. Dazu zählt das Buch der siebten Erreichung (Kitâb as-sijâsa oder Kitâb al-balâg as-sâbi), das angeblich aus dem Umkreis der Qaramitah stammte. Erstmals erwähnt wurde dieses Werk kurz nach 983. Darin wurden die Gebote von Judentum, Christentum und Islam für aufgehoben erklärt, sowie die Grundlagen aller drei Offenbarungsreligionen gleichermaßen angezweifelt: Es gebe weder Sünde noch ein Leben nach dem Tod. „Der Traktat war einer der verbreitetsten Texte der radikalen Untergrundliteratur.“[5] Zahlreiche Freidenker der Aufklärung ließen sich durch ihn inspirieren. Im Jahre 1761 erstellte J. C. Edelmann eine kommentierte deutsche Übersetzung.

Mögliche Autoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Autoren des bzw. eines Traktats De tribus impostoribus wurden seit dem Mittelalter viele Menschen verdächtigt. Zu den Bekanntesten gehören: Kaiser Friedrich II. oder sein Kanzler Petrus de Vinea, Abu Tahir Al-Djannabi (907–944), der Herrscher des Qaramitah-Staates in Bahrain, Simon de Tournai (c.1130–1201), Guillaume Postel, Jan Nachtegal, Averroes, Petrus Pomponatius, Pietro Aretino, Michael Servet, Gerolamo Cardano, Niccolò Machiavelli, François Rabelais, Erasmus von Rotterdam, John Milton, Matthias Knutzen (* 1646; † nach 1674), Angelus Merula, Giordano Bruno, Tommaso Campanella, Giovanni Boccaccio, Paul Henri Thiry d’Holbach, Sa'd ibn Mansur ibn Kammuna, Uriel da Costa, Baruch Spinoza.

Als Autor des tatsächlich gedruckten Buchs De tribus impostoribus soll nach Wolfgang Gericke der Genfer Bürger Jacques Gruet in Frage kommen. Darauf ließe die Polemik gegen Calvin schließen. Mit dessen Billigung wurde Gruet 1547 in Genf hingerichtet. Der Philosophiehistoriker Friedrich Niewöhner kommt zu dem Ergebnis, dass es sich bei dem Verfasser des Buches, auch wenn er sich nicht genau identifizieren lässt, um einen Marranen der zweiten oder dritten Generation handeln müsse.

Winfried Schröder weist diese beiden Zuschreibungen zurück und gibt stattdessen Belege für die Urheberschaft Johannes Joachim Müllers.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerhard Bartsch (Hrsg.): De tribus impostoribus Anno MDIIC; Von den drei Betrügern 1598 (Moses, Jesus, Mohammed). Zweisprachige Ausgabe (lat.-dt.). Übersetzt von Rolf Walther (= Quellen und Texte zur Philosophie. Hrsg. von der Arbeitsgruppe für Philosophie an der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin[-Ost]). Akademie-Verlag, Berlin-Ost 1960.
  • Wolfgang Gericke: Das Buch „De Tribus Impostoribus“ (= Quellen. Ausgewählte Texte aus der Geschichte der christlichen Kirche. N.F. Heft 2). Evangelische Verlagsanstalt, Berlin (Ost) 1982.
  • Ders.: Die handschriftliche Überlieferung des Buches Von den Drei Betrügern. In: Studien zum Buch- und Bibliothekswesen. 6, 1988.
  • Patrick Marcolini: Le „De Tribus impostoribus“ et les origines arabes de l’athéisme philosophique européen. In: Les Cahiers de l’ATP. Oktober 2003 (PDF; 78 KB)
  • Louis Massignon: La Légende „De Tribus Impostoribus“ et ses Origines Islamiques. In: Revue de l'histoire des religions, vol. 82 (1920), pp. 74–78 [1]
  • Fritz Mauthner: Der Atheismus und seine Geschichte im Abendland. Band 1. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart/Berlin 1920, S. 306–331.
  • Georges Minois: Le Traité des trois imposteurs. Histoire d’un livre blasphématoire qui n’existait pas. Editions Albin Michel, 2009, ISBN 2226183124
  • Martin Mulsow: Die drei Ringe. Toleranz und clandestine Gelehrsamkeit bei Mathurin Veyssière La Croze (1661–1739). Hallesche Beiträge zur Europäischen Aufklärung 16, Niemeyer, Tübingen 2001, ISBN 3484810165.
  • Friedrich Niewöhner: Veritas sive Varietas. Lessings Toleranzparabel und das Buch von den drei Betrügern. Schneider, Heidelberg 1988, ISBN 3-7953-0761-9.
  • Eugenio Di Rienzo: Il „Liber De tribus impostoribus“ nel XVI secolo. In: La morte del Carnevale. Rom 1989, S. 99–141.
  • Winfried Schröder:(Hrsg.): Anonymus (Johann Joachim Müller): De imposturis religionum (De tribus impostoribus). Von den Betrügereyen der Religionen. Dokumente. Frommann-Holzboog, Stuttgart-Bad Cannstatt 1999 (= Philosophische Clandestina der deutschen Aufklärung, Abt. 1: Texte und Dokumente, Bd. 6), ISBN 3-7728-1931-1.
  • Ders.: Ursprünge des Atheismus. Untersuchungen zur Metaphysik- und Religionskritik im 17. und 18. Jahrhundert (= Quaestiones, 11). 2. Auflage. Frommann-Holzboog, Stuttgart-Bad Cannstatt 2012, ISBN 978-3-7728-2608-5 (Anhang, § 7).
  • Raoul Vaneigem: La résistance au christianisme. Les hérésies des origines au XVIIIe siècle. (Kap. 48; engl. Übersetzung)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. De imposturis religionum breve compendium (deutsch: Kurzes Kompendium über die Betrügereien der Religionen), mit Einleitung herausgegeben von F. W. Genthe, Friedrich Fleischer, Leipzig 1833. Das Autograph befindet sich in der Österreichischen Nationalbibliothek Wien, cod. 10450 = Eug. Q.54.
  2. «Tout est dans le titre, povocation suprême, blasphème absolu, défi frontal aux trois grandes religions monothéistes.» Georges Minois: Le Traité des trois imposteurs. Histoire d’un livre blasphématoire qui n’existait pas. Editions Albin Michel, 2009, p. 7. ISBN 2226183124
  3. Manuskript-Text gedruckt
  4. Ursula Winter, Die Europäischen Handschriften der Bibliothek Diez in der Deutschen Staatsbibliothek Berlin, Abschlussband, S. 73
  5. Friedrich Niewöhner: De tribus impostoribis. In: Franco Volpi (Hrsg.): Großes Werklexikon der Philosophie. Bd. 2. Kröner, Stuttgart 1999, ISBN 3-520-82901-0, Sp. (1632f.) 1633.