Decitabin

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Strukturformel
Strukturformel von Decitabin
Allgemeines
Freiname Decitabin
Andere Namen
  • 5-Aza-2'-desoxycytidin
  • 4-Amino-1-[(2R,4S,5R)-4-hydroxy-5-(hydroxymethyl)oxolan-2-yl]-1,3,5-triazin-2-on (IUPAC)
  • 4-Amino-1-(2-deoxy-β-D-erythro-pentofuranosyl)-1,3,5-triazin-2(1H)-on
Summenformel C8H12N4O4
Kurzbeschreibung

weißer Feststoff[1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 2353-33-5
EG-Nummer 219-089-4
ECHA-InfoCard 100.017.355
PubChem 451668
DrugBank DB01262
Wikidata Q1181878
Arzneistoffangaben
ATC-Code

L01BC

Wirkstoffklasse

Zytostatikum

Wirkmechanismus

DNA-Methyltransferase-Inhibitor

Eigenschaften
Molare Masse 228,21 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

200 °C[1]

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
07 – Achtung 08 – Gesundheitsgefährdend

Gefahr

H- und P-Sätze H: 302​‐​315​‐​319​‐​335​‐​341​‐​360
P: 201​‐​261​‐​281​‐​305+351+338​‐​308+313 [1]
Toxikologische Daten

22 mg·kg−1 (LD50Mausi.v.)[2]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Decitabin (Handelsname: Dacogen®, Hersteller: Janssen-Cilag) ist ein synthetisches Nukleosid. Es besteht aus der β-D-Desoxyribose (Zucker) und einem substituierten Triazin. Es ist ein chemisches Analogon des Nukleosids Desoxycytidin. Es ist ein Zytostatikum, das als DNA-Methyltransferase-Inhibitor (demethylierende Substanz) wirkt.

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 5-Aza-2'-desoxycytidin unterscheidet sich chemisch vom Desoxycytidin, indem in der 5-Position eine C-H-Einheit formal durch ein Stickstoffatom ersetzt wird. Aus dem Pyrimidingrundgerüst wird somit ein 1,3,5-Triazingrundgerüst. Das Analogon mit Ribose ist das Azacitidin.

Desoxycytidin.svg Decitabine.svg Azacitidine.svg
Desoxycytidin, dC Decitabin 5-Azacytidin, 5-azaC

Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Decitabin wurde 2006 − in den USA − durch die FDA als orphan drug zur Therapie Myelodysplastischer Syndrome (MDS) zugelassen. (Diese Indikation gilt nur für die USA.) Am 20. September 2012 erteilte die Europäische Kommission eine Zulassung für die gesamte EU zur Behandlung von Erwachsenen über 65 Jahren, die an akuter myeloischer Leukämie (AML) erkrankt sind.[3][4] Decitabin hat denselben Wirkmechanismus wie 5-Azacytidin. In einer bundesweiten klinischen Studie mit über 220 Patienten, die in den Jahren zwischen 2003 und 2009 durchgeführt wurde, wurde der Einsatz von niedrig dosiertem Decitabin für die Therapie von älteren AML-Patienten untersucht. Ziel einer weiteren Studie ist, wie Decitabin in der Kombination mit Valproinsäure beziehungsweise dem Vitamin-A-Präparat Retinsäure im Hinblick auf eine komplette oder zumindest teilweise Remission und auf das Überleben der Patienten wirkt.[5]

Frühe Nutzenbewertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2011 müssen sich neu zugelassene Medikamente mit neuen Wirkstoffen aufgrund § 35a SGB V (AMNOG) einer "frühen Nutzenbewertung" durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) unterziehen, wenn der pharmazeutische Hersteller einen höheren Verkaufspreis als nur den Festbetrag erzielen möchte. Nur wenn ein Zusatznutzen besteht, kann der Arzneimittelhersteller mit dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV Spitzenverband) einen Preis aushandeln. Dies gilt auch für Decitabin. Eine erste Bewertung durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) ist im Vorfeld erfolgt.[6] Eine Beschlussfassung hinsichtlich des "Zusatznutzens" von Decitabin durch den G-BA fand Ende April 2013 statt. Laut G-BA wurde ein geringer Zusatznutzen festgestellt.[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Datenblatt 5-Aza-2′-deoxycytidine bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 5. November 2016 (PDF).
  2. Eintrag zu Decitabin in der ChemIDplus-Datenbank der United States National Library of Medicine (NLM).
  3. European Medicines Agency – Zusammenfassung des EPAR für die Öffentlichkeit (PDF; 59 kB).
  4. Europäische Kommission: Durchführungsbeschluss der Kommission vom 20.9.2012 über die Genehmigung für das Inverkehrbringen des Humanarzneimittels für seltene Leiden "Dacogen - Decitabine" gemäß der Verordnung (EG) Nr. 726/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates (PDF; 14,4 kB).
  5. Benjamin Waschow: Hoffnung für ältere Patienten mit einer akuten myeloischen Leukämie. Universitätsklinikum Freiburg, Pressemitteilung vom 25. April 2012 beim Informationsdienst Wissenschaft (idw-online.de), abgerufen am 24. August 2015.
  6. Decitabin – Bewertung gemäß § 35a Abs. 1 Satz 10 SGB V (PDF; 123 kB) abgerufen von der WebSite des IQWiG vom 16. Januar 2013, zugegriffen am 2. Mai 2013.
  7. G-BA trifft drei weitere Entscheidungen zu neuen Wirkstoffen, Pressemitteilung G-BA vom 2. Mai 2013.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!