Definitionsmacht (sexualisierte Gewalt)

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Die Definitionsmacht über sexualisierte Gewalt ist in feministischen Debatten das Recht von Betroffenen sexualisierter Gewalt, zu definieren, was sexualisierte Gewalt ist. Es geht also darum, statt objektiver Kriterien das subjektive Erleben in den Mittelpunkt zu rücken. Das, was als sexualisierte Gewalt empfunden wird, ist somit auch sexualisierte Gewalt. Dies soll zum einen verhindern, dass Opfer unter Rechtfertigungsdruck geraten, wenn sie von sexualisierter Gewalt ihnen gegenüber berichten. Zum anderen kommen damit auch Formen sexualisierter Gewalt in den Blick, die nicht durch das Recht definiert sind.[1]

Theoriegeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff entstand aus dem feministischen Diskurs der 70er-Jahre und ihrer Kritik an einem „objektiven Gewaltbegriff“, den es nicht geben könne. Wo die Grenze zwischen Gewalt und Nicht-Gewalt liege, könne nur vom Subjekt im Zusammenhang mit dessen Handlungsmöglichkeiten selbst bestimmt werden. Was eine „Verletzung ausmacht“, könne nur von dem betroffenen Subjekt bestimmt werden.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sandra Glammeier: Zwischen verleiblichter Herrschaft und Widerstand. Realitätskonstruktionen und Subjektpositionen gewaltbetroffener Frauen im Kampf um Anerkennung, VS Verlag 2010, ISBN 978-3-531-17706-9
  • Susan Brownmiller: Gegen unseren Willen. Vergewaltigung und Männerherrschaft. Fischer-Taschenbuchverlag, Frankfurt a. M., 1980, ISBN 3-596-23712-2
  • re.ACTion: Antisexismus_reloaded. Zum Umgang mit sexualisierter Gewalt. Ein Handbuch für die antisexistische Praxis. Münster 2007. ISBN 978-3-89771-301-7
  • Carol Hagemann-White: Strategien gegen Gewalt im Geschlechterverhältnis. Eine Bestandanalyse und Perspektiven. Pfaffenweiler, Centaurus-Verlagsgesellschaft 1992, ISBN 9783890857541

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christa Oppenheimer: Was hat die Arbeit gegen sexuelle Gewalt mit Feminismus zu tun? (PDF; 167 kB).
  2. Carol Hagemann-White: Strategien gegen Gewalt im Geschlechterverhältnis. Eine Bestandanalyse und Perspektiven. Pfaffenweiler, Centaurus-Verlagsgesellschaft 1992, ISBN 9783890857541, S. 24.