Deflationsspirale

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Klassische Deflationsspirale

Deflationsspirale bezeichnet einen sich selbst verstärkenden konjunkturellen Abwärtstrend. Eine klassische Deflationsspirale wird aufgrund sinkender Preistendenz initiiert. Dieser Kausalzusammenhang ist allerdings stark vereinfacht und unvollständig, denn zuvor müssen bereits Ereignisse stattgefunden haben, die eine sinkende Preistendenz auslösen bzw. die die Erwartung einer sinkenden Preistendenz ausgelöst haben. Beispiele aus der Wirtschaftsgeschichte weisen auf unterschiedliche Auslöser hin.

Notwendigkeit deflationärer Maßnahmen[Bearbeiten]

Während eines Goldstandards war restriktive Geldpolitik notwendig, wenn Gold aufgrund von Leistungsbilanzdefiziten ins Ausland abfloß, um aufgrund eines sinkenden Geldangebots im Inland Kreditangebot, Geldmenge und Preise zu senken und aufgrund der gesunkenen Löhne und Preise die Handelsbilanz sowie Goldzufluß (aus dem Ausland) zu aktivieren[1]. Weshalb und wie eine Deflation in einem Fiatgeldsystem entstehen kann, wird auch von Fachökonomen wie Alan Greenspan selten erklärt[2]. Greenspan erklärte, „dass ein Ende der Haushaltsdisziplin schließlich zu einem Zinsanstieg, einem Rückgang der Kapitalinvestitionen und einer Verringerung der Produktivitätszuwächse führt“[3] (klassisches Crowding-Out). Dem wird entgegengehalten, dass die Diskontpolitik, also prinzipielle Höhe des Geldangebots sowie sein Preis, die Zinssatzhöhe (Federal Funds Rate) von der jeweiligen Zentralbank festgesetzt bzw. beeinflusst wird. In der Peripherie der Eurozone wird die deflationäre Entwicklung mit der Notwendigkeit innerer Abwertung bzw. mit notwendigen Anpassungsprozessen erklärt[4].

Nach Wilhelm Lautenbach verhalten sich die gesamtwirtschaftliche Nachfrage sowie Produktivität der Unternehmen genau umgekehrt[5]. Volkswirtschaften, die über ein generelles Leistungsbilanzdefizit verfügen (und damit Leistungsbilanzüberschüsse anderer Staaten finanzieren) sowie deren kreditgewährende Institute unterliegen einem tendenziellen Liquiditätsproblem und sind insofern von ausländischem Kapital abhängig[6]. Um die Abhängigkeit von ausländischen Kapitalgebern zu reduzieren, kann es insofern angebracht sein, zu drastischer Sparpolitik überzugehen (gerade dann, wenn Wechselkursabwertungen nicht gewünscht oder möglich sind). Daraus resultiert dann freilich Deflationstendenz[7].

Das Platzen von (zumeist kreditfinanzierten) Spekulationsblasen (Vermögensdeflation) entwickelt insbesondere dann bedrohliche Tendenz (siehe auch Bilanzrezession), wenn sowohl Geldpolitik[8] als auch Fiskalpolitik es verabsäumen abmildernd (ausgleichend expansiv) einzugreifen[9][10].

Auslöser/Verstärker[Bearbeiten]

  • Sinkende Nettokreditaufnahme öffentlicher Haushalte (komplementäre Sektoren erhalten daraus weniger Einnahmen).[11][12]
  • Ausgabenzurückhaltung der privaten Haushalte (Schuldner) bzw. Erhöhung des Sparaufkommens (Erhöhung der Sparquote: Erhöhung der Transaktions- sowie der Vorsichtskasse) an liquiden Mitteln der privaten Haushalte.[13]
  • Rückzug der Privaten aus weniger liquiden Veranlagungsformen (siehe auch Liquiditätsfalle), typischerweise auch aus Unternehmensanleihen (erhöhte Konsolidierungsprobleme der Unternehmen).[14]
  • Investitionszurückhaltung der Unternehmen[15] (bemerktes und weiterhin erwartetes Nachlassen der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage sowie vorsichtshalber Ausgabenzurückhaltung und Personalabbau,[16] sinkende Produktion, vorsichtshalber Bemühungen der Unternehmen um Erhöhung ihrer Liquidität - erhöhte Kreditrückleistungsbemühungen[17] – sinkende Nettokreditaufnahme des Unternehmenssektors).[18]
  • Manche Unternehmen können trotzdem offene Kreditschulden nicht ausreichend bedienen (Aktiva-Entwertungen in den Bankbilanzen).[19]
  • Liquiditätsprobleme der Kreditinstitute (Kreditklemme).
  • Kredite werden kaum noch vergeben und wenn, wird Bonität rigide geprüft – private Investitionen auch dadurch weiter rückläufig – sinkendes Einkommen anderer Bankschuldner aufgrund der sinkenden (kreditfinanzierten) Ausgaben.[20]
  • Sinkende liquide Mittel innerhalb der Gesamtwirtschaft, sinkendes Geldangebot, sinkende Geldnachfrage (bei steigendem Realzins keine Investitionsankurbelung - siehe Investitionsfalle).[21]
  • Sinkende Produktion, steigende Arbeitslosigkeit, Nachlassen der gesamtwirtschaftlichen Kaufkraft, weiter sinkende Investitionen der Unternehmen.[22]
  • Staatliche Sozialleistungen werden gesenkt - weiterhin sinkende Staatseinnahmen.[23]
Riskierter Spardruck aus Schuldenbremse
  • Erhöhung der Sparquote der privaten Haushalte führt zu weiterem Nachfrageausfall gegenüber den Wirtschaftsunternehmen.[24]
  • Die Abnahme von Angeboten der Unternehmen sinkt generell – deren Lager bleiben gefüllt – nachbestellt wird nicht mehr oder wenn, nur selten (eine Vielzahl der Branchen, wo nur noch reduziert nachgefragt wird, schließt).[25]
  • Staaten und Unternehmen in Staaten, die eine passive Leistungs- und Zahlungsbilanz aufweisen, verfügen grundsätzlich über verminderte Möglichkeiten zu Kreditfinanzierungen und während einer globalen Deflationsphase sinkt die Bereitschaft und/oder Möglichkeit ausländischer Gläubiger zu diesbezüglichen Kapitalbereitstellungen (bzw. wirkt typischerweise [Devisen-]Kapitalflucht ungünstig auf die Liquidität und Solvenz inländischer Kreditinstitute - insofern alleine deshalb gesamtwirtschaftlich sinkende Kreditvergabe = sinkende Investitionen - auch daraus weiter sinkende Ausgaben, Einnahmen, Ausgaben, etc.). In offenen Volkswirtschaften entwickelt sich die Deflationsspirale also weiter verschärfend, wenn deflationäre Tendenz staatenübergreifend wirkt.[26]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans Gestrich: Neue Kreditpolitik. Stuttgart und Berlin 1936. (PDF) S. 56:
    „Daß man durch Erhöhung oder Ermächtigung des Satzes, zu dem die Notenbank Wechsel diskontiert, das Preisniveau beeinflussen kann, ist eine Weisheit, die über hundert Jahre alt ist. Die traditionelle Kreditpolitik betrachtete diese Wirkung unter dem Gesichtspunkt des Währungsschutzes. Indem man durch Diskonterhöhung das Preisniveau drückt, wirkt man auf die Zahlungsbilanz im Sinne einer Aktivierung, „verbessert“ den Wechselkurs und zieht – falls international das Goldwährungssystem vorherrscht – Geld aus dem Ausland heran. Die Erkenntnis dieses Zusammenhanges hat lange Zeit hindurch die Diskontpolitik zum klassischen Instrument der Notenbankpolitik gemacht. Dabei hat sich schon seit langem die Erkenntnis aufgedrängt, daß die Festsetzung des Diskonts unter dem Gesichtspunkt des „Schutzes der Währung“ häufig genug mit den inneren Wirtschaftsbedürfnissen nicht im Einklang steht.“
  2. Alan Greenspan: Mein Leben für die Wirtschaft. Frankfurt 2007. (online) S. 263: „Ich hatte mir nie vorstellen können, wie eine Deflation unter einer Fiat-Währung zustande kommen sollte.“
  3. Alan Greenspan: Mein Leben für die Wirtschaft. Frankfurt 2007. S. 271. (online)
  4. Jens Weidmann zum Thema Deflation: Video aus der Veranstaltung „Weidmann trifft Lehrerinnen und Lehrer“
  5. Wilhelm Lautenbach: Über Kredit und Produktion. Frankfurt 1937. S. 18:
    Wie funktioniert der Kreditapparat, wenn der Staat große Ausgaben durch Kredit finanziert? Woher kommen die Mittel?
    „Die meisten, die die Frage stellen, und es sind keineswegs nur Laien, haben dabei die Vorstellung, als gäbe es irgendeinen begrenzten Vorrat an Geld oder Kredit. Mit dieser Vorstellung verknüpft sich gewöhnlich die besorgte Frage, ob der Staat durch seine Kreditansprüche nicht der Wirtschaft den Kredit verknappe. In Wahrheit verhält es sich aber genau umgekehrt. Wenn der Staat in großem Stil Kredit nimmt, wird die ganze Kreditwirtschaft aufgelockert. Die Geld- und Kreditmärkte werden flüssig, die Unternehmer werden liquide, ihre Bankkredite nehmen ab, die Geschäftsdepositen steigen […].“
  6. Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung: Jahresgutachten 1966/67: Expansion und Stabilität (PDF; 7,2 MB) S. 87, Ziffer 154:
    „Wenn aus irgendwelchen Bereichen, und das gilt für alle Kredit- und Kapitalmärkte, Mittel abströmen (Defizitbereiche), so daß hier [zum Beispiel bei den inländischen Kreditinstituten] ein Finanzierungsbedarf entsteht, gibt es notwendig andere Bereiche oder Stellen denen diese Mittel zuströmen (Überschußbereiche); dabei decken die Mittel, die dem einen zuströmen, ihrem Betrag nach selbstverständlich stets genau den Finanzierungsbedarf der anderen. So kann die Entwicklung des Marktklimas (Zinssätze, sonstige Konditionen, Knappheitslagen) an allen Geld-, Kredit- und Kapitalmärkten, also auch am Bankengeldmarkt, nie allein aus der Entwicklung der Beträge und der Vorzeichen irgendwelcher Salden (Defizite, Überschüsse; Finanzierungsbedarf hier, Betrag anlagefähiger Mittel dort) hergeleitet oder erklärt werden. Entscheidend für das Finanzierungsklima ist vielmehr selbst nach Auftreten noch so großer Defizite ausschließlich, ob und zu welchen Konditionen die Überschußbereiche bereit und in der Lage sind, die ihnen zuströmenden Mittel den Defizitbereichen wieder zur Verfügung zu stellen.“
  7. Reuters, 13. Februar 2014: Risk of deflation in euro zone seen by economists as more serious than ECB says: poll: „The threat of deflation across the euro zone is more serious than the European Central Bank claims, as austerity imposed on peripheral economies is already pushing prices lower.“
  8. Hans Gestrich: Kredit und Sparen. Jena 1944. (PDF; 66,9 MB) S. 98:
    „Wenn die Kreditpolitik nun nicht eingreift, indem sie durch Senkung des Geldzinses die Kreditbeananspruchung für Investitionen anregt, so beginnt der WICKSELLsche Prozeß nach unten.“
  9. Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung: Jahresgutachten 2012/13: Stabile Architektur für Europa – Handlungsbedarf im Inland (PDF; 4,9 MB) S. 93, Ziffer 148:
    „Zu einer solchen Konstellation kann es vor allem nach einer Finanzkrise kommen, wenn die Banken im Rahmen des Deleveraging nicht in der Lage sind, in größerem Umfang Kredite zu vergeben und der Privatsektor bestrebt ist, seine Bilanzen durch Geldersparnis zu reparieren. Diese Pläne lassen sich im Aggregat jedoch nur dann realisieren, wenn der Staat bereit ist, die dazu erforderliche Gegenposition als Schuldner einzunehmen.“
  10. Hans Gestrich: Kredit und Sparen. Jena 1944. S. 100:
    „Der Staat selbst muß Kredit nehmen, um zusätzliche Ausgaben zu finanzieren und auf diese Weise den Weg anzubahnen, der zum Ausgleich des Ungleichgewichtes zwischen Sparen und Kredit führt.“
  11. Reiner Clement, Wiltrud Terlau, Manfred Kiy: Angewandte Makroökonomie. Makroökonomie, Wirtschaftspolitik und nachhaltige Entwicklung mit Fallbeispielen. 5. Auflage. München 2013. (online) S. 324: „Der Staat trägt sogar zu einer Deflation bei, wenn er durch Sparmaßnahmen seine Nachfrage stark einschränken muss.“
  12. Wolfgang Stützel: Zum Einfluß der öffentlichen Verschuldung auf den Kapitalmarktzins. In: Staatsverschuldung Kontrovers. Köln, 1981, S. 50-51:
    „Im Zuge jeder Erhöhung der staatlichen Nettokreditaufnahme, d. h. erhöhter staatlicher Ausgabenüberschüsse (verglichen mit dem vorangegangenen Zeitraum oder mit vorher bestehenden Plänen), erhöht sich also der Einnahmeüberschuß der Gesamtheit aller übrigen Wirtschaftssubjekte in genau dem gleichen Maße; bei einigen von ihnen spiegelt sich dies in Form höherer Einnahmeüberschüsse, bei anderen in Form niedrigerer Ausgabenüberschüsse wider.“
  13. Wolfgang Stützel (Hrsg.), Wilhelm Lautenbach: Zins, Kredit und Produktion. Tübingen 1952. S. 91:
    „Da es nun aber beobachtungs- und erfahrungsgemäß genau umgekehrt ist, da die Ersparnisse von Nichtunternehmern insgesamt noch wachsen, so ist von dieser Seite her nur noch eine weitere Illiquidisierung der Wirtschaft zu erwarten.“
  14. Vgl. Hans Gestrich: Kredit und Sparen. Jena 1944.
  15. Wilhelm Lautenbach, 16. September 1931 auf der Geheimkonferenz in Berlin. In: Wirtschaftspolitik in der Krise. Die (Geheim-)Konferenz der Friedrich List-Gesellschaft im September 1931 über Möglichkeiten und Folgen einer Kreditausweitung. (Hrsg. Knut Borchardt, Hans Otto Schötz) Baden-Baden 1991. S. 231 f : „Heute haben Sie die Tatsache, daß alle deutschen Unternehmungen sämtlichen Ersatzbedarf beinahe gestoppt haben.“
  16. Deutsche Bundesbank, 19. Dezember 2013: Keine Deflation in Sicht: „Während die Unternehmen nunmehr weniger und zu niedrigeren Preisen absetzen, bleiben die Kosten für Löhne und Gehälter, weil sie vertraglich vereinbart sind, zunächst stabil. Dies führt zu einem Rückgang der Unternehmensgewinne. Die Unternehmen fahren ihre Produktion weiter zurück, auf neue Investitionen wird verzichtet und Mitarbeiter werden entlassen. Manche Unternehmen müssen sogar Insolvenz anmelden. Schließlich werden die Löhne und Gehälter an die neuen Bedingungen angepasst und gesenkt. Sinkende Einkommen und steigende Arbeitslosigkeit lassen die Nachfrage der privaten Haushalte noch weiter fallen. Die Wirtschaft verliert damit immer mehr an Kraft, ein sich selbst verstärkender Abschwung kann die Folge sein.“
  17. Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung: Jahresgutachten 1967/68. (PDF; 5,6 MB) S. 98, Ziffer 191:
    „Ähnliches gilt für die Unternehmen. Die Finanzierungsschwierigkeiten des Jahres 1966 haben sie zwar veranlaßt, Investitionsvorhaben zu vertagen und Läger abzubauen, aber reichlicheres Geldangebot allein hat sie 1967 nicht bewegen können, wieder mehr zu investieren. Waren 1966 finanzielle Erwägungen ausschlaggebend, so 1967 die Absatz- und Gewinnaussichten. Und wo Finanzierungserwägungen nach wie vor im Vordergrund standen, wie bei Unternehmern, denen die Rezession die Risiken hoher Verschuldung drastisch vor Augen führte, wirkte das reichliche Angebot von Leihgeldern vielfach nicht als Anreiz für zusätzliche Sachinvestitionen, sondern als willkommene Möglichkeit, die bestehende Verschuldung zu konsolidieren.“
  18. Carl Föhl: Geldschöpfung und Wirtschaftskreislauf. München und Leipzig 1937. S. 329:
    „Wenn auch in den Zeiten des Aufschwungs der Kontokorrentkredit der Banken in der Hoffnung auf eine spätere langfristige Finanzierung mitunter zur Vorfinanzierung von Investitionen dienen mag, so wird doch dieser Weg gerade in der Stockung nicht beschritten werden können. Die vorsichtigen Unternehmer werden schon von sich aus zurückhaltend sein, und die weniger vorsichtigen oder die schon in einer Notlage befindlichen werden auf seiten der Banken größte Zurückhaltung antreffen.“
  19. Wolfgang Stützel (Hrsg.), Wilhelm Lautenbach: Zins, Kredit und Produktion. Tübingen 1952. (PDF) S. 49:
    „Der Kreditbedarf der Unternehmer entsteht hier also gerade dadurch, daß Nichtunternehmer sparen, einerlei, ob es Private sind oder ob es die öffentliche Hand ist, die Überschüsse hat.“
  20. Hans Gestrich: Kredit und Sparen. Jena 1944. S. 74:
    „Die Restriktion des Bankkredites zwingt die industriellen und kommerziellen Bankkunden zur Einschränkung ihrer Bestellungen zu rigoroser Eintreibung ihrer Forderungen. Dadurch wird der Güterabsatz weiter erschwert, werden die Preise weiter gedrückt. Weitere Debitoren frieren ein und hierdurch ist der Anlaß zu weiterer Kreditrestriktion gegeben.“
  21. Hans Gestrich: Kredit und Sparen. Jena 1944. S. 6:
    „Die Neigung der potentiellen Kreditnehmer, zu einem bestimmten Zinssatz Kredit zu nehmen, hängt ab von den Ertragsaussichten der geplanten Investition, also von der Frage, ob dieser Ertrag etwas höher oder mindestens ebenso hoch wie der geforderte Zinssatz liegt.“
  22. Wolfgang Stützel: Volkswirtschaftliche Saldenmechanik. (Nachdruck der 2. Auflage) Tübingen 2011. (online) S. 166:
    „Selbst wenn gewisse zinsempfindliche Privatinvestitionen unter dem Eindruck der Kreditverbilligung zunächst steigen sollten, können doch die Einnahmeüberschüsse der Nichtunternehmer und damit die Ausgabenüberschüsse der Unternehmer durch Fiskal- und Sparpolitik so vergrößert werden, daß die Unternehmergewinne sinken, der Vorteil der Zinssenkung überkompensiert und die Gesamtinvestition nachhaltig gebremst wird; denn es ist eine Erfahrungstatsache, daß die Investitionen durch Veränderung der (Brutto-) Gewinnaussichten stärker beeinflußt werden als durch Änderungen des Zinssatzes.“
  23. Reiner Clement, Wiltrud Terlau, Manfred Kiy: Angewandte Makroökonomie. Makroökonomie, Wirtschaftspolitik und nachhaltige Entwicklung mit Fallbeispielen. 5. Auflage. München 2013. (online) S. 324: „Vom Staat können die Arbeitslosen keine große Unterstützung erwarten, da seine Einnahmen sinken und seine Ausgaben im Fall einer höheren Arbeitslosigkeit steigen.“
  24. Wilhelm Lautenbach: Kreditschrumpfung und Kreditausweitung. In: Wirtschaftskurve 1937. (PDF; 98,4 KB) S. 12 f:
    „Da es nun aber beobachtungs- und erfahrungsgemäß genau umgekehrt ist, da die Ersparnisse von Nichtunternehmern insgesamt noch wachsen, so ist von dieser Seite her nur noch eine weitere Illiquidisierung der Wirtschaft zu erwarten. Ja, darüber hinaus ist das Wachsen der Ersparnisse von Nichtunternehmern in der Depression Grund und Ausdruck von Kapitalverlusten der Unternehmungen.“
  25. Wilhelm Lautenbach: Möglichkeiten einer Konjunkturbelebung durch Investition und Kreditausweitung. 9. September 1931. In: Zins, Kredit und Produktion. (Hrsg. Wolfgang Stützel) Tübingen 1952. S. 142, rechte Spalte:
    „Denn wir haben ja gerade zur Zeit den paradoxen Zustand, daß trotz außerordentlich gedrosselter Produktion laufend die Nachfrage hinter dem Angebot zurückbleibt, und daher die Tendenz zu immer weitergehender Produktionsdrosselung. Wir haben also laufend Produktionsüberschüsse, mit denen wir nichts anzufangen wissen.“
  26. Wolfgang Stützel (Hrsg.) Wilhelm Lautenbach: Zins, Kredit und Produktion. Tübingen 1952. (PDF) S. 76: „Und am allerschlimmsten ist der Fall, den wir 1929 erlebten, daß nämlich alle großen Industrieländer gleichzeitig einen Umbruch der Konjunktur erlebten.