Degussa Sonne/Mond Goldhandel

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Degussa Sonne/Mond Goldhandel GmbH

Rechtsform GmbH
Gründung 2010
Sitz München[1]
Leitung Markus Krall, Markus Ragg, Holger Stemmler[1]
Mitarbeiterzahl 119 (Jahresdurchsnitt 2019)[2]
Umsatz 2,6 Mrd. EUR[2]
Branche Edelmetall- und Münzhandel
Website www.degussa-goldhandel.de

Die Degussa Sonne/Mond Goldhandel GmbH (als Handelsmarke verkürzt zu Degussa Goldhandel) ist ein 2010 gegründetes Edelmetallhandelshaus mit Firmensitz in München.[2] Degussa Sonne/Mond Goldhandel unterhält elf Niederlassungen in Deutschland (Augsburg, Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main (auch Firmenzentrale), Hamburg, Hannover, Köln, München, Nürnberg, Pforzheim, Stuttgart) und anderen europäischen Städten (z. B. in Genf, London, Madrid, Zürich). Medien kritisieren die rechtslibertären Aktivitäten von Degussa Goldhandel.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Degussa war eine 1873 gegründete Scheideanstalt, der Name steht für „Deutsche Gold- und Silber-Scheide-Anstalt“. Außer den Namensrechten besteht keine Unternehmenskontinuität von der heutigen Degussa Sonne/Mond Goldhandel zu der historischen Degussa.[3] Die Bankiersfamilie von Finck um August von Finck junior erwarb 2010 für zwei Millionen Euro über eine Holding, Substantia AG, die Nutzungsrechte für den Markennamen Degussa in Verbindung mit dem Edelmetallgeschäft von Evonik Industries, dem Nachfahrunternehmen der historischen Degussa.[4][5] Die Barrenproduktion der ehemaligen Degussa führt das Unternehmen Umicore weiter.[6] Die Degussa Sonne/Mond Goldhandel lässt ihre Barren neben anderen Affinerien bei der Schweizer Scheideanstalt Valcambi herstellen.[4]

In Cham in der Schweiz wurde im Herbst 2010 die Degussa Sonne/Mond Goldhandel AG gegründet.[3] Im August 2013 übernahm Degussa Sonne/Mond Goldhandel den Würzburger Edelmetallhändler SilviOr GmbH, der auf die Einlagerung von Edelmetallen spezialisiert ist.[7] Im November 2013 geschah die Übernahme des Londoner Goldhandelshauses Sharps Pixley,[8][9][10] im August 2014 folgte die Pforzheimer Scheideanstalt Schellhorn & Roth.[11]

Im Januar 2014 entschied das Oberlandesgericht München in zweiter Instanz, dass die Degussa Sonne/Mond Goldhandel ihre irreführende Werbung mit dem Motto „Degussa – Gold und Silber seit 1843“, die eine nicht bestehende über 170-jährige Unternehmenskontinuität vortäuschen sollte, einstellen muss.[5]

Im März 2019 verließ der langjährige Geschäftsführer Wolfgang Wrzesniok-Roßbach das Unternehmen. Degussa Sonne/Mond Goldhandel schrieb jahrelang Verluste und lebte von Zuschüssen der Finck-Familie. Branchenkenner vermuten, dass die mangelnde Profitabilität mit ein Grund für Wrzesniok-Roßbachs Ausscheiden war.[12] Im Mai 2019 eröffnete das Goldmuseum Goldkammer Frankfurt, ein Schwesterunternehmen der Degussa Sonne/Mond Goldhandel unter Goldkammer Frankfurt GmbH firmierend.[13][14] Im September 2019 wurde Markus Krall neuer CEO und Sprecher der Geschäftsführung.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2012 ist Thorsten Polleit Chefvolkswirt der Degussa und verantwortet die volkswirtschaftlichen Analysen zu Konjunktur, Edelmetall- und Finanzmärkten, Geld- und Wirtschaftspolitik.[15] Im Newsletter Degussa Marktreport, Podcast Golden Times und dem Videoformat Krall & Polleit direkt werden Analysen von Polleit und Krall veröffentlicht. Seit August 2020 erscheinen Artikel von Polleit aus dem Degussa Marktreport auch auf Focus-Online. Die Äußerungen von Markus Krall sind politisch umstritten, beispielsweise weil er die Niedrigzinspolitik der EZB als „Maschinenraum des Völkerselbstmordes“ bezeichnete und Menschen, die Geld vom Staat erhalten, das Wahlrecht entziehen möchte.[16][17]

Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Recherchen von Spiegel und WOZ fungierte Degussa Sonne/Mond Goldhandel in den Jahren 2014 und 2015 als einer der Hauptlieferanten für einen Goldhandel mittels dem die rechtspopulistische Partei AfD in den ersten Jahren ihre finanzielle Basis stärkte.[18][19] Laut Michael Blume habe Finck der AfD mittels Degussa die Spenden unter Verletzung des bundesdeutschen Parteienrechts zugeführt.[20]

Das Fernsehmagazin Frontal21, in Zusammenarbeit mit dem Soziologen Andreas Kemper, berichtete im Januar 2021, dass Degussa Goldhandel Stimmung gegen „linke Kräfte mache, die der bürgerlichen Mitte angeblich den Wohlstand rauben“. Namentlich wurde das im Münchener Stammsitz der Firma ansässige Mises-Institut genannt, welches vom Chef-Ökonomen von Degussa Goldhandel, Thorsten Polleit, geführt werde. Frontal21 zitierte zudem den Sprecher der Geschäftsführung, Markus Krall, mit der Forderung, das Wahlrecht für die Menschen abzuschaffen, die Geld vom Staat erhielten. Krall fordere eine entsprechende „bürgerliche Revolution“.[21]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Impressum, degussa-goldhandel.de, abgerufen am 30. Dezember 2020
  2. a b c Jahresabschluss per 31. Dezember 2019, bundesanzeiger.de, abgerufen am 30. April 2021
  3. a b Doris Grass und Gerhard Hegmann: Comeback des Goldhändlers Degussa (Memento vom 4. November 2011 im Internet Archive), in: Financial Times Deutschland, 2. November 2011
  4. a b Simone Boehringer: Recycling der edlen Sorte. In: Süddeutsche Zeitung, 11. November 2011
  5. a b Frank Stocker: Gericht stoppt Gold-Schwindel unter falschem Namen. In: Die Welt, 5. Januar 2014
  6. Nur wo Umicore draufsteht ist auch Degussa drin (Memento vom 3. November 2013 im Internet Archive), Umicore Pressemitteilung vom 16. Dezember 2011
  7. Deals of the day. In: Reuters.com, 6. August 2013
  8. German bullion retailer Degussa buys London dealer Sharps Pixley. In: Reuters.com, 7. November 2013
  9. Interview mit Degussa-Geschäftsführer Wolfgang Wrzesniok-Roßbach (Memento vom 22. März 2014 im Internet Archive) Börse am Sonntag, 15. November 2013
  10. Sharps Pixley ging 1957 aus dem Zusammenschluss von Sharps & Wilkins (gegr. 1778) mit Pixley & Abell (gegr. 1852) hervor.
  11. Gerd Lache: Goldhändler etabliert sich in der Goldstadt (Memento vom 23. Oktober 2014 im Internet Archive) In: Pforzheimer Zeitung, 14. August 2014.
  12. Henning Hölder: Der Chef von Degussa tritt ab – still und leise 27. April 2019 auf: handelszeitung.ch
  13. Sonja Fouraté: Neues Frankfurter Museum zeigt spektakuläre Goldschätze. In: hessenschau.de, 25. Mai 2019
  14. Degussa Goldkammer Frankfurt, kulturhistorisches Museum. Abgerufen am 27. September 2020.
  15. Degussa mit Thorsten Polleit als Chefvolkswirt (Memento vom 23. September 2015 im Internet Archive), Pressemeldung Degussa Sonne/Mond Goldhandel, 23. April 2012
  16. Jakob Blume: Degussa-Chef Markus Krall: Provokateur mit Kalkül. In: Handelsblatt.com, 16. Januar 2020
  17. Zeit-Online vom 23.09.20: Mark Schieritz: Goldhandel. In die Tonne mit dem nutzlosen Zeug
  18. Melanie Amann, Sven Becker, Sven Röbel: Verdeckte AfD-Unterstützung: Spur führt zu Milliardär August von Finck. In: Spiegel Online, 23. November 2018
  19. Anna Jikhareva, Jan Jirát, Kaspar Surber, Verdeckte AfD-Unterstützung Spur führt zu Milliardär von Finck, In: WOZ vom 23. November 2018
  20. Michael Blume, Corona und Bargeldbeschaffung sind zwei Seiten einer Medaille, In: Matthias Meisner, Heike Kleffner, Fehlender Mindestabstand, Herder 2020, S.129; Nachdruck in ZEIT vom 17. April 2021
  21. Frontal21: Die Goldhändler von Degussa. AfD-Geschäfte und rechte Gesinnung, 12. Januar 2021, Videobeitrag