Dehydratation (Medizin)

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Klassifikation nach ICD-10
E86 Volumenmangel
Dehydratation
ICD-10 online (WHO-Version 2016)

In der Medizin bezeichnet Dehydratation (altgriechisch ὕδωρ hydor ‚Wasser‘; Synonyme Dehydratisierung, Dehydration,[1] Hypohydratation, Austrocknung[2]) einen Wassermangel des Körpers. Antonyme dazu sind Überwässerung oder Hyperhydratation.[2]

Der umgangssprachlich verbreitete Ausdruck „Dehydrierung“ ist fachlich falsch und bezeichnet eigentlich eine bestimmte chemische Reaktion.

Symptomatik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine übermäßige Abnahme der Körperflüssigkeit entweder durch pathologisch verringerte Flüssigkeitsaufnahme oder durch unzureichende Flüssigkeitszufuhr (bei Nichtverfügbarkeit von Trinkwasser und anderen Getränken) oder bei krankhaft gesteigertem Flüssigkeitsverlust oder während der Laktation führt zur Exsikkose. Flüssigkeit wird über den Magen-Darm-Trakt (Stuhlgang), die Lunge (Atemluft), die Nieren (den Urin), über die Haut (Transpiration) und aus den Milchdrüsen (Laktation) abgegeben. Erkrankungen, zum Beispiel der Nieren oder Fieber, oder starke körperliche Anstrengungen oder Stillen können zu einem erhöhten Flüssigkeitsverlust und damit zu einem Flüssigkeitsungleichgewicht führen.

Es werden drei Arten der Dehydratation unterschieden:

Isotone Dehydratation
Bei dieser Dehydratation ändert sich der osmotische Druck des Extrazellularraums nicht, da der Verlust von Wasser und Salz-Ionen (Natrium+, Chlorid) im gleichen Verhältnis zueinander erfolgt. Vor allem bei unzureichender Wasser- und Natriumzufuhr, aber auch bei Erbrechen oder Durchfall ist dies der Fall.
Hypertone Dehydratation
Sie entsteht beim Verlust von Wasser ohne entsprechenden Salzverlust. Dies kann bei Fieber der Fall sein und führt im Extremfall zum Verdursten. Übermäßiges Schwitzen bei körperlicher Arbeit ohne einen Wasserausgleich hat den gleichen Effekt, da Schweiß eine hypotone Flüssigkeit ist.
Hypotone Dehydratation
Wenn im Verhältnis zum Wasserverlust zu viel Salz ausgeschieden wird, entsteht eine hypotone Dehydratation. Beispielsweise bei starkem Schwitzen und Wasserausgleich durch salzarme Flüssigkeit (reines Wasser) ist in der Bilanz die Salzausscheidung höher als die Wasserausscheidung. Zum Ausgleich genügt Mineralwasser oder sogenannte Iso-Getränke, die isoton (im Vergleich zum Blutplasma) sind. Hypertone Flüssigkeiten zu trinken, ist nicht nötig, da der Körper überschüssiges Wasser gegebenenfalls über die Nieren ausscheiden kann.

Therapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wichtigste therapeutische Maßnahme ist der Ersatz des verlorengegangenen Wassers. Dies erfolgt bei leichter Dehydratation entweder oral mit Lösungen oder intravenös. Je nach Schweregrad müssen manchmal mehrere Liter Flüssigkeit infundiert werden. Die Infusionslösung unterscheidet sich je nach Art der Dehydratation: Bei einer isotonen Dehydratation kann eine einfache Ringer-Lösung gegeben werden. Bei einer hypotonen Dehydratation müssen manchmal auch Natrium-Ionen ersetzt werden, dieser Ausgleich muss aber sehr langsam erfolgen, um keine schweren zerebralen Nebenwirkungen zu provozieren. Die hypertone Dehydratation wird zum Beispiel durch Infusion 5-prozentiger Glukoselösung therapiert.[3]

Dehydratation bei Kindern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor allem bei Säuglingen und kleinen Kindern entsteht Dehydratation aufgrund einer Gastroenteritis mit Erbrechen und Durchfall bei gleichzeitiger Verweigerung von Nahrungsaufnahme. Bei Säuglingen spricht man bei einem Gewichtsverlust von 5 % von einer leichten Dehydratation, bei 10 % von einer deutlichen und bei 10-15 % von einer schweren Dehydratation. Ältere Kinder reagieren sensibler auf den Flüssigkeitsverlust.[4]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Springer Lexikon Medizin. 2004, ISBN 3-540-20412-1.
  2. a b MSD Handbuch Gesundheit. 2007, ISBN 978-3-89905-394-4.
  3. Eintrag zu Dehydration im Flexikon, einem Wiki der Firma DocCheck, abgerufen am 25. November 2015.
  4. Lentze et al.: Pädiatrie. Grundlagen und Praxis. Springer Verlag, Berlin Heidelberg New York 2003
Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!