Delmer Daves

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Delmer Lawrence Daves (* 24. Juli 1904 in San Francisco, Kalifornien; † 17. August 1977 in La Jolla, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Regisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent.[1] Am bekanntesten wurde er durch seine Western wie Der gebrochene Pfeil, Der letzte Wagen oder Zähl bis drei und bete, er bediente aber auch erfolgreich andere Genres wie Thriller oder Liebesdramen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Delmer Daves studierte Jura an der Stanford University, übte aber nie einen juristischen Beruf aus. Beginnend mit dem Film The Covered Wagon von 1923 übte er einige Jahre diverse Filmcrew-Aufgaben aus.[2] Zwischen 1928 bis 1932 war er als Schauspieler in einigen Film-Nebenrollen zu sehen, bedeutender war aber seine ab 1929 beginnende Tätigkeit als Drehbuchautor tätig. In den 1930er-Jahren konnte er sich als Drehbuchschreiber in Hollywood etablieren, unter anderem arbeitete er an dem Kriminaldrama Der versteinerte Wald (1936) und dem Liebesfilm Love Affair (1939).

1943 führte Daves erstmals Regie, und zwar in dem Kriegsfilm Bestimmung Tokio. Im Verlaufe der 1940er arbeitete er in verschiedenen Genres, darunter bei den vom Film noir beeinflussten Filmen Die schwarze Natter mit Humphrey Bogart und The Red House mit Edward G. Robinson (beide 1947). Der unter seiner Regie gedrehte Film Der gebrochene Pfeil (Broken Arrow) aus dem Jahr 1950 gilt als einer der ersten indianerfreundlichen Western Hollywoods. Er ist eine sehr frei gestaltete Verfilmung des historischen Romans Blood Brother von Elliott Arnold und thematisiert die Entwicklung der Freundschaft zwischen zwei historisch verbürgten Persönlichkeiten in der Geschichte Arizonas, dem Chiricahua-Häuptling Cochise (dargestellt von Jeff Chandler) und dem weißen Scout und Postreiter Tom Jeffords (dargestellt von James Stewart). Daves hatte in seiner Jugend in den 1920er-Jahren selbst einige Zeit unter Indianern gelebt und war von deren Kultur fasziniert.[3]

Im Verlaufe der 1950er-Jahre inszenierte Daves weitere Western, darunter am bekanntesten wohl Zähl bis drei und bete (3:10 to Yuma, 1957). 1953 trat Daves mit dem Film Insel der zornigen Götter (Bird of Paradise) zum ersten Mal als Filmproduzent in Erscheinung, in dieser Funktion agierte er anschließend auch noch bei weiteren Filmen. Der 1959 in den Kinos angelaufene Der Galgenbaum sollte sein letzter Western werden, denn nach einem Herzinfarkt im Jahr 1958 erhielt Daves den Rat, das Drehen der körperlich herausfordernden Western zu lassen. Das leitete die letzte Periode seiner Karriere ein, in der er vor allem Melodramen und Romanzen inszenierte.[4] Besonders erfolgreich darunter war Die Sommerinsel von 1959, der einige damals als gewagt geltende Sexualthemen ansprach und dennoch sehr erfolgreich in den Kinos lief. Nach dem Liebesdrama Kampf in der Villa Fiorita zog sich Deves 1965 aus dem Filmgeschäft zurück.

Von 1938 bis zu seinem Tod war er mit der Schauspielerin Mary Lawrence (1918–1991) verheiratet, aus der Ehe gingen drei Kinder hervor.[5] Daves ist auf dem Forest Lawn Memorial Park in Glendale beigesetzt.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Daves zählte zu dem in seiner Zeit in Hollywood keineswegs selbstverständlichen Typus der Autorenfilmer, die also ihre eigenen Drehbücher verfilmten. Daves selbst äußerte hierzu, er „diktiere den Tonart als Schreiber, und bewahre ihn als Regisseur“. Dennoch ging es Daves keineswegs nur um das Abfilmen seines Drehbuchs, sondern auch um den visuellen Stil, wie minutiöse Zeichnungen des Mise en Scène und konkrete Anweisungen für die Kameraarbeit in seinen Drehbüchern belegen.[6]

Die Western von Daves aus den 1950er-Jahren zeichnen sich, statt durch wilde Schießereien, vor allem durch psychologische Figurenzeichnungen und die differenzierte Darstellung von persönlichen Konflikten aus.[7] Filmkritiker wie Dave Kehr oder Jonathan Rosenbaum haben sich um eine Wiederentdeckung der Filme von Daves eingesetzt, gerade auch seiner Nicht-Western.[8][9]

Inzwischen wurde sich auch filwissenschaftlich mit Daves auseinandergesetzt. Andrew Danks und Matthew Carter vergleichen in ihrem 2016 erschienenen Werk ReFocus: The Films of Delmer Daves die gemeinsamen Western von Daves und Glenn Ford in den 1950er-Jahren mit denen, die in derselben Zeit zwischen Anthony Mann und James Stewart sowie John Ford und John Wayne entstanden. Daves gilt den beiden als unterschätzt, da seine subtile, komplexe und gegenüber seinen Figuren oft sympathische Inszenierung leicht zu übersehen sei.[10]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Daves erhielt im Laufe seiner Filmkarriere nie Nominierungen für Oscar oder Golden Globe, immerhin erhielt er Nominierungen für den Directors Guild of America Award und gleich sechsmal für den Laurel Award. Ihm zu Ehren befindet sich 1634 Vine Street auf dem Hollywood Walk of Fame ein Stern für Delmer Daves.[11]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schauspiel

Nur Drehbuch

Regie (komplett)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nelson, Andrew Patrick; Carter, Matthew (2016): ReFocus: The Films of Delmer Daves. Edinburgh: Edinburgh University Press. ISBN 978-1474403016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Porträt von Delmer Daves in: The New York Times
  2. Delmer Daves | Biography, Movie Highlights and Photos. Abgerufen am 13. Februar 2022 (englisch).
  3. Delmer Daves | Biography, Movie Highlights and Photos. Abgerufen am 13. Februar 2022 (englisch).
  4. Delmer Daves. Abgerufen am 13. Februar 2022 (englisch).
  5. Delmer Daves bei der Internet Movie Database. Abgerufen am 13. Februar 2022.
  6. SERVICES TOMORROW FOR DELMER L DAVES. In: The New York Times. 19. August 1977, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 13. Februar 2022]).
  7. Delmer Daves | Biography, Movie Highlights and Photos. Abgerufen am 13. Februar 2022 (englisch).
  8. Dave Kehr: New DVDs: Romance Classics. In: The New York Times. 26. Januar 2009, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 13. Februar 2022]).
  9. My Two Cents Worth on Daves’ BIRD OF PARADISE | Jonathan Rosenbaum. Abgerufen am 13. Februar 2022.
  10. Adrian Danks: This Room is My Castle of Quiet: The Collaborations of Delmer Daves and Glenn Ford. In: ReFocus: The Films of Delmer Daves. Edinburgh University Press, 2016, ISBN 978-1-4744-0301-6.
  11. Delmer Daves. Abgerufen am 13. Februar 2022.