Delta Chat

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Delta Chat (Instant Messenger)

Logo von Delta Chat (Instant Messenger)
Basisdaten

Entwickler Merlinux
Erscheinungsjahr 2019
Aktuelle Version 1.26.2 (Android)
02. Dezember 2021[1]

1.26.2 (iOS)
04. Dezember 2021 [2]

1.22.2 (macOS, Linux und Windows[3])
23. September 2021

Download von Windows-, macOS- und Linux Clients direkt von der Entwicklerwebseite[4]

Betriebssystem Android, iOS, Windows, Linux (64-Bit) und macOS
Kategorie Instant Messaging
Lizenz GPLv3
deutschsprachig ja
https://delta.chat/

Delta Chat ist ein freier Instant-Messaging-Client für Smartphones und PC. Er ist für die Betriebssysteme Android, iOS, Linux, Windows (auch portabel) und macOS verfügbar. Das Protokoll basiert auf IMAP und SMTP. Durch den Einsatz der E-Mail-Protokolle IMAP und SMTP ist Delta Chat mit jedem herkömmlichen E-Mail-Client kompatibel. Das System kommt damit völlig ohne eigene Server aus.[5] Der Nutzer ist bei der Verwendung seines Messengers nicht mehr auf Nutzer beschränkt, die denselben Dienst verwenden,[6] sondern könnte damit auch Nutzer erreichen, die andere Chat-Clients verwenden, da das zugrundeliegende Messaging-Protokoll der offene E-Mail-Standard ist.

Seit Veröffentlichung im Februar 2019 verzeichnet die App im Google Play Store über 100.000 Downloads[1] (Stand Januar 2021).

Funktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusätzlich zum Instant Messaging besteht die Möglichkeit, Fotos, Kontakte, verschwindende (temporäre) Nachrichten, Sprachnachrichten, Live-Standorte, sowie alle weiteren Dateiformate, die auch durch herkömmliche E-Mails unterstützt werden, auszutauschen. Dies ist auch in offenen oder verschlüsselten Gruppenchats möglich. Audio- und Videochats sind jedoch systembedingt mit dem E-Mail-Protokoll nicht möglich.[7] Es können aber externe Videochat-Instanzen (z. B. Jitsi Meet) eingebunden werden.

Delta Chat ist multi-client-fähig. Sowohl gesendete wie auch empfangene Nachrichten werden zwischen den einzelnen Clients synchronisiert. Zu diesem Zweck kann der private Schlüssel sicher mittels Autocrypt auf weitere Clients übertragen werden.

Das Programm ist werbefrei und die Entwicklung wird durch EU-Fördermittel finanziert.[7]

Verfügbarkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die aktuellen Installationspakete lassen sich durch den Google Play Store (Android), F-Droid (Android), App Store (iOS), Microsoft Store (Windows) sowie über die Entwicklerwebseite[4] (Android, Linux, Windows und macOS) kostenlos beziehen. Die Entwicklung startete zunächst mit der Android-App, die Versionen für Apple, Windows und Linux folgten aber ohne große zeitliche Verzögerung.[8]

Implementierung der E-Mailprotokolle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Delta Chat implementiert auf Transportseite das von E-Mails bekannte Protokoll IMAP. Open-Xchange nennt das System „Chat over IMAP“ (COI). Dabei ist es üblich, dass der Chat-Client im Ordner des verwendeten Mailservers einen Ordner anlegt, in dem die Nachrichten gespeichert werden. So kann das Postfach auch für normalen E-Mail-Verkehr verwendet werden, ohne dass der Posteingang mit ungelesenen Chatnachrichten geflutet wird. Der Nachteil des E-Mail-Systems wird auf Chats übertragen, so dass Filter beim Empfänger dafür sorgen können, dass Nachrichten im Spamordner „verschwinden“ oder über Filterregeln vorsortiert und damit dem Chat-Client entzogen werden.[9] Zudem sind viele Server mit einem Flood-Schutz ausgestattet, der die Anzahl von Nachrichten innerhalb einer definierten Zeit begrenzt und deshalb für Chats ungeeignet ist. Diese Eigenschaften des E-Mail-Systems erfordern eine geeignete Konfiguration serverseitig und Golem merkt an, E-Mail sei geradezu das Paradebeispiel für asynchrone Kommunikation, während Chatprogramme auf Echtzeit-Kommunikation ausgelegt sein müssten. Dass COI übliche Messenger ersetzen könnten, sei deshalb unwahrscheinlich.

Open Xchange verwendet eine angepasste Kernkomponente aus Delta Chat, um Nachrichten des eigenen Chat-Clients Ox-Coi kompatibel zu Delta Chat zu halten.[10]

Sicherheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es wird eine vollständige und automatische Ende-zu-Ende-Verschlüsselung[11] mit OpenPGP verwendet. Das Schlüsselpaar wird bei der Ersteinrichtung automatisch generiert oder es kann ein bestehender Schlüssel importiert werden. Öffentliche Schlüssel werden mittels Autocrypt übergeben. Alle Nachrichten zwischen autocryptfähigen Clients werden in der Grundeinstellung Ende-zu-Ende verschlüsselt und signiert.

Ob zusätzlich zur Ende-zu-Ende-Verschlüsselung noch eine Transportverschlüsselung zum Einsatz kommt, hängt vom jeweiligen E-Mail-Anbieter ab.

Der Quellcode für sämtliche Clients kann auf GitHub eingesehen werden.[12]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der c't 17/2019 wird der Messenger als „Volks-Messenger“ bezeichnet, weil man mit normalen Instant Messengern nur Partner erreichen kann, die denselben Dienst verwenden wie man selbst. „Delta Chat hebelt diese Beschränkung aus“.[6] Inga Pöting meint bei Zeit-Online, dass Delta Chat ohne Zentrale auskommt und „somit die die Serverinformationen der genutzten E-Mail-Adresse“. Die anschließende Bedienung der Chatoberfläche sei zudem intuitiv.[5] Katharina Nickel meint bei Futurezone, dass Delta Chat als Messenger „die beste Alternative seit Langem“ sei. Sie zählt aber auch Nachteile auf. Eine Statusanzeige existiere nicht und leider wären die „Dateien eines Backups nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt“.[7] The China Post merkt an, dass die App aus Sicherheitsgründen eine automatische Ende-zu-Ende-Verschlüsselung anbietet und der Quellcode für alle offen sei und die „Daten nicht auf zentralen Servern gespeichert“ würden.[13] Dirk Mikkelsen erläutert im Magazin LinuxUser Ausgabe 03/2018, dass der „pfiffige Messenger Delta Chat“ eine „interessante Alternative zu Datenkraken wie Whatsapp“ bieten würde. Zudem sei Delta Chat im Gegensatz zu Whatsapp multiclientfähig.[14] Am 3. Juni 2019 berichtete das „Infoportal für sichere Handynutzung“ mobilsicher.de[15] über Delta Chat. Dabei hoben sie als Vorteile die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für Chats und Gruppen-Chats, die Teilnahme ohne Telefonnummer und den offenen Quellcode hervor.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Installationsseite für Android. In: Google Play. Abgerufen am 21. April 2019.
  2. Installationsseite für iOS. In: App Store (iOS). Abgerufen im Jahr 2020.
  3. Installationsseite für Windows. In: Microsoft Store. Abgerufen am 16. Dezember 2020.
  4. a b delta.chat
  5. a b Inga Pöting: Tschüss, WhatsApp! Zeit Online, 16. Januar 2021 (Seite 2, kostenpflichtig)
  6. a b Volks-Messenger. heise (c't 17/2019)
  7. a b c Katharina Nickel: Sorry, WhatsApp: Dieser Messenger ist die beste Alternative seit Langem. Futurezone, 6. Februar 2020
  8. Der Messenger, der E-Mail nutzt. T-Online, 20. August 2019
  9. Sebastian Grüner: E-Mail bleibt unbequem. Golem, 6. Mai 2019
  10. WhatsApp bekommt neue Konkurrenz: Gehört diesem Messenger-Konzept die Zukunft?. Chip, 5. Mai 2020
  11. Der Messenger, der E-Mail nutzt. Augsburger Allgemeine, 20. August 2019
  12. Delta Chat-Repositorys. In: GitHub. Abgerufen im August 2020 (englisch).
  13. Delta Chat: A messenger app that uses email The China Post
  14. Den Android-Messenger Delta Chat unter Linux nutzen linux-community.de aus LinuxUser Ausgabe 03/2018
  15. Mobilsicher: Messenger-App Delta.Chat kurz vorgestellt. In: mobilsicher.de. 4. Juni 2019, abgerufen am 13. Juni 2019.