Demografie der Türkei

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Bevölkerungsentwicklung der Türkei von 1961 bis 2016 (Bevölkerung in Tausend Einwohnern)

Seit der Gründung der Republik Türkei am 29. Oktober 1923 hat sich die Bevölkerungszahl bis 2014 etwa versechsfacht. 1927 lebten in der Türkei knapp 13,7 Millionen Menschen, 2003 waren es knapp 70 Millionen. Am 31. Dezember 2016 lebten 79.814.871 Menschen im Land[1].

1961 schlossen die Türkei und die Bundesrepublik auf Drängen der Türkei ein Abkommen, das den Zuzug von Gastarbeitern nach Westdeutschland ermöglichte.

Viele Angehörige von Minderheiten in der Türkei und Millionen von Türken emigrierten. Nach dem Fall des Eisernen Vorhanges kamen zahlreiche Aussiedler und Immigranten in die Türkei.[2]

Volkszählungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1930 bis 1990 wurde in Abständen von fünf Jahren eine Volkszählung durchgeführt. Seit 1990 wird diese alle zehn Jahre (an einem Tag im Oktober) durchgeführt; dabei werden auch andere demografische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Daten über die Bevölkerung erhoben.

Jahr Einwohnerzahl[3]
1927 13.648.000
1930 14.448.000
1935 16.158.018
1940 17.820.950
1945 18.790.174
1950 20.947.188
1955 24.064.763
1960 27.754.820
1965 31.391.421
1970 35.605.176
1975 40.347.719
1980 44.736.957
1985 50.664.458
1990 56.473.033
2000 67.844.903
2007 70.586.256
2008 71.517.100
2009 72.453.974
2010 73.722.988
2011 74.724.269
2012 76.667.864
2013 77.695.904
2014 78.741.053
2015 78.741.053
2016 79.814.871

Die Türkei hat eine vergleichsweise junge Bevölkerung. Das Durchschnittsalter der türkischen Bevölkerung betrug 2011 etwa 29,2 Jahre. 2011 waren 25,6 % der Staatsbürger waren 0 bis 14 Jahre alt, 67,2 % 15 bis 64 Jahre und nur 7,2 % über 65 Jahre alt.[4] 1999 kam im Durchschnitt ein Arzt auf 859 Einwohner. Die Lebenserwartung betrug in der Türkei 72,62 Jahre (Männer 70,18 Jahre und Frauen 75,18 Jahre). Der Index der menschlichen Entwicklung 2014 listete die Türkei auf Platz 62 von 188 ausgewerteten Ländern.[5]

Fakten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Türkei Geburtenrate nach Provinz (2013) [6]
  • 4 - 5
  • 3 - 4
  • 2 - 3
  • 1.5 - 2
  • 1 - 1.5
  • Entwicklung der Kindersterblichkeit (Tode pro 1000 Geburten) [7]
    Bevölkerungszahl: 76.667.864 (2013)
    Altersstruktur:
    • 0-14 Jahre alt: 25,6 %
    • 15-64 Jahre alt: 67,2 %
    • 65 Jahre alt und älter: 7.2 %
    Bevölkerungswachstum: 1,6 % (2013)
    Geburtenrate: 16,15 Geburten/1.000 Menschen (2008)
    Sterberate: 6,02 Sterbefälle/1.000 Menschen (2008)
    Geschlechtsverhältnisse:
    • bei Geburt: 1,05:1 (männlich:weiblich)
    • unter 15 Jahre alt: 1,04:1
    • 15-64 Jahre alt: 1,03:1
    • 65 Jahre alt und älter: 0,84:1
    • Gesamtbevölkerung: 0,9825:1 (2008)
    Kindersterblichkeit: 12,7 Sterbefälle/1.000 Lebendgeborene (2016)
    Lebenserwartung:
    • Gesamtbevölkerung: 73,14 Jahre
    • Männer: 70,67 Jahre
    • Frauen: 75,73 Jahre (2008)
    Gesamtergiebigkeitsrate: 1,87 Geburten/Frau (2008)
    Alphabetisierungsgrad:
    • Gesamtbevölkerung: (ab 15 Jahren) 87,4 %
    • Männer: 95,3 %
    • Frauen: 79,6 % (2008)
    Religionen: Islam > 99 % (Sunniten und Aleviten), Andere < 1 % Christentum, Judentum
    Sprachen: Türkisch und andere Turksprachen, Kurmandschi, Zazaisch, Adygeisch, Arabisch, Armenisch, Lasisch, Georgisch, Neugriechisch, Serbokroatisch, Bulgarisch und andere Sprachen
    Ethnien: (über 0,5 % der Bevölkerung) Türken/Turkvölker, Kurden, Tscherkessen, Albaner, Araber, Georgier, Bosnier

    Ethnien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Hauptartikel: Volksgruppen in der Türkei

    Die genaue ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung in der Türkei ist nicht feststellbar. Bei offiziellen Volkszählungen wird die ethnische Zugehörigkeit nicht erfasst. Bis 1965 wurden Muttersprache und Zweitsprache erfasst.

    Muslimische und nichtmuslimische Bevölkerung der Türkei, 1914–2005 (in Tausend)[8]
    Jahr 1914 1927 1945 1965 1990 2005
    Muslime 12.941 13.290 18.511 31.139 56.860 71.997
    Griechen 1.549 110 104 76 8 3
    Armenier 1.204 77 60 64 67 50
    Juden 128 82 77 38 29 27
    Andere 176 71 38 74 50 45
    Gesamt 15.997 13.630 18.790 31.391 57.005 72.120
    Anteil Nichtmuslime 19,1 % 2,5 % 1,5 % 0,8 % 0,3 % 0,2 %

    Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Die Sprachen der Türkei nach Sprachfamilien und Sprecherzahlen geordnet:[9]

    1965 Volkszählung (Sprache)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Laut der Volkszählung im Jahre 1965 betrug die Bevölkerungszahl 31.391.421. Gefragt wurde nach der Mutter- und Zweitsprache.

    Sprache Muttersprache (einzig beherrschte Sprache) Zweitsprache
    Abasinisch 4.563 280 7.556
    Albanisch 12.832 1.075 39.613
    Arabisch 365.340 189.134 167.924
    Armenisch 33.094 1.022 22.260
    Bosnisch 17.627 2.345 34.892
    Bulgarisch 4.088 350 46.742
    Pomakisch 23.138 2.776 34.234
    Tscherkessisch 58.339 6.409 48.621
    Kroatisch 45 1 1.585
    Tschechisch 168 25 76
    Niederländisch 366 23 219
    Englisch 27.841 21.766 139.867
    Französisch 3.302 398 96.879
    Georgisch 34.330 4.042 44.934
    Deutsch 4.901 790 35.704
    Griechisch 48.096 3.203 78.941
    Italienisch 2.926 267 3.861
    Kurmandschi 2.219.502 1.323.690 429.168
    Sephardisch 9.981 283 3.510
    Lasisch 26.007 3.943 55.158
    Persisch 948 72 2.103
    Polnisch 110 20 377
    Portugiesisch 52 5 3.233
    Rumänisch 406 53 6.909
    Russisch 1.088 284 4.530
    Serbisch 6.599 776 58.802
    Spanisch 2.791 138 4.297
    Türkisch 28.289.680 26.925.649 1.387.139
    Zazaisch 150.644 92.288 20.413

    Quelle: Heinz Kloss & Grant McConnel, Linguistic composition of the nations of the world, vol,5, Europe and USSR, Québec, Presses de l'Université Laval, 1984, ISBN 2-7637-7044-4

    Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Hauptartikel: Religionen in der Türkei

    Klassifikation der Religionen in der Türkei:

    Artikel 24 der Verfassung von 1982 beschränkte die Glaubensfreiheit auf das Individuum und schrieb eine strenge Trennung von Religion und Staat vor. Religionsgemeinschaften können aus dem Verfassungsabschnitt keine Rechte geltend machen.

    Die sunnitisch-islamischen Einrichtungen werden vom staatlichen Diyanet İşleri Başkanlığı, dem Präsidium für Religionsangelegenheiten, verwaltet. Es regelt die Ausbildung der etwa 100.000 Imame und Muezzine, bezahlt und erhält die Moscheen und gibt landesweit den Inhalt der zu haltenden Predigten vor. Die anderen Religionsgruppen verwalten sich dagegen selbst, erhalten weniger staatliche Unterstützung, genießen dafür aber mehr innere Autonomie.

    Nach offiziellen Statistiken sind 99,8 % der türkischen Bevölkerung Muslime. Die Schätzungen zu der Zahl der Sunniten und Aleviten schwankt stark. Demnach sind 65 bis 85 % Sunniten, die restlichen 15 bis 35 % Aleviten. Außerdem leben in der Türkei 0,1 % Christen (60.000) und 0,02 % Juden (17.000). 1918 lebten jedoch noch etwa 2.983.000 Christen auf dem Gebiet der heutigen asiatischen Türkei, davon 1.479.000 Armenier und 1,5 Millionen Griechen. 1923 wurden noch 100.000 Juden in der Türkei gezählt.

    Die offiziellen Zahlen sind falsch, weil jeder Einwohner der Türkei, wenn er nicht explizit als einer anderen Religion zugehörig erklärt wird, automatisch als Moslem erfasst wird. Ein Pendant zum Kirchenaustritt gibt es nicht, so dass auch Atheisten und Agnostiker offiziell als Moslems geführt werden. Die Zahl der nicht-religiösen Einwohner der Türkei ist daher nicht bekannt.

    Demografieziel der Türkei (2013)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    In der Türkei gibt es Vorgaben von Seiten des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan (2013): es „sollen Türkinnen mindestens drei Kinder zur Welt bringen“,[10] sowie „es sei sein Recht als Regierungschef, dies zu fordern“.

    Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    1. Türkisches Institut für Statistik
    2. siehe auch en:Immigration to Turkey
    3. Ab einschließlich 2007 nach den Angaben des Türkischen Instituts für Statistik jeweils zum 31. Dezember.
    4. Türkisches Institut für Statistik
    5. Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP): Bericht über die menschliche Entwicklung 2015. Hrsg.: Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin (undp.org [PDF; 9,3 MB; abgerufen am 1. November 2016]). Seite 247.
    6. TurkStat. TurkStat, 2013; abgerufen am 22. März 2015.
    7. Weltbank. Abgerufen am 31. Oktober 2017.
    8. Icduygu, A., Toktas, S., & Soner, B. A. (2008): The politics of population in a nation-building process: Emigration of non-muslims from turkey. Ethnic and Racial Studies, 31(2), 358-389.
    9. Ernst Kausen (2008): Die historischen und aktuellen Sprachen im Gebiet der heutigen Türkei und ihre genetische Klassifikation (DOC; 36 kB)
    10. Recep Tayyip Erdogan fordert drei Kinder pro Türkin, (Artikel vom 8. August 2013, focus.de), abgerufen am 6. Oktober 2016.