Demokratie in Bewegung

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DEMOKRATIE IN BEWEGUNG
DiB Logo.jpg
Partei­vorsitzende Julia Beerhold, Alexander Plitsch
Bundes­schatz­meisterin Melanie Matthes
Entstehung aus einer Petition auf change.org
Gründung 29. April 2017
Gründungs­ort Berlin
Haupt­sitz Brunnenstr. 64/65, 13355 Berlin
Mitglieder­zahl 322
Frauen­anteil 36,03 %
Website www.bewegung.jetzt

Demokratie in Bewegung (Eigenschreibweise DEMOKRATIE IN BEWEGUNG, Kurzform DiB) ist eine Kleinpartei in Deutschland. Basis für die Parteigründung war eine Petition auf change.org, bei der Initiatoren versprachen, als Partei im September 2017 bei der Bundestagswahl anzutreten, wenn die Petition mindestens 100.000 Unterschriften erreicht.[1] Nachdem dieses Ziel erreicht wurde, wurde am 29. April 2017 in Berlin die Partei Demokratie in Bewegung gegründet.[2]

Inhaltliches Profil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Grundsatzprogramm beruft sich die Partei auf die vier Grundwerte:

  1. Demokratie, Mitbestimmung, Transparenz
  2. Gerechtigkeit in sozialen, politischen, wirtschaftlichen und ökologischen Fragen
  3. Weltoffenheit und Vielfalt
  4. Zukunftsorientierung und Nachhaltigkeit[3]

Wahlkampf-Forderungen zur Bundestagswahl wurden auf dem 2. Bundesparteitag am 27. August 2017 in Köln verabschiedet.[4]

Die Inhalte dafür werden basisdemokratisch mit dem Initiativprinzip erarbeitet und dem Bundesparteitag zur finalen Abstimmung vorgeschlagen.[5] Zentral für die Partei ist der Ethik-Kodex, der eine Reihe von Verhaltensregeln für Parteimitglieder, „Beweger“ und Fürsprecher (Abgeordnete) niederlegt.[6]

Die Partei hat sich per Satzung eine Frauen- und Vielfaltsquote gegeben.[2][7]

Im Grundsatzprogramm sind die Eckpfeiler der Partei verankert. Die Partei unterscheidet zwischen ordentlichen Mitgliedern im Sinne des Parteiengesetzes, „Bewegern“, die auf dem sogenannten Marktplatz der Ideen eine permanente Programmentwicklung betreiben, aber kein Mitglied sein müssen und auch keine Mitgliedsbeiträge entrichten, und den Fürsprechern, die als (zukünftige) Abgeordnete die Beschlüsse dieser Basis in den Parlamenten umsetzen sollen.[3]

Transparenz und Mitbestimmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es wird von der Partei die Einführung eines Lobbyismus-Registers gefordert, um verdeckte Einflussnahme auf politische Organe zu erschweren.[8] Der Ethik-Kodex der Partei verpflichtet ihre eigenen Mitglieder zur Offenlegung ihrer Nebeneinkünfte und zu weiteren Maßnahmen, die Lobbyismus bekämpfen sollen. Ebenso nimmt sie keine Spenden von Unternehmen an.

Die Partei tritt für mehr Mitbestimmung der Bürger ein, so sollen zum Beispiel Bürgerentscheide auf Bundesebene durchgeführt werden. Ebenso soll die 5-Prozent-Hürde auf 3 Prozent abgesenkt werden, um kleineren Parteien den Einzug in den Bundestag zu erleichtern und so genauer die Meinung der Bevölkerung zu repräsentieren.

Gerechtigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Soziale Ungleichheit wird im Grundsatzprogramm thematisiert, und Gegenmaßnahmen vorgeschlagen, die von einer Reform des Hartz-IV-Gesetzes bis zur Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens[9] reichen.

Die Erhöhung des Mindestlohns auf 12 € wird von der Partei gefordert.[10] Die Arbeitsbedingungen für Leih- und Zeitarbeiter sollen verbessert werden. Das Rentensystem soll vereinheitlicht und gerechter gestaltet werden.

Familienpolitik und Gleichberechtigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Partei fordert die Stärkung des Hebammenberufes, den Ausbau der Ganztagsbetreuung für Kinder, und den Abbau der Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern, insbesondere die Abschaffung des Ehegattensplitting. Ebenso tritt sie für die Einführung einer Frauenquote in Führungsgremien ein. Gewalt gegen Frauen soll durch finanzielle Unterstützung für Hilfsorganisationen und Einrichtung von Opferschutzambulanzen bekämpft werden.

Die Partei setzt sich für die Rechte von Behinderten ein und fordert Inklusion, und zum Beispiel freie Wahl der Wohnform und Anerkennung von Gebärdensprache als Amtssprache.

Die vollständige Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen Ehe wird gefordert, die Gleichbehandlung von LSBTTIQ-Menschen soll im Grundgesetz verankert werden.

Steuerpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es wird die Anhebung des Spitzensteuersatzes, die effektivere Besteuerung großer Unternehmen und Bekämpfung der Steuerflucht, die Entlastung unterer und mittlerer Einkommensklassen, und die Einführung einer Finanztransaktionssteuer gefordert.

Gesundheitspolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut der Partei soll das Zwei-Klassen-Gesundheitswesen zugunsten einer einzigen, verpflichtenden gesetzlichen Krankenkasse abgeschafft werden, während private Krankenversicherungen Zusatzleistungen anbieten können. Das Gesundheitssystem soll modernisiert werden und die Arbeitsbedingungen darin verbessert werden. Die professionelle aktive Sterbehilfe wird befürwortet.

Außenpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Partei fordert die Stärkung des EU-Parlaments, unter anderem durch die Einführung des Initiativrechts. Langfristig tritt sie für Gründung einer europäischen, föderalen, parlamentarischen Republik ein.[11]

Bei der Aushandlung von Freihandelsabkommen wie TTIP und CETA fordert die Partei stärkere demokratische Kontrolle und Transparenz, unter anderem durch die Einsetzung einer Ethik-Kommission.

Die Partei plädiert für die Schaffung sicherer Fluchtwege für Flüchtlinge und die internationale Bekämpfung von Fluchtursachen. Die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit sollen erhöht werden.

Der Rüstungsexport soll neu geregelt und stark begrenzt werden, und in Konfliktgebiete gänzlich unterbunden werden. Atomwaffen in Deutschland sollen abgezogen werden, ein globales Atomwaffenverbot wird angestrebt.

Nachhaltigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Partei tritt für einen schnellen Umstieg auf erneuerbare Energien und eine Dezentralisierung der Energiepolitik ein. Sie möchte eine Emissionsabgabe auf Kohlendioxid und Methan einführen und so dem Klimawandel entgegenwirken.

Die ökologische Landwirtschaft soll laut Parteiprogramm gefördert werden, die Massentierhaltung, die Patentierung von lebenden Organismen und der Einsatz von Gentechnik und Glyphosat in der Landwirtschaft soll abgeschafft werden.

Bildung und Digitalisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Partei fordert, mehr Geld in Bildung zu investieren und kostenlosen Zugang zu Kindertagesstätten und Universitäten anzubieten. Die Schulbildung soll über die Bundesländer vereinheitlicht werden.

Die Anbindung der ländlichen Bereiche an das Internet soll ausgebaut werden. Die Partei will es kleineren Künstlern ermöglichen, im Wettbewerb gegenüber größeren Medienkonzernen bestehen zu können und von ihrer Kunst leben zu können.

Die Partei tritt gegen Massenüberwachung ein und steht der Online-Durchsuchung, zum Beispiel durch einen "Staatstrojaner", kritisch gegenüber.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Partei positioniert sich gegen die Privatisierung öffentlicher Infrastruktur und fordert grundgesetzlich verankerte Netzneutralität für z.B. Elektrizität, Telekommunikation, Straßen und Eisenbahn. Der Abwanderung aus ländlichen Räumen soll durch Erhöhung der Lebensqualität entgegengewirkt werden. Das Verkehrssystem soll im Sinne einer Verkehrswende gerechter und umweltfreundlicher gestaltet werden.

Organisationsstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Parteivorstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Parteivorsitzenden des Bundesverbandes sind Alexander Plitsch und Julia Beerhold. Die weiteren Mitglieder im Vorstand sind Melanie Matthes (Schatzmeisterin), Benedikt Sequeira Gerardo, Anne Isakowitsch, Lea Brunn und Mohammed Sharityar.[12]

Landesverbände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es bestehen Landesverbände in allen 16 Bundesländern. Diese wurden innerhalb von fünf Wochen nach der Gründung des Bundesverbandes entsprechend gegründet. Kurz nach Gründung des letzten Landesverbandes in Rheinland-Pfalz am 4. Juni wurden in allen 16 Bundesländern Landeslisten für die Bundestagswahl 2017 aufgestellt.[12]

Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Partei hat 322 bestätigte Parteimitglieder (Stand 12. Oktober 2017), der Frauenanteil beträgt 36,03 %. Hinzu kommen mehrere hundert bestätigte „Beweger“ auf dem Marktplatz der Ideen und dem Plenum der Beweger, die aktiv an der Ausarbeitung der Initiativen arbeiten, die dann nach der Abstimmung auf dem Bundesparteitag in das Wahlprogramm einfließen werden.[5]

Wahlergebnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bundestagswahl 2017[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Partei trat in acht Bundesländern (Bayern, Baden-Württemberg, Berlin, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Sachsen-Anhalt) zur Bundestagswahl 2017 an.[13] Sie errang bundesweit 60.826 Zweitstimmen, was 0,1 % entspricht.[14] Ihre besten Ergebnisse erreichte die Partei in den beiden Bundesländern Hamburg und Berlin mit jeweils 0,4 %. Ihr bestes Wahlkreisergebnis erhielt sie im Berliner Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg – Prenzlauer Berg Ost mit 0,7 %.[15]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 2017: Ein Neuanfang für Demokratie und Gerechtigkeit! (Petition auf change.org)
  2. a b Satzung vom 29. April 2017
  3. a b Grundsatzprogramm (Eigendarstellung auf der Website, abgerufen am 18. August 2017)
  4. Dein Programm (Eigendarstellung auf der Website, abgerufen am 18. August 2017)
  5. a b So funktioniert das Initiativprinzip (Eigendarstellung auf der Website, abgerufen am 18. August 2017)
  6. Unser Ethik-Kodex (Eigendarstellung auf der Website, abgerufen am 18. August 2017)
  7. Wir sind die erste Partei mit Vielfaltsquote (Eigendarstellung auf der Website, abgerufen am 18. August 2017)
  8. [1](Initiative zur Einführung eines verbindlichen Lobbyregisters, Website der Partei, abgerufen am 10. September 2017)
  9. [2](Initiative zur Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens, Website der Partei, abgerufen am 10. September 2017)
  10. [3](Initiative zur Erhöhung des Mindestlohns, Website der Partei, abgerufen am 10. September 2017)
  11. [4](Initiative zur Gründung der Vereinigten Staaten von Europa, Website der Partei, abgerufen am 10. September 2017)
  12. a b Partei (Eigendarstellung auf der Website, abgerufen am 18. August 2017)
  13. Zugelassene Landeslisten (Übersicht auf www.wahlrecht.de, abgerufen am 18. August 2017)
  14. Tabelle Erststimmen und Zweitstimmen bundeswahlleiter.de
  15. Bundestagswahl 2017, Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg – Prenzlauer Berg Ost bundeswahlleiter.de

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]