Demokratische Fortschrittspartei (Taiwan)

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民主進步黨
Demokratische Fortschrittspartei
DPP-Taiwan.svg
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DPP-Flagge (Taiwan).svg
Flagge


Tsai Ing-wen 2009.jpg
Partei­vorsitzende Tsai Ing-wen
Gründung 28. September 1986
Haupt­sitz Taipei
Aus­richtung Zentrismus, Liberalismus, Unabhängigkeit Taiwans
Farbe(n) Grün
Parlamentssitze 68 von 113
Website www.dpp.org.tw

Die Demokratische Fortschrittspartei (DPP, chinesisch 民主進步黨, Pinyin Mínzhǔ Jìnbù Dǎng, kurz chinesisch 民進黨, Pinyin Mínjìndǎng, englisch Democratic Progressive Party) ist eine Partei in der Republik China auf Taiwan. Die als Opposition zur Kuomintang gegründete Partei stellte von 2000 bis 2008 mit Chen Shui-bian den Präsidenten der Republik China. Bei den Präsidentschaftswahlen 2008 und 2012 unterlagen die DPP-Kandidaten Hsieh Chang-ting (2008) bzw. Tsai Ing-wen (2012) gegen Ma Ying-jeou von der Kuomintang. Die Präsidentschaftswahlen 2016 gewann Tsai dann jedoch mit deutlichem Vorsprung gegenüber den Kandidaten der Kuomintang und Qinmindang.[1]

Geschichte und politische Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die DPP wurde im September 1986 aus der Oppositionsbewegung Dangwai heraus entgegen dem bestehenden Parteienverbot gegründet. Im selben Jahr noch nahm sie (als illegale Partei) an den nationalen Zusatzwahlen zu Nationalversammlung und Legislativ-Yuan teil und erlangte dabei einen Achtungserfolg.

Die Dangwai entstand in den 1970er-Jahren, als ab 1972 regelmäßig Zusatzwahlen durchgeführt wurden. Diese Zusatzwahlen boten der Opposition eine politische Bühne. Nach den Achtungserfolgen bei den Wahlen 1977 bewegte sich die Dangwai auf eine Institutionalisierung in Form einer Parteigründung zu. Vor dem Hintergrund der Schließung der US-Botschaft in Taipeh 1979 suspendierte die Regierung die für 1979 anstehenden Zusatzwahlen, woraufhin es zu einer Radikalisierung der Dangwai-Bewegung und zu dem Kaohsiung-Vorfall kam.

In der Folge wurden zahlreiche Oppositionsführer inhaftiert, unter anderem auch die spätere Vizepräsidentin der Republik China, Lü Xiulian. Der Ruf nach politischen Reformen aus Washington, das Bekanntwerden zahlreicher Menschenrechtsverletzungen durch die Regierung in Taipeh und der damit verbundene Ansehensverlust machten es der Regierung jedoch unmöglich, eine Stabilisierung der Dangwai in den 80er Jahren zu verhindern. Im Rahmen des spätestens ab 1986 einsetzenden Demokratisierungsprozesses in Taiwan formierte sich dann die DPP, die Ende der 1980er Jahre legalisiert wurde.

Nachdem 1992 erstmals demokratische Wahlen abgehalten wurden, errang die Partei in den 1990ern zahlreiche Wahlerfolge und stellte von Mai 2000 bis Mai 2008 mit Chen Shui-bian zum ersten Mal den Präsidenten. Nach der Wahlniederlage des Kandidaten Hsieh Chang-ting gegen den Kuomintang-Kandidaten Ma Ying-jeou im Jahr 2008 befand sich die DPP in der Opposition. Bei der Parlamentswahl im Jahr 2012 erreichte die Partei 35,4 % der Stimmen und war mit 40 von 113 Sitzen im Parlament vertreten.[2] Am 15. April 2015 nominierte die DPP ihre Vorsitzende Tsai Ing-wen zum zweiten Mal als Kandidatin für die Präsidentenwahl 2016,[3] die sie mit deutlichem Vorsprung am 16. Januar 2016 gewann.[1] Bei der am selben Tag abgehaltenen Parlamentswahl gewann die DPP erstmals auch die absolute Mehrheit der Parlamentsmandate.

Im Gegensatz zu weiten Teilen der chinafreundlichen Kuomintang betont die DPP die lokale taiwanische Identität und tritt für die Bewahrung der Souveränität Taiwans, die, wenn auch unter dem Namen Republik China, nach Ansicht der Partei längst Realität sei [4] (siehe auch Taiwan-Konflikt).

Liste der Vorsitzenden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Chiang Peng-chian (1986–1987)
  2. Yao Chia-wen (1987–1988)
  3. Huang Shin-chieh (1988–1992)
  4. Hsu Hsin-liang (1992–1993)
  5. Shih Ming-teh (1994–1996)
  6. Hsu Hsin-liang (1996–1998)
  7. Lin Yi-hsiung (1998–2000)
  8. Hsieh Chang-ting (2000–2002)
  9. Chen Shui-bian (2002–2004)
  10. Su Tseng-chang (2005)
  11. Yu Shyi-kun (2006–2007)
  12. Chen Shui-bian (2007–2008)
  13. Tsai Ing-wen (2008–2012)
  14. Su Tseng-chang (2012–2014)
  15. Tsai Ing-wen (2014–)

Bisherige Wahlergebnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das taiwanische Wahlrecht ist eine Mischung aus Verhältniswahl und personalisierter Mehrheitswahl. In der folgenden Tabelle sind der Parteilisten-Stimmenanteil und die Gesamtzahl der gewonnenen Sitze (über Parteilisten und Wahlkreise) aufgeführt.

Jahr Wahl Stimmen-
anteil
Parlaments-
sitze
1992 Legislativ-Yuan 1992 31,0 %
51/161
1995 Legislativ-Yuan 1995 33,2 %
54/164
1998 Legislativ-Yuan 1998 29,6 %
70/225
2001 Legislativ-Yuan 2001 33,4 %
87/225
2004 Legislativ-Yuan 2004 35,7 %
89/225
2008 Legislativ-Yuan 2008 36,9 %
27/113
2012 Legislativ-Yuan 2012 34,6 %
40/113
2016 Legislativ-Yuan 2016 44,1 %
68/113

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rigger, Shelley: From Opposition to Power: Taiwan's Democratic Progressive Party. Lynne Rienner Publishers, Boulder/London 2001, ISBN 1-55587-969-1
  • Wachman, Alan M.: Taiwan: National Identity and Democratization. M. E. Sharpe, Armonk, New York 1994, ISBN 1-56324-399-7
  • Weyrauch, Thomas: Chinas unbeachtete Republik. 100 Jahre im Schatten der Weltgeschichte. Band 2 (1950–2011) . Longtai 2011, ISBN 978-3-938946-15-2
  • Thomas Weyrauch: Taiwans gemeinsame Farbe. Das demokratische Profil der Republik China. Heuchelheim: Longtai 2015, ISBN 978-3-938946-26-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Demokratische Fortschrittspartei – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Taiwan wählt den Machtwechsel. In: Zeit Online. 16. Januar 2016; abgerufen am 18. Januar 2016.
  2. 2012 ELECTIONS: KMT maintains majority. In: Taipei Times. 15. Januar 2012; abgerufen am 18. Januar 2016 (englisch).
  3. DPP nominates Tsai as 2016 candidate. In: Taipei Times. 16. April 2015; abgerufen am 18. Januar 2016 (englisch).
  4. DPP Chair Tsai Ing-wen’s Comments on Proposed Freeze of Independence Platform. In: dpptaiwan.blogspot.tw. Abgerufen am 22. Juli 2014.