Demokratischer Konföderalismus

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Schematische Darstellung des Rätesystems in Rojava

Der Demokratische Konföderalismus ist das politische Leitkonzept der de facto autonomen Föderation Nordsyrien – Rojava.

Er ist die Eigenbezeichnung der Ideologie der Koma Civakên Kurdistan (KCK) sowie des Kongra-Gel und aller Mitgliedsorganisationen der Untergrundorganisation Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) zur Bildung einer nichtstaatlichen Gesellschaft in Kurdistan. Dieses System soll eine demokratisch-ökologische Zivilgesellschaft im Nahen Osten schaffen, die keine Staatsgründung zum Ziel haben soll, sondern die Abschaffung des Staates und aller Hierarchien. Angestrebt wird dabei nicht eine kurdische Eigenstaatlichkeit und auch keine Konföderation von Teilstaaten, sondern der Aufbau einer Selbstverwaltung durch kommunale Basisorganisierung und ohne die bestehenden Staatsgrenzen anzutasten.[1] Diese soll erreicht werden durch eine gleichberechtigte Föderation von Regionen, Kantonen, Städten und Kommunen. Ideologisch ist diese Strömung dem libertären Kommunalismus zuzurechnen.

Diese Weltanschauung formulierte, der in Imrali inhaftierte, Abdullah Öcalan. Er wurde dabei von den Schriften Murray Bookchins inspiriert.[2]

Historie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Region Kurdistan (im Nord-Irak) etablierte ihre Teilautonomie unter kurdischer Verwaltung 2005, laut Verfassungsschutz Niedersachsen, ohne Einfluss der PKK. Unter diesem Eindruck ersetzte Abdullah Öcalan das Konzept des eigenständigen Kurdistan durch die Idee des demokratischen Konföderalismus. Dieser galt als Ideologie der 2005 gegründeten Konföderation der kurdischen Gemeinschaften ("Koma Komalen Kurdistan", KKK). Sie ist Vorläufer der Koma Civakên Kurdistan (KCK)[3] und ihre Gründung fällt zeitlich nah mit der Auflösung der PKK zusammen[4]. Dieses neue Konzept sah zur Lösung der Kurdenfrage im Nahen Osten, eine Autonomie der kurdischen Gebiete innerhalb der vier von Kurden besiedelten Staaten (Iran, Irak, Syrien und Türkei) vor.[5]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Essentiell für demokratischen Föderalismus ist Selbstverwaltung. So sollen selbst kleinste Gemeinschaften dazu in die Lage versetzt werden ihr Leben auf allen Ebenen selbst zu organisieren. Kommunen bilden dabei die unterste Ebene. Sie können auch aus wenigen Strassenzügen, ganzen Stadtvierteln oder kleinen Dörfern bestehen. Deren Bewohner versammeln sich regelmäßig, besprechen Probleme, finden Lösungen und entsenden Abgesandte in die übergeordneten Räte.

In allen Kommunen existieren spezifische Fachkommissionen(Frauen, Jugend, Wirtschaft, Verteidigung usw.). Sie koordinieren sich auch überregional. Kommunen erledigen öffentliche Aufgaben in Eigenregie. Dies reduziert die Bildung staatlicher, hierarchischer Organisationsformen auf ein Minimum.[6]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gesamtbevölkerung soll die Möglichkeit haben an der Produktion und Verteilung von Gütern teil zu haben. Arbeitslosigkeit trage im Kapitalismus zur Unterdrückung der Arbeitenden Menschen bei und solle im demokratischen Konföderalismus beseitigt werden. Daher sollen die Bedürfnisse aller durch gemeinsames Arbeiten aller über dem Profit Einzelner stehen. Frauen Kooperativen sollen dazu dienen die Abhängigkeit der Frau vom Mann zu überwinden.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Abdullah Öcalan: Jenseits von Staat, Macht und Gewalt. Monographie, Edition Mezopotamya. Unrast Verlag, 2019. ISBN 978-3-89771-854-8.
  • Abdullah Öcalan: Demokratischer Konförderalismus. Broschüre. International Initiative Edition, 2012. ISBN 978-3941012486.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Abdullah Öcalan: Demokratischer Konföderalismus.
  2. America’s Best Allies Against ISIS Are Inspired By A Bronx-Born Libertarian Socialist
  3. Mitja Sienknecht: Entgrenzte Konflikte in der Weltgesellschaft: Zur Inklusion internationaler Organisationen in innerstaatliche Konfliktsysteme. Springer-Verlag, 2017, ISBN 978-3-658-19720-9 (google.de [abgerufen am 18. Februar 2021]).
  4. Landesamt für Verfassungsschutz BaWü: Ausländerextremismus. August 2007, abgerufen am 18. Februar 2021.
  5. Ursprung & Entwicklung | Verfassungsschutz Niedersachsen. Abgerufen am 18. Februar 2021.
  6. Perspektive Rojava / Solidaritätskomitee Münster (Hrsg.): Rojava kennen und lieben Lernen ein politischer Landesführer. 2. Auflage. Münster Dezember 2020, S. 21–23.
  7. Solidaritätskomitee Münster: Rojava- kennen und lieben lernen ein politischer Landesführer. Hrsg.: Perspektive Rojava/ Solidaritätskomitee Münster. 2. Auflage. Münster Dezember 2020, S. 51.