Dene-Kaukasisch

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Dene-Kaukasisch bezeichnet eine hypothetische Makrofamilie von Sprachen Eurasiens und Nordamerikas. Wesentliche Mitglieder sind das Sinotibetische, die nordkaukasischen Sprachen und das Baskische. Später wurden auch die nordamerikanischen Na-Dene-Sprachen mit einbezogen.[1]

  • Die dene-kaukasische Makrofamilie ist rotbraun eingezeichnet

Zusammensetzung[Bearbeiten]

Die Zusammensetzung des Dene-Kaukasischen unterliegt je nach Autor einigen Schwankungen. Die folgende Aufstellung gibt die heutige Mehrheitsmeinung der „Dene-Kaukasisten“ wieder. Die Komponenten werden von West nach Ost angeordnet.

Von einigen Vertretern dieser Strukturierung werden auch die ausgestorbenen Sprachen Hattisch, Hurritisch und Sumerisch, sowie das in Zentralindien von etwa 5.000 Menschen gesprochene Nahali hinzugerechnet. Nordkaukasisch stellt für die meisten Dene-Kaukasisten eine genetische Einheit dar (vgl. dagegen die Mehrheitsmeinung im Artikel Kaukasische Sprachen).

Die Sprachen dieser Makrofamilie zeigen häufig die Eigenschaft der Ergativität.(Nominativ-Akkusativ-Sprachen haben durchgehend einen Kasus – den „Nominativ“ – für das Subjekt eines Satzes und einen anderen Kasus „Akkusativ“ für das direkte Objekt. Sie entsprechen damit der Situation in den indogermaischen Sprachen. Dagegen besitzen Ergativsprachen einen Kasus „Ergativ“, der nur als Subjekt oder Agens transitiver Verben benutzt wird, und einen weiteren Kasus – meist „Absolutiv“ genannt – der sowohl als Objekt transitiver Verben als auch als Subjekt intransitiver Verben verwendet wird. Wenn die Ergativ-Absolutiv-Konstruktion in einer Sprache nicht für alle Tempora, Aspekte und Personen gleichermaßen verwendet wird, spricht man von gespaltener Ergativität oder vom Split-Ergativ.).

Historische Entwicklung[Bearbeiten]

Die Annahme einer dene-kaukasische Makrofamilie basiert auf der Hypothese einer sino-kaukasischen Makrofamilie, die Sergej Starostin 1984 begründete. Dabei ging er von einer genetischen Beziehung des – als Einheit aufgefassten – Nordkaukasischen mit dem sibirischen Jenisseischen und dem Sinotibetischen aus, die auf seinen Rekonstruktionen der jeweiligen Protosprachen beruht. Später wurde diese Makrofamilie um einige altorientalische Komponenten (Hurritisch-Urartäisch, Hattisch, Sumerisch u.a.), das Baskische (1985) und schließlich durch Sergei L. Nikolajew 1988 um die nordamerikanischen Na-Dené-Sprachen zur dene-kaukasischen Makrofamilie erweitert. In den 1920er Jahren hatte bereits der Amerikanist Edward Sapir die Verwandtschaft des Na-Dené mit dem Sinotibetischen beschrieben, aber nicht veröffentlicht.

Verbreitung der Na-Dené-Sprachen

Weitere wichtige Namen die, die Klassifikation des Dene-Kaukasischen im 20. Jahrhundert vorantrieben waren neben Edward Sapir noch Alfredo Trombetti, Robert Bleichsteiner, Karl Bouda, E. J. Furnée, René Lafon, Robert Shafer, Olivier Guy Tailleur, Morris Swadesh, Wladimir Nikolajewitsch Toporow, um die wichtigsten Namen zu nennen.

Gemeinsame Pronominalmorpheme[Bearbeiten]

Meaning Proto-Dene-Kaukasisch Proto-
Baskische
Proto-
Kaukasische
Proto-
Burushaski
Proto-
Sinotibetische
Proto-
Jenisseische
Na-Dené Proto-
Salishan
Proto-
Algisch
Sumerisch
1st sg. /ŋV/ /ni/, /n/- /nɨ/[1] /a/- /ŋaː/- /ŋ/ /nV/ /nˀV/- /ŋa(e)/[2]
/d͡zV/ -/da/-, -/t/ /zoː/ /d͡ʑa/ /ʔad͡z/ [3] -/t͡s(a)/-, -/s/[4]
/KV/ /gu/[5], /g/- (pl.) /ka/- [6]
2nd sg. /KwV/ /hi/, /h/-, -/ga/-[7] /ʁwVː/ /gu/-~/go/- /Kwa/- /(V)k(V)/ [8] /ʔaxʷ/ /k̕V/-
/u̯Vn/ -/na/-[9] /u̯oː-n/ /u-n/ /na-(ŋ)/ /ʔaw/ [10] /wV/
3rd sg. /w/- or /m/- /be-ra/ /mV/ /mu/-[11] /m/- /wV/ [12]
2nd pl. /Su/ /su/, /s/- /ʑwe/ /t͡sa(e)/[13]

Fußnoten: 1 Aus kaukasischer Sicht allein lässt sich das Wort nicht für eine Proto-Kaukasische - oder Proto-Ostkaukasische Sprache rekonstruieren, es wird lediglich Europäischer Beweise allein kann dieses Wort nicht für proto Caucasian oder Proto-East Caucasian rekonstruiert werden; es wird nur in der Lakische Sprache und der Darginische Sprache gefunden (Bengtson 2008:94) 2 Der finale Laut /e/ wurde in sumerischen Pronomen gefunden und stellte eine ergative Endung dar. Im sumerischen Emesal-Dialekt /ma(e)/. 3 Proto-Athapaskische Sprachen */ʃ/, Haida dii /dìː/. 4 Ebenso in Proto-Süd Wakashan. 5 1st pl.. 6 Tlingit xa /χà/, Eyak /x/-, /xʷ/. 7 Maskuliner Verbpräfix. 8 Proto-Athapaskische Sprachen */χʷ/-, Tlingit ÿi /ɰi/ > yi /ji/ = 2nd pl.; Tlingit i /ʔì/, Eyak /ʔi/ "thou". 9 Femininer Verbpräfix. 10 Proto-Athabaskan */ŋ̰ən/-, Haida dang /dàŋ/, Tlingit wa.é /waʔɛ́/, where the hypothesis of a connection between the Proto-Athabaskan and Haida forms on the one hand and the rest on the other hand requires ad hoc assumptions of assimilation and dissimilation (Bengtson 2008: 94). 11 Feminin. 12 Proto-Athapaskische Sprachen */wə/-, Eyak /wa/-, Tlingit /wɛ́/, Haida 'wa /wˀà/. 13 2nd sg.

Akzeptanz[Bearbeiten]

Da bereits die sinotibetische Protosprache wahrscheinlich ein Alter von 10.000 Jahren aufweist, müsste eine dene-kaukasische Protosprache mindestens 20.000 Jahre alt sein, bei ihrer extrem weiten geographischen Verbreitung wahrscheinlich noch älter. Von der Mehrheit der Linguisten wird bezweifelt, dass sich nach so langer Zeit noch substantielle Gemeinsamkeiten der Phonetik, Grammatik und des Wortschatzes nachweisen lassen. Die Ergebnisse der Dene-Kaukasisten werden deswegen von der Mehrheit der historischen Sprachwissenschaft nicht akzeptiert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Die Fachzeitschrift Mother Tongue behandelt regelmäßig dene-kaukasische Themen. Besonders wichtig sind die Beiträge in den Ausgaben I–V (1995–1999).
  • S. A. Starostin: Gipoteza o genetičeskij svjazjax sinotibetskix jazykov s enisejskimi i severnokavkazskimi jazykami. Moskau 1984.
  • Vitaly Shevoroshkin (Hrsg.): Dene-Sino-Caucasian Languages. Brockmeyer, Bochum 1991.
    (Enthält die englische Übersetzung von Starostins russischem Originalartikel über das Sino-Kaukasische von 1984 und den Artikel Sino-Caucasian Languages in America von Sergej Nikolajev, in dem die Na-Dené-Sprachen dem Sino-Kaukasischen hinzugefügt werden.)
  • Vitaly Shevoroshkin and Alexis Manaster Ramer: Some Recent Work in the Remote Relations of Languages. In: Sydney M. Lamb and E. Douglas Mitchell (Hrsg.): Sprung from Some Common Source. Investigations into the Prehistory of Languages. Stanford University Press, Stanford (Calif.) 1991.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. John D. Bengtson: Materials for a Comparative Grammar of the Dene–Caucasian (Sino-Caucasian) Languages. (2008) Aspects of Comparative Linguistics 3, Moscow: RSUH Publishers, S. 45–118