Denis Scheck

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Denis Scheck moderiert auf der ARD-Hauptbühne der Frankfurter Buchmesse 2018

Denis Scheck (* 15. Dezember 1964 in Stuttgart) ist ein deutscher Literaturkritiker, Übersetzer und Journalist in Hörfunk und Fernsehen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denis Scheck 2010

Jugend und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denis Scheck gründete bereits mit 13 Jahren eine Literaturzeitschrift namens Newlands.[1]

Er studierte Germanistik, Zeitgeschichte und Politikwissenschaft an den Universitäten Tübingen und Düsseldorf und an der University of Texas in Dallas und wurde vom dortigen Center for Translation Studies mit einer Arbeit über Heinrich von Kleists Michael Kohlhaas und E. L. Doctorows Ragtime zum Master of Arts graduiert.

Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denis Scheck ist als Literaturagent, Übersetzer US-amerikanischer und britischer Autoren, Herausgeber und freier Kritiker tätig. Von 1997 bis 2016[2] war er Literaturredakteur beim Deutschlandfunk, wo er regelmäßig die Sendung Büchermarkt moderierte und jeweils freitags die Bestsellerliste des Spiegel kommentierte. Sein Nachfolger beim Deutschlandfunk ist Jan Drees. Scheck kündigte die Stelle, um ab September 2016 die Moderation des Kulturmagazins Kunscht![3] sowie der Literatursendung lesenswert im Fernsehprogramm des Südwestrundfunks zu übernehmen. Den Fernsehzuschauern ist er vor allem als Moderator des Büchermagazins Druckfrisch bekannt, das seit dem 9. Februar 2003 monatlich im Ersten ausgestrahlt wird.[4]

2000 wurde Denis Scheck mit dem Kritikerpreis des Deutschen Anglistentages ausgezeichnet. Von 2000 bis 2002 gehörte er der Jury des Ingeborg-Bachmann-Preises in Klagenfurt an. 2004 übernahm er für zwei Semester eine Gastprofessur für Literaturkritik an der Universität Göttingen.[5]

2007 erhielt Scheck die Übersetzerbarke vom Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke, VdÜ, „für sein anhaltendes, nicht nur von Sachkenntnis getragenes, sondern auch mit Witz und Charme vorgetragenes Engagement für die Belange der Literaturübersetzer, insbesondere in deren langjähriger Auseinandersetzung mit den Verlagen um eine angemessene Vergütung ihrer Arbeit.“

Dem Europäischen Übersetzer-Kollegium des Landes NRW, EÜK, ist Scheck persönlich eng verbunden, er moderiert dort häufig, z. B. die Straelener Atriums-Gespräche.[6]

Von 2014 bis 2016 war Scheck einer von drei Juroren beim Bayerischen Buchpreis.

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autogramm von Denis Scheck (Oktober 2019)

Denis Scheck ist seit 2014 mit der Journalistin Christina Schenk (* 1980) verheiratet, mit der er eine Sammlung von Aphorismen von Oscar Wilde herausgegeben hat.[7]

Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seinem Verriss des Romans Ein alter Traum von Liebe von Nuala O’Faolain, der wenige Tage zuvor von Elke Heidenreich hochgelobt worden war, bezeichnete Heidenreich Scheck in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung im Jahr 2003 als „hysterisches Rolltreppendickerchen“ und „Tchibo-Literatur-Vertreter“. Heidenreich hatte Schecks abschließenden Kommentar, das Buch sei das Richtige für „eine alte Schachtel“, auf sich bezogen. Scheck bestritt, dass er Heidenreich gemeint habe, sagte aber auch: „Ich sehe sie […] nicht als Kollegin, weil sie eben keine Literaturkritikerin ist. Bei ihr ist Literatur ein Mittel gegen seelische Blessuren. Für mich ist Literatur nicht dazu da, um uns über unsere Seelenwehwehchen hinwegzutrösten.“[8] Mittlerweile haben sich Scheck und Heidenreich jedoch wieder versöhnt und erkundigen sich, da beide in Köln leben und sich als Hundebesitzer gelegentlich auf der Straße beim Gassi gehen begegnen, nach dem Wohlergehen des jeweils Anderen.

Scheck kritisierte die Entscheidung der Verlage Oetinger und Thienemann, das Wort „Neger“ aus bestimmten Kinderbüchern von Otfried Preußler und Astrid Lindgren zu streichen, und sprach von einem „feigen vorauseilenden Gehorsam vor den Tollheiten einer auf die Kunst übergriffigen politischen Korrektheit“.[9] Um seine Meinung kundzutun, trat er in seiner Sendung im Januar 2013 im Blackface im Stile einer Minstrel Show auf – mit schwarzgeschminktem Gesicht, roten Lippen und weißen Glaceehandschuhen.[10] Es folgte eine Debatte, bei der Scheck Rassismus oder zumindest ein verletzender Rückgriff auf rassistische Traditionen vorgeworfen wurde.[11]

Kanon[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein sehr persönlicher, teilweise unorthodoxer 2019 erschienener Literaturkanon, eine Auswahl von 100 Büchern,[12] enthält keinen Schiller, dafür unter anderem Carl Barks' Donald Duck (Die Wette), Khalil Gibran (Werke), Arno Schmidt (Zettels Traum), Hergé (Tim und Struppi), Inger Christensen, Dorothy L. Sayers (Mord braucht Reklame), Agatha Christie (Tod auf dem Nil), Charles M. Schulz (Peanuts), Selma Lagerlöf (Nils Holgerson), Clarice Lispector, Herta Müller (Atemschaukel), Ngũgĩ wa Thiong’o (Herr der Krähen), James Tiptree junior (Liebe ist der Plan, der Plan ist Tod), Ursula K. LeGuin (Planet der Habenichtse), J. R. R. Tolkien (Herr der Ringe), Astrid Lindgren (Herr Karlsson vom Dach), Joanne K. Rowling (Harry Potter), Hypatia, von der zwar keine Schrift erhalten ist, die er aber als Symbol für verfolgte Autoren nimmt, deren Werk nicht überdauerte. Die Sammlung beruht auf einer Kolumne in der Welt und Radiosendungen (SWR, WDR). Als Ausgleich für das Weglassen von Schiller führt er dessen Zitierung (in Abwandlung des Rüttlischwurs aus Wilhelm Tell) in einem Donald Duck Comic an und er ist stolz darauf, dass die deutsche Übersetzerin Erika Fuchs ihn auch in einem Comic untergebracht hat, im Namen der Spielwarenhandlung Scheck (Donald Duck: Mal sehen was der gute Scheck mal wieder auf Lager hat).[13] Auf seiner Liste ist nur ein Sachbuch (Darwins Entstehung der Arten).

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herausgeberschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Grimes reist in die Unendlichkeit. 1983.
  2. Grimes auf El Dorado. 1983.
  3. Grimes macht Karriere. 1983.
  4. Grimes im Paradies des Todes. 1983.
  5. Grimes bei den Rebellen von Sparta. 1984.
  6. Grimes und die vergessene Kolonie. 1984.
  7. Grimes und die Liebesdroge. 1984.
  8. Grimes gegen die Piratenkönigin. 1984.
  9. Grimes in gefährlicher Mission. 1984.
  10. Grimes, Freibeuter des Weltraums. 1985.
  11. Grimes und die letzte Amazone. 1985.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Denis Scheck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kerstin Decker: Der Müllwerker. Porträt über Denis Scheck. In: Tagesspiegel. 18. März 2012.
  2. Der Literaturjournalist Jan Drees wird ab 15. Juli neuer Literaturredakteur im Deutschlandfunk. Deutschlandfunk-PM vom 14. Juli 2016.
  3. René Martens: Denis Scheck moderiert jetzt „Kunscht“: Nur nicht rammdösig werden. In: die tageszeitung. 2016 (taz.de [abgerufen am 9. September 2016]).
  4. „So etwas wie die Stiftung Warentest“ – der Literaturkritiker Denis Scheck. (Memento vom 12. April 2013 im Webarchiv archive.today) Porträt auf der Website des Goethe-Instituts, abgerufen am 1. November 2010.
  5. Denis Scheck übernimmt Gastprofessur für Literaturkritik in Göttingen Presseinformation vom 23. Januar 2004.
  6. Scheck in der Suchmaske des EÜK
  7. Christina Schenk. Kurzbiographie der Journalistin und Verlagswirtin Christina Schenk auf www.suhrkamp.de
  8. Lesen und lesen lassen. auf: taz.de, 2. April 2004.
  9. Mit schwarzem Gesicht für den „Neger“. In: Süddeutsche Zeitung. 28. Januar 2013.
  10. Debatte um schwarz geschminkten Denis Scheck. In: Der Tagesspiegel. 30. Januar 2013.
  11. Rassismus-Debatte: Die Maske des Denis Scheck. In: Spiegel Online. 31. Januar 2013.
  12. Denis Schecks Kanon der Weltliteratur
  13. Literaturkritiker Denis Scheck - „Kein Sex in Entenhausen!“, Interview mit Sarah Maria Deckert, Cicero, abgerufen am 14. Januar 2020
  14. Literaturkritiker Denis Scheck erhält Sonderpreis für Druckfrisch. abgerufen am 25. Februar 2013.
  15. Denis Scheck mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. abgerufen auf daserste.de am 3. Juli 2014.
  16. Hildegard-von-Bingen-Preis für Publizistik 2014 für Denis Scheck. (Memento vom 13. März 2014 im Internet Archive) (PDF)
  17. Heinrich von Kleist; E L Doctorow;